Cabo Froward - Trek zum Ende des Kontinents

Trip Start Nov 07, 2010
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Trip End Apr 21, 2011


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Flag of Chile  , Magallanes y Antártica Chilena,
Monday, January 10, 2011

Uff. Die Zivilisation hat mich wieder! Nachdem ich bereits fast 10 Tage im Nationalpark Torres del Paine mit Zelt und Schlafsack unterwegs war (Details folgen dann rückblickend), habe ich nach kurzer Pause - 1 Tag in Puerto Natales zum Vorräte auffüllen, duschen und ausschlafen - noch eine weitere Tour drangehängt, diesmal noch etwas abenteuerlicher als der gut erschlossene Nationalpark Paine.

Vorab: Im Nationalpark hatte ich eine Tour gebucht und war glücklicherweise der einzige Teilnehmer für dieses Datum. Mein Bergführer, Rodrigo, ein waschechter Patagonier und professioneller Kletterer, war ein echter Glücksfall (ebenfalls mehr dazu in den Einträgen zum Nationalpark, die demnächst folgen) und wir verstehen uns super - so gut, dass wir die jetzige Tour quasi inoffiziell, also ohne dass ich hätte buchen oder zahlen müssen, gemacht haben.

Gestartet sind wir also vor 4 Tagen, am 7. Januar. Die Tour nennt sich Cabo Froward, wer genauer nachlesen möchte, findet hier detaillierte Infos zum Trek und hier eine kleine Übersichtskarte. Letztendlich führt die Tour etwa 32km lang an der Küste Patagoniens entlang nach Südosten - bis zum südlichsten Punkt des Festlands des Südamerikanischen Kontinents, markiert durch das Cruz de los Mares. Die Strecke ist an sich nicht schwierig - relativ eben und gut zu laufen. Größtenteils führt der Weg (der eben meistens keiner ist) an der Küste entlang, direkt an der Strasse von Magellan und mit beeindruckender Sicht auf die Isla Dawson auf der anderen Seite. Unterbrochen wird die lange Strandwanderung durch Kletterpassagen über glitschige Felsen und Ausweich-Pfade durch den dichten, wuchernden Urwald - vor allem dann, wenn die Flut gerade keine Passage über die Felsen an der Küste erlaubt.
Insgesamt gilt der Trek daher als anspruchsvoll, was vor allem daran liegt, dass er eben so abgelegen ist. Handyempfang gibt es natürlich sowieso nicht, er wird nicht oft begangen und ausser einem Fischerboot am Horizont sieht man nicht allzu viele Zeichen menschlicher Zivilisation. Dazu kommen drei Flussdurchquerungen pro Strecke (hin und zurück), die gut mit den Gezeiten abgestimmt sein sollten, sofern man nicht schwimmen möchte.

Nun gut - mit Rodrigo an meiner Seite war all das kein Problem, da er tatsächlich in der Wildnis zuhause zu sein scheint. Sein Fachwissen über Flora & Fauna ist beeindruckend und es war ein einmaliges Erlebnis, nochmal ganz anders als der Nationalpark vorher!

Den ersten Tag starteten wir mit der Anreise - die Nacht vorher hatte ich im Haus von Rodrigos Familie übernachtet, am Morgen brachte uns Rodrigos Onkel mit dem Truck zum Beginn des Treks. Wir machten uns also auf nach Süden, kamen gut voran - begleitet von Delfinen am Strand, einigen Seelöwen, dem Geschrei von Möwen und dem Rauschen des eiskalten Ozeans. Die Strecke führt zuerst zum Faro San Isidro, dem südlichsten Leuchtturm der Welt. Dort gibt es noch ein kleines Öko-Hotel, danach folgt nur noch Wildnis.
Ein kurzer Mittags-Stop im Casa Hernandez, einem verlassenen Fischerhaus, das Wandern als trockene Unterkunft dient, und dann ging es nachmittags weiter. Die erste Flussdurchquerung stand an, und da gerade Flut war, mussten wir mit einigermaßen hohem Wasser rechnen.
Rodrigo - wie sollte es auch anders sein - kannte allerdings einen gut passierbaren Weg über eine Sandbank raus ins Meer, also entledigten wir uns unserer Kleidung, verpackten selbige und unsere Rucksäcke in großen Plastiksäcken, schulterten diese und wateten hinaus ins Meer, auf einen Baumstamm zu, der als Markierung diente. Von dort ging es dann, in einer Art Dreieck, zurück in Richtung Ufer, so dass wir die eigentliche Flussmündung umgehen konnten. Das Wasser stand uns ungefähr bis zum Bauchnabel und war natürlich eisig kalt, insgesamt war es aber ein großer Spaß.
Weiter ging der Weg in Richtung zweiter Fluss, wo eine gute Campinggelegenheit am Ufer auf uns wartete. Einen der kleinen Abzweige in den Urwald verpassten wir, kletterten stattdessen über die Uferfelsen, kamen nicht weiter, stiegen durch dichtes Gestrüpp in den Wald ein, um zum Weg zu gelangen - und mussten am Ende doch aufgeben, umkehren und den eigentlichen Pfad suchen, was uns insgesamt etwa eine Stunde kostete.
Wohlbehalten, aber ganz schön müde (die 160km aus dem Nationalpark steckten mir nun doch wieder ganz schön in den Knochen) kamen wir am Zeltlager an. Dort trafen wir auf drei Mädchen aus den USA und ihren (ebenfalls US-amerikanischen) Guide. Sie waren einen Tag früher als wir gestartet (mit Zwischenstop im erwähnten Casa Hernandez) und Rodrigo kannte den Guide, wir beschlossen also, den Rest des Weges gemeinsam zu gehen.

