Explore the North

Trip Start Jul 30, 2006
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21
Trip End Jul 28, 2007


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Where I stayed
Toba Wildernest Resort

Flag of Canada  ,
Saturday, September 2, 2006

02.09.06

Frueh stehen wir auf um den Indian Arm zu verlassen und zurueck nach Vancouver zu segeln. Also wieder unter der Eisenbahnbruecke durch umd dann in unseren Hafen in Granville Island. Dort treffen wir Gerwin mit seinem Mietwagen und erledigen Einkaeufe fuer die naechsten Tage. Er hat uns dann bei sich zu hause abgesetzt was fuer uns den Vorteil von Internet, Waschmaschine und Dusche hatte. Welch ein Luxus!! Er machte sich auf den Weg nach Seattle um Astrid und Axel abzuholen. Fuer alle die die 3 nicht kennen eine kurz Erklaerung: Gerwin: Klassenkamerad vom Johannes und Axel, Bruder von Maries Klassenkameradin Rebekka, Astrids Freund; Axel: Klassenkamerad von Johannes und Gerwin; Bekannter von Astrid und Marie; Astrid: Klassenkameradin von Marie, Gerwins Freundin. Jetzt duerften doch alle Ungereimtheiten ueber unsere Mainzer Gaeste fuer die naechsten Tage geklaert sein.
Gegen Abend kamen kanadische Gaeste bei Gerwin vorbei, von denen wir nichts wussten, aber zum Glueck hatten wir genug Pizza vorbereitet. Nachteil war nur, dass das versprochene Bier in Gerwins Auto war und somit 2 x ueber die US-Grenze gebracht wurde. Bald trafen dann auch die uebermuedeten Gaeste aus Deutschland ein. Wir assen noch gemuetlich Pizza, bevor es gegen 1 Uhr zurueck zu Ghostrider ging.

03.09.06
Härtetest.
Mit fünf Mann Besatzung an Bord verliess Ghostrider am fruehen Vormittag Vancouver. Neben Kapitän Stiller und 1.Offizier Hasselbach kamen noch Matrose Wagner, Matrose Hummel und Bootsjunge Damberg an Bord. Trotz eingeengter Platzverhaeltnisse verbrachten wir einen schoenen Tag auf See bei idealem Eingewoehnungssegelwetter. Nach einem kurzen Badestopp gingen wir in der Plumpers Cove vor Anker. Zur Begruessung der neuen Crew gab es Lachs "All you can eat". Um echtes Segelfeeling aufkommen zu lassen und da wir sehr "cosy" lagen, wurde Ankerwache eingeteilt.


04.09.06
Noch nicht genug von der Nachtwache, ging es um sechs Uhr zu viert in unserem kleinen Beiboot zum Angeln raus. Der Kaffee schmeckte leider nach Spueli und es wurde nichts essbares gefangen, aber trotzdem war es lustig. Danach ging es auf die windstille Straight of Georgia wo Delphine gesichtet wurden. Bei Sechelt gingen wir vor Anker um Bootsjungen Damberg zu seiner Faehre zu bringen. Zu viert segleten wir weiter zur Secret Cove. In einem schoenen abgelegenen Arm nutzten wir die letzten Sonnenstrahlen zum Baden.

05.09.06
Juchuu. Endlich genug Wind zum Segeln. Matrose Hummel und Matrose Wagner schlagen sich schon ganz gut am Ruder und so erreichen schon bald die Home Bay (Jedediah Island). Die einsame wilde Bucht mit zahlreichen planschenden Seeottern und Seeloewen rief bei uns grosse Begeisterung hervor. Da der Wind konstant blieb konnten wir unseren Ankerplatz neben den Felsen beibehalten. Darueber freuten sich auch zwei weitere Segler, die wir vor einem mittlerweile unter der steigenden Flut verborgenen Felsen warnten, welchen sie zielsicher ansteuerten. Astrid und Marie begaben sich bald auf eine Erkundungstour zu einer kleinen von der Flut abgetrennte Insel. Dort genossen sie die Aussicht auf die traumhafte Bucht . . . "Lauf Astrid" schrie Marie und beide rannten durch Baeume und ueber Felsen zum rettenden Beiboot. Denn Marie musste ja unbedingt einem Rascheln im Gebuesch nachspueren und machte dabei ihre erste Bekanntschaft mit einem 20 Meter entfernten Cougar (Bergpuma, groesser als Assia). Axel und Johannes loessten die beiden veraengstigten Forscher ab. Allerdings wurde statt der Cougar-Insel. Das verlassene Herrenhaus mit den apfelfressenden Schafen erkundet, waehrend Astrid und Marie sich bei einem Sonnenbad mit Cocktail von dem Schrecken erholten. In den wilden Gewaessern liess der Angelerfolg auch nicht lange auf sich warten: Rockfish.

