Elefantenprojektwoche

Trip Start Sep 01, 2012
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Trip End Oct 29, 2012


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Flag of Sri Lanka  , Sabaragamuwa Province,
Sunday, September 2, 2012

Ich habe in den ersten 5 Tagen auf Sri Lanka mehr an nachaltigen Eindruecken und tiefgehenden Emotionen erlebt, als ich es mir in den kuehnsten Traeumen haette vorstellen koennen! Und bereits am dritten Abend fuehlte ich mich schon im im innersten Machtzirkel der schoenen Insel. Aber eines nach dem anderen! ;-)

Ankunft
Bereits die Ankunft in Colombo war filmreif fuer eine Komoedie! Stellt euch vor: ihr kommt alleine aus dem Exitbereich des Flughafens und vor euch stehen ca. 40 Einheimische, schoen in 2er Reihen nebeneinander auf einer Laenge von gefuehlten 20 Metern und jeder haelt eine Tafel hoch mit 1-2 Namen darauf! Ich dachte nur: das werden die laengsten 20 Meter deines Lebens, denn alle 80 Augen waren auf mich gerichtet verbunden mit dem gespannten Hoffen auf ein erloesendes Nicken meinerseits: yes, it's me! So lief ich den "Catwalk" runter und kam am Ende an, ohne dass ich meinen Namen im schnellen vorbei laufen erkannte! Das ist nicht moeglich, dachte ich mir! Ich lief langsam wieder retour in der Annahme, ich haette es uebersehen! Da sprang einer aus der Menge und rief: who are you looking for? "Green Lions!" Here! rief einer und zeigte mir sein Plakat und mir war klar, warum ich es uebersehen hatte:
MICHEAL KILLER!!!
Ich rief meinen richtigen Namen und fragte lachend: Do I really look like a killer!!! Ca. 20 Singhalesen mussten laut mitlachen! Mein Taxidriver war so verschaemt, dass er beim ersten Foto sein Gesicht hinter seiner Tafel versteckte! ;-))

Sumeda
Sumeda hat mich in Empfang genommen und war die ganze Woche fuer mich verantwortlich!
Es ist ein sehr zuverlaessiger, herzensguter Mensch, verheiratet und Vater 2er Kinder, mit dem ich sehr freundschaftlich verkehrte. Mein Glueck war, dass ich diese Woche der einzige Volunteer auf dem Projekt war (nur 2 Wochen zuvor waren es 6)! So konnte er mir ein auf meine Beduerfnis massgeschneidertes Projekt anbieten!



Komali
So fuehrte er mich nach einem kurzen Lunch zu "meinem" Projekt: Komali! Komali, ein 2,5 Tonnen schwerer Elefant hat sich vor ueber 3 Monaten beim taeglichen Baden im Fluss oberhalb des Knies den Knochen gebrochen! Nun steht sie somit seit mehreren Monaten in ihrem "Kaefig" und darf sich einzig auf die Seite lehnen und sich auf Saegemehlsaecken ausruhen! Es war ein trauriger Anblick, der mir beinahe das Herz brach! !

Zuerst dachte ich mir: das kann wohl nicht sein, dass ich eine Woche lang "nur" einen Elefanten pflegen muss, der erst noch nicht mobil ist! ;-(( aber ich habe meine Meinung relativ schnell geaendert! Nicht nur dieses Schicksal hat mich immer mehr in Bann genommen, sondern vor allem Dasjenige von Sarath, dem Mahout (Elefantenpfleger).

