Tschirpen bei stickigen 30 km/h

Trip Start Nov 01, 2004
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Trip End Sep 01, 2005


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Flag of Ukraine  ,
Sunday, May 15, 2005

Die Anreise
Tschirpen bei stickigen 30 km/h, unter diesem wundervollen ukrainischen Himmel, der gespickt mit grossen, dank der Sonne vom sauber-weissen ins bedrohlich-graue uebergehenden Wolken, ueber mir tief, klar, dunkelblau, mit zunehmender Entfernung seine Farbkraft verliert, in ein Wolkenband uebergeht - und unter ihm leuchten gruen die perfekten Landschaften um allerlei Gewaesser.
Ja, das ist sie, die Ukraine, und visafrei bin ich hier! In einem stickigen Bus, vollbesetzt, der 400 Kilometer in 13 Stunden abfaehrt - durch das militaerische Transnistrien, das irgendwie reicher aussieht als Moldawien, wenn auch die Panzer, die militaerischen Denkmaeler, und die vielen Uniformierten befremdlich wirken, durch das schoene Odessa mit altem Charme und nichts als getunten Autos - darunter so viele getunte Ladas, einfach koestlich. Neben mir schwitzt ein nach Alkohol riechender Mann, vor mir tschirpen die Kueken, die eine spaeter zugestiegene alte Frau mitnimmt.
Die Ukraine - ohne Visum!
Ein Wochenende vor dem grossen Aufhaenger dafuer, dem Grand Prix d'Eurovision, habe ich die Chance genutzt, und mich aufgemacht in ein Gebiet, das auch im Sommer nicht von frueheren Mallorca-Touristen ueberlaufen werden wird: Krivoi Rog (russische Variante) oder Krivyi Rig (ukrainisch), die laengste Stadt der Ukraine, mit ueber 100 Kilometern Laenge.
Der Aufenthalt
Nach den 13 Stunden von Chisinau kam ich in der beschaulichen Minenstadt an. Beschaulich? Das ist natuerlich nur ein erster Eindruck nach 2 Tagen - festzumachen an Sachen wie dieser: Am 2. Tag meines Besuchs (Sonntag), nach verzweifeltem Postkartensuchen, finde ich das Postamt geoeffnet - verwundert, beglueckt, taumele ich hinein, und finde eine Frau hinter einem Schalter - Sonnenblumensamen kauend - gut fuer die Gesichtsmuskulatur, Hautstraffheit, Schoenheit, so sagte man mir vor einiger Zeit im Zug von Moskau...
Bei ihr hatte dies zwar nicht geholfen, aber freundlich fragte ich nach Postkarten. Etwas wie "gibt's nicht" kam zurueck - nun ja, man kann da nix machen, dachte ich mir, wer soll auch Postkarten von dieser Stadt herstellen. Das Ruhrgebiet der Ukraine quasi, Top-Eisen-Huetten-Stadt... Nachdem ich draussen aber den Einfall gehabt hatte, mir wenigstens eine dieser wunderbaren "60 Jahre glanzvoller Sieg der SU" Saetze fuer eine selbstgemachte Postkarte zu sichern, ging ich frohgemut wieder ins schattige Haus, das die Kontakte macht - ob sie mir nicht diese Briefmarke... "die sind dort drueben (etwa 5 Meter entfernt) und ich arbeite hier!" kam die Antwort bissig, und die Dame zeigte, einen Samen spuckend, auf ihren schwarzen Bildschirm. Fast erinnerte sie mich an die Frau vom Schalter des Busbahnhofs in Chisinau, die sich ungewillt zeigte, um meiner Willen noch laenger ihr "Kartenlegen" ruhen zu lassen ;)
Was ich hier nun eigentlich wollte? Ich war (Dienstag) von einer ukrainischen Partnerin zu einem Trainingswochenend eingeladen worden, bei dem von PR-management ueber Website und Kommunikation in der NGO so einiges vermittelt wurde. Sehr nett. Ich war der einzige mit sehr ploxo russisch, und so war es etwas schwer sich in Gespraeche zu integrieren, aber wenigstens wurde mir alles nett uebersetzt. Und es waren echt coole Leute hier, die mich von AVI abwerben wollten, nach Krivoi Rog, Kharkov, und Kiev :D
Dazu auch ein Italiener, der sowas wie 10 Sprachen spricht, 2 immer-lustige Ukrainerinnen, mit einer davon hatte ich echt coole franzoesische Konversation, und am Ende war die Zeit natuerlich zu schnell um...
Leider auch von hier keine Fotos, die Kamera hatte ich mal zu Haus gelassen (Fehler!).
Die Heimfahrt
In Chisinau wollte mir der Taxifahrer zum Busbahnhof keine Quittung - geben - ich haette das beim Anruf bestellen muessen.
In Krivoi Rog hatte ich gelernt - wir bestellten das Taxi mit klaren Wuenschen. Dem Taxifahrer wurde, bevor ich einstieg, klargemacht, ich brauche eine Rechnung.
Als wir auf dem Busbahnhof ankommen heisst es: Nein.
Heilige Hoelle, eine kleine Quittung : "Ja, ich hab ihn gefahren"? Nix!!!
Wenigstens fuhr der Bus los. Etwa 3 Stunden lang, dann platzte ein Reifen... Nichts besonderes, wie es scheint, geuebt bauten die Busfahrer ein Rad aus, der alte Reifen wurde entspannt in den Wald gerollt, der neue maltraetiert - und ich habe nicht gesehen, dass die Boys einen Schlauch mit hinein gebaut haetten...
Jedenfalls checkte einige Zeit spaeter der Ticketchecker mein Ticket ein zweites Mal - und machte mir verstaendlich, das Billet waere von gestern...
Und er hatte auch noch Recht :( Die Frau in Krivoi hatte mein schlechtes Russisch benutzt, um mir ein falsches Datum anzudrehen, Ponnedelnik, Montag, war ihrer Aussage nach am 15. Mai, statt am 16. - und im Vertrauen hatte ich das falsche Datum nicht bemerkt... Eieiei, nochmal den vollen Preis bezahlt.
Dann, an der transnistrischen Grenze...es ist wirklich so lustig wie die Jungs traurig sind, dass sie mir nicht die Hosen ausziehen koennen. Aber die Registrierung fuer den Transit war an dieser Seite Transnistriens schon 80 Bani hoeher (die Boesen hatten die alten Preise seit 2003 nicht erneuert!). Im Bus dann sprach mich ein Ukrainer an, der in Bristol studiert - ein langes Gespraech ueber die Bibel rundete ein gelungenes Wochenend ab ;)
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