Massentourismus, Armut und Plastikkultur

Trip Start Oct 01, 2010
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Trip End Ongoing


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Flag of United States  , Hawaii
Wednesday, May 4, 2011

Während den rund neun Stunden Flug von Sydney nach Honolulu in Hawaii überschreiten wir, ostwärts fliegend, die Datumsgrenze, so dass wir heute noch gerade einmal den vierten Mai haben. Ziemlich abgefahren ist die Vorstellung, dass hier in Hawaii ostwärts mehr als 3'600 Kilometer Meer bis zum amerikanischen, sowie westwärts 6'600 Kilometer bis zum japanischen Festland liegen, und die kleine Inselgruppe Hawaii aus der Tiefe von zirka 5‘000 Meter unter dem Meeresspiegel vor Jahrmillionen aus Magma entstanden ist (mehr Details siehe Eintrag Volcano). Beim Anflug der Insel O'ahu erfreuen wir uns an dem faltigen Gebirge und am grün leuchtenden Wald, umgeben von blau strahlendem Meer. Doch gleich beim Flughafen von Honolulu breiten sich die urbanen Spuren heftig in alle Richtungen aus; auf dieser 1‘560 Quadratkilometer kleinen Insel O'ahu leben rund 900‘000 Menschen (zum Vergleich die Schweiz: 41‘285km2 / 7.9 Mio)! Auf dem kurzzeitig vierspurigen Highway stehen wir mit unserem Taxi auch schon bald im stockenden Verkehr, und wir sind froh, in nur zwei Tagen gleich weiter auf Hawai‘i Big Island zu flieh(g)en, welche mit 10‘430 Quadratkilometer und 150‘000 Einwohner massiv dünner besiedelt ist (563 vs. 17 Einwohner pro km2!).



















Im unweit vom Waikiki Beach gelegenen EWA Hotel checken wir ein, und nach einem erholsamen Nickerchen gehen wir erstmals das neue Land ein wenig beschnuppern. Nur 150 Meter entfernt vom Hotel liegt der Kuhio Beach. Wunderschön, gleich hinter der viel befahrenen Strasse und einem schön gestalteten Fussweg, anschliessendem Kurzrasen und vereinzelten hochgewachsenen Palmen zieht sich der hellbeige Strand fort. Dieser wird aufgrund des steilen Abfalls bald einmal vom klaren azurblauen Meerwasser in seiner Schönheit herausgefordert. Gegenwärtig haben sich fürs Gemüt noch erträglich viele Menschen angesammelt. Man erkennt die hier herrschende Surfkultur sofort. Viele Personen tragen ihre Surf- oder Boogieboards unter dem Arm, wenn sie nicht gerade unweit draussen auf Wellenjagd sind, gemütlich herumsitzen oder diskutieren, wohl auch über die eine oder andere Welle. Auffallend ist, wie viele Japaner und andere Asiaten sich hier nebst den Amerikanern und Polynesiern, die Ureinwohner Hawaiis, aufhalten.































Den ersten Hunger stillen wir gleich mit Fastfood. Ich teste den hier berühmten Loco Moco: Reis mit einem Burger, Bratensauce und Spiegelei obendrauf, Kalorien garantiert! Schmecken tuts nicht sonderlich. Hingegen beeindruckt uns etwas ganz anderes. Während unseren vielleicht zwanzig Minuten Sitz-Zeit beobachten wir zuerst zwei Personen unabhängig voneinander beim Durchsuchen der Abfalltonnen. Sie sammeln PET oder Aludosen ein, welches vermutlich diesen offenbar armen Leuten ein wenig Kleingeld zum Überleben bietet. Kurz darauf wird ein nach Nahrung suchender Herr fündig und entnimmt dem Abfalleimer eine Schachtel, in welcher irgendjemand Essensreste zurückgelassen hat. Nur wenige Sekunden später folgt noch eine arme Frau. Auch sie wird mit zwei Plastikboxen fündig, setzt sich ungeniert an einen Tisch und kratzt zusammen, was Andere nicht fertig zu essen vermochten! Das setzt uns doch ein bisschen zu, die andere Seite von Hawaii. Ja wir sind in Amerika und hier gibt es keine Sozialsysteme, wie wir es aus der Schweiz oder Deutschland kennen. Der Hunger treibt die Menschen hier dazu, über den Schatten zu springen und den Ekel abzulegen, Angekautes von Fremden fertig zu essen. Dies ist ein Teil der Realität, auch hier im Paradies Hawaii. Uns fällt auch der Gedanke ein, dass wir dies in all zuvor bereisten Ländern, insbesondere Kambodscha und Thailand, nie zu Gesicht bekamen (was nicht heissen will, dass dies nicht auch stattfindet, jedoch scheinbar nicht so offensichtlich).
















Kurz später schauen wir dem Treiben am und um den Strand zu. Surfchicks und -boys, Wellen, Asiaten, Silikonbrüste, Sixpacks, sexy Hintern, sowie sehr korpulente Personen sind zu beobachten. Der Sonnenbrand schafft es hier noch ganz gut, ein Massenphänomen zu sein.


Um an den berühmten Waikiki Beach zu gelangen müssen wir uns auf einem kaum auffindbaren, sich zwischen Hotels zwängenden schmalen Weg begeben. Famös ist dieser Strand wohl nicht mehr aufgrund von dem heutigen Erscheinungsbild. Zu nah und zu dicht sind riesige Hotelblöcke gleich an den Strand gesetzt worden, so dass zum Teil nur noch ein dünner Abschnitt aus Sand existiert – bei Flut stellenweise gerade mal 1-2 Meter!

















Erst weiter vorne bei einer Kunstlagune des Hilton Hotels wird er breiter und lädt in der Hochsaison wohl massenweise Menschen zum Rösten an der Sonne ein. Trotzdem – wenn man die grausigen Hotelbunker ignoriert, ist es immer noch sehr schön hier. In einem Bar-Restaurants drückt abermals ein Teil der amerikanischen Kultur hindurch. Von Serviergefässen über den Teller bis hin zum Besteck mit täuschend echtem Metallisé-Look, Trinkbecher und Saucenbehälter ist hier alles aus Einwegplastik! Wir nerven uns doch ziemlich über die Ressourcenverschwendung und diese Wegwerfgesellschaft. Das müsste doch jetzt langsam überall angekommen sein, Umgang mit Ressourcen, Umwelt und Thema Nachhaltigkeit.






























In unserem nächsten und glücklicherweise in 2 Tagen bevorstehenden Reiseziel – Hawaii Big Island – werden wir deutlich weniger von diesem Treiben mitkriegen und dem Aloha-Spirit der Inselbewohner viel näher sein.





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