Bialpines Eissprungskelet

Trip Start Jan 11, 2010
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Trip End Mar 05, 2010


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Flag of Canada  , British Columbia,
Saturday, February 20, 2010

Wilkommen zurück zur Berichterstattung von den ersten Olympischen Frühlingsspielen. Wir entschuldigen Uns für die längere Unterbrechung aber Materialermüdung am menschlichen Objekt machten eine Berichterstattung unmöglich. Der Rhytmus sah ungefähr so aus: Aufstehen - rudimentärstes Frühstück - zum Bus fahren und hoffen das keine Kinder im Bus sind, damit man schlafen kann - Sich ärgern das Kinder im Bus sind - Nicht schlafen - Veranstaltung - Rückreise im Bus - bis zum ersten Handyklingeln schlafen - nächstes Event - Heimkommen - schlafengehen.
Das Wetter ist die letzten Tage übrigens sehr konstant, keine Wolke traut sich den Kampf mit der Sonne aufzunehmen. Die Bäume blühen, die Temperaturen sind zweistellig und ich habe Sonnenbrand. Ist man in Vancouver und sieht olympische Ringe denkt man eher an Sommerspiele aber was solls, kommen wir mal lieber zu dem, was hier im Moment wirklich los ist.
Meiner einer sollte eigentlich jemand sein, der mal am allerwenigstens Grund hat auf irgendjemand oder auf irgendwas neidisch zu sein. Bis her was dies auch der Fall, jedoch haben die letzten beiden Tage in mir ein Gefühl geweckt, dass man im entferntesten als neidisch beschreiben kann. Diejenigen die es geschafft haben aus der Überschricht die Sportveranstaltungen von Gestern und Vorgestern zu extrahieren und die dazugehörigen Austragungsorte auf eine Karte zu übertragen werden feststellen, dass ich mich hauptsächlich in Whistler aufgehalten habe. Zugegebenermasen, ich habe in dieser Stadt genausoviel zu suchen wie ein Eimer Sand in einer Chipfabrik, denn es handelt sich hier um eine reine Skistadt. Einer der Gründe warum ich neidisch sein könnte sind die Unterkünfte. Hier werden komplette Wohnungen vermietet, welche von den Skiliften einfach top aussehen. Ich hätte mir gerne mehr von Whistler angeschaut hätte ich nicht zu den Sportveranstaltungen tingeln "müssen", genauer gesagt zu Biathlon, Skeleton, Ski Alpin, Skispringen und 2x Eishockey, um die Überschrift mal ins verständliche Deutsch zu übersetzen.
Biathlon ist ja mittlerweile schon ein alter Hut, da gibt es nicht viel zu berichten, außer das die Norweger mir langsam auf die Nerven gehen, wenn ich denn mal den Deutschen raushängen lassen möchte. Die Wikinger/innen laufen nicht nur wie die Hunde, die schiessen auch noch wie der Teufel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die paar Fehlschüsse absichtlich gesetzt werden um die Veranstaltung nicht völlig in die Langeweile abdriften zu lassen. Aufs Ski Alpin war ich mehr als gespannt, da ich als nicht mal ansatzweiser Schluchtenjodler noch nie etwas in der Richtung im Fernsehen verfolgt, geschweige denn vor Ort miterlebt hab. Wie es bisher fast immer auf dieser Reise war, hat man hohe Erwartungen wurde ich eher etwas enttäuscht, ging ich irgendwo hin wie zum Friseur heute es mich von den Socken. Es war also ganz nett, jedoch nicht so ganz mein Ding. Zum einem hat mich der US-hassende Kanadier neben mir gewaltig gestört, zum anderen fehlte mir etwas die Bindung zur Action. Da man nur einen kleinen Teil des Kurses einsehen kann starrt man die ganze Zeit auf den Monitor und kann jetzt nicht wirklich sehen warum der eine urplötzlich 2 Sekunden langsamer ist als der andere. Gott sei dank blieben mir auch schwerere Stürze erspart, lediglich den schwedischen Methusalem hat es kurz vorm Zielbereich zerlegt. Große Klasse und wahrscheinlich auch das geilste an der gesamten Veranstaltung war der Weg zum Stadion. Zum einen ist die Piste in einer wiedermal unverschämt hübschen Landschaft eingebettet, wodurch man einfach auch mal zum Rundschauen stehenbleiben kann. Zum anderen gibt es