Vom Baby zum Abendessen
Trip Start
Mar 16, 2011
1
36
50
Trip End
Mar 02, 2012
Eine Woche nach meiner Ankunft auf der Farm bekommen wir Nachwuchs in Form von Hühnern. Sie sind gerade mal zwei Tage alt, gelb und flauschig. Es handelt sich hierbei um Hühner, die nur dazu da sind, gegessen zu werden. Das klingt vielleicht ein bisschen markaber und ist schwer vorstellbar, wenn man sich die Kleinen anguckt, aber diese Rasse nimmt sehr schnell an Gewicht und Größe zu und isst den ganzen Tag, wenn man sie lässt. Damit die 42 neuen Bewohner der Farm es auch schön warm haben, bekommen sie eine schöne Holzkiste und eine Wärmlampe. Doch schon nach einer Woche sind die Kleinen zu groß für ihre Holzkiste und dürfen nach draußen in den Hühnerstall ziehen. Draußen ist auch viel besser, als in dem Vorraum vom Haus, da 42 Hühner ordentlich stinken.
Die Kleinen halten uns ordentlich auf trapp, da sie unglaubliche Mengen verschlingen und Trinken, als würden wir ihnen Wein geben. Dementsprechend schnell wachsen die Kleinen und sind schon bald nicht mehr süß und knuddelig, sondern hässliche Teenager. Man kann dabei zugucken, wie sie richtige Federn bekommen und immer größer und fetter werden. Im laufe der Zeit bekommen sie unglaublich kräftige und stämmige Beine und die Füße sind gigantisch. Man könnte glatt Horrorfilme mit ihnen drehen. Obwohl die Hühner und Hähne Auslaufmöglichkeiten haben, bewegen sie sich nur spärlich und wenn dann ist das mit großer Anstrengung verbunden und daraufhin muss man erst einmal wieder ruhen und essen. Nach 12 Wochen ist es schon fast nicht mehr schön, sich das Elend anzugucken und es ist gut, dass der Schlachttag näher rückt.
An dem Tag vor dem großen Ereignis, gibt es ein anderes großes Ereignis. Es gibt einen Farmausflug in die große Stadt Toronto. Der Van ist voll beladen mit Kisten für die Restaurantlieferungen und mit gut gelaunten Farmern. Ich bin etwas überrascht, als Jocelyne, Stephanie und Jenna ihre Stricknadeln rausholen und anfangen zu stricken. Sie geben sich gegenseitig Tipps, wie man verschiedene Muster herstellt und welche Nadeln sich am Besten eignen. Es überrascht mich aber noch mehr, als Vicki den Platz mit Thibaut tauscht, damit sie auch mitstricken kann und dabei berichtet, dass sie ihrer Mutter stricken beigebracht hat und früher richtig viel gestrickt hat. Ich kann mir irgendwie nur sehr schwer vorstellen, wie die immer quirlige Vicki ruhig in einem Schaukelstuhl sitzt und eine Decke strickt. Doch die Finger bewegen sich flink und geübt. Kurz vor Toronto sammeln wir Ninja ein und der Van wird in einen Party-Van umgewandelt, weil er selbsthergestellte Schokolade in Form eines Penises mitbringt. Das lässt die Wollkneule wieder in den Taschen verschwinden und die Stimmung ist auf ihren absoluten Höhepunkt. Die Energie brauchen wir auch, denn nach 2,5 Stunden Fahrt geht es erst so richtig los mit der Belieferung der Restaurants und somit der großen Fahrerei durch Toronto. Wir sehen viele der Restaurants einmal von einer ganz anderen Perspektive. Das fängt schon einmal damit an, dass wir die Hintereingänge benutzen und somit direkt in den Küchen landen. Von vielen Küchenchefs bekommen wir eine spezielle Tour und so landen wir auf dem Dach eines Restaurants, um deren Garten zu betrachten, oder laufen durch die Art Gallery of Ontario. Wir beliefern lauter Nobelrestaurants die auf Namen wie "Splendido", "Nota Benne", "Scaramouche", "County General" und "Böhmer" hören. Bei "Böhmer" stelle ich fest, dass auf den Toilettentüren verschiedenste Formen für die Wörter Männer und Frauen in deutsch stehen und spätere Recherchen bestätigten meine Vermutung, dass der Besitzer, Paul Böhmer, deutschen Ursprungs ist.
