Destruction and rebirth

Trip Start Mar 04, 2010
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Trip End Ongoing


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Where I stayed
Hotel Sugat

Flag of Nepal  ,
Saturday, April 17, 2010

Ausflug mit meinem franzoesischen und meinem australischen Nachbarn zum Hindutempel von Dakshinkali und den buddhistischen Kloestern und Stupas von Pharping.

Dakshinkali ist der blutruenstigen Goettin Kali geweiht - einer Form von Pharvati, die wiederum die Frau von Shiva ist und somit wie er fuer Zerstoerung und Neuentstehung steht.
Insbesondere dienstags und samstags fliesst das Blut verschiedener Opfertiere hier und bevorzugt samstag landet danach alles im Kochtopf fuer ein grosses Picknick mit der Familie im umliegenden Wald.

Mit der Schlachterei hab ich so meine Probleme da die Tiere nicht mit einem schnellen Schnitt sterben sondern das Herz noch eine Weile schlagen muss damit das Blut ordentlich spritzt und ein gutes Opfer ausmacht.
Das einmalige Drumherum eines Hindutempels mit seiner archaisch-lebendigen Atmosphaere ist ja mittlerweile nix Neues mehr aber immer wieder beeindruckend.
Den Weg zwischen Busstand und Tempel saeumen zig Staende mit Opfergaben, Gewuerzen und anderen Zutaten fuers Picknick, neueste Klamotten, Souvenirs, Plastikkitsch etc. Dann gibt es eine grosse Warteschlange zum Tempelinnenhof, viele Frauen kommen in ihren besten bunten Saris, alle halten Tabletts mit Opfergaben in den Haenden, rundum gibt es lange Reihen von Glocken und Butterlampen, wer aus dem Tempelhof kommt ist mit dem roten Tikapunkt auf der Stirn und Blumenblaettern in den Haaren gesegnet und im Tempelinnenhof gibt es neben der Schlachterei das uebliche einmalige Gematsche mit Reis, Farbpulver, Wasser, Blumen, Raeucherstaebchen und Butterlampen.
Ich hab bis heute nicht verstanden welchen Regeln diese Rituale folgen und ob es ueberhaupt so richtig Regeln dafuer gibt. Leute schmieren Opfergaben auf Goetterstatuen und heilige Steine, erhalten Tikas und sonstige Segnungen gegen Geld aus Priesterhaenden, andere nehmen die Opfergaben wieder weg, stecken sich die Blumen in die Haare, alte Maenner segnen die Familie mit Tikas, junge Frauen segnen Freunde, Muetter segnen Kinder und umgekehrt, lebendige Tiere werden gewaschen und angebetet, tote Tiere werden weggeschleppt, Tauben picken dazwischen rum, von Zeit zu Zeit wischt die Putzkolonne ohne Ruecksicht auf Verluste alles weg und die ganze Stimmung ist ein einziges Gewusel, Geschubse, Lachen und Gedraenge.

Nach soviel Leben und Tod tut ein Spaziergang durch die Umgebung mit Pinienwald ganz gut und wir finden hinter den ganzen Picknickgesellschaften mit grossen Gasflaschen, kompletter Kochausruestung und riesen Musikanlage mit Boxen und Mikro fuer Familiendisko und Lottospiel sogar ein ruhiges Plaetzchen.
Meine Begleitung macht dem Ruf des Hippivolkes aus der Freak Street alle Ehre. Der Australier sorgt bei den Nepalesen fuer hoechste Verwirrung und Interesse weil er die ganze Zeit barfuss laeuft (niedlich war der Blick eines Strassenjungen - die Augen sagten "sogar ich hab Schuhe, warum hast du reicher weisser Man keine?") und die Jungs essen zwar den ganzen Tag nix aber rauchen mindestens 3 Tueten.

Wir klettern auf einige Huegel und spazieren ueber trockene Felder nach Pharping, wo sich jetzt viele Tibeter niederlassen und neben etlichen Kloestern und Stupas erstaunlich reiche Haeuser bauen. Irgendwie irritiert mich immer dass diese Fluechtinge einer Nation und eines Glaubens, die in der ganzen Welt um Anhaenger und Unterstuetzung werben oftmals die professionellsten Shops, die reichste Hauesser und jede Menge frisch gebaute oder frisch renovierte, prachtvoll ausgestattete Kloester haben.
Wir drehen unsere Gebetsmuehlenrunde um eine der grossen Stupas und werden freundlich von einem alten Moench ins Innere gebeten. Eine riesige Statue aus 3 Goettern dominiert den Raum und in hunderten von Nischen an den Waenden stehen kleine Stupa- und Goetterfiguren, die teilweise mit Namensschildchen der Spender versehen sind. Ich kann meinen westlichen Zynismus nicht bremsen der denkt "Ob allessehende Goetter ein Schild brauchen um den edlen Spender ausfindig zu machen und ihm das gute Karma fuer seine Tat zuzuordnen....? Wozu das Theater von Karma wenn es doch nur um Ansehen in der Gemeinschaft geht?"
Am naechsten Kloster haben sich die kleinen Moenche ihre Roben auf die Huefte hochgebunden und spielen in kurzen Hosen Fussball. Wir besuchen eine kleine Hoehle mit Opfergaben aus Menschenhaar und relaxen unter tausenden von Gebetsflaggen mit Blick ueber Doerfer und Felder der Umgebung.

Welch ein Kontrast - man spuert den intensiven, teils agressiven, pulsierenden Kreislauf des Lebens am Hindutempel und tiefe Ruhe und Frieden bei den Buddhisten.

Morgens kommt mein endlich nach 3 Monaten funktionstuechtig gemachtes Handy irgendwo zwischen Hotel und Bus abhanden. Als ich es im Bus merke und anfange zu suchen verbreitet sich die Info in Windeseile im Bus, alle Insassen helfen suchen und der Fahrer haelt extra an damit jemand mein Handy anrufen kann. Leider taucht es nirgends auf und auch als wir auf dem Rueckweg alle Stationen nochmal ablaufen bleibt es verschwunden. Da es nicht zu erreichen ist muss ich davon ausgehen, dass es einen gluecklichen Finder gibt der schleunigst die Karte rausgenommen hat.
Am naechsten Tag schenkt mir mein franzoesischer Nachbar ein Handy was er fuer einen Freund mitgebracht hat der aber nichtmehr hier ist.
Passt irgendwie zum Thema des Tages.... :-)
Reisephilosophie...




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