Abschied in Yangon

Trip Start Jan 10, 2011
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Trip End Ongoing


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Flag of Myanmar  , Yangon,
Sunday, June 19, 2011

Am Freitagnachmittag (17.06.) stand uns die gottseidank letzte Nachtbusfahrt bevor. Fuer 15000 Kyat (~19 Dollar) ging es in 11h in einem extrem kuehlen Reisebus von Bagan nach Yangon. Die Strasse war zur Abwechslung mal gut, allerdings hatte der Moench hinter mir ab dem spaeten Abend extremen Redebedarf und quasselte stundenlang in sein Telefon. Wenn er mal Pause hatte, ging das Gedudel im Bus an, um die naechste Pause anzukuendigen. Mitten in der Nacht - 00:15 Uhr - wurden wir in einem Fresstempel ausgekippt und durften muede und kaputt im Gewusel und Gedroehne unsere 30 min Pause absitzen. Sehr entspannt.
Nach 30 min Taxifahrt ins Zentrum und ca. 4:30 Uhr morgens sassen wir dann zusammen mit einer Australierin und einem Schweizer bei heissem Tee und Naan beim Inder. Einchecken im Hotel war noch nicht moeglich.
Spaeter goennten wir uns nochmal 5h Schlaf und verbrachten den restlichen leider verregneten Tag mit Spazieren, Kartenschreiben, Essen und Teetrinken im Zentrum. Am Abend gab es das obligatorische Bierchen + Kartenspiel.
Heute haben wir mit gleichem "Programm" wie am Vortag unsere letzten Kyat auf den Kopf gehauen und warten nun auf den Flieger zurueck nach Bangkok.

