Happy Birthday! Geburtstag in der Senkrechten

Trip Start Oct 02, 2008
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Trip End Oct 24, 2008


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Where I stayed

Flag of United States  , Maine
Friday, October 10, 2008

Happy Birthday to me! Geburtstag im Urlaub ist doch immer nett. Wobei es natürlich schwierig ist, da etwas Besonderes zu unternehmen, denn das tun wir jetzt eh schon seit einer Woche. Probieren wir also, diesen Tag extra-super zu gestalten.

Los geht's mit dem Frühstück. Im Wintergarten des Graycote Inn sind leider alle Plätze belegt, so setzen wir uns im Wohnzimmer zu einer amerikanischen Familie an den großen Tisch. Auf den ersten Blick Mutter mit drei Kids und der Opa – aber denkste: das ist Dad. Seit gestern schlappe 76 Jahre alt, wie einer der Kleinen stolz herauskräht. Die Jüngste der Familie feiert heute Geburtstag. Da schau an. Sechs ist sie geworden und es gibt einige Geschenke zum Auspacken. Ich überschlage kurz im Kopf und komme zu dem Ergebnis, dass ich noch doppelt so alt wie jetzt werden könnte, um unserem Oberbaupt hier in Sachen Familienplanung nachzukommen. Noch Zeit also...
 
Jedenfalls ist die ganze Familie sehr nett, die Kinder mehr als wohlerzogen. Aus der Nähe von Augusta kommen sie, der Hauptstadt von Maine, und verbringen das Geburtstags-Wochenende in Bar Harbor. Wie überhaupt einige Gäste genau das zu tun scheinen, denn alle fünf Minuten wird aus der Küche ein Teller mit einer kleinen Kerze drauf nach draußen getragen. So ein Bohei lasse ich um mich aber nicht veranstalten, sondern esse in aller Ruhe das (sehr gute) Kräuteromelette, den Toast und die Melone.

Nach dem Frühstück starten wir in den Acadia National Park. Erster Stopp: das Visitor Center. Wie von jedem besuchten Nationalpark geht ein Bildband sowie ein Magnet für den Kühlschrank mit. Außerdem zahlen wir hier die 20 Dollar Entrance Fee. Jetzt können wir uns eine Woche lang kreuz und quer durch den Park bewegen. Die Schlange am Schalter ist übrigens seeehr lang: das sagenhafte Wetter zum langen Columbus Days Weekend hat einige hier rausgelockt.

Den ganzen amerikanischen Touristen kann man aber mit verlässlicher Sicherheit aus dem Weg gehen, indem man wandert. Das wollen wir tun, nämlich auf den Champlain Mountain, benannt nach dem Entdecker, der vor sage und schreibe 400 Jahren der Insel den Namen „Isle de Monts Desert" gab, weil darauf außer Pinien, Fichten, Birken und blanker Granitgipfel nicht viel zu finden war. Später wusste man die Gegend mehr zu schätzen und so kauften die gleichen Steinreichen, die schon in Newport ihre Paläste stehen hatten, im vorletzten Jahrhundert das Land auf. Schon 1919 wurde hier aber der erste Nationalpark östlich des Mississippi gegründet, der seit 1929 den romantischen Namen „Acadia“ trägt. Dass man hier so eine tolle Herbstfärbung erleben kann, ist übrigens dem großen Waldbrand von 1947 zu verdanken. Statt Fichten wuchsen vor allem Laubbäume nach, die jetzt in allen Farben leuchten.  
 
Aber zurück zum Champlain Mountain. Der ist 323 Meter hoch, was auf dem Papier noch keine Angst einflößt. Das Problem: der Großteil dieser 323 Meter steht als senkrechte Wand nun vor uns. Hinauf führt der Precipice Trail, der härteste Trail im ganzen Park. Er wird gar nicht erst als Wanderweg aufgeführt, sondern als „non-technical climbing trail“. Bedeutet: anseilen muss man sich nicht, aber eher klettern als laufen.
 