06.09.06
Es war soweit gegen 10 Uhr trat die LowLowTide ein, so dass die hintere Bucht mit ihren vielen Austerbaenken, verschiedenen Arten von Seesternen und Krebsen trocken lag. Der Anblick war ziemlich faszinierend Wir fuetterten die Schafe mit Aepfeln und stockten unseren eigenen Obstvorrat dank Axels Klettereinsatz auf. Muscheln sammelten wir auch, aber da zur Zeit eine Infektion bei Meeresfruechten in der Gegend vorherrscht liessen wir sie sicherheitshalber doch zurueck.
Leider verliessen wir dann wieder die Home Bay und segelten Richtung Lasqueti Island in die Scottiebay. Wo wir neben einigen Wracks und einem heruntergekommenen Hausboot das seetuechtigste Boot stellten. Zugleich ging es zu einem Ausflug zur bekannten False Bay. Besondere Freude bereitete uns der Bohnenmuemmelnde Gemueseverkaeufer (oder war es doch der Hase aus Alice im Wunderland), die gefundene kaputte Angel (die in unseren Bestand ueberging), den Frisbeegolfplatz, die Massen an Brombeeren und eigentlich die ganze Insel mit ihrem verschlafenen Charme.
Auf dem Boot zurueck gekommen spielten wir Doppelkopf, was Astrid schnell gelernt hatte.

07.09.06
Also ohne Wind ist das mit dem Segeln nicht so einfach. Duempelnder Weise kamen wir aber wenigstens in der Genuss in Ruhe Delphine zu beobachten.
Unser Tagesziel war Pender Harbour, von wo aus Astrid mit Bus und Faehre nach Vancouver zu Gerwin zurueck wollte. Sicherheitshalber hatten wir schon vorher angerufen und die letzte Faehre um 20 Uhr konnten wir locker erreichen. An der Busstation angekommen erfuhren wir jedoch leider, dass der Sommerfahrplan seit 4.September nicht mehr gilt und so nur 1 Bus am fruehen Morgen gefahren ist. Dank Einsatz vieler Leute (genauer gesagt fast die Haelfte der Einwohner von Madeira Park), gelang es fuer Astrid eine Mitfahrgelegenheit zur naechsten Faehre zu organisieren. Ist wirklick immer wieder ueberwaeltigend wie offen, nett und hilfsbereit die Kanadier sind.
Nur noch zu dritt organisierten wir die Einkaeufe und machten uns einen schoenen Abend auf dem Boot.

08.09.06
Direkt am Morgen kam ein Mechaniker und schaute sich unseren Motor an, da wir Probleme mit dem Getriebe hatten. Leider konnte das Problem nicht geloest werden und so muessen wir wohl die naechsten Tage in Powell River vorbei schauen, wo unser Vercharterer eine Basis hat.
Mit gemischten Gefuehlen segelten wir zu dem Agamemnon Channel. In der Dark Cove fanden wir einen schoenen Ankerplatz, wo wir zum ersten Mal eine Heckleine benutzten. Matrose Wagner erklaerte sich dankbarer Weise bereit diese schwimmend an Land zu bringen.
Unser Landausfug zu einer kleinen Insel haben wir aber schnell wieder abgebrochen, denn nach dem Cougar-Erlebniss waren uns der angetroffene (grosse) Tierkot und ein abgenagtes Tierskelett nicht geheuer.

09.09.06
Regen!! Konnten uns schon gar nicht mehr daran erinnern wie das ist. Nach ein paar Minuten war der Spuk aber vorbei.
Wegen schlechtem Timing konnten wir unser Tagesziel (Princess Luisa Inlet) leider nicht erreichen und so segelten wir eine kurze Etappe zu den Harmony Islands. Dort gab es eine schoene kleine Bucht in der wir vor Ankere gehen wollten. Wie empfohlen liefen wir bei LowLowWater ein, jedoch war es uns trotzdem nicht geheuer und als dann noch ein Motorbootfahrer irgendetwas zu uns rief was nicht gerade bedeutete "fahrt ruhig beherzt in die Richtung weiter", zogen wir den Rueckzug an. Das war aber auch nicht so einfach, da es sehr eng war, aber durch den souveraenen Einsatz von Johannes am Steuer blieb das Boot unbeschadet. Wir entschieden uns dann doch fuer einen Platz neben der Insel (mit Heckleine). Dort lag schon ein Boot mit 2 Kanadiern, mit denen wir uns gut verstanden. Na klar, jetzt war es wieder Zeit die Insel zu erkunden. Wanderwege gab es keine, aber am steinigen Ufer konnte man gut laufen. Zu lange durften wir aber nicht bleiben, da die Flut zurueck kam welche drohte unseren Rueckweg abzuschneiden. War wohl auch besser, dass wir nicht geblieben sind, da Johannes und Axel bei ihrem naechtlichen Angelausflug (der uebrigens erfolgreich war: Rockfish) agressives Knurren von der Insel hoerten.

