Raus!

Trip Start Nov 01, 2004
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Trip End Sep 01, 2005


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Thursday, May 5, 2005

Fruehling, Sommer, Sonnenschein, wer will da schon zu Hause sein.
Nun ja, mein Vermieter uebertrieb es mit seiner Vermutung, dass sei doch nix fuer den Fruehling - zuhause... Am Sonntag muss ich raus, Vermieterchen hat die Wohnung verkauft.
Mal schauen wo ich dann bleiben werde...
Der Fruehling aber ist echt schoen, Chisinau ist gruen geworden und ich schon ein klein bisschen braun.
Und letztes Wochenend war ja dem orthodoxen Osterfest gewidmet - ich ging also spaet abends (nach kurzem Besuch eines Hardrock-Konzerts) in die Kathedrale in Chisinaus Zentrum - gemeinsam mit einigen anderen. Untertrieben gesagt. Aber ich hatte ja auch ein bisschen Andrang erwartet, da letztes Jahr in der Ukraine die Leute sich gegenseitig zu erdruecken getrachtet hatten. Hier in Chisinau dagegen - alles richtig gesittet, alle geduldig, wissend dass sie an die Reihe kommen werden. Auch unser geliebter weltlicher Vater, Beschuetzer und Ernaehrer, Herr Voronin, nahm am Gottesdienst teil, nur gute 20 Meter von mir entfernt (hach, mir schwinden die Sinne).
Nach der ersten Runde war mir wirklich langweilig, genug gestanden, ich verbrachte 2 suesse Stunden im Internetcafe, und kam gegen 4 wieder, um die Segnung des Osterbrots mitzuerleben. Alle Glaeubigen stellen sich mit ihren Koerben mit Osterbrot, Eiern, Wein und anderen Leckereien in Reihen auf. Dann, irgendwann, geht der Priester mit seinem Eimer herum und spritzt gesegnetes Wasser auf Haut und Brot.
Aber wie gesagt, alles enttaeuschend gesittet ;)

Okay, ich geh mal nach Haus - hoffentlich gesund, hier spielen die Hormone bei vielen laeufigen Hengsten verrueckt: Gestern abend auf dem Weg zum Minibus: 2 Typen stressen sich, einer tritt in des anderen Autoscheibe. Im Minibus: Der Fahrer schubst eine Person aus dem Bus, die er nicht da haben will. Noch 50 Meter nach Haus: Aus der dunklen Strasse zur Linke hoert man Tritte und gefluesterten Kampf, mindestens 3 Leute... Sorry, meine Kommunikationsfaehigkeiten reichen hier maximal dazu, selbst von allen Parteien verdroschen zu werden, deswegen bin ich nur froh als ich die Wohnungstuer schliesse...
Am naechsten Tag hatte ich mich mit Ana und ihrer Schwester samt ihrem Verlobten (in 2 Wochen erlebe ich eine moldawische Hochzeit :D) eine Verabredung zum Osterspaziergang - der sah so aus: Wir fuhren mit diversen Marschrutkas zu Sergiu's Eltern aufs Land (30 km von Chisinau) und hatten grosses Essen mit gutem Wein.
Dann fuhren wir mit dem Auto auf die Landstrasse/"Autobahn" - hielten an der Seite, liessen die Tueren offen, damit wir die "rauschende" Musik geniessen koennen und nicht die Voegel hoeren muessen, breiteten die Decke aus, und sahen den Landjungs zu, die zu dritt mit einem normalen oder zu zehnt mit einem SeitenwagenMoped immer wieder groelend den Berg hinunter rollten. Ich sage wir, weil ich doch sagen muss: Mitgehangen, mitgefangen...Ich habe mich nicht dagegen gewehrt...
Am Abend, gegen 7, warteten dann also auf den Minibus zurueck in die Stadt. Am Abend, gegen 9, warteten wir dann also auf den Minibus zurueck in die Stadt. Ich ging in den Tante-E.-Laden, kaufte fuer 2,50 Lei (etwa 15 Eurocent) eine Zahnbuerste, die sicher fuers "3. Welt-Laendern-das-Zaehne-putzen-beibringen-und-ermoeglichen" gedacht war.
Nach 30 Minuten kam ein Bus, der von einem anderen Dorf einen aussergewoehnlichen Umweg gefahren war.
Wir fuhren zu Natascha und Sergiu in den Stadtteil Ciocana (sprich Tschokana), hatten klasse Abendessen, ich konnte mich auch Duschen und putzte mir mit meinem Sondererwerb die Zaehnchen :)
Ansonsten plaetschert das Leben hier so vor sich hin, seit ich die AVI-Sache nicht mehr so verbissen sehe, und mich auf meiner deutschen Mentorin Rat auch mal mit Warten begnuege...
Heute gab es mal noch ein klein wenig Stress.
Um 10 weihte mich mein Mitbewohner Cornel ein, dass ich Post hatte, seit 3 Tagen ("I forgot")... Es war ein offizieller Brief, eine Ladung. Fuer 05/05/05, 11 Uhr. "Wann ist das?" - "Heute." - "Wo ist Strada Kiev?" - "Weiss nicht." - "Ist das die Polizei?" - "Ja, genau, Polizei!".

11:05 war ich also mal wieder bei meiner geliebten Diskussionsrunde mit den Waechtern der Wache, was ich bei wem in welchem Buero wolle.
11:10 eroeffnete mir ein Nachbar meines bereits bekannten Lieblingsleutnant, ich sei im falschen Gebaeude, und muesse ein bisschen "Trolleybussen". Ich hatte auch die Ladung nicht mit, holte sie zu Hause.
Viel Nachfragen, das richtige Gebaeude gefunden - ein Alter (einer von statistisch viel zu vielen) blafft mich an als ich die Treppen erklimmen will.
Ich bin null in Stimmung fuer so 'nen Quatsch, wer ist der, dass er mir MEINE Ladung aus der Hand grabschen will, also frag ich wirklich jede andere Person in der Empfangshalle - und finde die Unwissenheit heraus (wieso nur ueberraschte mich das nicht mehr?). Also doch zu ihm - und ich sehe die Waechterplakette am Opa, der wie die ganzen anderen irgendwo auf 'ner Bank sitzenden Opas aussieht.
Naechster Eingang...
12 Uhr, die Richterin bittet mich zur Verhandlung. Kein Wort verstehe ich von ihrem Akzent, und der nette Junge, der mich beklaut hat, uebersetzt freundlicherweise fuer mich.
In deutsch, nachdem er sich vergewissert hat, dass ich kein Italienisch und Portugiesisch dabei habe.
Am 1. Juli beginnt der Prozess - wenn ich ins erste Workcamp in Falesti fahren moechte. Shit.

So plaetschert das Leben also weiter, wenn man hier etwas lernt, dann, das Leben auchmal plaetschern zu lassen...

Und guten Hunger, Jungs, ich muss wieder Sport machen...hab schon nen Bauch.

Frohen Maennertag noch, beste Gruesse aus Suedost, und lasst mich bitte wissen wie's um die Abis steht - und um eure Leben auch, freu mich immer :D Maddin
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