Cataratas sehen und sterben (Teil 1)

Trip Start Aug 18, 2008
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Trip End Nov 03, 2008


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Where I stayed
Villa Canoas

Flag of Brazil  ,
Wednesday, September 17, 2008

Ich habe mich letzte Woche dazu entschlossen, die zwei Tage Urlaub, die mir zustehen, für ein verlängertes Wochenende zu nutzen und die Iguacu-Fälle zu besuchen. Johnny war mit am Start, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Cucarachas Mitte letzter Woche begonnen haben, das gesamte Haus einzunehmen, und wir daher froh waren, dem Schrecken für ein paar Tage zu entkommen.

Am Samstag morgen ging es um 6.30 Uhr an den Busbahnhof von Asuncion, von wo aus wir mit dem Expreso Lujo (Luxusbus) nach Ciudad del Este, der berüchtigten Schmugglerstadt Paraguays an der Grenze zu Brasilien, gefahren sind. Die Erkundung der "vielleicht korruptesten Stadt Südamerikas" (Lonely Planet") musste allerdings warten, da unser Plan vorsah, sofort nach Foz do Iguacu weiterzufahren, um die brasilianische Seite der Wasserfälle zu besichtigen.

Zur Erklärung: Die Cataratas de Iguacu befinden sich - wie der Name schon sagt - im Rio Iguacu, der an dieser Stelle gleichzeitig die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien bildet. Dementsprechend gibt es auch eine brasilianische und argentinische Seite. Paraguay hat seit dem Triple-Allianz-Krieg, als irgendein grössenwahnsinniger Herrscher Paraguays der Meinung war, es gleichzeitig mit Brasilien, Argentinien und Uruguay aufnehmen zu können, keinen Anteil mehr an den Fällen. Dieses Land hatte wirklich nicht viel Glück mit seinen Führern!

Das Passieren der Grenze war nicht einfach und hat einige Zeit in Anspruch genommen. Ciudad del Este ist nämlich zollfreies Gebiet und daher so etwas wie der Marktplatz Südamerikas, der dementsprechend jeden Tag tausende Ausländer (vorwiegend Brasilianer) anzieht, die auf der Suche nach billiger Elektronikware sind. So auch an diesem Samstag ... Zu unserem Glück hatten wir einen sehr hilfsbereiten Taxifahrer, der uns in dem Wirrwarr behilflich war und uns erklärte, was wir zu tun hatten. Als wir endlich den erforderlichen Einreisestempel hatten, ging es gleich weiter zu unserem Hotel, der Villa Canoas in Foz (Ja, ich finde den Orstnamen auch witzig). Der klangvolle Name "Villa Canoas" ist wohl ein wenig übertrieben, aber immerhin war unser Zimmer sauber und das Wasser (lau-)warm. Da uns die Grenzkontrolle aber lange aufgehalten hat und der Nationalpark, in dem die Wasserfälle liegen, nur bis Nachmittag offen hat, wollten wir keine Zeit verlieren und brachen sofort wieder auf. Wie während unserer gesamten Tour sollten wir auch dieses Mal zur richtigen Zeit auf eine Art "Glücksfee" treffen. Unser Hotel hatte nämlich ein hauseigenes Reisebüro, das mit einer etwas aufgedrehten, aber äusserst attraktiven Brasilianerin besetzt war. Ein Klischee war also schon bestätigt: Das der rassigen Brasilianerinnen :-) Sie konnte zwar kein Spanisch und wir kein Brasilianisch, aber sowohl Johnny als auch ich waren gerne bereit, unser Anliegen mehrfach und mit grosser Geduld zu kommunizieren. Es stellte sich dann heraus, dass es einen hoteleigenen Bus gibt, der just in diesem Moment abfahren würde. Hin- und Rückfahrt waren also geregelt!

Nach einer kurzen Fahrt kamen wir am Eingang des Parks an, von wo es aus mit einem anderen Bus ein Stück weit in den Regenwald ging. Nicht sicher, wo wir genau waren, stiegen wir einfach irgendwo aus und folgten dem lauten Rauschen der Fälle, das überall zu vernehmen war. Der erste Anblick der Cataratas kam bereits nach wenigen hundert Metern und war spekatulär. Es handelte sich - wie sich später herausstellen sollte - zwar nur um einen kleinen Teil der Fälle, aber was wir sahen war bereits von umwerfender Schönheit. Hunderte kleiner Wasserfälle, die bis zu 80 Meter tief in den Fluss stürzten, die Gischt, die uns ins Gesicht schlug ... Ich hatte zuvor gelesen, dass die Iguacu-Fälle weit eindrucksvoller wären als die aus irgendeinem Grund deutlich bekannteren Niagara-Fälle in Nordamerika. Die Erwartungshaltung war also hoch! Wir wurden dennoch nicht enttäuscht! Ich kenne die Niagara-Fälle nicht, aber ich kann mich nicht erinnern, jemals ein eindrucksvolleres Naturspektakel gesehen zu haben als die Cataratas de Iguacu. Der Höhepunkt war zweifellos die Gargante del Diablo, die Teufelsschlucht. Ihr Anblick lässt einen verstehen, wie die der Stamm der Guarani, also der Ureinwohner, die Entstehung der Cataratas erklärt. Der Legende nach zürnte ein eifersüchtiger Waldgott einem Krieger, der zusammen mit einem Mädchen in einem Kanu flussabwärts flüchtete. Direkt vor dem Paar riss der Gott das Flussbett auf und schuf so die steilwandigen Wasserfälle. Das Mädchen stürzte in die Tiefe und verwandelt sich unten angekommen in einen Felsen. Von oben muss der Krieger, seitdem in der Gestalt eines Baumes gefangen, tagein tagaus auf seine gefallene Geliebte herabblicken. Der Zorn des Waldgottes scheint heute noch spürbar, wenn man die tosende Schlucht hinunterblickt. Tatsächlich fordert die Gargante del Diablo bis heute ihre Opfer. Erst wenige Tage bevor wir da waren, ist eine deutsche Touristin in den Wasserfällen umgekommen.

Aber weil Bilder in diesem Fall wirklich mehr sagen als tausend Worte, hab ich ein paar beigefügt :-)

Tief beeindruckt, aber erschöpft, sind wir - nach einem ausgiebigen Abendessen in einer der vielen Churrasquerias - gegen Abend in unser Hotel zurückgekehrt. Schliesslich sollte der nächste Tag nicht weniger anstrengend werden: Die argentinische Seite stand auf dem Programm.
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