10.09.06
Unter Segel und mit genuegend Wind ging es wieder aus den Inlets (Meeresarmen) raus. Mit dem Motor war sowieso nicht so viel anzufangen, da das Getriebe immer noch Probleme machte. Wir entschieden uns fuer die Ballet Bay. Diese Bucht stellte der ideale Platz fuer unser BBQ dar. Man merkt langsam, dass die Off-Season begonnen hat, denn in der sonst recht beliebten Bucht lagen ausser uns nur noch 2 Boote. Beim naechtlichen Angelversuch vom Segelboot aus verloren die Meisterangler jedoch ihren letzten Koeder. Johannes hielt kurz die Angel, waehrend sich Axel die Zaehne putzte und schon war ein Riesenfisch an der 12 Euro Angel. Mmmh, wer hat da wohl gewonnen??? Der Fisch (hoechstwahrscheinlich ein Lachs) biss dann einfach die Schnur durch. Die Sehhunde am naechsten morgen machten es dann besser bei ihrer planschenden Lachsjagd.

11.09.06
Unsere Wassertanks waren fast leer und unser Getrieb machte immer mehr Probleme - es war also Zeit nach Powell River aufzubrechen, wo unser Vercharterer eine Station hat. Mit super Wind segelten wir an Texada Island vorbei. Naja nicht ganz, denn wir hatten den Wind auf den Kopf und die Stroemung gegen uns. So seglten wir begeistert von Backbord nach Steuerbord - schafften aber nur 3 Seemeilen in 2 Stunden. daher entschieden wir uns dann doch irgendwann fuer den Motor. Das machte aber die Sache nicht wirklich besser, da dieser schon bei mittleren Umdreheung keinen Vorantrieb mehr brachte. Mit Gegenstrom schafften wir es so auf sagenhafte 0,8 Knoten ueber Grund. Zum Glueck setzte bald die Flut ein, so dass wir den Strom mit uns hatten und den Hafen dann doch noch erreichten. Vor Ort schaute der Mechaniker sich das Problem an und werkelte eine halbe Stunde an dem Boot rum. Erleichtert tranken wir unseren Anleger und machten uns auf dem Weg zur Shingle Mill (mit kostenlosen Shuttle-Service). Das Taxi sollte dann aber doch erst in 30 Minuten kommen. Da die Angestellte in unserem Alter Mitleid mit uns hatte (und selber die Party in dem kleinen Staedtchen vermisst), oeffnete sie uns den Partyraum, stellte Musik an und liess uns mit unserer Flasche Wein alleine. Das war wirklich ein lustiges Erlebnis. Ab und zu schaute sie auch vorbei. Der Hausmeister war nicht so begeistert darueber, aber sie meinte dazu nur: "he is just a grumpy old man - I'm running the show now." Dann kam auch schon das Taxi und wir hatten ein tolles Abendessen in dem Pub. DANKE Axel fuer die Einladung. Mit dicken Baeuchen kugelten wir foermlich aufs Boot. Wir schafften es noch etwas Skat zu spielen, aber von dem vielen Essen waren wir so muede, dass wir bald ins Bett gingen.

12.09.06
Der Wecker klingelt viel zu frueh. Da der Bus (wie wir bei Astrid gelernt haben) nur noch einmal am Tag faehrt, brachten wir Axel um 6.30 Uhr zur Strasse. Mit etwas Verspaetung kam er dann wirklich und Axel stieg erleichtert ein. Jetzt sind wir mal wieder nur noch zu zweit. Da wir heute noch weiter wollten, nutzten wir den frueh begonnen Tag fuer duschen, waschen, aufraeumen... Schon bald hatten wir unsere netten Nachbarn kennenhelernt und Segelinsider-Tipps ausgetauscht. Nun noch einmal schnell den Motor testen. Oooh nein, er funktioniert wieder nicht!!! Also wieder Dan unseren Mechaniker anrufen. Er moechte das Getriebe morgen frueh ausbauen und damit in die Nachbarstadt fahren, zu einem groesseren Werkstatt, die das Problem beheben kann. Das heisst wir koennen erst morgen Nachmittag auslaufen. Wir erledigen also unsere Einkaeufe fuer die kommenden Tage, da wir geplant haben nur in Buchten zu gehen und es soetwas wie Supermaerkte im Desolation Sound sowieso kaum gibt.