Unsere letztes Restaurant ist "Belong Cafe", wo wir dann auch Abenbrot essen. Wir müssen eigentlich gar nichts bestellen, weil der Küchenchef uns mit lauter Leckereien verwöhnt und wir schon satt sind, bevor unsere Hauptgänge eintreffen. Das Essen ist einfach köstlich und schmeckt noch einmal besser, wenn man weiß, dass man die Zutaten selbst geerntet hat. Frisch gestärkt hören wir uns danach einen Vortrag von einem Farmer aus den USA an, der ein neues Buch mit dem charmanten Namen "Folks, this ain't normal" herausgebracht hat. Joel Salatin versucht die Menschheit davon zu überzeugen, dass man zu den ursprünglichen Denkweisen zurückkehren sollte und sich nicht fragt, wie Hühner ihre Kinder bekommen. Ich muss eingestehen, dass ich selbst über viele Dinge nicht nachgedacht habe, die er so erwähnt und wo die anwesenden Farmer nur lachen. Meine Denkweise und meine Einstellung zu Bio und Farming hat sich geändert, seit dem ich selbst Erfahrungen in diesem Feld sammeln konnte, aber ich bin eben doch in einer Stadt groß geworden, wo man einfach in den Supermarkt geht und alles bekommt. Auch wenn ich im Großen und Ganzen mit Joel Salatin übereinstimme, gibt es einige Punkte, wo ich so gar nicht mit identifizieren kann. Aber das ist wohl Sinn und Zweck der Veranstaltung. Es gibt im Anschluss noch einige Fragen und ich bin ein wenig enttäuscht, dass für die Fragen nicht genug Zeit ist, weil der Zeitplan noch Zeit für Autogramme vorsieht.
Ich schätze, dass die Hühner wissen, dass heute irgendetwas anders ist, weil sie morgens nicht rausgelassen werden und auch kein Futter bekommen. Trotzdem sind sie sehr ruhig. Die Männer bereiten alles für das große Schlachten vor und es ist interessant zu sehen, dass manche mit vollem Eifer dabei sind und manche es nur machen, weil es ihre Aufgabe ist. Ich persönlich bin froh, dass ich nicht selbst handanlegen muss, bin aber trotzdem sehr interessiert und lasse mir alles genau erklären und gucke mir alles an. Ich kann selbst nicht mithelfen, weil ich alle Hände voll zu tun habe mit Marktvorbereitungen. Nach und nach holen die Männer die Hühner aus dem Stall und dann kommen sie kopfüber in einen Trichter, den an deinem Baum befestigt ist. Und dann geht es ganz schnell. Der Kopf wird abgeschnitten und das Huhn ist tot. Es zappelt zwar noch kräftig, aber spürt hoffentlich nichts mehr. Danach hängen die Hühner ein wenig aus, bevor sie dann in fast kochendes Wasser gesteckt werden, damit die Federn sich besser lösen. Die Temperatur ist sehr entscheidend, weil man natürlich nicht möchte, dass die Haut verbrennt, aber es muss warm genug sein, damit die Federn gelockert werden. Anschließend kommen sie in einen speziellen Topf, in dem das Huhn routiert und sich somit die ganzen Federn loslösen. Dadurch müssen nur noch wenige Federn per Hand rausgezupft werden. Zum Schluss werden die Eingeweide herausgenommen und das Huhn hängt noch ein bisschen aus, bevor es eingefroren wird. Ich bin wirklich erstaunt wie ruhig der ganze Prozess abläuft. Das liegt natürlich mit daran, dass die Meisten nicht zum ersten Mal ein Huhn oder Hahn schlachten und somit die nötige Erfahrung und Ruhe ausstrahlen.
