Wie die Zeit fliegt... (Bilder siehe ganz unten)

Trip Start Jun 23, 2012
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Trip End Ongoing


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Flag of United States  , New York
Monday, October 15, 2012

Die letzten Monate sind wirklich wie im Fluge vergangen. Jetzt sitze ich gemütlich mit meiner Freundin Kristina im Wohnzimmer, trinke eine Glas Wein, und warte mit ihr bis die nächste "Castle" Folge anfängt. Der Tag war lang und gefüllt mit unendlich vielen Hausaufgaben von daher lassen wir es heute Abend mal langsam ausklingen. Und weniger als eine Woche bis ich im Flieger zurück nach Hause sitze und zum ersten Mal seit weit über einem Jahr wirklich mal wieder FREI habe. Frei ohne Hausarbeiten, ohne Nebenjob, ohne Klausuren. Einfach nur Weihnachten zuhause genießen.

Aber zurück dahin, wo ich das letzte Mal aufgehört habe. Die Zeit mit Katrin und Markus in New York war fantastisch. Wir haben wirklich alles gesehen was man in New York sehen muss und will und haben uns jeden Tag ein bisschen mehr gefreut wenn wir etwas aus einer Filmszene wiedererkannt haben. Am Ende einer aufregenden Woche in einem fantastischen Hotel hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen und ich habe mich in den Flieger zurück nach Syracuse setzen müssen.

Kaum "Zuhause" angekommen ging es mit Freunden auf die New York State Fair. Auch wenn die Stadt hier einen wirklich nicht vom Hocker haut, eine paar kleine Nettigkeiten hat sie dann doch schon zu bieten; wie zum Beispiel den (nicht wirklich aber es gibt dafür wohl kein besseres Wort im Deutschen) "Jahrmarkt" des Bundesstaates New York, der hier jährlich stattfindet und Gesangsgrößen aus dem gesamten Land anlockt. Nebst Butterskulptur und einem Konzert von Matt Nathanson habe ich auch deutsches Bier auf der State Fair entdeckt. Angeblich Warsteiner... naja. Agnes (Frankreich), Eesha (Indien), Rocio (halb Spanien, halb Amerikanisch, aber in Brasilien aufgewachsen) und ich haben uns an die wildesten Fahrgeschäfte herangewagt. Nur das Riesenrad musste ich dann dankend ablehnen; manche Dinge ändern sich halt doch nie. Wie ich es schon zweimal auf das London Eye geschafft habe ist mir einfach schleierhaft.


Danach kam leider nur noch das Wochenende und dann ging die Uni auch schon wieder los. Hier der erste große Schock: $500 für Unibücher. Das ist bei den Studiengebühren ja wohl ein Witz. Aber na gut, hat ja nichts geholfen, also wurden die Unibücher schön brav gekauft (und bis dato tatsächlich auch alle gelesen). Schonzeit gab es zu Beginn des Semesters keine. Gleich in der ersten Woche schon diverse Aufsätze, Referate und Rechtsklausuren. Allerdings gab es auch einige erfreuliche Neuigkeiten in Form diverser Gastdozentin, wie dem International Communications Directors von Starbucks und Nike, dem CEO von Dreamworks, und, und, und... So Leid es mir auch tut das sagen zu müssen, ich glaube ich habe in meinen ganzen drei Jahren Bachelorstudium nicht so viel gelernt wie hier in wenigen Wochen, und jetzt Monaten.

Für die nächsten zwei Wochen stand außer lernen dann leider wenig auf dem Programm. Alle mussten sich erst einmal wieder an den Unitrott gewöhnen, und Zeit für ruhige (oder auch wilde) Abende blieb da kaum. Doch dann kam das zweite September Wochenende. Da hieß es zurück nach New York. Diesmal mit drei Freunden von der Uni als Mädelswochenende. Alles recht kurzfristig, aber da wir mit dem Auto hingefahren sind und statt in Manhattan "across the river" in Hoboken, New Jersey übernachtet haben war das teuerste an dem ganzen Trip der Musicalbesuch. Aber der durfte natürlich nicht fehlen. Etwas ganz Neues stand auf dem Programm: "Nice Work If You Can Get It" mit Matthew Broderick (Sarah Jessica Parker's Mann) und Kelli O'Hara in den Hauptrollen, die wirklich beide fantastischen waren. O'Hara hat einen mit ihrer Stimme einfach nur umgehauen; und bei der hälfte der Melodien konnte man sogar mitwippen, da alles von Gershwin kam und man daher spätestens nach drei, vier Takten mit einem Gefühl der Wiedererkennung überfallen wurde. 