13.09.06
Wieder frueh aufstehen, denn gleich kommt unser Mechaniker Dan vorbei. Das Ausbauen dauert etwas laenger und er hat auch schlechte Nachrichten fuer uns. Das Getrieb muss doch nach Vancouver zur Reperatur geflogen werden. So wird es wohl doch noch einen Tag laenger dauern bis es zurueck ist und so koennen wir doch erst Morgen Nachmittag lossegeln. Echt bescheuert, aber wir nutzten die Zeit erst einmal fuer Internet und unseren Ueberraschungsgast. Johannes Vater ist geschaeftlich in Vancouver und hat zufaellig frei, so dass es fuer einen Nachmittag vorbei kommen kann. Wir haben uns sehr darueber gefreut. Wir waren erst essen und dann noch auf dem Boot. Rausfahren konnten wir ohne Getrieb leider nicht. Das war aber auch besser so, da es ziemlich stuermisch war. Ein Motorboot kam auch mit einer defekten Schraube wieder in den Hafen und landete durch den Wind direkt an den Steinen der Hafenbregnzung. Gerettet wurde er von einem unserer Segelnachbarn (unsere Meinung ein "Gott" im Steuern seines Bootes mit der Pinne). Mit Hilfe aller Personen in Hafen wurde das Boot an den Steg gezogen. Leider musste dann auch Johannes sein Vater zum Flieger. Wir haben uns aber sehr ueber den Besuch gefreut.
Jedoch kamen dann auch direkt wieder schlechte Nachrichten. Dan sagte uns, dass ein neues Getriebe bestellt werden muesste und dies fruehestens Uebermorgen da ist.
Etwas gefrustet gingen wir dann abends in einem Cafe zu einer Open Stage-Night. Das heisst jeder kann auftreten und singen, Musik machen oder ein Gedicht/Geschichte vortragen. Es war ein sehr schoener Abend mit tollen Leuten, super essen, einer fantastischen Atmosphaere und einem grandios singenden Mechaniker Dan. Dieser fuhr uns dann auch freundlicher Weise zur Marina zurueck.

14.09.06
Wieder mussten wir früh aufstehen, da wir ab zehn das Internet in der Libary reserviert haben. Oder war es doch elf? (Danke Johannes) Also nach einer Stunde in Büchern stöbern konnten wir dann an den PC. Noch ein paar Geschaefte besuchen, zehn Telefonate mit unserem Vercharterer, ein wenig am Strand spazieren, und schon ging es zurück aufs Boot.
Nachmittags versuchten wir mit Dan das Leck in unserem Süsswassersystem zu finden. Aber natürlich leckte dieses nicht mehr, sobald Dan nach ihm suchte. Zu dieser Gelegenheit brachten wir Dan sein erstes deutsches Wort bei: "Vorführeffekt".

15.09.06
Kein Getriebe da, und ein Austausch-Boot bekommen wir auch nicht. Wir machen also das Beste daraus und rüsten uns für eine Wandertour. Leider verfehlten wir den ausgesuchten Trail und wanderten stattdessen auf einer hässlichen und verstaubten Forststrasse (10 km) bis zu einem See. Als wir dort endlich einen Trail fanden weigerte sich der weibliche Teil der Wandergruppe weiterzugehen aufgrund eines "Achtung Bären"- Schildes. Zu allem Ueberfluss begann es auch noch zu regnen. Aber unsere Rettung nahte in Form eines pensionierten Hundebesitzers mit Pick-Up, der uns zurück in die Stadt fuhr. Auf die hilfsbereiten Canadier ist halt Verlass. Gerettet und zurück in der Zivilisation verbrachten wir den restlichen Mittag im Einkaufszentrum. Dort ruestete sich die Crew mit lebenswichtigen Utensilien aus (Wohlfuehlhose) und stockte fuer die morgige Abfahrt den Lebensmittelvorrat auf.

16.09.06
8 Uhr: Wir sind abfahrtbereit! Gegen zehn kommt Dan, um unser Boot fertig zu stellen. Dauert wohl doch laenger, denn Dan faehrt uns gegen 13Uhr erstmal in die Stadt. Dort gingen wir in unser Stammcafe (Local Locos)und genießen unseren letzten Kaffee im dazugehoerigen Garten. Gegen 15 Uhr treffen wir uns wie vereinbart mit Dan am Boot. Dieses ist zwar noch nicht repariert, aber dafuer werden wir zu seiner Party eingeladen. 17:50 Uhr: Das Getrieb funktioniert wieder. Zum Auslaufen ist es zu spaet, also lassen wir uns von einem anderen Segler mit auf die Party nehmen.
Dort lernten wir schnell sehr viele nette Leute kennen, die alle schon von unserem "Schiffbruch" gehoert hatten. In Powell River scheint wirklich jeder ein musikalisches Genie zu sein. Die selbstgemachte Musik, an der sich jeder (ausser uns und zwei weiteren unmusikalischen Gaesten) beteiligte war einfach fantastisch und verbreitete eine sagenhafte Athmosphaere. Dan ist uebrigens im Winter Gitarrenbauer.

