Yosemite Wilderness

Trip Start Jun 21, 2013
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Trip End Jul 11, 2013


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Saturday, June 29, 2013

Yosemite Wildernes (Teil 1)

Also manchmal fehlen einem die Worte. Die vergangenen drei Tage waren einfach "unbeschreiblich". Aber für Oma Büderich (und den Einen oder Anderen auch noch) wage ich mal den Versuch unsere Eindrücke aus der High Sierra zu beschreiben.

Von Wawona aus sind wir nach einem entspannten Vormittag am Pool und vermeintlich vorerst letzten Mittagessen mit Gabel und Messer gegen Mittag losgefahren gen Norden. Knapp drei Stunden führte uns der Weg am Yosemite Valley vorbei über einen über 9.000 Fuß hohen Pass durch ständig wechselnde großartige Landschaften auf die nur wenige Monate im Jahr geöffnete Tioga Road. Der Bereich nördlich dieser Straße, den wir bewandern werden wird auf der Karte lakonisch mit "Yosemite Wilderniss" bezeichnet. Das klingt vielversprechend aber auch etwas respekteinflößend. Aber zunächst kommen wir am Ende unserer Fahrt auf dem über 2.600m hoch gelegenem Hochtal "Toulumne Meadows" an, in dem auch unsere gleichnamige Lodge liegt, die den umliegenden fünf High Sierra Camps als Basis dient. 2.600m ist in einem Alpenskigebiet ungefähr die Höhe einer anständigen Bergstation und hier liegt ein Tal, dass der Vegatation nach eher an die Lüneburger Heide erinnert: Fichten, Moor, Heide usw.. Nur die mit Schneefeldern bedeckten Drei- bis Viertausender, eine (zugegebener Maßen) gewisse Kurzatmigkeit und das ein oder andere Murmeltier erinnern an die Höhe.

Am Nachmittag haben wir also unser erstes Lager hier in einem festen Zelt mit anständigen Pritschen aufgeschlagen und mit einigem Aufwand die Wanderung vorbereitet. Unsere Unterkunft liegt unweit einer sehr schönen, wie sich herausstellen sollte, nachts auch sehr lauten Wassertreppe, die für die Mädels sofort Spielgebiet ist. Die Mädchen sind begeistert vom Abenteuerfeeling eines Zeltlagers mit Holzofen, Stirnlampen und "Bear Boxes" (alles was duftet muss aus Auto und Zelt in bärengesicherte Metallboxen geschafft werden). Die Aufregung und das Strahlen der Kinderaugen beim Zubettgehen im neuen "Sleepsack" und vier(!) zusätzlichen Decken (nachts geht es an die Gefriergrenze) ist die reinste Wonne. Sauwohl fühlen sie sich.

Am nächsten Morgen wache ich mit der Dämmerung auf und gehe dick eingemummelt zum Gemeinschaftszelt, hole mir einen Kaffee und erlebe wie der Tag anbricht und sich der Morgennebel lichtet. Herrlich, aber auch für einen Stadtmenschen doch sehr ungewöhnlich, wenn man, wie früher die Menschen mit Anbruch der Dunkelheit zu Bett geht und bei Beginn des Tages aufsteht - im Rhythmus der Natur. Die Kletterer und Wanderer die offensichtlich längere Stecken planen (ich treffe eine Frau, die 20 Meilen und 1.000m Höhenunterschied joggt) machen sich auf den Weg und die Senioren, von denen es hier erstaunlich viele gibt, recken ihre Knochen. Nachdem ich die Mädchen gegen acht aus den Betten geholt habe und und wir ein reichhaltiges Frühstück zu uns nehmen geht es später als geplant aber mit Vorfreude und Spannung auf das was uns erwartet los.

Die Wanderung beginnt in einer fast süßlichen Auenlandschaft, die noch gar nich so das Gefühl von Wildness aufkommen und unseren Beginn eher an einen Sonntagsspaziergang erinnern läßt. Aber schon bald ist das letzte Zeichen von Zivilisation hinter uns und wir wandern bei zunehmender Hitze den Toulomme River entlang durch völlig sich selbst überlassenen Wald. Wir nehmen uns vor die ersten ein Einhalt Stunden ohne Pause durchzulaufen. Je weiter wir kommen desto schwerer fällt es mir "durchzulaufen" da ich alle paar Minuten stehen bleiben muss und mich fast kneifen möchte, ob Natur wirklich so überwältigend den kann. Der sich langsam windende Fluss, der lichte Wald mit umgestürtzten verwitterneden Bäumen, immer wieder immense von Gleschern der Eiszeit glattgeschliffene Granitebenen, riesige wie hingelgegte Findlinge und die
Berge im Hintergrund bilden eine rauhe Schönheit der ganz besonderen Art.

