Rain in the Desert

Trip Start Sep 05, 2006
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10
23
Trip End Sep 27, 2006


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Where I stayed
Holiday Inn Express (Page)

Flag of United States  , Arizona
Thursday, September 14, 2006

Im Holiday Inn Express in Page ist das Frühstück inklusive. Und hier gibt es nicht nur eine Handvoll zerteilter Muffins, die an anderen Orten schon mal als „continental breakfast“ verkauft wird, hier gibt es leckere Cinnamon Rolls, Toast, Marmelade, Cerreals, Obst, Joghurt, gekochte Eier und trinkbaren Kaffee. Aber wir beschränken den Aufenthalt am Büffet auf die Mindestzeit, denn heute geht es in die Coyote Buttes North, die Gegend der Paria Wilderness, in der die mittlerweile berühmte Wave zu finden ist. Das ist zumindest der Plan, dafür haben wir vor drei Monaten eine Permit ergattert.

Aber: Pustekuchen! Der Blick gen Himmel verheißt schon nichts Gutes: über Page ist es bedeckt und, noch schlimmer, Richtung Norden schiebt sich eine dunkle Wolkenwand heran. Hätten wir mal besser den Wetterbericht verfolgt die letzten Tage. Wir fahren zwar los, als vor uns aber die ersten Blitze aus den Wolken zucken, beschließen wir, die Wave für heute Wave sein zu lassen und stattdessen auf morgen zu hoffen. So schlau waren wir ja, dass wir uns eine weitere Permit für den nächsten Tag reserviert hatten.
 
Da es im Süden von Page noch einigermaßen freundlich ausschaut, fahren wir direkt zum Lower Antelope Canyon. Der stand natürlich auch ganz oben auf unserer Must-see-Liste und ist nicht das schlechteste Alternativprogramm. Beide Antelope Canyons sind bestens ausgeschildert. Wir wollen uns auf die Lower-Ausgabe beschränken. Die ist enger, verwinkelter als die Upper-Version und die dort auftretenden Beams aus einfallendem Sonnenlicht wird es heute eh nicht geben. Außerdem lassen sich die Navajos den Besuch dieses Naturwunders auf ihrem Reservatsgebiet einiges kosten: 15 Dollar werden allein für den Besuch des Lower Antelope Canyons fällig, dazu noch mal 6 Dollar dafür, dass man überhaupt das Indianerland betreten darf, macht schlappe 42 Taler für zwei.
 
An einem kleinen Kiosk am Parkplatz schieben wir die grünen Scheine über den Tresen und dann geht es auch schon los. Es sind nur ein paar Meter zum Einstieg in den Slotcanyon, an den unsere kleine Besuchergruppe (um halb zehn sind nicht mehr als 8-10 Leute da) von einem jungen Navajo Guide geführt wird. Über eine steile Eisentreppe geht es nach unten und schon stehen wir an einem der bizarrsten Orte, die man sich überhaupt vorstellen kann – und kriegen den Mund nicht mehr zu vor Staunen. Das Licht ist bei dem Wetter natürlich nicht ideal zum Fotografieren, aber die Farben und Formen in dem engen Canyon sind trotzdem faszinierend.

Unser Grüppchen trennt sich schon bald auf. Der Guide geht mit einigen Amerikanern voraus, die Europäer fotografieren sich derweil weiter hinten tot. Es gibt ja einige Ort, an denen man nicht aufhören kann zu knipsen, wo man hinterher denkt: „Hm, sieht eigentlich alles gleich aus.“ Die Niagara Fälle fallen mir da immer ein oder die Freiheitsstatue. Aber Antelope zieht einen einfach so in den Bann, dass man hinter jeder Biegung meint, diesen Anblick müsse man nun unbedingt auch noch festhalten. Erfreulich, dass so früh so wenige Besucher mit uns hier sind, so kann man ganz in Ruhe genießen und Bilder machen.
 
Über eine Stunde verbringen wir im Lower Antelope Canyon, wobei wir uns richtig einsauen. Zum einen weht der Wind immer wieder Sand von oben hinein, zum anderen ist der Grund teilweise sehr schlammig. Irgendwann geht es dann auch nicht mehr weiter, weil Wasser im Canyon steht und wir kehren um. Wieder nach oben gekrabbelt gehen wir den Spalt zum anderen Ende entlang. Hier ist wieder eine Eisenleiter, an der man normalerweise herauskommt, wenn nicht Wasser den Weg versperrt.

