Parallelwelten

Trip Start Apr 19, 2011
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Trip End Jun 28, 2011


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Where I stayed
Mein Balkon
What I did
Grillen, Skat, Kölsch trinken, liebe Menschen sehen, Brasilien vermissen

Flag of Germany  , North Rhine-Westphalia,
Monday, July 11, 2011

Ja, schon fast zwei Wochen zurück in Köln. Neben mir auf dem Schreibtisch liegen immernoch Stapel handschriftlich verfasster Blogeinträge und warten darauf digitalisiert zu werden. Bin ich noch nicht zu gekommen, mache ich aber noch. Versprochen.

Angekommen bin ich. Unbestritten, auch wenn mein Herz noch nicht ganz von Brasilien abgereist ist. Mit jeder Klammer die geschlossen wurde, rutscht das Pantanal und die Farm ein Stückchen weiter weg. ) Aquidauana, ) Campo Grande, ) Sao Paulo, ) Frankfurt, ) Walldorf und letztendlich ) Köln, wo sich die letzte Klammer schließt als ich die Wohnungstür aufschließe. Das (((((((Pantanal))))))) wirkt hinter den ganzen Klammern weit weg, ein wenig surreal und doch würde ich mich nicht wundern, käme ich aus der Haustür und stünde vorm Galpao wo Fernando, Edson und Bujio gerade Tereré trinken und Picapau am Traktor rumschraubt. Lucas mailt, dass sie nach meiner Abreise 7 Ameisenbären an einem Tag gesehen haben und ich habe große Lust über die Holzbrücke und den Sandweg zu seinem Haus rüber zu laufen und deshalb ein wenig rumzumaulen, woraufhin er mir ein Bier gibt und ich die Stirnlampe nicht mehr finde, als ich wieder gehen möchte. Aber leider liegt zwischen seinem und meinem Haus jetzt, neben Sandweg und Brücke, ein Ozean und eine halbe Welt. Also muss ich mich beim Annettchen beschweren, das im Abendlicht neben mir auf dem Bänkchen auf meinem Balkon sitzt. Also darüber, dass die Ameisenbären sich über meine Abreise zu freuen scheinen. Kommen die alle angelaufen jetzt wo ich weg bin. Sie kann mich aber mit einer Ameisenbärenpsychologisch viel nahelienderen Erklärung befriedigen: Die Erbsenhirne haben das Datum verrafft und jetzt ist ihnen siedendheiß eingefallen, dass ich ja abreise und alle sind zur Abschiedperformance aus dem Wald gerannt nur um in tiefer Trauer feststellen zu müssen, dass es bereits zu spät ist. Ja. So war es mit Sicherheit.
Mein rosa/lila Grill läuft auf auf dem Balkon auf Hochtouren. Die Lichterkette mit den bunten Birnen, Glitzerkitsch, Blumen, mein Bänkchen- ja, mein Balkon gehört zu den schönsten Plätzen der Welt. Ich mache Fotos, beim Durchgucken finde ich das letzte Bild von Brasilien (die Musiker auf dem Pick up hinter der Brücke über den Rio Negro) direkt neben dem Foto von meinem Grill hier in Deutschland. Schade, dass diese beiden Welten jenseits meiner Kamera alles andere als nebeneinander liegen. Warum kann sich das Pantanal nicht hinter dem Herkulesberg gegenüber befinden? Warum kann man nicht alles haben???

So sitze ich an meinem ersten Tag in Köln hier auf meinem Balkon und trinke mit meinen liebsten Lieben Caipirinha. Nicht irgendeinen, sondern die Flasche die ich von der Farm mitgebracht habe mit den Limetten die ich noch um Tränen kämpfend von dem Baum in Fernandos Garten geklaut habe. Prost Fernando. Die Picanha von Lucas haben wir leider vergessen, so muss mein Grill mit den dick marinierten Schweinesteaks bestückt werden über die Lucas so geschimpft hat. Prost Lucas. Ich erzähle noch von meinem Gastauftritt im Theaterstück vor wenigen Tagen auf der Festa Junina in Brasilien. Prost Marina. Und dass ich Carol die Fotos vom Fernando-Caipi schicke, Prost Carol. Alles sind sie zumindest bei mir in Kopf und Herz dabei. Da unten auf der anderen Seite der Erde. Als die Sterne zu sehen sind packe ich liebe Grüße an Brasilien in den Großen Wagen, so wie ich es in den letzten Monaten Abend für Abend für meine Leute in Deutschland gemacht habe.


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