Sarath
Saraths Schicksal haengt direkt von Komalis' ab. Sarath kommt aus sehr armen Verhaeltnissen und hat bis zum Unfall von Komali von Elefantenausritten mit Komali gelebt. Der Elefant selber gehoert einem reichen Singhalesen, dem das Schicksal beider egal ist, Hauptsache das Geld kam rein. Kaum war Komali nicht mehr arbeitsfaehig stoppte er die Salaerzahlungen an Sarath! Zum Glueck hat sich unsere Organisation seiner angenommen und unterstuetzt ihn moralisch, mit Volunteers und auch finanziell, wo moeglich! Zudem hat sich Asela, ein reicher, offensichtlich knallharter Geschaeftsmann mit Herz (zu ihm spaeter) der Gegend einen Teil der monatlichen Salaerzahlungen uebernommen (ca. 100 CHF).
Ihn habe ich mit der Zeit richtig ins Herz geschlossen, obwohl wir kaum miteinander sprechen konnten, da er sehr wenig Englisch konnte! Oft gegnuegten kurze Blicke oder ein Nicken und wir wussten, was zu tun war oder wir gerade ueber Komalis Zustand dachten. Mitte der Woche habe ich mich spontan entschlossen, mit ihm in Begleitung mit Sumeda in die Stadt zu fahren in den Supermarkt und er konnte sich einen Einkaufswagen voll Grundnahrungsmittel wie 10kg Reis und Dinge des taeglichen Gebrauchs kaufen, die er sich nicht leisten konnte wie Seife, Zahnpasta, etc. - Dinge, die wir gedankenlos und mit einer Selbstverstaendlichkeit in den Warenkorb legen! Schliesslich habe ich noch fuer seine 9jhrg. Tochter einen Schulrucksack, seinen 4jhrg. Sohn ein Auto ausgewaehlt und er suchte sich noch fuer seine Frau ein gutes Duftwasser aus. Mit waessrigen Augen hat er sich bei mir bedankt. Seine Freude und tiefe Dankbarkeit war derart gross, dass er mich 2 std spaeter zu sich nach Hause und seiner Familie mit Uebernachtung einladen wollte, die notabene 4-Tuktuk Std. Weit weg wohnte (geplante Ankunft um 23 Uhr)!! In Absprache mit Sumeda blieb ich zurueck, den die Strassen sind eng und gefaehrlich, vor allem in der Dunkelheit! Ich versprach ihm aber, Komali am morgen alleine zu pflegen, damit er nicht um 5 losfahren musste und laenger bei seiner Familie bleiben, die er nur alle 2-3 Wochen sieht!

Meine Aufgaben
Ich unterstuetzte und half, wo ich konnte und durfte. Ich durfte nur von aussen mit Komali arbeiten, da sie aufgrund ihrer Situation unberechenbar sein konnte! Meine Hauptaufgaben u.a.: Kokospalmenblaetter im Dschungel holen gehen mit weiteren Leuten, fuettern, reinigen des Platzes, misten (mit dem Dung wird uebrigens an der Strasse oben Papier gemacht ;-)) ), abduschen, Medikamente kaufen (freiwillig) und assistieren des Arztes, der taeglich kam. Das war interessant. Ich musste 150 Tabletten gegen Schmerzen und Entzuendungen, Vitamine, Antibioticas in ein Kilogramm Brot stopfen und ihr danach verabreichen. Anschliessend erhielt sie eine Infusion mit weiteren wichtigen Medikamenten! Schlussendlich reinigte der Arzt noch die offenen, eiternden Wunden auf der Seite des Koerpers, die durch das permanente Reiben am Seitenbalken entstanden! Dabei langte er mit dem halben Unterarm in das Loch hinein, um danach eine Handvoll Eiter rauszuziehen!!

Ryan, der Barman
Ryan war nach aussen hin der klassische Barman: auf cool machend, vollbehangen mit Arm- und Halsketten, voller Oberarm-Tatooes, und wenn er wollte konnte er recht barsch wirken auf seine Klienten. Aber er hatte ein gutes Herz! Er sass immer in seinem "Kaefig", denn der Alkohol war stets streng gesichert vom Rest! Ryan hatte eine Vision: er wollte sein duerftiges Englisch derart verbessern, dass er weiter kam im Leben um nicht hinter Gitter eingehen zu muessen! Ich habe ihm anerboten, in den ruhigen Mittagsstunden, wo ich ass und Siesta machte, Englisch zu lernen und ihm einige wichtige Ausdruecke zu lehren! So haben wir uns waehrend vieler Stunden kennen und schaetzen gelernt und ich spuerte foermlich, wie er aufbluehte und mit seinem Lebensziel vor Augen hoch motiviert und unermuedlich lernte, wiederholte, nachsprach, korrigierte und sich oft ueber sich selber aufregte, weil es nicht so schnell wie nach seinen Vorstellungen lief. Ich entschloss mich am letzten Tag in die Stadt in die einzige Buchhandlung zu gehen, um ihm ein Grammatikbuch mit Uebungen und Loesungen sowie ein Practicebuch mit Begleit-CD zu kaufen. Am letzten Mittag habe ich ihm die Geschenke ueberreicht. Was dann passierte vergesse ich mein Leben lang nie mehr und ging tief. Nachdem er realisiert hatte, was ich ihm gerade geschenkt habe kam dieser sonst hartgesottene Bursche mit waessrigen Augen auf mich zu, umarmte mich fest, lange und herzlich mit den Worten: du kannst dir nicht vollstellen, was du mir jetzt fuer ein Geschenk gemacht hast! Mein tiefster Dank aus ganzem Herzen! Nie werde ich das vergessen! Er zog sein Elefantenhaarsilberarmband ab, das er seit Jahren trug und legte es mir um. Dann verschwand er hinter seine Gitter und ich (und ich denke auch er) kaempfte mit meiner Fassung! 5 Minuten spaeter trat ein Unbekannter auf mich zu und sagte: "Mister, aus tiefstem Herzen, sie haben meine groesste Hochachtung! Ich bin Ryans bester Kollege und lehre ihm seit Monaten mit meinem bescheidenen Englisch diese Sprache! Sind sie sich bewusst, dass sie ihm das schoenste Geschenk seines Lebens gemacht haben?! Nicht einmal seine Eltern haben ihm jemals in seinem Leben eine solche Freude bereitet....!" Bumm! Da konnte ich nicht mehr und es hat mich einfach uebermannt....! Das war zuviel fuer mich! Das ging nahe und tief nach all den emotionalen Vorgeschichten mit Komali und Sarath - Ein praegender Moment in meinem Leben! Es faellt mir heute noch schwer diese Zeilen noch klaren Kopfes zu schreiben!

