Kanalisiert

Trip Start Apr 07, 2011
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Trip End Dec 08, 2012


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Flag of Panama  ,
Tuesday, December 27, 2011

Voellig unerwartet haben wir die Reise von Puerto Jimenez in Costa Rica nach Panama City in einem einzigen Tag geschafft. Wir schipperten in einer Minifaehre nach Golfito und bestiegen dort einen Bus Richtung panamesische Grenze. Waehrend der Fahrt schoss mir der Gedanke durch den Kopf, wie oft wir in diesen neun Monaten schon in Bussen Richtung einer fremden Landesgrenze gesessen hatten und uns, zu Beginn aengstlich, mit der Zeit eher schicksalsergeben gefragt hatten, was sich die jeweiligen Grenzwaechter wohl wieder fuer Schabernack wuerden einfallen lassen.
Nun, bei uns ging diesmal alles verhaeltnismaessig glatt. Die Spanier, welche mit uns reisten, hatten weniger Glueck. Eigentlich wollten die nur an die Karibikkueste Costa Ricas und reisten via Panama, weil dies der am wenigsten zeitintensive Weg ist. Um in Panama einzureisen, ist allerdings ein Ausreiseticket fuer dieses Land vorzuweisen. Haben die Spanier nicht gewusst. So mussten sie fuer laeppische 80 Dollar ein Busticket zurueck nach Costa Rica kaufen. Natuerlich aber nicht dasjenige, welches sie brauchten. Denn die Busgesellschaft, welche die von ihnen vorgesehene Route via David an die Karibikkueste faehrt, hat an der Grenze selbstverstaendlich kein Office:-)
Wir hatten uns gottseidank vorher ins Bild gesetzt ueber die Sitten und Gebraeuche an dieser Grenze und konnten unser E-Ticket nach Equador auf dem Ipod vorzeigen. Der Immigrationsmensch schuettelte trotzdem bekuemmert den Kopf und sagte mir, das naechste Mal sei dann schon eine AUSGEDRUCKTE Bestaetigung erforderlich. Ich dankte ihm daraufhin auf Spanisch hoeflichst fuer die Ausnahme und sagte ihm auf Berndeutsch das Noetige. Bevor ich jedoch zur Hoechstform auflaufen konnte, wurde ich von Flo gestoppt. Dieser hatte ploetzlich das ganz starke Gefuehl, der Grenzbeamte verstehe Deutsch :-)
Nachtrag: Wenn die Schlange vor den Schaltern lang ist, spielt das alles keine Rolle mehr...

Mit dem Collectivo weiter nach David. Die Strassen sind sensationell im Vergleich zu Costa Rica. In David fragte ich die Schalterlady am Busbahnhof, wann denn der naechste Bus nach Panama City losfahre. Ganz einfach, wenn alle Tickets verkauft sind:-) Dies war 40 Minuten spaeter der Fall. Um 20:00 ueberquerten wir nach weiteren 8 Stunden Busfahrt die 'Bridge of the Americas', welche ueber den Panamakanal fuehrt.

Totmuede legen wir uns im kleinen Kinosaal im Hostal Luna's Castle auf die Matratzen. Denn alle Dormitorios sind ausgebucht und wir haben nicht den Nerv, durchs naechtliche Panama City zu streifen auf der Suche nach einem anderen Hostal. Haetten wir vielleicht besser....
Um 1 Uhr morgens erwachten wir. Rauchgeruch, Geschrei und ein konfuser Receptionist der wie ein wildgewordenes Waespi herumrannte und schrie: todos fuera ahora. Ein Feuer war im Nachbarhaus ausgebrochen. Flo rannte um die Wertsachen aus dem Save zu holen und ich stopfte all unser Hab und Gut in die Tramper. Dann nichts wie raus aus der eingeraeucherten Bude. Nach 1.5 Stunden hatte die Feuerwehr alles unter Kontrolle und wir konnten zurueck.
Den naechsten Tag verschliefen wir.

