Gipfelsturm mal zwei

Trip Start Apr 07, 2011
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Trip End Dec 08, 2012


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Flag of Bolivia  , La Paz,
Wednesday, May 23, 2012

Wohl nirgendwo anders in der Welt sind hohe Berge so gut zuganeglich wie in Bolivien. Wo sonst kann man eine Autostunde von einer Grossstadt entfernt einen 6000er besteigen?
Nachdem wir uns auf dem Choro-Trek genuegend Hoehenmeter antrainiert und uns auch an die Hoehe gewoehnt hatten, wollten wir eigentlich nur noch den Bergfuehrer organisieren und rauf auf den Berg.
Dann ass Cloeidi einen Tripple-Veggie-Burger mit Chicken und Mayonaise (wer bestellt schon so etwas?) und hatte prompt eine kurze Nacht. Da sich ihr Magen auch am naechsten Tag nicht besserte und sie sich ziemlich geschwaecht fuehlte, sandte sie mich alleine auf den Berg.
Ich ging wieder zu Christian vom Andean Base Camp und er organisierte fuer mich einen Platz in einer Gruppe von sechs Leuten fuer die naechsten zwei Tage.
Die fuenf anderen waren zu diesem Zeitpunkt schon im Basislager auf dem Zongopass und uebten teilweise noch ein wenig das Laufen mit Steigeisen. Ja, richtig gelesen, der Berg wird in La Paz ziemlich heftig beworben und als PD (peux difficile) eingestuft. Dies bringt zeitweise absolute Berg-Neulinge auf den Plan, was dann manchmal beim Aufstieg auch ziemlich brutal sichtbar wird.
Nun, ich hatte meine Ausruestung und Fitness dabei. Des weiteren sind auch genuegend Bergfuehrer unterwegs, so dass im Fall von Problemen nicht die ganze Gruppe absteigen muss.
Unser Lehrgeld hatten Cloeidi und ich ja schon am Cotopaxi in Equador gezahlt, ob es allerdings bis zum Gipfel des 6088m hohen Huayna Potosi reichen sollte, konnte nur das Experiment zeigen. Der Aufstieg vom Basis- ins Hochlager auf knapp 5200m ueber Meer verlief jedenfalls reibungslos. Ich fuehlte mich trotz des schweren Rucksacks gut und hatte keine Anzeichen von Hoehenkrankheit. In der einfachen Huette angekommen, begann dann der fuer mich muehsamste Teil der Expedition. Man muss bis Mitternacht moeglichst viel Schlaf kriegen und mit der eigenen Energie gut haushalten, ohne richtigen Hunger essen, viel trinken und trotz der beissenden Kaelte warm bleiben. Hat man diese Faktoren im Griff, stehen die Zeichen fuer eine erfolgreiche Besteigung gut.
Schon kurz nach zwoelf Uhr nachts standen die meisten Leute wieder auf und wir nahmen ein einfaches Fruehstueck zu uns. Meine persoenliche Geheimwaffe waren Coca-Tee und eine Banane. Die Seilschaften hatten wir bereits am Vorabend eingeteilt. Ich sollte den Gipfel zusammen mit einem Brasilianer und einem Franzosen in Angriff nehmen. Unser Bergfuehrer hiess Eulogio, ein sehr ruhiger und ueberlegter Bolivianer, welcher unter den Guides als sehr erfahren gilt.
Direkt hinter der Huette montierten wir die Steigiesen und seilten uns an, ich zog mir so schnell wie moeglich die Handschuhe wieder an, trotz Windstille war die Kaelte beissend. Vor uns sahen wir die leicht schwankenden Stirnlampen der vor uns gestarteten Gruppen. Schon bald hatten wir trotz gemaechlichem aber konstantem Tempo die Ersten eingeholt. Ein Israeli zeigte schon arg Symptome der Hoehenkrankheit und musste umkehren. Ich hatte in der dunklen Nacht genuegend Zeit fuer mich selbst, gesprochen wurde wenig und mein Gefuehl war immer noch gut. Anders als am Cotopaxi waren sowohl mein Kopf als auch der Magen in gutem Zustand, die Beine fuehlten sich frisch an. Weit unten konnte man jetzt die Lichter von El Alto / La Paz sehen. Ein wirklich einmaliger Anblick.