Zum Abendbrot gibt es dann eins der Hühner und obwohl das Fleisch noch ein bisschen gummiartig ist, schmeckt es einfach gut. Mit dem Wissen, dass sie zwar ein kurzes aber gutes Leben hatten, lässt es sich viel besser genießen.
Die Kleinen halten uns ordentlich auf trapp, da sie unglaubliche Mengen verschlingen und Trinken, als würden wir ihnen Wein geben. Dementsprechend schnell wachsen die Kleinen und sind schon bald nicht mehr süß und knuddelig, sondern hässliche Teenager. Man kann dabei zugucken, wie sie richtige Federn bekommen und immer größer und fetter werden. Im laufe der Zeit bekommen sie unglaublich kräftige und stämmige Beine und die Füße sind gigantisch. Man könnte glatt Horrorfilme mit ihnen drehen. Obwohl die Hühner und Hähne Auslaufmöglichkeiten haben, bewegen sie sich nur spärlich und wenn dann ist das mit großer Anstrengung verbunden und daraufhin muss man erst einmal wieder ruhen und essen. Nach 12 Wochen ist es schon fast nicht mehr schön, sich das Elend anzugucken und es ist gut, dass der Schlachttag näher rückt.
An dem Tag vor dem großen Ereignis, gibt es ein anderes großes Ereignis. Es gibt einen Farmausflug in die große Stadt Toronto. Der Van ist voll beladen mit Kisten für die Restaurantlieferungen und mit gut gelaunten Farmern. Ich bin etwas überrascht, als Jocelyne, Stephanie und Jenna ihre Stricknadeln rausholen und anfangen zu stricken. Sie geben sich gegenseitig Tipps, wie man verschiedene Muster herstellt und welche Nadeln sich am Besten eignen. Es überrascht mich aber noch mehr, als Vicki den Platz mit Thibaut tauscht, damit sie auch mitstricken kann und dabei berichtet, dass sie ihrer Mutter stricken beigebracht hat und früher richtig viel gestrickt hat. Ich kann mir irgendwie nur sehr schwer vorstellen, wie die immer quirlige Vicki ruhig in einem Schaukelstuhl sitzt und eine Decke strickt. Doch die Finger bewegen sich flink und geübt. Kurz vor Toronto sammeln wir Ninja ein und der Van wird in einen Party-Van umgewandelt, weil er selbsthergestellte Schokolade in Form eines Penises mitbringt. Das lässt die Wollkneule wieder in den Taschen verschwinden und die Stimmung ist auf ihren absoluten Höhepunkt. Die Energie brauchen wir auch, denn nach 2,5 Stunden Fahrt geht es erst so richtig los mit der Belieferung der Restaurants und somit der großen Fahrerei durch Toronto. Wir sehen viele der Restaurants einmal von einer ganz anderen Perspektive. Das fängt schon einmal damit an, dass wir die Hintereingänge benutzen und somit direkt in den Küchen landen. Von vielen Küchenchefs bekommen wir eine spezielle Tour und so landen wir auf dem Dach eines Restaurants, um deren Garten zu betrachten, oder laufen durch die Art Gallery of Ontario. Wir beliefern lauter Nobelrestaurants die auf Namen wie "Splendido", "Nota Benne", "Scaramouche", "County General" und "Böhmer" hören. Bei "Böhmer" stelle ich fest, dass auf den Toilettentüren verschiedenste Formen für die Wörter Männer und Frauen in deutsch stehen und spätere Recherchen bestätigten meine Vermutung, dass der Besitzer, Paul Böhmer, deutschen Ursprungs ist.
