Teaching and being taught

Trip Start Sep 20, 2007
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Trip End Jun 18, 2008


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Tuesday, February 5, 2008

Auf der einen Seite nehme ich Chinesischunterricht einer Mitstudentin in Anspruch. Auch wenn ich weiß, dass ich am Ende nicht viel werde sprechen können, ist es doch immer wieder faszinierend. Zum einen ist die Grammatik im Grunde recht einfach. Zum anderen unterscheiden sich die Worte in der Aussprache nur so marginal, dass ich mir die kleinen Unterschiede nicht wirklich merken kann. Und dann sind da noch die Schriftzeichen. Nicht immer haben sie etwas mit dem Wort zu tun, meist ist das Wort eine Zusammensetzung aus mehreren Schriftzeichen und wenn man dann die ganzen Schriftzeichen auseinander nimmt kann man sich so von einem Wort zum nächsten hangeln. So findet man in vielen Worten das Zeichen für "nü", weiblich, wieder, auch wenn das Wort nicht unbedingt etwas mit Frauen zu tun hat. Und der Genitiv wird mit "de" gebildet, das "de" setzt sich aus den Zeichen für "weiß" und "Löffel" zusammen. Weiße/graue Haare sind dann also "bai se de tou fa", also wörtlich "weiß Farbe des Haar". Das Wort "Farbe" alleine ist dann aber nicht nur "se" wie man vielleicht denken würde, sondern "yan se" und so weiter. "Kino" setzt sich aus den Zeichen für "Elektiziät" und "Schatten" zusammen und "gelbe Filme" sind etwas Anzügliches. Überhaupt muss man immer aufpassen, dass Worte, die man eigentlich verwenden kann, nicht noch ein "special meaning" haben, wie meine Lehrerin immer so fein sagt. So kann man eine junge Dame mit "Xiao jie" anreden, womit niemand ein Problem hätte. Allerdings muss man aufpassen, dass man es nicht in der falschen Situation, zur falschen Zeit, in falscher Gegenwart, zur falschen Person oder weiß der Geier wann sagt, denn auch das hätte dann ein "special meaning" und wahrlich möchte nicht jede junge Dame als "Xiao jie" Geld verdienen. Ich glaube ich weiß jetzt wieso die Chinesen hier immer so wenig reden. Man will ja schließlich nichts falsches sagen.

Auf der anderen Seite fragen mich Mitstudenten nach Nachhilfeunterreicht. Ab morgen werde ich Deutsch unterreichten und hin und wieder bin ich dabei Leute für Klausuren vorzubereiten oder, wie heute, ein bisschen Nachhilfe in International Financial Management zu geben. Wobei die Produktivität mit der Gruppengröße überproportional abnimmt. Mit zwei Schülern haben ich die ersten 10 Seiten durchgesprochen, dann kamen noch zwei dazu und wir schafften in der gleichen Zeit nur noch ein Viertel. Die nächsten zwei brachten dann die Diskussion über die Art des Essens auf, die nächsten zwei dann die über den Ort der Zubereitung (spätestens jetzt konnten wir nicht mehr lernen), der letzte stellt das Fortbewegungsmittel zur Verfügung und ruft noch ein paar Freunde und potentielle Köche dazu. Wenn ich drei Stunden und vier Schalen Feuersuppe später noch hätte reden können, wäre ich wahrscheinlich besser im Schimpfwörter auf Hindi zitieren als im Erklären der Forward Rates und der Purchasing Power Parity. Was für ein erfolgreicher Lerntag!
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