Nach einer Steilstufe durch einen Eisabbruch nahmen wir noch einen zweiten Franzosen zu uns ans Seil, er konnte das Tempo seiner Freundin nicht mitgehen und da wir den erfahrensten Bergfuehrer hatten, betaetigten wir uns als Lumpensammler. Das gefiel mir nicht so, ich wollte ja schliesslich nicht umkehren, solange ich mich so gut fuehlte. Der Neue war ziemlich am Anschlag, aber wohl eine Kaempfernatur. Er konnte sich wieder einigermassen erholen, bis wir unter dem Gipfelgrat waren. Mittlerweile war im Osten ein fantastisches Schauspiel von Wolken und Farben zu beobachten, ein neuer Tag kuendete sich an. Nach einer letzten Pause stiegen wir ca. 15m eine steile Wand aus Schnee und Eis hoch und standen nun auf dem Grat zum Gipfel. Ich machte unwillkuerlich einen Schritt zurueck, auf der anderen Seite des Grats fiel der Hang einige Meter steil ab und verschwand dann aus meinem Blickfeld. Mehr als 1000m weiter unten sahen wir den Gletscher. Der Grat ist an einigen Stellen ziemlich schmal und dann wieder recht steil, was offensichtlich nicht allen Leuten gefiel. Wuerde man diese Stelle vorgaengig mit den Teilnehmern besprechen, waeren wohl nicht so viele Leute am Berg wie heute. An der schmalsten Stelle der Krete kann man gerade mal einen Schuh vor den anderen platzieren, daneben hat es eine ebenso schmale Terasse fuer den Eispickel. Der Tiefblick war atemberaubend und das Adrenalin liess die mittlerweile etwas mueden Beine vergessen gehen. Zehn Minuten spaeter standen wir nun alle fuenf auf dem Gipfel und konnten einen einmaligen Sonnenaufgang erleben. Auf der anderen Seite des Berges bildete sich ein pyramidenfoermiger Schatten, dessen Spitze bis zum Titicacasee reichte. Trotz der Kaelte schoss ich ein paar Photos, schade dass Cloeidi das nicht selbst miterleben konnte. Schon recht bald machten wir uns an den Abstieg, bevor wir trotz unserer zig Schichten Kleider zu kalt bekamen. Wenigstens hatten wir nun die Sonne, welche etwas waermte. Der Abstieg ging ziemlich zuegig vonstatten und kurz nach neun Uhr morgens waren wir bereits wieder in der Huette. Dort gab es etwas zu essen und wir zogen uns etwas leichteres an fuer den Abstieg ins Basislager.
Kurz nach Mittag war ich wieder in La Paz und konnte Cloedi vom erlebten erzaehlen. Angestachelt durch die Photos und Geschichten wollte sie natuerlich auch noch versuchen, auf den Berg zu kommen. Also...
...stand ich vier Tage spaeter wieder am Fusse des Huayna Potosi, zusammen mit Claudia und Eulogio, den wir als Fuehrer verpflichten konnten. Obwohl das Wetter diesmal noch besser war als beim ersten Mal, hatten wir unseren Bergfuehrer fuer uns allein und auch die Huette war weniger stark bevoelkert. Schlafen konnten wir allerdings nicht so gut, irgendeiner im Raum hatte die ganze Nacht schrecklichen Husten. Eulogio hatte wohl grosses Vertrauen in unsere Fitness und liess uns eine halbe Stunde laenger schlafen als die anderen.
Der Aufstieg an sich war mir ja schon bekannt, allerdings war es noch eine Spur kaelter als beim ersten Mal, schon bald begann das Wasser in unseren Trinkflaschen zu gefrieren. Auch das Snickers und die Bananen waren haerter als sonst. Ohne Zahnverlust kamen wir wiederum genau in der Daemmerung beim Gipfelgrat an, diesmal allerdings hatte es dort einen kleinen Stau, da die Gruppe von Hollaendern vor uns mit der Exponiertheit und der Hoehe nicht wirklich klar kamen. Es gibt in der Tat angenehmere Dinge, als ausgepumpt nur auf den Frontzacken der Steigeisen stehend, zuzuschauen wie einer diesen Grat regelrecht hochkriecht. Nun, den Sonnenaufgang sahen wir trotzdem und wir waren sehr gluecklich, es nun auch zusammen auf den Berg geschafft zu haben.
Schon bald deuteten wir Eulogio, den Abstieg in Agriff nehmen zu wollen, diesmal wollten wir vor den Hollaendern durch die Schluesselstellen. Wir genossen die grandiosen Aussichten auf dem Rueckweg und kamen muede aber zufrieden wieder in der Huette an. Unser Bergfuehrer wollte uns noch fuer den 6436m hohen Illimani begeistern, aber wir lehnten danken ab. Vielleicht ein andermal, jetzt wollen wir endlich nach Peru.   




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Comments

"Von den Gääänfer" on

Du hast wirkliche wunderschöne Fotos trotz der Kälte genommen.... Gute Errinnerungen :-)

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