Entlang des Canyonrands stehen überall Kisten, aus denen im Fall einer Flash Flood Seile nach unten geworfen werden, um die Leute rausziehen zu können. Schließlich kamen hier vor ein paar Jahren ein Dutzend Besucher um, als sie sich vor den rasend schnell eindringenden Wassermassen nicht mehr retten konnten. Drei Leichen blieben damals verschwunden, sie werden irgendwo im Lake Powell im Schlick stecken. An das Drama erinnert eine Gedenktafel mit den Namen der Opfer am Eingang. So langsam schließt sich von allen Seiten die dunkle Wolkendecke. Wir machen noch schnell einen Abstecher zur Horseshoe Bend, wo der Colorado eine malerische Schleife dreht – dann fängt es auch schon an zu regnen. Am Ortseingang von Page gibt es einen riesigen Wal-Mart, hier sollte es möglich sein, mal wieder ein paar Bilder auf CD zu brennen. Nach der Fotografier-Orgie im Antelope ist das geboten. Die Fotoabteilung hat denn auch alles, was das Herz begehrt. Hier hätten wir auch direkt Karten mit unseren Hochzeitsbildern herstellen lassen können, auch sonstige Karten gibt es in allen Größen. Wie das halt immer so ist, wenn man vorher wie bescheuert nach etwas gesucht hat. Egal, unsere Post ist jetzt bestimmt schon auf dem Weg in irgendein Frachtflugzeug...
 
Jetzt haben wir Hunger, also gehen wir das erste und letzte Mal in diesem Urlaub zu McDonald’s. Conny liebt McDonald’s, ich hasse McDonald’s, da kommen wir selten auf einen grünen Zweig. Aber einmal ist das ja okay. Vor uns an der Kasse vier Deutsche älteren Jahrgangs. Die werden daheim noch nie bei McDonald’s gewesen sein, in Amerika ist das Bestellen nun ein echtes Abenteuer. Uns amüsiert’s wie die Vier stolz Fotos schießen, als sie ihre Beute an den Tisch gebracht haben. A propos Deutsche: auf der ganzen Reise wimmelt es von Landsleuten. Nicht ungewöhnlich, aber in Page und später auch in Moab fällt das schon extrem auf. Vor allem, wenn man wandern geht, was der amerikanische Tourist ja eher nicht so gern tut, trifft man bei der Hälfte der einem entgegen kommenden Leute auf Deutsche oder Österreicher. Ich überlege schon, statt des üblichen „Hi“ oder „How’s it goin’?“ einfach öfter mal „Grüß Gott“ zu sagen. Wäre für den einen oder anderen Lacher sicher gut.

Um 13 Uhr sind wir zurück im Hotel und jetzt schüttet es richtig. Das sieht nach einem erzwungenen Gammeltag aus. Nun denn, da kann man wenigstens mal ein bisschen Wäsche waschen, im Internet schauen, was in der Champions League so geht (ich vermeide jegliches Checken von Emails im Urlaub!) und ein Mittagsschläfchen halten. Verdient ist diese Pause allemal nach dem Programm der letzten Tage. Die Frau an der Rezeption meint, dass es das ganze Jahr noch nicht so geregnet hat wie heute. Na, da sind wir ja genau rechtzeitig da.
 
Aber dem Regen folgt bekanntlich Sonnenschein. An diesem Abend kommt der in Form eines dramatischen Sonnenuntergangs, für den ich zum Wahweap Marina View Point hoch über dem Lake Powell fahre. Grandiose Sicht auf den See und die Berge von da. Und den abziehenden Wolken scheinen nicht all zu viele nachzufolgen. Das sieht ganz gut aus für morgen.

Das Abendessen besteht dann noch mal aus Fastfood. Aus reiner Faulheit drehen wir eine Runde durch den Drive-In des KFC. Frittiertes Huhn geht bei mir immer.

Gefahrene Meilen: 70
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