Unsere letztes Restaurant ist "Belong Cafe", wo wir dann auch Abenbrot essen. Wir müssen eigentlich gar nichts bestellen, weil der Küchenchef uns mit lauter Leckereien verwöhnt und wir schon satt sind, bevor unsere Hauptgänge eintreffen. Das Essen ist einfach köstlich und schmeckt noch einmal besser, wenn man weiß, dass man die Zutaten selbst geerntet hat. Frisch gestärkt hören wir uns danach einen Vortrag von einem Farmer aus den USA an, der ein neues Buch mit dem charmanten Namen "Folks, this ain't normal" herausgebracht hat. Joel Salatin versucht die Menschheit davon zu überzeugen, dass man zu den ursprünglichen Denkweisen zurückkehren sollte und sich nicht fragt, wie Hühner ihre Kinder bekommen. Ich muss eingestehen, dass ich selbst über viele Dinge nicht nachgedacht habe, die er so erwähnt und wo die anwesenden Farmer nur lachen. Meine Denkweise und meine Einstellung zu Bio und Farming hat sich geändert, seit dem ich selbst Erfahrungen in diesem Feld sammeln konnte, aber ich bin eben doch in einer Stadt groß geworden, wo man einfach in den Supermarkt geht und alles bekommt. Auch wenn ich im Großen und Ganzen mit Joel Salatin übereinstimme, gibt es einige Punkte, wo ich so gar nicht mit identifizieren kann. Aber das ist wohl Sinn und Zweck der Veranstaltung. Es gibt im Anschluss noch einige Fragen und ich bin ein wenig enttäuscht, dass für die Fragen nicht genug Zeit ist, weil der Zeitplan noch Zeit für Autogramme vorsieht.
Ich schätze, dass die Hühner wissen, dass heute irgendetwas anders ist, weil sie morgens nicht rausgelassen werden und auch kein Futter bekommen. Trotzdem sind sie sehr ruhig. Die Männer bereiten alles für das große Schlachten vor und es ist interessant zu sehen, dass manche mit vollem Eifer dabei sind und manche es nur machen, weil es ihre Aufgabe ist. Ich persönlich bin froh, dass ich nicht selbst handanlegen muss, bin aber trotzdem sehr interessiert und lasse mir alles genau erklären und gucke mir alles an. Ich kann selbst nicht mithelfen, weil ich alle Hände voll zu tun habe mit Marktvorbereitungen. Nach und nach holen die Männer die Hühner aus dem Stall und dann kommen sie kopfüber in einen Trichter, den an deinem Baum befestigt ist. Und dann geht es ganz schnell. Der Kopf wird abgeschnitten und das Huhn ist tot. Es zappelt zwar noch kräftig, aber spürt hoffentlich nichts mehr. Danach hängen die Hühner ein wenig aus, bevor sie dann in fast kochendes Wasser gesteckt werden, damit die Federn sich besser lösen. Die Temperatur ist sehr entscheidend, weil man natürlich nicht möchte, dass die Haut verbrennt, aber es muss warm genug sein, damit die Federn gelockert werden. Anschließend kommen sie in einen speziellen Topf, in dem das Huhn routiert und sich somit die ganzen Federn loslösen. Dadurch müssen nur noch wenige Federn per Hand rausgezupft werden. Zum Schluss werden die Eingeweide herausgenommen und das Huhn hängt noch ein bisschen aus, bevor es eingefroren wird. Ich bin wirklich erstaunt wie ruhig der ganze Prozess abläuft. Das liegt natürlich mit daran, dass die Meisten nicht zum ersten Mal ein Huhn oder Hahn schlachten und somit die nötige Erfahrung und Ruhe ausstrahlen.
Zum Abendbrot gibt es dann eins der Hühner und obwohl das Fleisch noch ein bisschen gummiartig ist, schmeckt es einfach gut. Mit dem Wissen, dass sie zwar ein kurzes aber gutes Leben hatten, lässt es sich viel besser genießen.


