Ist es wirklich vorbei?

Trip Start Jul 15, 2011
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Trip End Feb 15, 2012


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Where I stayed
Haus meiner Eltern

Flag of Germany  , Schleswig-Holstein,
Thursday, February 23, 2012

Unwirklich - mit diesem Wort lässt sich wohl am besten beschreiben, wie sich die ersten Stunden und Tage anfühlten, die ich wieder in Deutschland verbrachte. Nach einer derart langen Zeit in so unterschiedlichen Ländern wie Kanada, Fidschi oder Indien war dies allerdings auch zu erwarten gewesen. Wie Ihr an diesen ersten Sätzen schon ablesen könnt, erwartet Euch in diesem Eintrag einiges an pathetischem Geschwafel über die Reise in ihrer Gesamtheit und die Gefühlslage des Autors. Diesem egozentrischen Ansatz folgend, habe ich zur fotografischen Untermalung Bilder von allen Stationen der Weltumrundung (chronologisch geordnet) herausgesucht, die eines gemein haben: ich, Euer aller Lieblingsreisender, bin auf ihnen abgebildet. Doch keine Angst: Nach diesem gefühlsduseligem Aussetzer wird noch ein allerletzter Eintrag in diesen hochfeinen Reisenotizen folgen, in welchem ich den Trip auf die harten Fakten und Zahlen reduzieren werde.

Also, es erscheint mir wie gesagt unwirklich, wieder in Deutschland zu sein. Aber genau dieses Gefühl beschleicht mich andersherum ebenfalls dann, wenn ich die Bilder in diesem Eintrag so betrachte. War ich wirklich die letzten zwei Monate in Indien? Im Herbst in Australien? In der Südsee und auf Hawaii? Und bin ich wirklich von Osten nach Westen durch Kanada gereist? Auch wenn ich natürlich jede einzelne dieser Stationen mit diversen Erinnerungen und Eindrücken verknüpfe, kommt es mir momentan ein wenig so vor, als ob ich diese letzten sieben Monate lediglich geträumt hätte. Vermutlich liegt dies erneut daran, dass ich solch riesige Distanzen zurücklegte und an so vielen verschiedenen und weit entfernten Orten gewesen bin. Insgesamt bleibt allerdings festzuhalten: ja, ich habe diese Reise wirklich unternommen, und ja, sie ist jetzt auch schon wieder vorbei.

Ich bin wirklich und tatsächlich an all diesen Orten gewesen, welche für mich mehrheitlich seit langem genau das gewesen sind, was man für gewöhnlich mit dem Begriff "Traumziel" bezeichnet. In der Natur der Sache liegt es bei einer solchen Reise jedoch auch, dass einige dieser Ziele meinen Erwartungen gerecht wurden, ja sie schon fast übererfüllten (wie etwa die kanadischen Rocky Mountains oder Samoa), während mich andere tendenziell ein wenig enttäuschten - auch wenn das für meine Zeit in Australien dann doch wieder eine etwas zu harte Formulierung wäre. Denn natürlich ist "Enttäuschung" im Gesamtzusammenhang Reise gesehen ein sehr relativer Begriff und auch an den Orten, die mich nicht so sehr beeindruckt haben wie andere, habe ich trotzdem eine großartige Zeit verlebt.

Insgesamt bin ich also auch in der Retrospektive mit der Auswahl meiner Reiseziele mehr als glücklich. Die konkrete Routenplanung kann wohl ebenfalls als gelungen bezeichnet werden, auch wenn es natürlich im Nachhinein immer noch die eine oder andere Kleinigkeit gibt, bei der man sich nicht sicher ist, ob man sie vielleicht hätte anders machen sollen; hätte ich nicht zumindest kurz nach Melbourne oder Seattle fahren sollen? Hätte ich mir Zeit für eine dritte hawaiianische Insel nehmen sollen? Auf dem Weg von New York noch Kanada noch zusätzliche Zeit in Neuengland einplanen müssen? Doch sind solche Überlegungen natürlich gerade dann müßig, wenn man unterm Strich so zufrieden ist, wie ich es momentan bin. So war es insbesondere genau richtig, den Trip durch Indien direkt vor meine Rückkehr zu legen. Wie ich ja auch in dem (ja, ich weiß, viel zu langem!) Eintrag schrieb, in welchem ich meine dortige Zeit zusammenfasste, ist es eben äußerst intensiv und dementsprechend anstrengend, dort zu reisen. Im Anschluss daran hätte ich meine Reise somit nicht mit dem gleichen Enthusiasmus und der gleichen Neugier auf das nächste Ziel fortsetzen können, wie dies für mich stets der Fall war, wenn ich ein neues Land ansteuerte. Ein wenig Erholung - und zwar in Form von ein paar entspannten Tagen zuhause inklusive solcher Annehmlichkeiten wie einem heißen Bad und guter deutscher Hausmannskost - ist nach einem langen Aufenthalt in Indien einfach unabdingbar.

Und doch ist es gerade dieses "wieder zuhause sein", dass mir momentan noch ein wenig schwer fällt. Am meisten fehlt mir nämlich das andauernde Gefühl des Unterwegseins, dass ich über die letzten sieben Monate hinweg hatte. Das Nomadenhafte und Rastlose macht insbesondere bei der Art und Weise, wie ich diese Reise unternahm - an den allermeisten Orten habe ich ja lediglich maximal zwei oder drei Nächte verbracht - einen nicht unerheblichen Teil derselben aus. Aber wie es bei dem Gewohnheitstier Mensch ja für gewöhnlich so ist, wird es vermutlich nur ein paar weitere Tage benötigen, in welchen ich mich wieder mit dem sprichwörtlichen Ernst des Lebens beschäftigen muss (wie etwa der Suche nach einem neuen Job), um mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Was also wird von dieser Reise bleiben, abgesehen von so kurzfristigen Dingen wie meiner weiterhin braungebrannten Haut oder ein leichtes Unbehagen ob des hiesigen Rechtsverkehrs nach langen Monaten in Staaten des Commonwealth? Habe ich aus der Reise die ganz wichtigen und großen Lebenserfahrungen gewinnen können, die mir in meinem weiteren Werdegang noch von unschätzbarem Wert sein werden? Habe ich durch den längerfristigen Aufenthalt in fremden Kulturkreisen vielleicht das verbessert, was im Neudeutschen gern mit "interkulturelle Kompetenz" bezeichnet wird? Vielleicht ja, vielleicht ein wenig, vielleicht auch gar nicht; ich weiß es nicht. Und letzten Endes muss ich sagen, dass dies für mich, vorsichtig ausgedrückt, auch eher nebensächlich ist. Denn eins kann man frei von jedem Zweifel festhalten: es war eine großartige Zeit, an die ich für den Rest meines Lebens stets gerne zurückdenken werde!
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