17.09.06
Eingepackt in Regenjacke und Schwimmweste stehen wir am Steg und schauen auf unser Boot. Wassertanks: voll, Getriebe: funktioniert, Vorraete: aufgestockt. Dann schauen wir auf die See, noch einmal und noch einmal. Wir ziehen das Oelzeug wieder aus und verschwinden im Bootsinneren. Die Starkwindwarnung fuer heute hat sich langsam gezeigt und so verbringen wir nach langer Ueberlegung einen weiteren Tag im Hafen. So ein Mist. Da der Bus Sonntags nicht faehrt wird es ein Spiele- umd Lesetag. Im Nachhinein war es aber die richtige Entscheidung, da es Mittags sehr stuermte und regnete. Wir hoerten von vielen verunglueckten Schiffen und sahen einen Koelner (wie wir spaeter erfuhren) der sich mit seinem Segelboot gegen Wellen, Wind und Strom in den Hafen kaempfte.

18.09.06
Und wieder stehen wir in Jacken und Schwimmwesten gepackt am Steg und JAAA es geht endlich wieder los. Es ist so ein schoenes Gefuehl wieder segeln zu koennen. Genuegend Wind haben wir dafuer und so kommen wir gut voran. Endlich sind wir im langersehnten Desolation Sound und werden von springenden Lachsen "begruesst". Unsere Bucht (Grace Harbour) bietet ausreichend Ankerplatz, doch voller Motivation versuchen wir unsere "mit Heckleine ankern"-Technik zu verbessern, mit Erfolg. Insel mit See wird natuerlich sofort erkundet. Zum Glueck haben wir ein gutes Timing, da es bei unserer Rueckkehr zu regnen beginnt und die sinnflutartigen Verhaeltnisse bis zum naechsten Morgen dauern. Super Gelegenheit fuer einen Spieleabend (Siedlerkartenspiel).
Das unheimlichste haetten wir fast vergessen zu erwaehnen. Durch die dicke Wolkenschicht und das Fehlen anderer Lichtquellen herrschte in der Bucht absolute Finsternis. Man kann sich das gar nicht vorstellen, aber man steht auf dem Boot und sieht keinen Zntimeter weit, geschweige denn irgendwelche Konturen. So kommt es einem vor, als ob das Boot in einem schwarzen Nichts liegt.

19.09.06
Die Sonne gibt es doch noch. Wir geniessen den Anblick der Natur im Desolation Sound. Es sieht aus, als ob die Alpen im Meer stehen nur um einiges wilder. Das bekommen wir auch immer wieder bei Ein- oder Durchfahrten zu spueren. Man muss die Seekarte gut studieren, um den ganzen Untiefen, Felsen und Kelbkolonien ausweichen zu koennen. Dann kommen natuerlich auch die Gezeiten wieder dazu, die einge Durchfahrten nur zu bestimmten Zeitpunkten zulassen. Ghostrider hat das aber bis jetzt alles ganz gut ueberstanden und so landen wir auch heute unversehrt in der sehr geschuetzten Melanies Cove. Unsere Nachbarn haben wir schnell kennen gelernt und treffen auch alle auf dem Trail durch den Regenwald wieder. Das war definitiv der schoenste Waldweg von allen, auch wenn er sehr kanadisch war: Weg = ueber umgefallene Baumstaemme balancieren.
Nach so viel Sonne war natuerlich Nachts wieder Regen angesagt. Gut, dass wir so viel Tee dabei habe