Zwar war New Jersey etwas ab vom Schuss, dafür aber war der Ausblick Abends fantastisch. Neben dem Musical stand noch der Central Park, Little Italy (mit Straßenfest), La Maison du Macaroon, die Staten Island Ferry, Chinatown, Soho, Tribeca und nettes Frühstücksrestaurant auf dem Programm - Ausblick auf die Manhattan Skyline inklusive. Am Sonntag mussten wir dann ja aber auch leider schon wieder zurück, aber nur mit Zwischenstopp bei der deutschen Bäckerei in der Nähe! BROT!

Zurück an der Uni gab es mal wieder diverse Klausuren und Essays bevor uns zwei Wochen später nicht haben nehmen lassen am Wochenende zu den berühmten Finger Lakes mit den Weingütern zu fahren und die wunderschöne Atmosphäre auf den Weingütern - natürlich mit einem Glas Wein in der Hand - zu genießen. Besonders Anyela's Vinyard war ein Traum; nicht nur wegen des guten Weins sondern auch wegen des tollen Ausblicks auf die Seen. Das alles war Ende September, Anfang November und wir hatten leider noch keine Ahnung welcher Stress uns in der Uni dieses Semester erwarten würde. Der Sommer war da ja fast noch lächerlich gegen. "Fall" Semester war eindeutig schlimmer. Mit Gwen war ich an den Wochenende dann öfter mal Schlittschuhlaufen, da es ja langsam kalt wurde. Gwen war mal professionelle Läuferin und hat mir daher versucht einige Tricks beizubringen - einige davon haben auch geklappt. Und dann ging es steil auf den Wahlkampf und die Präsidentschaftswahl zu. Die Debatten wurden immer in guter Gesellschaft vor dem Fernseher verbracht und wir hätten uns wirklich dabei Filmen sollen; das Gelächter lässt sich nicht rekonstruieren. 

Auf einmal war es Ende Oktober und Halloween rückte näher. Oh, was man nicht alles für die Freundschaft tut. Ich hasse Halloween und ich hasse kaum etwas mehr als erschreckt zu werden und dennoch wurde ich durch nicht weniger als FÜNF Geisterhäuser geschleppt. Und nicht solche wo man schön gemütlich im Wägelchen durchfährt, nein, nein, die durch die man selbst läuft und wo in jeder Ecke Schauspieler lauern, die einen dann verfolgen. Der krönende Abschluss war dann allerdings ein Besuch im örtlichen französischen Restaurant, der sich (sogar laut Französin) wirklich mehr als gelohnt hat. Außerdem haben wir "Europäer" die Weinbar "Al's" für uns entdeckt. Gediegenes und ruhiges Ambiente, mit roten Backsteinwänden und einem Wandregal mit Weinen aus aller Welt.

Kurz darauf hatte ich dann das große Glück wohl genau im richtigen Jahr an diese Uni gekommen zu sein. Der Dalai Lama hat SU für drei Tage besucht und zu seiner Ehre wurde ein Konzert gehalten mit Whoopi Goldberg als Moderatorin und Gästen wie Counting Crows, Natasha Bedingfield, Nelly Furtado und vielen, vielen mehr. Als dann das ganze (unieigene) Stadium mit mehr als 10.000 Gästen angefangen hat mit den Sängern auf der Bühne "Imagine" von John Lennon zu singen, da habe selbst ich eine Gänsehaut bekommen. 

In den USA gibt es etwas fantastisches an der Uni, das nennt sich "extra credit". Heißt so viel wie wenn man im letzten Test ein paar Punkte zu wenig hatte, dann gibt der Dozent einem die Möglichkeit irgendwelche Veranstaltungen an der Uni zu besuchen und einen Essay darüber zu schreiben und man kann dafür ein paar extra Punkte bekommen. Das gute ist, dass man meist zu den Veranstaltungen gegangen wäre selbst wenn man keine Punkte dafür bekommen hätte und daher fällt das Ganze eigentlich nie schwer. Eine dieser Veranstaltungen war zum Beispiel ein Symposium mit Under Secretary of State for Public Diplomacy, Tara Sonenshine (frag mich wo ihr Nachname wohl herkommt :-)   ). Fantastische Diskussionen zur Politik der USA. 

Das Wochenende drauf ging es dann wieder nach New York. Diesmal mit Kommilitonen in einem Bus um das Cable Maverick's Forum im Paley Center besuchen können. Einen ganzen Tag mit Diskussionsforum zum Thema arbeiten im Film- und TV-Geschäft und die Möglichkeit viele CEOs und HR Leute zu treffen. Gigantische Möglichkeit, und noch dazu ein Kurztrip nach New York, von der Uni gesponsert. Diesmal sah New York schon ganz anders aus als die beiden Male im Sommer. Die Schlittschuhbahnen am Rockefeller Center und im Central Park standen schon, und alle Geschäfte waren dabei ihre Weihnachtsdekorationen anzubringen. 

