Horta und die Hortensien
Trip Start
Mar 24, 2011
1
19
29
Trip End
Mar 19, 2012
Durch den Kanal...
Eigentlich wäre die Hauptinsel Sao Miguel von Santa Maria wohl die nächstgelegene Insel gewesen und somit das auf den ersten Blick wohl logischere Reiseziel gewesen - zumal dort auch ein guter Freund meines Freundes Alex wohnt. Ich habe Miguel vor ein paar Jahren bei einem Wienbesuch einmal kurz kennengelernt und war ihm sehr dankbar, dass er mir per Email ein paar Tips für meinen Besuch auf den Azoren gegeben hat.
Er selbst war aber zu diesem Zeitpunkt nicht auf Sao Miguel und ich wollte ohnehin von Ponta Delgada den Weiterflug nehmen, also beschloss ich mit Harry eben nach Faial zu segeln und von dort mit den Fähren bis nach Sao Miguel zurückzufahren und Miguel dort Mitte Juli zu treffen.
Für die Fahrt nach Faial wählten wir die Passage durch den Kanal zwischen der Insel Pico uns Sao Jorge, was vor allem nachts eine beeindruckende Kulisse boot. Wir erreichten die Inselhauptsatdt Horta am Vormittag, wo im Hafen die Hölle los war. Zahlreiche aus der Karibik kommende Schiffe stauten sich in der Hafeneinfahrt und lagen "im Päckchen" in dritter oder vierter Linie an der Hafenmauer. Da Harry ja schon zuvor einmal ein Jahr in Horta gelegen ist und auch wieder längerfristig dort bleiben wollte wurde ihm schnell eine eigene Box abseits des Trubels zugewiesen, wo wir das Schiff vertauten. Harry war in Horta bekannt wie ein buter Hund und wurde allenorts von Seglern und Einheimischen begrüßt.
Good at Wood
Harry hatte sein gesamtes Tischlereiwerkzeug (unter anderem eine stattliche Hobelbank) auf der Grisu mitgeführt, das hauptsächlich in der Heckkajüte verstaut war. Aus diesem Grund musste ich seit der Abfahrt von Las Palmas auch immer im Salon auf einer Art schmalen Couch schlafen, was nicht sehr bequem war...Ich half Harry beim Entladen des Werkzeuges und hatte nun für meine letzten Tage auf der Grisu meine eigene Kajüte!
Ich half ihm auch beim übersiedeln des Werkzeugs in seinen als Werkstatt angemieteten Container im Hafen und begann danach die Stadt und das nähere Umfeld zu erkunden. Das Tourismusbüro von Horta bietet ein besonderes Service an: gratis verliehene Fahrräder! Ich war entzückt, meine Freude hielt sich jedoch in Grenzen, als die Dame im Büro mir sagte, dass die Räder nur im "Stadtgebiet" verwendet werden dürfen. Dazu muss man sagen, dass man - wenn man sich Zeit nimmt - etwa 15 Minuten braucht um die gesamte Stadt zu durchqueren. Zu Fuß wohlgemerkt! Etwas verwundert über diesen Radservice versuchte ich das Beste daraus zu machen und suchte ein paar gute Fotopunkte auf.
Die nächsten beiden Tage waren leider etwas regnerisch und ungewöhnlich kühl. Da sich keine Wetterbesserung abzeichnete versuchte ich trotzdem mein Glück und machte mich per Autostop auf die mächtige Caldeira des größten Vulkans auf Faial zu erkunden. Wieder einmal vergeblich versuchte ich auch Harry davon zu überzeugen mich zu begleiten...es war für mich einfach erstaunlich wie wenig Interesser er (und viele andere Segler) für die Landschaft hier zeigte. Er hatte ja vor seinem Aufenthalt auf den Kanaren ja schon ein Jahr in Horta gelebt - und trotzdem noch nie die vielleicht nur 45 Autominuten entfernte Caldeira besucht...
Vergeblich blieben auch meine Bemühungen per Autostop dorthin zu gelangen - was für die Azoren sehr ungewöhnlich ist aber vor allem wohl daran lag, dass schlichtweg kein einziges Auto vorbeikam, das mich mitnehmen hätte können...So blieb mir nichts anderes übrig als den ganzen Weg dorthin zu latschen. An der Caldeira angekommen stellte ich fest, dass sich diese 2 km durchmessende und etwa 400 m tiefe Senke vollständig in Nebel hüllte und nur ein paar wenige, aber beeindruckende Blicke auf den Krater freigab. Da ich den Hinweg nicht wieder zurückgehen wollte beschloss ich auf dem Wanderweg am Kraterrand entlang zu gehen und auf der gegenüberliegenden Seite abzusteigen - mit der Hoffnung dort auf mehr Autos zu Treffen. Aber auch das blieb mir verwehrt und so wuchs sich der als einfache Spaziergang gedachte Ausflug zu einem 35 km Marsch aus...