20.09.06
Regen, Regen, Regen, laut prasselt er aufs Deck. Also noch einmal umdrehen und im warmen Schlafsaecken liegen bleiben. Irgendwann laesst der Regen tatsaechlich nach. Erst einmal Kaffee kochen (auch um die Bordtemperatur etwas angenehmer zu machen). Danach ist einpacken angesagt: dicke Socken, lange Unterhose, Jeans, T-Shirt, Pulli, Regenjacke, Regenhose, Schwimmweste, Muetze und Handschuhe. So wagen wir uns in dem wolkenverhangenen Weddington Chanel. Johannes erbarmt sich und steuert das Boot die meiste Zeit, waehrend Marie sich um die Teeversorgung kuemmert. Man merkt, dass Nebensaison ist, da wir nur ein einziges Boot treffen. Ueber das freuen wir uns aber um so mehr. Man kommt sich in den tiefen Schluchten des Meeresarmes sonst schon sehr verloren vor. Erleichtert erreichen wir die vorgesehene Bucht. Jedoch zogen wir enttaeuscht und durchgefroren wieder ab, da die angegebenen 5-15m Tiefe sich in der Realitaet (warum auch immer) als 25-35m Tiefe herausstellten. Mit angekuendigten starken Winden und nur 50m Ankertrosse (Davon nur 10m Kette) machten wir uns unsicher auf den Weg zu einem 1h entfernten Bootssteg und hofften, dass dort noch Platz war. Bei stroemenden Regen und schlechter Sicht fanden wir zum Glueck ein Plaetzchen. Es wurde sogar noch ein wunderbarer Abend, da wir von der Ressort verwaltenden Familie zum Nachtisch-Spiele-Fernsehabend eingeladen wurden. Die Verwaltung machen sie mit ihren 3 Kindern nur Vertretungsweise und sind eigentlich Farmbesitzer auf Cortes island.

21.09.06
Kein Regen mehr - also schnell zum 20 Minuten entfernten Wasserfall (der uebrigens die Strom- und Wasserversorgung sichert).
Total beeindruckt betrachten wir die Wassermassen (doch gut, dass es geregnet hat) die den Berg runterstuerzen. Noch ein kurzer Besuch der Familie, die unser Boot besichtigt und schon geht es wieder los. Es weht ziemlich und der Nachteil bei solchen Meeresarmen ist es, dass man den Wind immer nur genau von vorne oder von hinten hat oder als dritte Moeglichkeit gar kein Wind den Arm erreicht. Wir hatten auf jeden Fall Wellen, Wind und Strom gegenan und kamen so nur langsam voran. Segeln klappte nur 20 Minuten, dann liess sich der Kurs sich nicht mehr fahren. Erst gegen Abend konnten wir wieder segeln.
Mit 5 Knoten erreichten wir das langgezogene Donop Inlet. Und was hat mal wieder pünktlich zum Ankern versagt? Klar: unser Tiefenmesser.
Ein kurzer Test mit der Angel brachte sofort Erfolg: Ein Lingcod, zu klein zum Essen. Leider ignorierten seine großen Brueder den Koeder aber komplett. Es ist zu spaet die schoene Insel zu erkunden, aber die malerische Bucht lud zu einer Nacht an Deck ein.

22.09.06
Jetzt war es wirklich mal wieder Zeit zu Tanken. Aber die Tankstellendichte hier erhält von uns das Prädikat "Ausbaufaehig". Wir hofften, dass wir in Gorge Harbour trotz Nebensaison noch Diesel aufnehmen koennen. Um dort hin zu gelangen mussten wir allerdings durch die Uganda Passage. Dies sah ungefaehr so aus: Auf die gruene Tonne zusteuern und dabei die Felsen auf der Backbord Seite meiden. Danach sofort auf die rote Tonne zuhalten und diese halb umrunden um der Sandbank auf der Steuerbordseite nicht zu nahe zu kommen. Anschließend die zweite gruene Tonne ansteuern um wiederum weiteren Felsen auszuweichen. Kurzum: alles sehr spannend.
Durch eine schluchtartige Einfahrt erreichen wir die Marina in Gorge Harbour. Dort nehmen wir Wasser und Diesel auf und erledigen wichtige Telefonate. Dann geht es in den kleinen Inselstore. Sensation: Nutella und richtiges Roggenbrot nach deutscher Art. Zufrieden kochen wir uns an Bord Cappuccino und essen dazu Nutellabrot. Das Leben kann so schoen sein. Jetzt schnell zur idyllischen Nachbarbucht. Allerdings quetschen sich gerade durch die Flut angestaute Wassermassen durch die schluchtartige Einfahrt. Unser kleiner Motor (18,5 PS) kaempft zwar ganz schoen, aber Meter fuer Meter erreichen wir das offene Meer. Nun ist es nur noch ein kurzer Schlag zu der an einer Lagune gelegenen Manson Bay. Das Wasser ist hier so klar, dass man bis auf den Grund sehen kann und somit große Fischschulen und kaempfende Krebse beobachten kann. Dazu noch ein kitschiger Sonnenuntergang und wir sind der Bucht total verfallen.