Natuerlich statteten wir dem selbsternannten Ingenieur-Weltwunder, dem Panamakanal einen Besuch ab. Nachdem schon zur vorletzten Jahrhundertwende die Franzosen zwei Fehlversuche eines Kanalbaus zu verkraften hatten, kamen im fruehen 20. Jahrhundert die Amerikaner und taten, was sie damals am besten konnten: Totaler Einsatz von Manpower, Engineering und Organisation unter militaerischer Kontrolle. Und so fuhr am 15. August 1914 das erste Schiff durch die gut 80km lange Wasserstrasse, der Seeweg von New York nach San Francisco war um 20'000km kuerzer geworden. Nebst einem kuenstlichen See (Gatun) und dem unter grossen Muehen durchschnittenen Kontinentalbruch-Gebirge sind es vor allem die Schleusen, deren Abmessungen fast 100 Jahre lang den Schiffsbauern maximale Abmessungen vorgaben. Die Ozeanriesen werden insgesamt 26m in die Hoehe gehoben und am anderen Ende des Kanals wieder auf Meeresniveau abgesenkt. Das uns am naechsten liegende Schleusenwerk befindet sich in Miraflores. Mithilfe von zwei Schleusenkammern bewaeltigen die Schiffe eine Hoehendifferenz von 17m.

Der Panamakanal hat dem Land zu grosser wirtschaftlicher und auch politischer Bedeutung verholfen (Nicaragua hat aehnliche Plaene und deshalb 2011 in einem Anflug von Groessenwahn kurzerhand einen Teil Costa Ricas besetzt). Alleine die Durchfahrtsgebuehren erzeugen pro Jahr einen Umsatz von gut 1.4 Milliarden Dollar. Bis 1999 wurde der Kanal von den USA kontrolliert, 5km links und rechts des Wassers befand sich, eingezaeunt wie damals West-Berlin, die Kanalzone. Heute ist der Kanal unter panamaischer Kontrolle, von den Zaeunen ist nichts mehr zu sehen. Es faellt jedoch auf, wie die Strassen und Haeuser um den Kanal herum ploetzlich amerikanischen Charakter annehmen. Auch Panama City selbst ist von grossen Gegensaetzen gepraegt. Die Skyline des Finanzviertels ist eindruecklich und kann jeder amerikanischen Grossstadt Konkurrenz machen. Links und rechts davon regiert allerdings das typisch zentralamerikanische Chaos und leider in gewissen Bezirken auch Armut und Gewalt. Waehrend wir in den Online-Medien tagelang von der Schiesserei im Berner Liebefeld lesen konnten, waren die 9 Toten, welche bei Schiessereien ueber die Weihnachtstage hier zu beklagen waren, eine kleine Randnotiz in der Tagespresse.

Sehenswert ist das Casco Viejo, die Altstadt von Panama, in der sich auch unser Hotel befindet. Viele der Haeuser werden reoniviert oder sind es bereits und ein Spaziergang, bei Tageslicht, lohnt allemal. Hier befinden sich auch die Spuren der letzten groesseren amerikanischen Intervention, der ausgebombte Club de Clases y Tropas. Dieser wurde 1998 zerstoert, als die Amis in ihrer Interventionstradition kurzerhand einmarschierten, weil sich Noriega zum Praesidenten gekuehrt hatte. Nun, die Amis sind weg, die Ruine steht noch und wer den neuesten James Bond gesehen hat, weiss vielleicht sogar, wovon wir sprechen.

Wir schreiben diese Zeilen an unserem letzten Abend in Zentralamerika. Fuer uns hat mit dem Ueberqueren der Puente de las Americas gewissermassen ein neues Kapitel unserer Reise begonnen. Wir ersetzten den Reisefuehrer fuer Zentralamerika durch einen Suedamerika-LonelyPlanet und werden morgen in der Frueh nach Quito in Equador abfliegen. Ueber Mangel an Abenteuern (gut und boese) koennen wir uns in den knapp drei Monaten in Zentralamerika nicht beklagen. Wir werden sehen, was der Regionen- und auch Jahreswechsel mit sich bringt. In diesem Sinne wuenschen wir allen unseren Bloglesern ein gutes, glueckliches und erfolgreiches 2012, wo immer Ihr auch seid und was immer Ihr zu tun gedenkt. Wir reisen weiter...








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Comments

Martin on

Euch auch einen guten Rutsch und alles Gute auf der weiteren Reise. Vielen Dank für den tollen Blog!

Nora on

I wünsche euch e guete Rutsch und ou im 2012 witerhin gueti Reis :D
Nora

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