Wahl-und Musikveranstaltung in Rambukkana
Rambukkana, ein kleines Provinzdorf 10 min. Von meinem Aufenthaltsort weg war fuer einem Abend im Fokus des Landes. Es fand eigentlich eine Wahl-und Propagandaveranstaltung statt, die aber gut verpackt war als openair-Konzert mit politischen Rednern zwischen den bekanntesten Musikkuenstlern des Landes. Asela, der Interimsboss von Salath und guter Freund von Sumeda war der "Drahtzieher" und Organisator des Events. Er hat offensichtlich Beziehungen bis ins hoechste Landesparlament von Sri Lanka und zu den wichtigsten Ministern! Somit ist er definitiv auch der Regionalfuerst! Inwieweit hier auch sueditalienische Zustaende wage ich hier nicht offiziell zu schreiben, solange ich zuminest noch im Lande bin! ;-))
Asela war es ein Anliegen und eine Ehre, wie er sagt, dass ich als Ehrengast teilnehmen soll!
So kommt es, dass ich als einziger Weisser inmitten von tausenden von tanzenden, singenden und manipulierten Zuschauern in der ersten Reihe des Ehrengastzeltes sass. Es gab 3 Reihen an 7 Stuehlen und ich verfolgte das faszinierende Schauspiel uebersichtlich von rechts aussen! Neben mir standen 2 ungewoehnliche Tuerme von Sri Lankesen! Nachdem ich ihr walkytalky in der Hand sah wurde mir klar, dass dies Bodyguards sein muessen. Ploetzlich standen 20 leute des Ehrengastzeltes auf, nur einer blieb sitzen: ich! Ich dachte: ok, die gehen jetzt wohl alle! Nachdem aber 14 davon wieder abgesessen sind, nach der Abreise der restlichen 6 war mir klar: das waren wichtige Leute! Und das war wohl ein Fauxpas meinerseits! Der naechste kam an und ich wollte es diesmal vorbildlich machen und stand auch auf! Es war der Sohn des Ministerpraesidenten (und auch enger Freund von Asela), der auch kandidierte, welcher mit einem grossen Tross an Polizei, Bodyguard und Entourage ankam. Ich blieb stehen an der Seite! Ploetzlich macht er einem seiner Adlaten das Zeichen aufzustehen und gab mir das Zeichen abzusitzen! Ich machte so ein Zeichen: ist schon ok! Er insistierte und ich dankte mit einem freundlichen Laecheln. Was dann geschah war der Clou: im Minutentakt sind Leute gekommen, habe die ganze Reihe ehrwuerdig mit einer Verbeugung gegruesst und dabei die Haende lange geschuettelt und die haben mich immer miteinbezogen! Dem Ministerpraesidenten jun. Haben sie oft sogar die Fuesse gekuesst! Soweit habe ich es nicht gebracht! Zum Glueck! :-)) zum Glueck hatte ich aber Mohammed, ein Lokalpolitiker eine Zeit neben mir, der mich in die Internas der Sri Lankesischen Politik eingeweiht hat! Ein cooler Typ war das! Die unvergessliche "Party" ging bis um 2 uhr morgens....! ;-))

So ging nun eine emotionale, aeusserst spannende und erlebnisreiche Woche vorueber und ich muss euch wohl nicht mehr erlaeutern, wie und vor allem wie schwer mir der Abschied von den in dieser kurzen Zeit liebgewonnenen Menschen (aus-)fiel....! ;-) ;-(

weiter gehts nach Kandy, wo ich 2 Wochen verbringen werde und ich verspreche, dass je laenger die Reise dauert der Blog nur noch kuerzer wird! Herzlichst!
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