23.09.06

Ausflug nach "Downtown Cortes Island". Town Hall, Libary, Supermarkt, Oeko-Laden, Restaurant, Imbisstand und eine Post. Da kommt nach so viel Natur direkt Grosstadtfeeling auf.
Der oeko-Laden hat es uns sofort angetan. Neben einer super Auswahl an Produkten und einem kostenlosen Internetterminal gab es hier auch das Gemuese der Farmer-Familie, die wir zwei Tage zuvor kennengelernt haben (Toba Wildernest Resort). Die Insel verspruehte wirklich Charme, doch leider mussten wir weiter zu unserem naechsten Ziel. Somit legten wir Ghostrider von dem selbstverwaltenden Pier ab (anstatt Angestellten gibt es hier eine Spardose, in die die guenstige Liegegebuehr zahlt) und segelten los Richtung den Copeland Islands. Dort angekommen brachten wir schnell die Heckleine aus und ruderten zum "Special Sunset Beach". Doch leider zu spät. Wir verpassten einen weiteren kitschigen Sonnenuntergang um wenige Minuten. Zurueck an Bord gab es zum Trost eine Grillparty mit ganzen geroesteten Knoblauchknollen. Zum Glueck lag ausser uns nur ein altes Fischerboot in der Bucht.

24.09.06

Super Segel-Bedingungen.
Angenehmer Halbwindkurs und flache See. So geht es mit fünf Knoten (fuer Ghostrider echt schnell) an die Nordspitze von Texada Island. An der Sturt Bay angekommen geniessen wir erstmal das schoene Wetter. Wer haette nach so viel Regen gedacht, dass es noch mal so schoen wird.
Aber nur nicht zu lange ausruhen, denn es gilt ja noch die Insel zu erkunden. Schnell ist ein kleiner Supermarkt gefunden und gemuetlich laufen wir durch die schoene Siedlung von Texada Island zurueck zu unserem Beiboot.
Ganz nach kanadischer Art sprechen wir beim zurueck rudern das Paerchen auf dem einzigen anderen ankernden Segelboot an. Zwei Minuten spaeter finden wir uns bei Tee und Keksen an Bord der "Mariposa" wieder. Klaus kommt urspruenglich aus dem Ruhrpott und nachdem wir festgestellt haben, dass wir viele aehnliche Interessen teilen, haben wir gemuwtlich fuer 1,5 Stunden zusammen gesessen. Hmm. Eigentlich dachten wir, wir haetten auf dem Boot zugenommen. Aber so schlimm kann es nicht sein, denn Mika schenkt uns zum Abschied ihre restlichen Keksvorräte.

25.09.06

Frueh aufstehen, Anker hoch, schnell am Steg Wasser aufnehmen und raus auf die See.
Wenn man doch nur etwas sehen koennte. Innerhalb weniger Minuten verschwinden saemtliche Konturen im Morgennebel. Also Kommando zurueck und schnell wieder in die Bucht und Anker werfen. Klaus kommt nochmal mit seinem Ruderboot vorbei, da ihm ein paar gute Tipps fuer uns eingefallen sind (Skiegebiet, GST, Visa Canada, Morgennebel usw.). Waehrend wir uns unterhalten fliegt ein Weisskopfadler am Boot vorbei.
Gerade als wir mit dem Putzen des Bootes fertig sind, loest sich der Nebel. Froh fahren wir los Richtung Suedspitze von Texada Island. Leider kein Wind, dafuer faengt ein Seehund direkt vor unserem Boot einen Lachs. Aber was ist das fuer ein brauner Riesenkopf? Ein grosses Walross das direkt am Boot vorbei schwimmt und nach einer kurzen Meinungsverschiedenheit den Lachs des Seehundes fuer sich beansprucht.
Noch voller Begeisterung beschliessen wir den heutigen Tag zum "Tag des Wildtieres" zu benennen. Da duerfen natuerlich auch die Delphine nicht fehlen, die wir kurz darauf von unserem Boot aus sichten. Immer drei mal holen sie Luft, bevor sie fuer einige Minuten im Wasser verschwinden.
Doch leider haben wir immer noch keinen Wind. So motoren wir weiter durch spiegelglattes Wasser. Sogar Algen erkennt man schon weit vorraus. Aber halt! Das ist gar keine Alge, sondern eine Qualle, ääh nein doch ein sehr grosser Fisch. Als wir diesen fast ueberfahren stellt sich heraus, dass es sich um ein verwirrtes Seehundbaby handelt, das vom Ausweichmanoever gegenueber unserem "riesigen Schiff" total ueberfordert ist.
In der Albert Bay am Suedende von Texada finden wir nur ein paar zankende Reier vor. Da wir unseren alltaeglichen "Auslauf" brauchen, erkunden die Landzunge.
"SCHNELL MARIE ORCAS". Marie rennt los um Johannes auf der anderen Seite des Huegels zu erreichen. Noch bevor man etwas sieht, hoert man schon das laute Zischen der Orcas. Mit ungehinderten Blick auf die Malaspina Straight beobachten wir mehrere Gruppen (zum Teil seehundejaggnd) von Walen. Dieses Schauspiel verfolgen wir ueber eine halbe Stunde. Leider wird der ideale Aussichtspunkt von einer Herde wilder Ziegen bewacht, weshalb wir mit unserem Beiboot zum Ausgang der Bucht paddeln. Die Orcas ziehen in einiger Entfernung an uns vorbei, doch wir sind nicht die einzigen Beobachter: Total veraengstigt schauen direkt neben uns hinter kleinen Felsen versteckt Seehunde auf die Malaspina Straight hinaus.
Nach diesem Erlebnis sind wir total euphorisiert. Unglaublich was solche Tiere fuer Gluecksgefuehle ausloesen koennen. Zum kroenenden Abschluss des Tages des Wildtieres faengt Johannes noch einen Fisch: klar Rockfisch.