Das ist denn auch nicht übertrieben, macht aber trotz aller Anstrengung richtig Spaß. Wir klettern über Granitfelsen und manchmal auch darunter hindurch. Einige Stellen sind mit Eisentritten gesichert, einige gilt es mit Leitern zu überwinden. Eine schweißtreibende Angelegenheit, dafür werden wir mit einmaligen Ausblicken belohnt.

Nach gut einer Stunde ist dann die ärgste Kraxelei überstanden und es geht zwischen Kiefern und Wacholderbüschen das letzte Stück zum Gipfel. Tief unter uns liegt Bar Harbor. In der Bucht hat sehr dekorativ ein Kreuzfahrtschiff geparkt. Hier oben weht allerdings ein heftiger Wind und so machen wir uns bald wieder an den Abstieg. Der verläuft geradezu gemächlich, obwohl auch er Trittsicherheit und gutes Schuhwerk erfordert.
 
Schade: ein Erdbeben hat vor einer Weile den Teil des Weges verschüttet, der den Trail zu einem Roundtrip zum Parkplatz macht. Soll erst nächsten Herbst wieder eröffnet werden. So müssen wir die letzte halbe Meile zum Auto entlang der Straße zurücklegen. Nach 2,5 Stunden haben wir es geschafft und sind ziemlich erledigt.

Wir fahren noch einige View Points entlang der Loop Road ab, die zum größten Teil als Einbahnstraße um den östlichen Teil des Nationalparks auf Mount Desert Island führt. Der weitaus größere Teil wird durch Carriage Roads erschlossen, also Feldwegen, auf denen Kutschen und Fahrräder, aber keine Autos, fahren dürfen. Und natürlich gibt es ein großes Netz von Wanderwegen. Sehr gut gefällt uns der Sand Beach, wo man bei dem strahlenden Sonnenschein heute sogar einen kompletten Strandtag hätte einlegen können. Aber das Wasser wird hier nie wärmer als 15°C. Was einige Kinder nicht davon abhält, sich in voller Montur in die Wellen zu schmeißen.
 
An Klippen und Seen vorbei und durch leuchtend bunte Wälder fahren wir schließlich am frühen Nachmittag zurück nach Bar Harbor. Nach der anstrengenden Wanderung ist jetzt erstmal Pause angesagt.

Wir entscheiden uns dann für ein frühes Abendessen bei Galyn’s, einem gediegenen Restaurant in Hafennähe. Um die Uhrzeit muss man sich noch keine Sorgen um Reservierungen machen und so bekommen wir einen Tisch mit Blick auf die Bucht, die die untergehende Sonne jetzt in ein weiches Licht taucht. Sehr schön.
 
 
Immer wieder interessant: das Geschehen an den Nachbartischen. Sie: glühender Red Sox-Fan in entsprechender Kutte (heute ist das erste Spiel der Finalserie der National League). Er: Zopf, dicker Schnauzer, Taschenlampe und Messer am Gürtel. Man weiß ja nie, was kommt. Jedenfalls unterhält sie lautstark das Restaurant, als sie dem älteren Pärchen aus Wisconsin einen Tisch weiter erzählt, dass ja Maine ihr Lieblingsstaat sei und sie jedes Jahr herkommen. Dazu verspeisen die beiden riesige Prime Rib Steaks, die die Herdplatte nur für ein paar Sekunden zu spüren bekommen haben dürften. Wenn man alle Teile hat, kann man bestimmt das Tier wieder zusammensetzen. Irgendwie gruselig.
 
Als Appetizer gönne ich mir eine (perfekte) Clam Chowder, zum Hauptgang eine Auswahl lecker gegrillter Meerestiere. Bei Conny hat es sich das Seafood zwischen Nudeln eingerichtet. Auch nicht schlecht. Wir schaffen es tatsächlich mal, ein Abendessen zu vertilgen, ohne danach bis zum Anschlag gefüllt zu sein. Das erste Mal auf dieser Reise, glaube ich.

Anschließend bummeln wir noch ein bisschen durch Bar Harbor, checken die Angebote in den zahlreichen Souvenirläden, wo jetzt zum Ende der Saison so ziemlich alles „on sale“ ist, und köpfen zurück im Graycote Inn noch eine Flasche Sekt. Prost!

Gefahrene Meilen: 37
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