Retrovirus Meeting und Memorial Wochenende

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Flag of United States  , New York
Monday, May 19, 2014

Hallo ihr Lieben,

Zeit für ein Update. Letzte Woche Montag bin ich mit der "Long Island Rail Road" nach Cold Spring Harbor gefahren. Es ist doch verwunderlich, wie man sich in so kurzer Zeit an neue Begebenheiten anpassen kann um dann festzustellen, dass es wiederum ein komisches Gefühl ist, zu packen und sein neues Zuhause für ein paar Tage zu verlassen. Wobei ich zugeben muss, dass ich immer noch teilweise den Kopf darüber schüttle, dass ich tatsächlich in New York wohne, aber lassen wir das ;) Ich bin sogar von meinen Mitbewohnern mit einem kleinen Handgepäck-Koffer ausgestattet worden und Hector hat mir sogar den Koffer die Treppen runtergetragen, ich würde sagen, ich habe alles richtig gemacht. Ich habe versucht im Vorfeld herauszufinden, von welchem Gleis mein Zug abfährt, aber das wurde im Internet nirgends ersichtlich. Das konnte es auch gar nicht, denn hierzulande herrscht ein durchaus lustiges System der Gleisansage. Ich habe mich gewundert, warum sich die Menschenmenge am Bahnhof an gewissen Stellen regelrecht ansammelt bzw. clustert. Jetzt weiß ich warum. Alle stehen vor den Anzeigetafel bis gefühlt 2 Sekunden vor Abfahrt das Gleis angezeigt wird und dann alle fluchtartig zum Gleis eilen. Das fand ich irgendwie lustig, vor allem weil das System in Deutschland so gegenteilig ist und man gefühlt ein Jahr vorher das Gleis nachschauen kann und das umgekehrt bestimmt die Amis genauso absurd finden. Die Zugfahrt ging insgesamt eine Stunde und es war irgendwie schon krass, dass das Häusermeer kein Ende nahm. New Yorks Stadtviertel gingen nahtlos in New Yorks Vororte und Vor-Vororte über. Als ich an meiner Haltestelle angekommen bin, sah ich nur einen riiiiieesen Parkplatz und ein endlos langes Gleis und dachte mir nur, wie ich hier bitte in diesem Automeer die besagten Shuttle Busse zum abeitsgelegenen Campus finden soll. Aber es ist ja eine größere Konferenz gewesen, also bin ich einfach den anderen Leuten mit Posterrollen in der Hand hinterhergelaufen. Das war eine gute Taktik. Das/Die/Oder Meeting/Konferenz/Sonstiges hat auf dem sogenannten Cold Spring Harbor Laboratory Campus stattgefunden. Sehr schön gelegen in einer Einbuchtung des Atlantiks, mit kleinem Strand sogar und viel Grün rundherum. Historisch gesehen ist dort Vieles passiert. Dort wurden die allerersten Restriktionsenzyme verwendet in einem klitzekleinen Labor, wo früher andere Wissenschaftler Schlange standen um Aliquots davon zu bekommen. Einige spätere Nobelpreisträger haben dort ihre Arbeit verrichtet (z.B. Barbara McClintock für die Entdeckung von "jumping genes" Transposons in Mais) und James Watson hat dort lange gearbeitet bzw. sogar auch gelebt. Watson hatte dort in einer kleinen Halle, wo die Postersessions und die Party am letzten Abend stattfanden, zum ersten Mal öffentlich die Struktur der DNA Doppelhelix vorgstellt, für die er zusammen mit Francis Crick später den Nobelpreis bekommen hat. Ein ehrfürchtiger Ort also. Zurück zur Konferenz. Das erste was ich dachte, als ich das Abstractbook in die Hand gedrückt bekommen habe, war, "Oh mein Gott das wiegt 5 Kilo". Das ist echt ein Klopper. Das kommt dann schonmal ins Handgepäck ;) Ich wurde außerhalb des Campus in einem Best Western Motel untergebracht, das war ca. 10 Minuten mit dem Shuttle Bus entfernt. Ich habe auch Glück mit meiner Zimmernachbarin gehabt, wir haben uns sehr gut verstanden. Natasha ist sehr nett, sie wohnt auch in New York und wir wollen uns auch so nochmal treffen. Was ich sagen kann, dass wir ALLE zugenommen haben. Sowohl wissenstechnisch als auch bauchumfangstechnisch. Täglich wurden größtenteils 36 Vorträge + Postersession durchgezogen von 9 Uhr morgens bis 11 Uhr abends. In den Pausen wurde man dann mit leckeren Köstlichkeiten regelreicht verführt. Das Essen war soooo gut. Mein Körper muss sich erst wieder auf eine normale tägliche Kalorienzufuhr gewöhnen ;) Mein persönliches Highlicht war der "Keynote-Speaker" Vortrag von Paul Bienasz. Ich hatte echt Gänsehaut. Nach so einem Vortrag weiß man wieder, warum man das alles macht. Er hatte sein "erstes Mal" in Cold Spring Harbor als "try to drink out of a fire hydrant" beschrieben. Das fand ich sehr