Bei den Mädchen wechseln sich ganz eigene Beobachtungen über Dinge um sie herum, manchmal völlg außerhalb des Kontexts liegendes Geplapper und sehr(!!!) vielen Fragen zu allmöglichem Naturkundlichen (Eiszeit, Tektonik, Evolution, Botanik, spektral Farben und viel Astronomie(!) um nur einige Bereiche zu nennen) ab. Puh, manchmal rauchte mir da schon der Kopf. Vorallem scheinen sie das Abenteuer, das Besondere und die kleinen Dinge am Rande (Tiere beobachten, balancierende Steintürme bauen, Füße ins Wasser halten) und einfach die Zeit zusammen zu genießen.

Unser erstes Picknick haben sich die Mädels an einer Flussbiegung mit einer wirklich einmaligen Aussicht gewünscht. Es wird eine Müsliriegeldegustation vorgenommen, erste Maleschen ausgetauscht und die Füße im Wasser gekühlt.

Ab hier begegenen wir immer seltener anderen Menschen. Wahrscheinlich weil die Entfernung für eine Tagestour langsam recht weit würde. Wir kommen allerdings auch auf der nächsten Etappe nicht sehr weit, weil wir an einer dieser "Granitplatten" einen Pool vor einer Stomschnelle finden, dessen grünes klares Wasser einfach zu verlockend ist. Ohne langes Zaudern wird also in die Bikinis (ich natürlich ohne Oberteil) geschlüpft. Und im eiskalten Wasser gebadet. Naja, nicht alle. Julie, die sich auf dieser Reise schon mehrfach zweifellos als "toughest cookie" von uns Dreien qualifiziert hat kann sich nicht ganz zum Vollbad durchringen.

So langsam verlassen wir die Hochebene und kommen flussabwärts in einen tiefergelegenen Bereich in dem am Ende auch Glen Aulin und der Yosemite Gand Canyon liegen. Der Toulumne stürzt über mehrere Wasserfälle und lange Treppen hinab. Ab hier werden die Pausen häufiger. Teils weil wir nach den Stunden des Wanderns einfach mehr Rast brauchen teils aber auch weil man unmöglich einfach an diese Fällen und Stomschnellen vorbeilaufen mag. Man muss sich zeitnehmen, dasitzen und das tosende Schausspiel auf sich wirken lassen. Auch die Mädchen sitzen oft einfach da und staunen - um sich aber auch plötzlich im nächsten Augenblick mit irgendwelchen Permutationen ihrer Handklatschspiele (keine Ahnung wie das richtig heißt) zu beschäftigen und sich dabei urplötzlich aus unerfindlichen Gründen tot zu lachen.

Nach über sechs Stunden kommen wir im Glen Aulin High Sierra Camp an. Acht Zelte, ein Gemeinschaftszelt, vier Bärtige, die den Laden schmeißen, eine Millionen Mücken und ein Riesenwasserfall (na dann gut' Nacht) mit bebadebarem Pool. Also nix wie rein ins verdiente Bad nach den Stapazen der Wanderung bei am Ende über 30 Grad.

Für den Abend hatte ich die Mädchen in weiser Voraussicht auf schlechtes Essen vorbereitet, schließlichuss alles(!) in diesen Camps auf Mulis zwei Mal pro Woche hergeschafft werden. Aber in der Hoffnung, dass der Hunger alles reintreibt mir nicht so viele Sorgen gemacht. In den Camps wird gemeinsam "home-style" gegessen. Dass heißt, es werden Schüsseln auf den Tisch gestellt und los geht's. Lustigerweise waren die beiden Grazien und ich auch noch an getrennten Tischen, weil sich die meisten schön gesetzt hatten. Das war doch mal wieder für die Beiden eine schöne Aufgabe in Kulturkunde, von der sie hier schon einige zu bewätigen hatten und außerdem kam ich so auch mal nach einer Woche zum verdienten Erwachsenengespräch, denn das muss man den Amis lassen, gesellig sind sie... Tja und dann kam das Essen: frische Blattsalate, Cherrytomaten und Artischockenherzen mit Balsamicodressing, gegrilltes Rindersteak mit Pilzsauce, Kartoffelbrei mit Zwiebeln und Estragon, grüner Spargel mit Parmesankäse und zum Schluss dark chocolate mousse cake mit Oreo-Sauce. Also nochmal: Wildness, kein Strom, kein Telefon, keine Straße, nur vier Bärte. Ich hätte es wissen sollen als wir die Mulis auf dem hinweg trafen...

Am Ende hatte ich mein Erwachsenengespräch unter anderem über John Neumeiers Gastspiel zu Nijinski und den Kleinen Meerjungfrau in San Francisco(?!?) und die Julottis wurden als eizige Kinder des Camps zu den Stars des Abends die am Ende jeder kannte, fotografiert wurden und die sich bravourös mit radebrechenem Englisch durchboxten.