Es machte mir nichts aus, ich war gut ausgerüstet. Und es war eine schöne Wanderung. Beim Abstieg von der Caldeira stieß ich unvermutet auf einen an Madeira gemahnenden Levadaweg und ich wurde des öfteren Zeuge eines Wetterphänomens, das ich gemeinhin gerne als "liquid sunshine" bezeichne: leichter Regenfall bei gleichzeitigem Sonnenschein
Aber trotzdem war ich dann doch etwas erschöpft als ich wieder in bewohntes Gebiet zurückkehrte und verzichtete deshalb auf die Besichtigung des nahegelegenen und erst in den späten 50er Jahren entstandenen Vulkans Capelinhos. Denn Vulkane sollte ich bei meiner Reise noch genug zu sehen bekommen. Es ist schade, dass viele touristisch Interessante Punkte nicht von Bussen angefahren werden und die meisten Wanderwege verschiedene Ausgangs- und Endpunkte aufweisen. Im Reiseführer von Michael Müller wird ironisch darauf eingegangen und geschrieben, es scheine, als hätten die zahlreich vorhandenen Taxifahrer bei der Ausweisung der Wanderwege ein gewichtiges Wörtchen mitzureden gehabt. Da ich zu müde zum Autostoppen war nahm ich nun einmal den Taxiservice in Anspruch und ließ mich ganz vornehm nach Horta chauffieren...
Da ich auf Faial und in Horta nun alles für mich Interessante gesehen und erlebt hatte war die Zeit gekommen von Harry und der Grisu Abschied zu nehmen und meine Reise wieder alleine und mit Zelt fort zu setzen. Einige Wochen waren wir zusammen unterwegs gewesen - auf engstem Raum und sprichwörtlich Wind und Wetter ausgesetzt. Aber wir hatten uns immer gut verstanden und wahrscheinlich werde ich Harry als der "verfressene Ösi" in Erinnerung bleiben (tatsächlich war ich während der Zeit auf der Grisu quasi permanent am Essen). Ich war ihm dankbar für sein Angebot zu den Azoren mitsegeln zu dürfen und so eine echt tolle und abenteuerliche Erfahrung machen zu können! Wir verabschiedeten uns im in Seglerkreisen weltberühmten "Peter's Sports Cafe" und ich setzte für etwa drei Euro mit der Fähre in etwa 30 Minuten auf die Nachbarinsel Pico über.
Eigentlich wäre die Hauptinsel Sao Miguel von Santa Maria wohl die nächstgelegene Insel gewesen und somit das auf den ersten Blick wohl logischere Reiseziel gewesen - zumal dort auch ein guter Freund meines Freundes Alex wohnt. Ich habe Miguel vor ein paar Jahren bei einem Wienbesuch einmal kurz kennengelernt und war ihm sehr dankbar, dass er mir per Email ein paar Tips für meinen Besuch auf den Azoren gegeben hat.
Er selbst war aber zu diesem Zeitpunkt nicht auf Sao Miguel und ich wollte ohnehin von Ponta Delgada den Weiterflug nehmen, also beschloss ich mit Harry eben nach Faial zu segeln und von dort mit den Fähren bis nach Sao Miguel zurückzufahren und Miguel dort Mitte Juli zu treffen.
Für die Fahrt nach Faial wählten wir die Passage durch den Kanal zwischen der Insel Pico uns Sao Jorge, was vor allem nachts eine beeindruckende Kulisse boot. Wir erreichten die Inselhauptsatdt Horta am Vormittag, wo im Hafen die Hölle los war. Zahlreiche aus der Karibik kommende Schiffe stauten sich in der Hafeneinfahrt und lagen "im Päckchen" in dritter oder vierter Linie an der Hafenmauer. Da Harry ja schon zuvor einmal ein Jahr in Horta gelegen ist und auch wieder längerfristig dort bleiben wollte wurde ihm schnell eine eigene Box abseits des Trubels zugewiesen, wo wir das Schiff vertauten. Harry war in Horta bekannt wie ein buter Hund und wurde allenorts von Seglern und Einheimischen begrüßt.
Good at Wood
Harry hatte sein gesamtes Tischlereiwerkzeug (unter anderem eine stattliche Hobelbank) auf der Grisu mitgeführt, das hauptsächlich in der Heckkajüte verstaut war. Aus diesem Grund musste ich seit der Abfahrt von Las Palmas auch immer im Salon auf einer Art schmalen Couch schlafen, was nicht sehr bequem war...Ich half Harry beim Entladen des Werkzeuges und hatte nun für meine letzten Tage auf der Grisu meine eigene Kajüte!