zwei Wege zum Stadion. Wer so langweilig wie eine Castingshow ist, stellt sich logischerweise beim Sessellift an, wer allerdings ein Funken Leben verspürt erklimmt den Hang zu Fuß. Unterwegs trifft man auf eine Armada an Volunteers, die hier auch endlich mal alle beschäftigt sind und mit denen man sensationell viel Quatsch machen kann. Tanzen, Limbo und Seifenblasen jagen sind nur einige grandios nutzlose, aber herrlich amüsante Sachen mit denen man unterhalten wird. Sowas ist selbsverständlich ansteckend womit ich mich hinter Zwei den Weg kehrende Volunteers kniete und Curlingkommandos (haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaard) in die Landschaft brüllte. Einer hat vor Lachen seinen Besen zerbrochen. Heute war Skispringen an der Reihe und es gilt im Grunde genommen das gleiche wie für Ski Alpin, ich war noch nie live dabei und hab auch ehrlich gesagt keine Ahnung was abgeht. Die Springen die Schanze runter und manche fliegen weiter als die anderen. So weit so gut, aber wie das Punktesystem funktioniert ist mir ein Rätsel. Die Kanadier hatten logischerweise keinen Schimmer, die konnte ich nicht fragen, die Amis haben nur Weitenraten veranstaltet und die paar Deutschen gaben mir alle unterschiedliche Angaben. Somit hies es also sich das ganze mal anzuschauen und in der Sonne zu braten wie ein Spiegelei. Das große Kino fand auch hier wieder mal Abseits der Piste statt. So wäre da die Marching Band gewesen, die mal Popmusik zum besten gegeben und teilweise durch den Kakao gezogen haben (Haddaway) und das Eh'-Team, zwei im Bikini rumlaufende kanadische Miezen. Eishockey gestern hätte ich mir sparen können, was gegen Finnland aufgeboten wurde hätte selbst die Wedemark Farmers noch besser hingekriegt. Blieb noch Kopf-zuerst-Rodeln und wer nicht weiss wie man das schreibt, kriegt jetzt eine kleine Hilfe: O-B-E-R-G-E-I-L. Ich hatte wieder mal nichts erwartet und sollte für meine Ahnungslosigkeit belohnt werden. Ich habe keinen einzigen Zuschauer entlang der Rodelpiste getroffen, der nicht ein Ohr-zu-Ohr-Grinsen im Gesicht hängen hatte. Was das ganze so großartig macht ist die Tatsache, dass man bis auf wenige Zentimeter an diese Verrückten rankommt, der Riss-in-der-Schüssel-Pokal wird allerdings nicht weitergereicht, die Beklopptesten sind bis jetzt immer noch die Mogulsfahrer. Man hat nur im Start- und Zielbereich Anzeigetafeln womit man entlang der Piste auf die Lautsprecheransagen angewiesen ist. Steht man in einer Kurve wartet man eine Weile, dann hört man ein grollen als wenn ein Düsenjäger im Anmarsch ist, dann zischt etwas an einem vorbei und das Spiel beginnt von Neuem. Ein Riesengaudi ist es die Wahnis zu fotografieren. Jeder entlang des Kanals hat eine Kamera im Anschlag und versucht ein Bild zu erhaschen. Ist wieder einer verbeigegrollt ist eine Sekunde Stille und dann hört man irgendwo jemanden schreien der es geschafft hat einen Rodler zu fotografieren. Sollte jemand vorhaben sich das mal Live anzuschauen, ein kleiner Tip meinerseits. Stellt euch an der Start und geht mit jedem Teilnehmer ein Stück die Strecke hinab dem Ziel entgegen. So bekommt ein gutes Gefühl wie Steil und Eng der Kurs ist und man hat echt das Gefühl mit dabeigewesen zu sein. Ich kanns kaum erwarten bis der Viererbob-Wettkampft kommt. Ebenfalls erwähnenswert sind die nicht minder verrückten Fans im Zielbereich. Skeleton ist offenbar ein Sport für Exoten, womit hier auch Spanier, Italiener und Kiwis antreten. Was die dabei für einen Fanclub mitsleppen ist mindestens genauso abgefahren wie dieser Sport. Den Affentanz den die Jungs und Mädels im Zielbereich veranstaltalten spottet jeglicher Beschreibung. Wenigstens bekamen die letzten damit auch den Jubel der ihnen gebührt, zum Schluss waren fast schon alle anderen Zuschauer gegangen, es war immerhin schon 10 Uhr Abends. Gerade eben war noch mal Eishockey an der Reihe und meine Güte, bin ich gerade angepisst. Bisher habe ich Eishockey gegen jeden Fuss- und Handballfan mit den unterschiedlichsten Argumentationsketten verteidigt. Eine davon war, dass beim Eishockey immer die bessere Mannschaft gewinnt, was auch die letzten gut Neun Jahre in denen ich "Hockey sur glace" verfolge auch der Fall war, bis heute Abend. Wer mich auf Facebook in der Freundesliste hat weiß es vermutlich schon, die blöden Weißrussen haben mein Weltbild aber mal in den Grundfesten komplett erschüttert. 