Sommersprossen züchten

Trip Start Apr 19, 2011
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Trip End Jun 28, 2011


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Where I stayed
Praia

Flag of Brazil  , State of Sao Paulo,
Friday, April 22, 2011

Man war ich ewig nicht mehr am Meer. Weiß garnicht wann das letzte Mal. Während wir die Küstenstraße an atemberaubend Klippen zu einem gemütlichen Strändchen gurken habe ich einen richtigen Klos im Hals. So schön kann nur das Meer sein. Die Landschaft erinnert an die Toscana, man ersetze an den Berghängen einfach die Macchia mit Regenwald und, pronto, die Brasilianische Süd-Ostküste.

Jetzt am Strand. Vor mir gelbe Sonnenschirme und der gestern so sehr herbeigewünschte Bierverkäufer. Luisa schläft bäuchlinks auf ihrer Decke. Neben mir knutschen zwei schöne Brasilianer die sich gerade gefunden haben. Ich sitze im obligatorischen Plastikstuhl, die in Deutschland betitelte Zimmerfeige breitet hochmütig, vollkommen außerhalb eines Zimmers, ihre mächtigen Zweige aus. Durch ihre großen Blätter linst die Sonne und der blaue Himmel. Die Haare verklebt vom Salz, eben im Meer, Toter Mann gespielt und sich die Wellenberge hoch und runter treiben lassen. Über mir lässt sich ein Fregattvogel ebenso treiben. Es ist schön hier, keine Frage.
Ich verstehe quasi nix vom Sao Paulo Portugiesisch. Bin daher ziemlich aussen vor. Macht aber nix. Finde es schön, meine Gedanken treiben zu lassen- dafür hatte ich in Deutschland wenig Zeit. Beim Muschelsuchen kann ich mich vollends in mir verlieren.
Im Appartment finden sich ständig neue Leute ein, die ebenso plötzlich wieder verschwinden wie sie gekommen sind. Stammbesetzung sind zwei hinreichend bekiffte Surfer, die irgendwie ein stückweit als Hausmädchen fungieren und morgens das Frühstück richten. Blicke da nicht durch. Erstmal was schlafen.

Zugehöriger Ohrwurm: http://youtu.be/VbnvqCqz7_k

Nachmittags: Strandwechsel. Wir gehen noch etwas zum Stadtstrand. Dort angekommen sieht man jedoch zunächst weder Strand noch Meer. Sonnenschirme, Klappstühle, Strandpavillions, Grillnebel und Menschenmassen versperren die Sicht. Der Brasilianer an sich hat an Ostern ja Urlaub. Und im Urlaub hat man Spaß. UND ZWAR SO RICHTIG. Alle Register ziehen für ein Maximum an Urlaubsvergnügen. Verschiedene Definitionen von Spaß, gepaart mit verschiedenen Altersklassen sich vergnügender Brasilianer resultieren in einem lärmenden Orkan 1000er Spaßvögel, die sich ergeizig und konzentriert Vergnügen. Jan Weiler unterschied ja 2 Strandtypen: Den Gecko, der bewegungslos auf seinem Handtuch leigt und, selbsterklärend, dem Strandderwisch. Hier findet also mit der Bevölkerungsdichte des Oktoberfests ein Strandderwischkongress statt. Eisboxen, Kokosnüsse, betrunkene Väter, Sonnenschirme, Tangas in runden Pos, Bierstände, Klapp- & Plastikstühle, Wasserbälle, Bananaboats, Kichernde Damen mit Bierdosen in den langnägeligen Händen, bunte Pareos, strandburgenbauende Vierlinge, Getto-Blaster, Surfbretter mit dazugehörigen Surfern, johlende Teens, Schmuck- und Schwimmflügelverkäufer fügen sich zu einem einzigen lärmenden Chaos, der brasilianischen Bagunca zusammen.
Wir fliehen zum nächsten Strand. Hier ist es ruhig. Ein paar Surfer paddeln im Meer und warten auf die nächste Welle. Die Sonne steht in unserem Rücken bereits tief über den Bergen und taucht das Meer in eine Farbe von Nichts. Kein Blau, kein Rosa, kein Gelb. Undefinierbar. Mein Kopf schaltet vollkommen aus. Einfach den Surfern zuschauen. Wichtigste Charaktereigenschaft, die man für diese Sportart mitbringen muss, scheint ein ordentliches Frustrationspotential zu sein. Da paddelt man ewig herum, eine Welle kommt, man schwingt sich aufs Brett und fällt direkt wieder runter. Das Ganze wieder von  vorn. Ich persönlich finde es mutig sich so großen Wellen entgegenzustürzen. Habe da ja Respekt. Keine Lust auf Waschmaschine im Schleudergang.
...und wieder sehe ich den Fregattvogel. Die schönsten Flieger die ich kenne. Gegen dieses erhabene Gleiten und sanfte Flügelschwingen flattern Möven und Geier allenfalls rum.

Wärend ich schreibe sehe ich beim runtergucken die Sommersprossen auf meiner Nase. Ich finde die ja klasse. Schön eine dynamische Haut zu haben die so etwas Leuchtendes wie Sonnenstunden anzeigt.



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Comments

Angie on

Lyyyyydiaaaa!!!!! Du rettest mich! Die Aera der TV-Langeweile und der Zeit-Totschlag-Lektüre ist vorbei - wie hab ich das bloss ohne deinen Blog ausgehalten?????? Immer eine Freude, thanks for sharing! Bin beim Lesen auch gleich dort... Beijao para ti e Luisa!

lybie
lybie on

Beijao e saudades tambem! Morgen gehts zur Farm. Dann noch 4 Tage warten und dann kann ich am "Dia de Tocar" Sandra von dir in der Küche drücken. Hihi

Waltraud on

Wunderschön!

Angie on

Oh jaa, bitte tu das - muito forte! Riech grad den Holzherd.... SAUDADES!!!! Boa viagem e abraço!

briggi + manni on

Hi Lyby ! Bist Du jetzt langsam wach ? (s. erste Blogs) Deine Relax-Berichte klingen sehr entspannt. Du sprachst von Stress/Sorgen die letzten Tage in Köln - war das was Ernstes ? (kannst ja privat-mail schreiben falls Du es nicht öffentl. willst).
Bis bald und gesund !!! b+m.

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