Haben Sie 5 Euro?

Trip Start Nov 01, 2004
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Trip End Sep 01, 2005


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Flag of Bulgaria  ,
Tuesday, April 12, 2005

Die Hinfahrt begann viel versprechend...
Hitchhiking in Rumaenien ist ja recht okay, und an der Grenze halfen mir die Grenzer, ein Auto zum Passieren der Grenze zu finden. Ein Syrer nahm mich ueber die Donaubruecke mit, die rumaenische Pass- und Zollkontrolle und bulgarische Pass-, Zoll-, Strassenmaut- und Desinfektionsstelle trennt. Dann per Schwertransport mit 60 km/h nach Sofia - und abends holte mich nach ein paar Umstaendlichkeiten, schwarzer Busfahrt, und einem bescheissenden Taxifahrer mein Host, eine unglaublich huebsche und symphatische Journalistin, ab. Wir waren noch auf ein Bier mit ihrem Editor in einer sehr symphatischen Bar - und am naechsten Morgen wollte ich zu dem Dorf, in dem mein Training stattfinden wuerde, wandern.
Die Hunde auf der Strecke liessen mich aber meine Entscheidung ueberdenken... ;)
Ich hatte aber genug gesehen um sagen zu koennen: Sofia versinkt im Smog - eine riesige graue Schicht liegt ueber der Stadt...
Also machte ich mich auf den Weg zum Treffpunkt in der Innenstadt - im prallen Sonnenschein las ich noch ein bisschen Zeit auf dem Hauptplatz, umgeben von Rentnern und Kindern, Muellkuebeln mit der Aufschrift "Porno", gegenueber des Vitosha-Gipfels, der die Stadt ueberragt und einer Graffitiwand vor einem futuristischen Gebaeude. Nachdem ich einen komischen Kauz, der Euro von mir tauschen wollte, und als ich ablehnte, mir ein "20-Euro-Schein"-Buendel zum Kauf anbot, abgewimmelt hatte - was mir die Komplimente: Du bist eine Schlampe! Ein Riesenarschloch! einbrachte - setzten sich zwei Damen neben mich - und ich war mir sicher, Rumaenisch mit Chisinau-Akzent zu hoeren.
Es stellte sich raus dass die beiden fuer die moldawische Botschaft in Sofia arbeiteten - was auch ihre lange Mittagspause erklaerte ;) Ich traf ich dann meine Freunde fuer die naechsten Tage - eine Gruppe, die von einer spanischsprechenden Griechin ueber eine francophone Serbin zu nem Calwer Bub mit herrlichen ungarischen Fluechen reichte.
Polyglottes Meeting also.
Ich lernte die naechsten Tage viel, das ich schon gewusst hatte, und dazu noch dass ich zu viel arbeite, in Chisinau.
Es waren nette 3 Tage in einem Hotel, das seit dem Sozialismus kein Update mehr bekommen hatte, auf einem Berg neben einem Dorf vor den Toren Sofias.
Am Sonntag dann war ich mir unsicher, ob ich den 30Euro-Nachtzug nach Bukarest nehmen sollte, oder noch nen netten Abend in Sofia haben. Ich waehlte das letztere, pennte bei dem Editor, Boris, und machte mich am naechsten Morgen auf den Weg - was nicht so smooth ablief, wie man das vielleicht denkt. Ein Euro fuer die Tram aus der Stadt, die dann die falsche war. 4 Euro fuer das Taxi zum richtigen Ort. Viele SMS waehrend der Strecke. Mein erstes Auto war dann ein Taxi ausser Dienst, mit einem Kerl, der seinen leiblichen Vater in Deutschland seit 13 Jahren sucht. Krasse Geschichte, die er mir erzaehlte.
Der naechste Fahrer fragte mich erstmal nach Geld, und ich sagte, ich habe keins. Trotzdem nahmen mich die beiden mit - ich hatte schon das Nummernschild notiert, als ich einstieg, schlechtes Gefuehl. Die beiden bogen in eine Seitenstrasse, und gaben mir Geld, um mal 2 Kaffee zu holen. Nach 10 Minuten verneinen, Streit, Betteln um mein Gepaeck, mit ausfuehrlicher Erklaerung, dass die beiden mit den Sachen aus meinem Rucksack im Kofferraum nix anfangen koennen, und mehrmaligem Grad-noch-die-Tuer offen halten liessen sie mich gehen. Einige Autos spaeter, ich hatte immer wieder eine 8-Truck-Gruppe niederlaendischer Laster ueberholt, kam ich an der Grenze an - aber es gab keine Autos, die mich haetten mitnehmen koennen. Nur ein paar Taxi-Angebote. Aber bei einem der tuerkischen Trucker hatte ich Glueck. Er nahm mich mit - aber der bulgarische Grenzer beschrieb mir, mit nem Laster sei das unmoeglich. Und wo sei meine Registration?
Nach 5 Minuten Diskussion kam die entscheidende Frage - nie hatte ich sowas direktes erlebt: Haben Sie 5 Euro? Es folgten etwa 5 Stunden warten, bis auch die rumaenischen Grenzer alle gluecklich waren. Mein Fahrer hatte an der Grenze eine Stange Marlboro verteilt, ueber die Stationen hinweg. Als ich per Taxi bis in die Innenstadt gefahren war (nach 2 Anrufen, und fuer 5 Euro), durfte ich noch miterleben, was echte rumaenische Sicherheit bedeutet: Ein betrunkener Jugendlicher Wachmann samt Schlagstock, auf dem Hauptplatz, ging gut gelaunt in den Feierabend - ueber die Strasse gegangen schnappte er sich einen Mann, der dort war (es war weit weg, aber ich denke es war ein Zigeuner), und schlug ihm ins Gesicht, ein anderer Typ ging dazwischen, aber es dauerte ne Runde, bis das geloest war...
Soviel bis hierhin, jetzt freue ich mich eigentlich nur noch darauf, mal in Ruhe arbeiten zu koennen. Aber das muss noch ein bisschen warten.

Das verblueffendste aber an Bulgarien war fuer mich: Das ist ja bergig! Und war mal viel groesser, in der Geschichte. Und man kann mit gutem Russisch ganz einfach ueberleben (allerdings kamen die kyrillischen Buchstaben von Bulgarien nach Russland, nicht umgekehrt, wie das der Sozialismus die Bulgaren lehren wollte!).
Und das Essen ist echt klasse!

Von mir war's das fuer's erste, ich hoffe mein heutiger Nachtzug ist sicher...
Bis bald, euer Maddin
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