Von Pfahlbauten und Streunern

Trip Start Apr 07, 2011
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Trip End Dec 08, 2012


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Flag of Chile  , Isla Chiloe,
Thursday, March 22, 2012

Chiloe

Als wir schliesslich in Castro, der Hauptstadt von Chiles groesster Insel Chiloe ankamen, war es 17:07.  Aus den 24 h Busfahrt waren mit den Grenzuebertritten (Chile-Argentinien-Chile, je Aus- und Einreise!) 27 h geworden. Romana und Marek bestiegen allen Ernstes gleich den naechsten Bus Richtung Zeltplatz am Nationalparkeingang (2h Fahrt) um Uebernachtungsgeld zu sparen. Das sind eben die echten hardcore Rucksacktouristen! Aber auch unser Effort, das groesste Milanese ( Cordon bleu) der Stadt aufzutreiben, um uns fuer die 27 elenden Stunden mit trockenem Brot und Trockenfruechten zu entschaedigen, war nicht ganz verachtenswert, wie wir finden. Wir verdrueckten es zu Pure picante ( Kartoffelstock mit Chili). Allerdings erst nachdem wir uns einquartiert, beim Tourioffice die paar spaerlichen Infos ueber den Nationalpark eingeholt und Verpflegung fuer eine 3 - Tages Wandertour eingekauft hatten. 

Am naechsten Tag standen wir voll ausgeruestet mit Zelt und allem drum und drann vor dem Ranger des Parque nacional de Chiloe, um uns dem obligatorischen  Infotalk, den Zustand des Weges etc. betreffend, zu unterziehen. 
Irgendwie druckste der Ranger herum und wollte nicht so recht herausruecken mit den Infos die wir benoetigten (Flusswasser trinkbar? usw). Hmmm, komisch. Ploetzlich atmete er tief durch, wie um Mut zu fassen und fragte uns, woher wir denn seien. Auf unsere Antwort " de Suiza" hin, breitete sich ein breites Laecheln auf seinem Gesicht aus und  aus seinem Munde kam der erleuchtete Komentar: "aaahhh, montaneros?!" wir verschluckten schnell ein Grinsen und bemuehten uns um ein sehr ernsthaftes "claro che si". Von da an war ploetzlich alles kein Problem mehr. Die Infos sprudelten nur so aus ihm heraus. Als wir schliesslich mit unseren Trampern neben ihm und einigen Parkmitarbeitern, welche uns stober ansahen,  vorbeiliefen zum Startpunkt des Trails, hoerten wir unseren Ranger zu den anderen sagen: "se van a Cole Cole pero son de Suiza. No hay problema" (sie gehen nach Cole Cole aber sie sind aus der Schweiz, kein Problem):-) Wahrscheinlich hatten die in juengerer Vergangenheit so einige vorzeitig ermuedete Touristen via Pferdchentransport herausholen muessen. Unverstaendlich, denn der Weg entpuppte sich zwar als streckenweise ermuedend, da er auf Sandboden direkt am Strand entlangfuehrt und gegen Ende so einige Hohenmeter beinhaltet, war aber ansonsten vom Schwierigkeitsgrad her hoechst unspektakulaer. 
Wir fuehlten uns sofort wohl in dieser neuen Umgebung. Suedpatagonien ist Steppe. Wunderschoen jedoch groesstenteils karg. Die Landschaft auf Chiloe jedoch ist gekennzeichnet durch ueppige, saftig gruene Vegetation und sanfte Huegellandschaft. Am Strand sehen die tausenden von weissen, angespuelten Muscheln wie Schnee auf dem beigen Sand der Duenen aus. Wir staunten wohl etwas zu lange und verpassten den Brueckenausstieg vom Strand. Ploetzlich waren wir von der Flut eingeschlossen und mussten ca. 500 Meter zurueck zum rettenden Ausstieg. Deshalb und nur deshalb :-) holten uns unsere Tschechen ein.