26.09.06

Unsere vorgesehenes Tagesziel fuer heute erreichen wir schnell, jedoch nur per Motor, denn soetwas wie Wind existiert leider nicht. Gerade wollen wir den Anker klar machen, kommt ein Lueftchen auf - also Kehrtwende, Segel setzen und noch einmal Wind und Sonne geniessen. Somit geht es dann doch weiter zur Sargeant Bay.
So ein Boot hat wirklich einen extrem hohen Gemuetlichkeitsfaktor aber mit 2qm Laufflaeche im Innenraum, dreht man irgendwann (fast) durch. Also gab es fuer Marie&Johannes und deren verkuemmerte Beinmuskelatur eine Premiere: Joggen (ansonsten eine unserer unliebsten Sportarten). Dabei immer brav in die Haende klatschen, so dass man mit keinem Baeren kollidiert, der gerade eventuell vertraeumt an den Brombeeren nascht. Es hat soooo gut getan sich mal wieder mehr zu bewegen. Ist schon interessant welche Dinge einen ploetzlich gluecklich machen, wenn man so lange mit einem Boot unterwegs ist.

27.09.06
Nun noch einmal eine laengere Strecke mit dem Boot zuruecklegen, damit wir morgen auf jeden Fall rechtzeitig Vancouver erreichen. Der Wetterbericht per Funk hoert sich harmlos an und so muessen wir nicht befuerchten, wegen Sturm irgendwo stecken zu bleiben. Im Gegenteil: Die Sonne gibt im September noch einmal alles und so ist wieder segeln im T-Shirt angesagt. Naja, das mit dem Wind klappt jedoch nicht so und daher muss der Motor fuer die laengsten Teile der Strecke wieder herhalten.
Da ist er nun der letzte Abend an Bord. Johannes laesst es sich natuerlich nicht nehmen den Versuch zu starten uns fuers Abschiedsessen einen Fisch zu fangen. Es gab dann aber doch Nudeln mit Tomatensosse, da die ersten Fische zu klein waren und sich dann der Koeder im Grund veharkt hat. Das war es jetzt endgueltig mit der 12Euro-Angel, aber sie hat tapfer ihre Dienste erbracht.
Tja, da stehen wir nun auf dem Vordeck und betrachten sie Sterne - bei soviel sentimentaler Stimmung wird es bestimmt nicht leicht Abschied von dem Boot zu nehmen.

28.09.06
Da ist er nun der letzte Tag. Frueh stehen wir auf, da nach 2 Monaten an Bord einiges zu erledigen ist. Gegen Mittag erreichen Vancouver. Nun wird geputzt und gepackt. Unglaublich in welchen Ecken man noch Sachen findet. Da unsere Taschenkapazitaet schon lange nicht mehr reicht, steigen wir irgendwann auf Plastiktueten um. Mit viel zu viel Gepaeck verlassen wir das Boot.

Bye bye Ghostrider.

Trotz unserer Befuerchtungen wegen dem vielen Platiktuetengepaeck, werden wir letztendlich doch von einem Taxi mitgenommen.
Gerwin gewaehrt uns dankbarer Weise asyl fuer die naechsten 2 Tage. Zum Dank bereiten wir ihm einen reich gedeckten Gabentisch. Wir hoffen er laesst uns jemals wieder in seine Wohnung, nachdem er die Sammlung an Dingen vorgefunden hat, die wir beim Aussortieren in die Katgorie "zu schade zum wegschmeisses, aber nicht wichtig fuer die weitere Reise" gesteckt haben.
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Comments

sonnensegler
sonnensegler on

Moin zusammen ... und liebe Grüße aus Mainz
Bin begeistert von Euren 'Live'-Berichten ... Ihr habt ja schon richtig was erlebt beim Segeln und in der 'Wildnis' Canadas ;-) ... ich hoffe Ihr haltet die Aktualität und Detailtiefe durch ... bin wirklich beeindruckt und freue mich mit Euch.

Liebe Grüße
Jochen

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