Fast schon EU

Trip Start Nov 01, 2004
1
27
39
Trip End Sep 01, 2005


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

Flag of Romania  ,
Tuesday, April 5, 2005

Ach, herrlich, fast in der EU zu sein.
Schoene Gruesse aus Rumaenien, dem Land der vollstaendigen Vielfalt, der grossartigen Gastfeundschaft, der xagenhaften Xenophobie, der absoluten Armut, der angeberischen Autos, der bergigen Berge, des meerigen Meers, der lieblichen Landschaft, der unverbluemten Umweltverschmutzung.

Nach netten Tagen in Cluj musste ich wieder an die Abreise denken. Der Weg mit erhobenem Daumen bis Bukarest? Sehr lang, teuer (hier bezahlt man pro Auto etwa 3 Euro (100000 Lei=10 "schwere" Lei, im Sommer werden von der Waehrung ein paar 0000 gekappt), ungewiss.
Zug? Das letzte Mal hatte ich hier eine harte Zeit im Zug, es war war, ich fuehle mich seit dem Raub schon etwas unsicher - und noch dazu per Nachtzug?
Dann checkte mein Host Zsolt als quasi letzte Chance "iamanene.ro" - etwa "Nimm mich mit, Kumpel" - die rumaenische Mitfahrzentrale.
Keine Eintraege aus Cluj, nur etwa 10 insgesamt, einer aus Satu-Mare, aeusserster Nordwesten. Zsolt rief an, und eine nette Dame sagte, sie sei schon in Cluj, fuehre morgen nach Bukarest, wolle kein Geld... Perfektion, vollendete.

Nach Tagen des vollendeten ungarischen Schmauses sass ich also im kleinen roten Chevrolet neben einer 29jaehrigen, die den Cheffe Rumaeniens duzt, NGO-Trainerin ist, und bald nach Pakistan geht...Wir machten nette Umwege, unter anderem zu einer mir waermstens empfohlenen Stadt: "Schaessburg." "Sighisoara" ist die aelteste bewohnte Festung Europas, Weltkulturerbe, sehr schoen, ein Idyll. Die Siebenbuerger Sachsen, die diese Festung errichteten, hatten echt was drauf! Harmonische Gestaltung im Mittelalterformat. Wirklich, wenn ihr im Sommer noch nix vorhabt - auf nach Transsilvanien ("hinter den Waeldern") - so viele schoene Naturflecken, gutes Essen, freundliche Menschen.
Weiter ging's in eine total abgelegene Stadt, die dennoch blueht, zum Mittagessen und Plausch mit "Alice's" Freunden: Odorheiu Secuiesc (fuer Freunde deutscher Namen: Hofmarkt).
Secui waren eine besondere Gruppe "Ungarn". Mehr eine Vorhut, die vor den Gruppen Attila's kamen, und dann als Schutztruppen in diesem Teil der Welt angesiedelt wurden, damit die Ungarn westlich friedlich leben koennten. Dazu muss gesagt sein: In Rumaenien leben mindestens eine Million Ungarn, dazu noch etwa 100000 Deutsche (es waren mal mehr als 700000, aber die Querelen des Weltkriegs, der Sowjets, der Kommunismusaera und die gleichzeitige Verlockung der BRD, die den Siebenbuerger Sachsen und den Banat-Schwaben (die weder aus Sachsen, stattdessen aus Franken, noch aus Schwaben, sondern aus ganz Sueddeutschland kamen) aus Rumaenien heim in die Republik half. Dazu kommt noch eine sehr grosse Gruppe der Roma, die heute auch die von den Sachsen verlassenen Doerfer besiedelten. Secui wird dagegen nur noch von 2 Menschen gesprochen, der Rest spricht nun Ungarisch.
Ich hatte bis zu meiner Ankunft in Bukarest fast nur mit Ungarn zu tun, die ihre Nationalitaet, sagen wir, gut pflegen. Die Ungarn, die ich traf, wollten sich nicht so gern in der Freizeit mit Rumaenen umgeben. Andererseits muss man auch sehen, dass die Regierung die Strassen in den Bezirken der Ungarn besonders unregelmaessig pflegt - von "Hofmarkt" konnten wir nicht wie gewollt weiter fahren, auf der sehenswerten Route gen Osten, weil sie das Auto noch mehr zerstoert haette.
Nach etwa 15 Stunden entlang muellbedeckter Natur begruesste mich Bukarest - das Begruessungskomitee: 2 H2.
Raetsel? Hummer, DER Militaerjeep fuer Milliardaere, auf strassentauglich getunt, aber immer noch mit 30 Liter-Durst (wohl wegen der Minibar).
Da standen sie also, die beiden Riesenkarossen, an der roten Ampel, und liessen uns passieren. Bis dahin hatte ich einen H2 in Kiew gesehen. Schon 2x durfte ich in Chisinau staunen. Aber 2 von den Dingern nebeneinander? Das ist doch Dekadenz...
So ging es hier auch weiter, es fahren die Dacia neben den >100000Euro-Karren. 1 Million Autos inmitten von 4 Millionen (2 Mio. offiziell) Menschen.
Die 200000 Hunde wenigstens wurden vor 2 Jahren sehr niedlich aus der Stadt verbannt: Jene, welche nicht getoetet wurden, sollten von speziellen, dafuer bezahlten, NGOs versorgt werden. Die brachten sie einfach in andere Staedte - du brauchst nen Erfinder? Durchquere Ungarn gen Ost - da sind 22 Millionen ;)
Genug der Zahlen, ich wurde sehr freundlich begruesst von 2 netten Jungs. Bogdan hatte mich eingeladen - hier bin ich. Er hat aufgehoert, Politik zu studieren. Jetzt macht er erstmal - genau, gar nix. Ausser Ski fahren. Und rauchen. Alles. Und trinken. Wir stehen grad kurz vor einer Geburtstagsparty, also muss ich nochmal etwas Schlaf fassen ;)
Heute haben wir aber erstmal Bukarest erkundet - das zweitgroesste Haus der Welt (nach dem Pentagon, das Haus des Parlaments), die netten Kirchen (roemisch- und griechisch-katholische, und griechisch-orthodoxe), die Ceaucescu nicht dem Erdboden gleichgemacht hatte, die Kaetzchen und Haeschen und Computerspiele, die auf den Strassen verkauft werden, die Busfahrer, die 5 Minuten hupen, bis der Blockierer Platz machten, dann halten, und ihm aufs Auto spucken, und von ihm verfolgt werden - gute Laune ueberall.

Ganz im Ernst, ganz normal is das nich. Aber wer will schon normal. Rumaenien ist wirklich wert, entdeckt zu werden. Aber lasst die Wertsachen zu Haus ;)

Noroc de la Bucuresti (sprich Bukurescht), Martin
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: