Eingelebt in Palästina

Trip Start Oct 02, 2011
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Trip End Nov 04, 2011


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Flag of Palestinian Territory  , West Bank,
Monday, October 10, 2011

Hallo alle zusammen!

So, ich glaube, heute war der erste Tag, an dem ich mich halbwegs normal gefühlt habe. Die ersten Tage hier waren schon recht schwer - alles so neu, ein wenig paranoid, dass ich auch ja niemandem auf die Füße tret, neuer Job, neue Leute....

Gestern war ich zum ersten Mal auf dem Markt einkaufen - hier schmeckt mir das Gemüse richtig, die Tomaten sind einfach herrlich, schmecken so richtig nach Tomate...Khakis für n Euro das Kilo, yuhuuuuu!

Auch n Kilo Kekse hab ich gekauft, man kann sich beim Bäcker die Tüte mit allen möglichen Leckereien füllen und es wird nur abgewogen, dazu noch das ständige Cola trinken und die ganzen leckeren Säfte, o o, werd bestimmt ganz paar Kilo mehr auf den Rippen haben nach dem Monat hier! Aber man merkt auch, wie billig das Essen bei uns ist; zwar ist das Obst und alles, was man auf dem Markt kriegt billig, aber sobald man einen Laden betritt für Nudeln und Käse und sowas, zahlt man beträchtlich mehr als bei uns....das Geld rinnt mir sehr schnell durch die Hände!

Das Wochenende - Freitag und Samstag - war toll; ich war mit Aron in Jerusalem. Zum Toten Meer haben wir's leider nicht geschafft (für mich nicht so schlimm, bin ja noch n bischen hier, aber Aron hat sich geärgert; er kehrt nächste Woche schon wieder zurück nach Hildesheim; werd ich ihm wohl n Fläschen abfüllen und zuschicken müssen :) Ich hätte es eigentlich wissen müssen, es war wie ein Deja Vu das ist mir doch schon mal vor ein paar Jahren am Grenzübergang in Ägypten passiert - Jom Kippur in Israel - der Versöhnungstag, der höchste Feiertag im jüdischen Kalender - nix geht mehr, weil die Juden nicht arbeiten dürfen, nicht Auto fahren, kein Duschen, kein Zähneputzen, kein Sex - rundum, nix, was irgendwie als Tätigkeit bezeichnet werden kann - außer das Tora lesen und beten. Da Israel kein sekularisierter Staat ist, dürfen auch alle anderen nix tun, die Straßen sind von der Armee abgesperrt.
Wir haben versucht, einen arabischen Taxifahrer in Ostjerusalem zu bestechen, aber alle sind nervös, da die jüdischen Israelis dann auch gerne mal Steine schmeißen (überhaupt schmeißen sie gerne mal Steine, zu allen möglichen Anlässen....)

War aber nicht so schlimm; es war superinteressant, diesen Tag im Herzen des Judaismus überhaupt zu verbringen. Die ganze Stadt ist in weiß rumgelaufen; wir haben an der Klagemauer gestanden (hinterm Zaun natürlich) und den Leuten zugeschaut; amerikanische Juden kommen en mass extra für diesen Tag. Wir konnten einem Rabbi aus New York lauschen, wie er seine Schüler belehrt hat - ich konnte nicht immer unbedingt zustimmen - er hatte schon einen halbwegs fanatischen Touch, aber es ist interessant zu hören, was diese Leute denken.

Auf dem Weg nach Jerusalem hab ich auch zum ersten Mal gespürt, was es heißt, Palästina verlassen zu wollen. Rein ist überhaupt kein Problem; man wird auch nicht gecheckt. Raus war schon was anderes. Alle müssen am Checkpoint anhalten, es kam eine israelische Soldatin in den Bus und wir mussten alle raus. Dann muss man zwischen ein Gitter, das nicht so viel mehr breit ist als ich selbst, klaustrophobisch darf man nicht gerade sein, man fühlt sich ein bischen wie Milchvieh. Dort wartet man dann erstmal und wartet und wartet und wartet. Dann geht man durch ein Drehkreuz, aber immer nur so drei Mann am Stück, dann sperrt es sich - man muss echt aufpassen, dass man nicht grad drinsteckt - nun kommen die Habseligkeiten durch das Röntgenband und man geht selber durch so nen Bogen wie am Flughafen. Dann kommt wieder ein Drehkreuz. Dort stand nun Ina und wartete auf ihre paar Habseligkeiten. Wusst nicht so recht was jetzt, hab auch niemanden gesehen, nur ne knackende Stimme, die wat brüllte. Hat ne Weile gedauert, bis ich gerafft hab, dass da ein kleines Fenster war, an das ich meinen Pass halten sollte. Huch. Ich war ganz schön nervös.... Geschafft!!!

Natürlich konnten wir uns nun nicht mehr erinnern, aus welchem Bus wir gestiegen sind. Aber ein anderer hat uns eingelesen, und wir sind gut nach Jerusalem gekommen. Es sind nur 18 km von Ramallah nach Jerusalem, aber besonders in der Rush Hour kann man da locker Stunden verbringen. Als Ausländer gehts noch, aber die Palästinenser werden ganz schön gedisst, das hab ich schon in den wenigen Tagen hier gemerkt; das Provozieren ist schon echt krass und erschreckend, muss doch nich sein!!!

Jerusalem ist schon ein eigenartiger Ort. Ich kann nur von der Altstadt sprechen (naja, die Außenbezirke habe ich ja bereits auf meiner irrigen Busfahrt am ersten Tag gesehen). Es geht schon mal los, dass sie in Ostjerusalem liegt, also im arabischen Teil, deshalb auch dieses ganze Hin-und-Her-Gezerre um den Osten der Stadt. Es ist, als ob man einige Jahrhunderte, nee, Jahrtausende, zurück gerudert ist; schmale Gassen, Kirche neben Kirche neben Moschee neben Synagoge neben Moschee, dazwischen alles aus alter Zeit, einfach irre.

Wir sind den ganzen Tag in den Gassen rumgelatscht. Der Walk auf der Stadtmauer, die noch völlig erhalten ist, war zu, aber ein Arbeiter meinte, wir sollen doch einfach übern Zaun - was wir auch gemacht haben, hab dabei leider meine nagelneue Jeans ruiniert, weil ich wegen meiner leichten Höhenangst mit dem Arsch drübergerutscht bin und überall Draht war, aber hat sich gelohnt, war ein Abenteuer! In der Mauer alte Ställe, die immer noch nach Pferd riechen (ja, ist unglaublich dick, passen ganze Ställe rein), super Blick über Stadt in und außerhalb der Mauer, halb um die Altstadt gelatscht! Wir waren auf dem Ölberg, wo Jesus mit seinen Jüngern unter den Jahrtausende alten immer noch dastehenden, krassen Olivenbäumen gechillt hat (abgefahren, die gleichen Bäume hat Jesus gesehen!!!!), wir waren in der Höhle, wo er gefangen genommen wurde, wir waren in der Geburtskirche. Dort sind jetzt die orthodoxen Armenier am Start, wir haben eine Zeremonie mit reichlich Weihrauch und krassen Roben gesehen - ich stand so nah am Patriarchen, dass er mich geweihräuchert und gesegnet hat - war schon beeindruckend!! Und alles sooooooooooooooo alt - wow!!!

Traurig ist halt nur, dass alle hier ach so religiös sind und sich trotzdem gegenseitig so martern - das passt irgendwie nicht zusammen. Schießen doch alle völlig am eigentlichen Sinn der Religion vorbei... Nächstenliebe? Toleranz? Mmh.....

Geschlafen haben wir dann in nem Hostel, das wie ne Grotte war im Innern, alles winzig klein, aber recht cool. Da ist mir ganz schön der Kiefer runtergeklappt, als da ein Mädel aus meinem Unikurs saß!! Krass, sie war grad auf dem Weg zu ihrem Praktikum in Bethlehem!! Wie klein die Welt doch ist, beweist sich immer wieder aufs Neue!!!

Mehr Fotos weiter unten!!!


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