Und dann einer der absoluten Höhepunkte meiner Zeit hier. Wenige werden mit dem Namen und meiner Freude daran wenig anfangen können, aber Mitte des Semesters bin ich mit einer Freundin nach Rochester gefahren um Idina Menzel "in concert" zu sehen. Die Tickets waren glaube ich das allererste was ich in den USA gekauft habe, da man die auf meinem Weg hier in den Vorverkauf gegangen sind und ich unbedingt da hin wollte. Und es war der absolute HAMMER! Ich habe noch nie so eine Stimme live erlebt, noch nicht einmal bei Stage. Und die Bühnenpräsenz... wow! Ich hab während des Konzertes mit Liedern vom Broadway, den Charts und ihrem Album, nur vor mich hingeträumt und die ganze Zeit wie ein Idiot gegrinst. 

Und dann kam Sandy... Gott sei Dank haben wir hier bei uns weitaus weniger abbekommen als vorhergesagt war, aber die Bilder von New York, der Jersey Shore und diversen anderen Küstenregionen waren einfach grauenvoll. Nebst einer Unmenge an Hausaufgaben in der folgende Woche ging es für mich auch schon wieder zurück nach New York. Diesmal zum Rotary Tag an den Vereinten Nationen. Rotarier, Stipendiaten, Diplomaten und Leiter von Hilfsorganisationen waren aus der ganzen Welt angereist um einen Tag lang über die Mission von Rotary und der UN zu sprechen, und für mich war es außerdem eine tolle Gelegenheit Stipendiaten aus Deutschland wieder zu sehen, die auch in der Region sind. Glücklicherweise konnte ich auch bei Andi, einem Stipendiaten aus Essen, der einen Master in Musical Theater an der Tisch School an der NYU macht, übernachten. Wir hatten uns schon auf Anhieb in Deutschland gut verstanden, da wie beide so eng mit Musicals in Verbindung standen, und haben die Gelegenheit genossen mal wieder miteinander zu quatschen. 

Und dann kam das kalte Wetter und Thanksgiving break. Für ich uns Agnes eine eher ernüchternde Erfahrung, da alle unsere amerikanischen Freunde die Stadt verlassen hatten, um nach Hause zu ihren Familien zu fahren und wir steckten in unseren Wohnungen fest. Nichtsdestotrotz, wir haben das Beste daraus gemacht. Einen Tag sind wir in die "Mall" gefahren, einen Tag haben wir uns einen Film im Kino angeguckt, an einem anderen haben wir ein neues Restaurant ausprobiert, zum lernen getroffen und einen Filmabend bei mir veranstaltet. Da ich am eigentlichen Thanksgiving Tag dann auch noch bei der Rotarierin Sally eingeladen war verging die Woche schneller als gedacht. Sally und ihre Familie haben mich wirklich sehr herzlich begrüßt, und das obwohl ich Sally erst zwei Wochen vorher getroffen hatte, als ich in meinem Rotary Distrikt hier mit den Interviews für potenzielle Austauschschüler ausgeholfen habe. 


Jetzt befinde ich mich gerade im Endspurt an der Uni. Jeden Tag ein "final exam" oder "final project" das eingereicht werden muss. Und dann nächste Woche, endlich, gibt es dann Semesterferien bis fast Mitte Januar. Ein absoluter Traum. Selbst wenn ich während der gesamten Zeit nichts besseres zu tun hätte als rumzusitzen kann ich mir gerade nichts besseres vorstellen. Wann immer möglich gehen meine Freunde und ich zumindest mal einen Kaffee trinken, frühstücken, einen Wein trinken oder ähnliches nur um mal an etwas anderes zu denken als Uni. Jetzt ist es Dienstag Früh (Nacht) und es ist noch genau eine Woche bis ich im Flieger nach Frankfurt sitze. Ich freue mich jetzt schon auf meine Zeit zuhause und euch alle wieder zu sehen. Aber bevor ich euch alle wieder sehe muss ich erst einmal ganz, ganz lange schlafen. Bis dann. Frohen ersten (und auch zweiten) Advent und genießt nicht zu viele Glühwein ohne mich - den gibt es hier nämlich nicht.

Gute Nacht und bis bald,

Anke

Typisch Amerikanisch:

Schild im lokalen Bistro das liest: Ess deinen Teller leer! Weißt du nicht, dass Menschen in Europa verhungern? --- Ja, aber wirklich, das wäre auch der erste Kontinent an den ich denken würde wenn ich an Menschen denke, die jeden Tag verhungern müssen. 

 
 

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