Die letzten Gruesse aus Myanmar,
Krissi und Kiki

PS: 3 Wochen Myanmar liegen hinter uns und wir verlassen das Land mit gemischten Gefuehlen. Myanmar ist eine Welt fuer sich und wir sind froh, die Erfahrung gemacht zu haben. Das Reisen hier ist beschwerlich, da befestigte Strassen kaum existieren und fuer weite Strecken nur Nachtfahrten angeboten werden. In viele Gebiete kommt man als Tourist erst gar nicht, weil entweder keine Busse fahren oder die Regierung es verbietet. Zu entdecken gibt es aber genug, so haetten wir locker noch eine weitere Woche anhaengen koennen. Myanmar ist ein wunderschoenes Land und vorallem Inle Lake und die alten Pagoden in Bagan haben uns in ihren Bann gezogen. Die Menschen sind unheimlich aufgeschlossen und froehlich in ihrem Wesen. "Where are you from" konnte jeder und selbst wenn er mit "Germany" nichts anfangen konnte, bekamen wir das strahlendste Laecheln zurueck. Man muss allerdings unterscheiden. Die Leute, die mit uns Geld verdienen, sind eher dreist und deren Freundlichkeit wirkt aufgesetzt. Die einfachen Leute von der Strasse hingegen sind einfach nur an deiner Person interessiert und freuen sich ueber jedes Wort, das du mit ihnen austauschst.
Wer hier Standard und Komfort erwartet, ist im falschen Land. Essen spielt die groesste Rolle, Sauberkeit steht ganz unten auf der Prioritaetenliste. Leider zahlt man verhaeltnismaessig viel Geld fuer schlechten Standard. Im Schnitt waren es 13 Dollar pro Nacht inklusive Fruehstueck. Und es ist zwecklos, ueber Preise zu diskutieren. Als Tourist hat man keine andere Wahl und das wissen die Locals ganz genau.
Wenn man allerdings sieht, in welchen Verhaeltnissen die Menschen hier leben, koennen wir froh sein, ueberhaupt von A nach B zu kommen. Hier fuehlt man sich Jahrzehnte hinter der Zeit. Es ist restlos alles alt, zusammengeflickt und improvisiert. Die meisten Autos kommen aus Japan, China und Thailand und waren vor 20 Jahren mal modern. Alle sind Rechtslenker in einem Land mit Rechtsverkehr - sehr befremdlich. Private Telefone findet man in den wenigsten Haushalten. Stattdessen spriessen an jeder Strassenecke mobile Telefonzellen aus dem Boden - Klapptische mit Kassiererin und alten Telefonen, die aus dem Nichts verkabelt werden. Nichtsdestotrotz sieht man vorallem in den groesseren Staedten genug Leute mit Handy.
Stromausfaelle stehen hier an der Tagesordnung. Generatoren findet man vorwiegend vor Hotels, Geschaeften oder Restaurants. Strassenbeleuchtung existiert nicht. Nach Sonnenuntergang steht man tatsaechlich im Dunkeln. Was wir mehr als einmal beobachten durften, war das Anstehen nach Benzin. Einmal in der Woche ist die Regierung in Ausgeberlaune. 1 Gallone fuer Mopeds, 2 Gallone fuer Autos. Auf dem Schwarzmarkt ist Benzin 3x so teuer und meistens so verdreckt, dass man sich die Motoren kaputtfaehrt. So braucht man sich auch nicht ueber die enormen Preise fuer Busfahrten wundern. Hier sind die Anbieter oft privat und nicht regierungsgefuehrt.
Wir hatten den Eindruck, in Myanmar bestuende die Bevoelkerung zu 80% aus Maennern. In Cafés, Restaurants, Busstationen und ueberhaupt auf oeffentlicher Strasse bestimmen sie das Bild. Doch paradoxerweise sieht man nur Roecke und rote Lippen. Diese gehoeren fest zur burmesischen Maennerwelt. Der "longyi" ist ein breiter Schlauch, den sich jeder Mann um die Hueften knotet. Die Betelnuss in Kombination mit alkoholisiertem Tabak und Limestone erzeugt nicht nur die schoenen roten Lippen sondern auch braeunliche Zaehne, blutrote Spuckflecken auf den Wegen und ueblen Mundgeruch. Tabakstaende pflastern die Fusswege und finden reissenden Absatz.
Die Frauen zieren sich mit weisser Paste, die sie als eine Art Makeup und Sonnenschutz im Gesicht verteilen. Lange Haare scheinen hier Schoenheitsideal zu sein. Wir haben in Myanmar die meisten Frauen mit den laengsten Haaren gesehen - mitunter sogar bis zur Wade.
Auch hier spielt sich wie in allen asiatischen Laendern das Leben auf der Strasse ab. Essen bekommt man billig an jeder Ecke. Neben vielen fettigen Suppen und der Vorliebe fuer Innereien ist der indische Einschlag nicht zu verkennen. Besonders ueberrascht hat uns das Schan-Essen. Enttaeuscht waren wir vom Instantkaffee. Auch scheinen sie Eis im Tee oder Kaffee nicht zu moegen. Gut ist der chinesische Tee, der kostenlos zum Essen und Trinken serviert wird. Wie ihr vllt. gemerkt habt, sind wir von den nicht vorhandenen Shakes auf erfrischenes Myanmarbier umgestiegen. Das Preiswerteste liegt bei 500 Kyat pro Glas.
Gut ueberlegt soll sein, wem man hier im Land sein Geld gibt - der Regierung oder den Leuten, die es wirklich brauchen und verdient haben. Allerdings weiss jeder, wer am laengeren Hebel sitzt. Mit jedem einzelnen Touristen kommt die Regierung zu ihrem Geld, so sehr man sich auch Muehe gibt, die privaten Unternehmer zu unterstuetzen. Meist sind die Mittel eh begrenzt und die Privatleute haben keine Moeglichkeit, an der Regierung vorbei zu operieren. Arschkriecherei, Luegen und Ungerechtigkeit sind hier Alltagsgeschaeft, wenn man ueberleben will. Man kann nur staunen, wie die Menschen mit diesen Widrigkeiten ihr Leben bestreiten.
Wir wissen nicht, ob es nach dem Regierungswechsel wirklich gut ist, als Tourist ins Land zu kommen. Die Dollarrate sinkt stetig. Vor einem Jahr bekam man fuer einen Dollar 1000 Kyat, heute sind es zwischen 700 und 800 Kyat und Prognosen der Locals sagen 500 Kyat noch in diesem Jahr voraus. So kommt das Geld auch nicht mehr bei den Locals an. Allerdings sieht man ihnen die Freude und den Stolz an, wenn Touristen von weit her ihr Land besuchen. Und das tut allen Beteiligten gut.
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