Im Gegensatz zum Nationalpark Torres del Paine darf man hier auch Feuer machen - also saßen wir gemütlich ums Lagerfeuer und speisten die gute alte Campingnahrung: Instantsuppe, heißer Kakao aus Milchpulver, Kartoffelpüree und - als Bonus - überm Feuer gegrillte Chorizos.

Der nächste Tag sah die restliche Strecke zum Cruz de los Mares und wieder zurück zum Lagerplatz vor - wir konnten also Zelt und einen Großteil des Gepäcks dort zurücklassen und mit kleinem Gepäck laufen. Dennoch war der Tag anstrengend, vor allem der letzte Aufstieg zum Cruz, das auf einem kleinen Berg liegt. Auf dem Weg kamen wir an einem halb verwesten, zerfressenen riesigen Seelöwen-Kadaver vorbei. Lecker!
Auf dem Gipfek war es dann - wie zu erwarten - windig, kalt und ungemütlich, aber trotzdem ein unglaubliches Gefühl. Das Kreuz selbst steht dort seit 1913 - in verschiedenen Varianten, da das Wetter immer mal wieder für ein neues Kreuz verantwortlich war - und wurde 1987 zu Ehren eines Chile-Besuchs von Papst Johannes Paul II. durch ein 24 Meter hohes Metallkreuz ersetzt.

Rodrigo erkletterte natürlich das Kreuz (wahrscheinlich weil es ihm so noch nicht windig und kalt genug war) und wir trafen ausserdem zwei andere Wanderer, einen Argentinier und einen US-Amerikaner. Unglaublicherweise hatten die beiden zwei Hunde dabei, und es stellte sich heraus, dass sie ihnen aus dem nächstgelegenen Dorf, San Pedro, gefolgt waren. Der Weg, vor allem an den Küstenfelsen entlang, dann aber auch der Aufstieg zum Kreuz teilweise über Leitern, ist alles andere als leicht, die beiden Köter waren also Grund für Staunen und viel Gelächter - auf dem Rückweg konnten wir dann selbst Zeuge davon werden, wie sie schwanzwedelnd und immer fröhlich jede noch so beschwerliche Stelle wie im Schlaf meisterten, während wir kletterten und schwitzten!

Der nächste Tag war einigermaßen kurz und führte zum Casa Hernandez, wo wir im Trockenen - draußen regnete es inzwischen in Strömen - saßen, Sudokus lösten, unsere Sachen überm Ofen trockneten und am Ende mit einer gerade ankommenden siebenköpfigen israelischen Reisegruppe nächtigten, Isomatten und Schlafsäcke in Reih und Glied auf dem Boden ausgebreitet.

Am morgen ging es dann zurück zum Ausgangspunkt. Wir waren inzwischen alle recht müde vom vielen Gehen, gerade das Laufen am Strand ist anstrengend, weil man immer etwas einsinkt. Um 14.00 wurden wir dann abgeholt und per Minibus zurück nach Punta Arenas gebracht - dort warteten: eine heiße Dusche, eine (echte!) heiße Schokolade im "Chocolatta", einem Geheimtip von Henni, die ja nun auch schon ein paar Mal in Punta Arenas war, ein ausgiebiges Abendessen und dann noch ein Kinofilm (R.E.D.), zur entgültigen Entspannung.

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