Ich half ihm auch beim übersiedeln des Werkzeugs in seinen als Werkstatt angemieteten Container im Hafen und begann danach die Stadt und das nähere Umfeld zu erkunden. Das Tourismusbüro von Horta bietet ein besonderes Service an: gratis verliehene Fahrräder! Ich war entzückt, meine Freude hielt sich jedoch in Grenzen, als die Dame im Büro mir sagte, dass die Räder nur im "Stadtgebiet" verwendet werden dürfen. Dazu muss man sagen, dass man - wenn man sich Zeit nimmt - etwa 15 Minuten braucht um die gesamte Stadt zu durchqueren. Zu Fuß wohlgemerkt! Etwas verwundert über diesen Radservice versuchte ich das Beste daraus zu machen und suchte ein paar gute Fotopunkte auf.
Die nächsten beiden Tage waren leider etwas regnerisch und ungewöhnlich kühl. Da sich keine Wetterbesserung abzeichnete versuchte ich trotzdem mein Glück und machte mich per Autostop auf die mächtige Caldeira des größten Vulkans auf Faial zu erkunden. Wieder einmal vergeblich versuchte ich auch Harry davon zu überzeugen mich zu begleiten...es war für mich einfach erstaunlich wie wenig Interesser er (und viele andere Segler) für die Landschaft hier zeigte. Er hatte ja vor seinem Aufenthalt auf den Kanaren ja schon ein Jahr in Horta gelebt - und trotzdem noch nie die vielleicht nur 45 Autominuten entfernte Caldeira besucht...
Vergeblich blieben auch meine Bemühungen per Autostop dorthin zu gelangen - was für die Azoren sehr ungewöhnlich ist aber vor allem wohl daran lag, dass schlichtweg kein einziges Auto vorbeikam, das mich mitnehmen hätte können...So blieb mir nichts anderes übrig als den ganzen Weg dorthin zu latschen. An der Caldeira angekommen stellte ich fest, dass sich diese 2 km durchmessende und etwa 400 m tiefe Senke vollständig in Nebel hüllte und nur ein paar wenige, aber beeindruckende Blicke auf den Krater freigab. Da ich den Hinweg nicht wieder zurückgehen wollte beschloss ich auf dem Wanderweg am Kraterrand entlang zu gehen und auf der gegenüberliegenden Seite abzusteigen - mit der Hoffnung dort auf mehr Autos zu Treffen. Aber auch das blieb mir verwehrt und so wuchs sich der als einfache Spaziergang gedachte Ausflug zu einem 35 km Marsch aus...
Es machte mir nichts aus, ich war gut ausgerüstet. Und es war eine schöne Wanderung. Beim Abstieg von der Caldeira stieß ich unvermutet auf einen an Madeira gemahnenden Levadaweg und ich wurde des öfteren Zeuge eines Wetterphänomens, das ich gemeinhin gerne als "liquid sunshine" bezeichne: leichter Regenfall bei gleichzeitigem Sonnenschein
Aber trotzdem war ich dann doch etwas erschöpft als ich wieder in bewohntes Gebiet zurückkehrte und verzichtete deshalb auf die Besichtigung des nahegelegenen und erst in den späten 50er Jahren entstandenen Vulkans Capelinhos. Denn Vulkane sollte ich bei meiner Reise noch genug zu sehen bekommen. Es ist schade, dass viele touristisch Interessante Punkte nicht von Bussen angefahren werden und die meisten Wanderwege verschiedene Ausgangs- und Endpunkte aufweisen. Im Reiseführer von Michael Müller wird ironisch darauf eingegangen und geschrieben, es scheine, als hätten die zahlreich vorhandenen Taxifahrer bei der Ausweisung der Wanderwege ein gewichtiges Wörtchen mitzureden gehabt. Da ich zu müde zum Autostoppen war nahm ich nun einmal den Taxiservice in Anspruch und ließ mich ganz vornehm nach Horta chauffieren...
Da ich auf Faial und in Horta nun alles für mich Interessante gesehen und erlebt hatte war die Zeit gekommen von Harry und der Grisu Abschied zu nehmen und meine Reise wieder alleine und mit Zelt fort zu setzen. Einige Wochen waren wir zusammen unterwegs gewesen - auf engstem Raum und sprichwörtlich Wind und Wetter ausgesetzt. Aber wir hatten uns immer gut verstanden und wahrscheinlich werde ich Harry als der "verfressene Ösi" in Erinnerung bleiben (tatsächlich war ich während der Zeit auf der Grisu quasi permanent am Essen). Ich war ihm dankbar für sein Angebot zu den Azoren mitsegeln zu dürfen und so eine echt tolle und abenteuerliche Erfahrung machen zu können! Wir verabschiedeten uns im in Seglerkreisen weltberühmten "Peter's Sports Cafe" und ich setzte für etwa drei Euro mit der Fähre in etwa 30 Minuten auf die Nachbarinsel Pico über.