passend. Ab Mitte der Woche fingen dann auch so die "Social get together" an. Liveband, Bar geöffnet, Lobster-Party, die Woche war geprägt von viiiiiielen Vorträgen gepaart von miiiiinimal Schlaf. Aber es hat sich wirklich gelohnt. Ich konnte mir sogar mal eine kleine persönliche Auszeit fast ganz alleine an dem schönen Strand erlauben. Hatte bisschen Urlaub Feeling. Abends kommen dann zahlreiche sogenannte Horseshoe Crabs oder auch Pfeilschwanzkrebese (laut Wikipedia) an Land um ganz viel Spaß zu haben. Da ist man dann weniger allein. Die machen sogar Geräusche mit ihren in Ekstase aneinander reibenden Panzern. Die sehen echt urzeitlich aus und sind auch sowas wie Relikte aus der Urzeit. Zurück zur Konferenz. Lustig war auch die Tatsache, dass jemand aus Goff's Labor einen Vortrag hatte, in dem er sein Projekt vorgestellt hat. Und da wurde mir Bewusst, dass es anscheinend Muscheln in Goff's Labor geben muss, da er mit Muscheln arbeitet und tatsächlich: gestern machte er dann mal einen der gefühlt tausenden Kühlschränken im MolBiolabor auf und da waren sie....echte, lebende Muscheln, teilweise auf dem Chelsea Market gekauft. Ich habe mir vorgestellt, was ich wohl gemacht hätte, wenn ich vorher zufälligerweise nichtsahnend diesen Kühschrank geöffnet hätte ;) Also kleiner Tipp an alle: Wenn ihr irgendwo neu anfangt fragt, ob sie Muscheln da haben!!!!!! Samstagmittag, als ich dann wieder in New York ankam bin ich erstmal so ein bisschen ausgeknockt ins Bett gefallen, wobei so lange konnte ich mich nicht wirklich dort aufhalten, weil ich mich an dem Abend noch mit einer Bekannten in New York getroffen habe, die ich auf der Konferenz wiedergesehen habe. Agi, Aileen, Julia (weiß es schon) haltet euch fest....ich habe Anika Hain morgens beim Frühstücksbuffet in Cold Spring Harbor getroffen und hätte fast mein Tablett fallen lassen. Sie macht jetzt was mit HIV und war deshalb auch dort. Für alle anderen: Anika hat damals mit uns in Marburg den Bachelor gemacht und es ist sooo krass. Wir haben uns schon seit Ewigkeiten (4Jahre?) nicht mehr gesehen. Die Welt ist doch klein. Wir sind Samstag zusammen hoch auf das Rockefeller Center gefahren und haben uns den Sonnenuntergang von oben angeschaut. Es war eine schöne Atmosphäre, weil es tagsüber auch mal geregnet hatte und die Stadt teilweise noch angegraut war von den Wolken und dann ist überall so hübsch das Licht angegangen. Danach waren wir nochmal um die Ecke auf dem Time Square und da waren se....die ganzen Matrosen. Es war nämlich Fleetweek. Viele große Marineschiffe legen am Hafen an und die Matrosen gehen an Land und machen die Stadt unsicher. Sonntags habe ich mich erst an einem meiner Lieblingsorte im Central Park gesonnt (East Meadow). Abends bin ich zum World Trade Center gefahren. Ich habe es so bisschen vor mir hergeschoben, zurecht. Dort wo die Türme standen haben sie jetzt zwei große Pools gebaut, in denen das Wasser von den Wänden herab in die Tiefe läuft und am Rand stehen die vielen Namen von den Menschen, die gestorben sind und es liegen teilweise Rosen auf den Inschriften darauf. Und daneben sieht man das neue Gebäude, das gebaut wurde und es ist nur so unendlich riiiiesig hoch. Man muss den Kopf ganz weit in den Nacken legen. Und wenn man sich vorstellt, dass da mal zwei solcher Türme standen. Ich glaube ich kann sagen, dass ich diesen Ort furchtbar finde und dass ich dort nicht mehr hinmuss. Vor 5 Jahren, als ich zugegebenermaßen abends im Dunkeln vor den 2 Löchern mitten in der Stadt stand, war es auch nicht viel besser. In einer Stadt die so voller Leben und Energie strotzt wirkt dieser Ort, zumindest auf mich, sehr entschleunigend und surreal. Ich bin also schnell weiter zum Battery Park ans Wasser des Hudson Rivers und hatte dort einen schönen Blick auf die Freiheitsstaue und Ellis Island. Von dort habe ich mir so bisschen das Treiben im Hafen und den Sonnenuntergang angeschaut. Ich muss zugeben, dass ich mich momentan über meine Sonntagabende nicht beschweren kann ;)
Montag war Feiertag (Memorial Day).  Den habe ich entspannt auf der East Meadow im Central Park verbracht. Ich war schon ewig, wenn überaupt, noch nie im Mai so braun. Habe richtig Farbe bekommen am Wochenende. Das heißt natürlich nicht, dass ich hier nur in der Sonne liege. Ich bin natürlich diese Woche wieder fleißig im Labor :D