40-17 Schüsse für Deutschland, 60 Minuten das bessere Team, die besseren Chancen, die besseren Fans (endlich wieder heisser) und Rot-Grün gewinnt 5-3. Das garantiert spassige Duell mit der Schweiz und einer Aussicht aufs Viertelfinale ins Klo gespült wartet nun ein Oberbrocken (wenns richtig Dicke kommt Kanada oder Russland) mit der Aussicht auf eine ordentliche Tracht Prügel. Zumindest kann ich mir so das Ticket fürs Spiel sparen, ich hab schon genug gelitten.
Mittlerweile sind die Spiele eine Weile alt und es ist Zeit mal ein kleines Zwischenfazit zu ziehen. Zu den teilweise unglücklichen Organisatorischen Sachen habe ich ja schon das ein oder andere Wort abgelassen, das bleibt also unbehandelt. Wovon ich mir aber weitaus mehr erhofft habe, war das olympische Feeling in dem ganzen Drumherum um die Veranstaltungen, das ist nämlich praktisch nicht vorhanden. In den vier Wochen vor den olympischen Spielen habe ich gefühlte Müarden mal Werbund alá "Believe in Gold" und "Paint the town red" gesehen. Das hat zwar die Kanadier alle zusammengeschweist und auf den olympischen Geschmack gebracht, es hat aber jegliches Flair zerstört. In Vancouver rennt jeder mit einer Kanadaflagge, einem T-Shirt, Trikot oder ähnlichen rum, andere Farben und Länder sucht man vergeblich. Ich habe keine Ahnung wie oft ich mir die kanadische Hymne nun schon anhören durfte, wenn die nicht gerade gesungen oder gespielt wird brüllt mir einer Go Canada ins Ohr. Hauptproblem ist, dass in Vancouver fasst ausschlieslich die neuen Sportarten stattfinden. Direkt nördlich die ganzen Trendsportarten wie Snowboard und Freestyle, in Vancouver Curling und Short-Track. Alles Sportarten wo neben den Kanadiern eigentlich nur die Amis noch gut sind, womit man kaum auf andere Nationen trifft. Wegen Curling reisst keiner aus Europa extra an, oder zumindest kaum jemand, und Eiskunstlauf ist eher wie eine VIP-Party. Ein Leuchtturm hätte Eisschnelllauf werden können, da hier auch Fernöstliche und Holländer vertreten sind. Alle Fernasiaten (Japan, Korea, China) leben allerdings direkt in Rchmond und die Holländer haben direkt in der Umgebung ihre Zelte aufgeschlagen, womit auch diese nicht nach Downtonwn Vancouver kommen.
Völlig anders scheint die Situation in Whistler zu sein, hier finden die ganzen traditionellen Sportarten statt, in denen hauptsächlich die Europäer stark sind, womit es hier auch eher wie auf einem Gewürzstand auf einem Bazaar aussieht: Kunterbund. Genau das ist auch der zweite Grund warum ich etwas neidisch auf die in Whistler übernachtenden Leute bin, denn hier scheint wirklich olympisches Fieber zu herrschen. Die komplette Stadt ist überrannt von Touristen, überall hängen andere Flaggen in den Fenstern, an jeder Ecke wird anders gesprochen. Da die Stadt nicht so groß ist, kann hier auch jeder zu Fuß laufen anstatt sich in die hoffnungslos überlastete Öffentlichen Verkehrsmittel von Vancouver zu stürzen. Drei U-Bahn Linien, wovon zwei größtenteils die selbe Strecke haben, und jeweils eine Straßenbahn und Fähre sind halb doch etwas wenig für 2 Millionen Einwohner und weiß der Geier wie viele Touristen.

Song des Tages: Die Prinzen - Du musst ein Schwein sein; den Refrain trällerte mir doch glatt mal ein völlig durchgeknallter Ami heute beim Eishockey vor

(Bilder gibts nach dem ich mal wieder geschlafen hab)
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