Kurz darauf sichteten wir in einem Garten zum Trocknen ausgelegt die beruehmten Algen. Wurden sie frueher hauptsaechlich in die USA exportiert, haben die Chilenen mittlerweile selbst eine recht grosse Industrie zu deren Weiterverarbeitung. Das Meeresgemuese wird mehrfach genutzt. Man verkauft es auf dem Markt als Frischgemuese, arbeitet es in Aeckerboeden ein um dessen Fruchtbarkeit zu erhoehen und verarbeitet es zu AGAR AGAR, einem Geliermittel. Offenbar macht dieses in Europa sogar der Gelatine Konkurenz, da es pflanzlichen Ursprungs ist.
Nach 5 Stunden Marsch auf denen wir ein sehr urspruengliches, laendliches Chile kennengelernt hatten, landeten wir am Strand Cole Cole. Die Zeltplaetzchen liegen dort verborgen in einem Waeldchen. Schmale Pfade fuehren direkt an den Sandstrand. Das Holzrefugio nebenan schien verlassen. Weit und breit niemand in Sicht ausser grasenden Kuehen, Schafen und wilden Pferden. Diese kamen jeweils am Abend ueber die schmalen, verwachsenen Pfade auf die Zeltplatzlichtung. Das Gras ist ja bekanntlich beim Nachbar immer gruener:-)
Ehrlich gesagt, wir taten die zwei Tage nicht viel, ausser Erholen und Essen. Am 2 Tag begaben wir uns noch in den Dschungel, mussten aber erkennen, dass die Chilenen es ernst meinen wenn sie sagen, der Wanderweg sei schlecht unterhalten. So pflatschte ich halt den Rest des Tages am Strand und Flo machte sich mit der Kamera in der naeheren Umgebung auf Entdeckungsjagd.
Zurueck im Hostal, wo wir den groessten Teil unseres Gepaecks gelassen hatten, spielte sich leider eine sehr unschoene Szene ab. Schade nach dem Frieden der letzten Tage. Meine nigelnagelneue Hose, welche zuoberst im Sack gelegen hatte, fehlte. Die Chefin des Hostals wollte natuerlich von nix wissen. Da flippte ich aus. Wenn mal eine Unterhose fehlt nach der Waescherei, ok, aber eine 40 Franken Hose.... ich war ausser mir und teilte ihr mit, ich wuerde jetzt auf der Stelle die Polizei ins Haus holen. 10 Minuten spaeter tauchte die Hose wundersamerweise wieder auf. Sie seine hinter einen Stuhl gefallen. Wers glaubt wird seelig.
Auf den Frust gingen wir los und verdrueckten den groessten Hamburger unseres Lebens.

Die zweite Mission auf Chiloe war die Besichtigung der alten Holzkirchen (jedes Dorf hat eine eigene!) und der Palafitos (=Pfahlhaeuser) in Castro. Wir hoetterleten 2 Tage mittels Collectivos (Minibusse) und Faehren von Oertchen zu Oertchen. Besonders Curacao fanden wir sehr heimelig. Die alten, lottrigen Schingeliholzhaeuser sind dort in den verschiedensten Farben gestrichen. Ausserdem ist das Doerfchen das Daheim der groessten wilden Hundegang, der wir hier in Chile bisher begegnet sind. Die Streuner waren bis jetzt vom Charakter her alle freundlich und froehlich. Fuer ein Redli Salami oder einen ordentlichen Flattierer kann man sie quasi mieten. Sie begleiten einen dann wohin auch immer und bluffen unterwegs jeden fremden Foetzel an. Ausser die groesseren Exemplare der eigenen Rasse. Sehr cool.
Die farbigen Palafitos in Castro gefielen uns ausserordentlich. Die Holzkirchen in den Doerfern nur durchzogen. Wir lassen die Bilder sprechen.

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