:*
Franziska
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Comments

Aileen on

Zurück zur Konferenz :D
Der Campus sieht echt super schön aus, wie ein Urlaubsresort irgendwie..
Die Geschichte mit Anika ist wirklich unfassbar!! Ich kanns gar nicht glauben!!! Kann die Welt echt so klein sein???
Super schöne Bilder hast du gemacht Franziska! New York sieht monströs groß aus.. Ich freue mich mega, dass du dich so wohl fühlst.
Ich hatte nie das Bedürfnis, mal nach New York zu reisen, aber langsam merke ich es - du ziehst mich in den Sog......
:-* zurück

Franziska on

Jaaaaa Schätzelein..... lass es zu.... lass dich mitreißen :D

Natali on

Tolle Bilder, tolle Stories! Weiter so :) LG, Natali

Jenny on

Huhu... ich hab s endlich geschafft alles zu lesen...
Wooooowwww.... schöne Berichte, tolle Fotos ....
weiter soooooo..... :)))))))

Agi on

Du scheinst dich in NY schon richtig heimisch zu fühlen :)
Der Campus in Cold Spring Harbour sieht wirklich nicht nach dem typischen Labor aus. Sehr idyllisch! Lustige Toerchen, diese Urzeitkrebse.
Das Bild von dir auf der Wiese finde ich toll! Und das mit dem Blick auf den quadratischen Central Park :-)

Die Welt ist wirklich ein Dorf. Wen man nicht so alles trifft an der anderen Ecke der Welt.

Ich wünsche dir weiterhin so viel Spaß und eine so schöne Zeit in NY :*

Julia on

Die Krebse sind hässlich, deshalb haben die bestimmt so lange überlebt. Keiner will sie essen, keiner will aus ihnen Schmuck machen. Da muss man sich im Laufe der Evolution auch nicht groß verändern.. *g* Und noch ein Kommentar zu deinem neuen Höschen! SEXY!

Franziska on

Gut erkannt! Danke Süße! Das "Höschen" haben wir ja auch zusammen gekauft!!!
Höschen klingt so nach Unterwäsche....
Nein, ich habe mich nicht mit ner Unnerbuchs vor der Miss Liberty fotografieren lassen ;)

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