Auf Empfehlung des Kochs haben wir uns den Sonnenuntergang von einer Anhöhe über dem Camp angesehen und ein dramatisches Lichtspiel in einer Gewitterwolke im Hinterland beobachtet. Danach, wie sich das im Zeltlager gehört, saßen viele noch beim Lagerfeuer zusammen.
Am Ende schnappte ich mir die Mädels ein letztes Mal um in pechschwarzer Nacht (die später des Nachts bei Charlotte zu großer Verunsicherung führte (na gut, dann halt auf 80cm zu zweit schlafen ) nochmal auf die Anhöhe zu gehen, da ich ahnte, dass sie einen solchen Sternenhimmel in der Höhe noch nie gesehen haben. Julie wurde mit drei Sichtungen Sternschnuppenkönigin.

- to be continued -
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Comments

Pedi on

Schön, dass ihr wieder online seid. Ich war schon ganz aufgeregt, wann die Serie endlich weitergeht! Julotti - ihr scheint spitze zu sein und außerdem das größte Glück der Welt zu haben - da drüben in der Yosemite Wilderness. ich habe den Bericht schon drei Mal gelesen und komme aus dem Staunen nicht mehr raus.
Habe Onkel Olaf gestern nochmal gesagt, dass er bitte mal was schreiben soll.... hoffe, er macht das auch.
Dicker Schmatzer an die Englisch sprechenden Wander- und Zeltlagermäuse und danke an den Autor.
Mamsi/Pedi

Omi Büdi on

Da seid ihr ja endlich wieder, na Gott sei dank!
Mams Pedi nimmt mir die Worte aus dem Mund. Ihr seid ein tolles Team.
Und erst die Fotos dazu, suuupi! Ich bin immer ganz vertieft in die wunder-
baren Texte des Autors. Die ganze "Mitreiseschar" wird euch beneiden!
Hoffentlich wird es nicht so heiß wie in den Grenzländern.
Jetzt erholt euch mal schön! Bis bald auf dieser Welle, ich bin auf Enpfang.
Bussi, Omi Irmi

Ricci C on

Es macht Spaß eure aufregenden und auch lustigen Erlebnisse zu lesen.
@Peter: Ich wusste gar nicht, dass du als Nebenjob nicht nur 24/7h Animateur, sondern auch ein brillanter Reisereporter bist!
@Schotti: Wie cool, dass du so eine Reise machen kannst. Daran wirst du dich noch lange erinnern, was anderes als Disneyland tut auch mal gut . ;)
Have fun and enjoy it!
Ricci

P.s. Danke für dem Link, liebe Pedi.

Marioi on

Ihr lieben,
Wir schwelgen hier in Erinnerungen.
Stellt euch vor genau da waren wir auch.
Die Mädels sind ganz neidisch doch wir alle 4 freuen uns riesig fuer euch.
Weiter so, viel viel Spaß
Big hug Marili

Andy on

Du meine Güte, was seid ihr für ein Team! Peter, deine Reiseberichterstattung ist grandios! Wie schön, dass du dir die Zeit nimmst, solche Berichte zu verfassen! Hätte gerne Mäuschen gespielt im Zelt der vier Bärtigen ;))Bin sehr gespannt auf den zweiten Teil. Die Mädels müssen ja 10 cm größer nach Hause kommen, bei dem, was die erleben und vor allem auch schaffen - ganz toll! Julchen, Marion und die Kinder sind jetzt da und schicken dir viele Bussis, wir vermissen dich aber freuen uns so riesig, dass du das alles dank Peter und Schotti erleben darfst! Euch Dreien alles Liebe und viel Erholung auf eurem Roadtrip; dicker Kuss und good night Andy

Nina und Nico on

Was für eine Coole Tour und dann noch so ein leckeres Essen :-) Und wieder einmal super beschrieben, dass es uns fast so vor kommt als wenn wir dabei sind. :-)
Tolle Landschaft und so viele Eindrücke. Habt noch ganz viel Spass.
Dicke Umarmung Nino und Nico

Wir haben an der Ostsee versuch das Golfen zu lernen, denn Strandwetter war nun wirklich nicht. Aber bald gibt's auch für uns Sommer! Mit nicht ganz so viel Eindrucksvollem wie bei euch.

Olaf on

Ist ja wirklich ein absoluter Mega-Trip, da will ich auch mal hin, geniale Tour, super Fotos und sehr anschauliche Berichte, macht Spaß, das zu lesen. Euch dreien noch viel Spaß in USA, ich bleibe dran. LG Olaf

Rosi und Dieter on

Können uns den Worten von Olaf nur anschließen,insbesondere hinsichtlich der Reisebeschreibungen von Peter.Grandios,wie wenn man es miterlebt.Es muss aber auch Vergnügen bereiten mit zwei so quicklebendigen Mädels zu reisen.
Viele Grüsse von Rosi und Dieter,insbesondere an Charlotte von Rosi

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