Über Stock und Stein zum Tierradentro

Trip Start Nov 26, 2011
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Trip End Jan 06, 2012


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Where I stayed
Hospedaje Lucerna

Flag of Colombia  , Cauca,
Sunday, January 1, 2012

Aufgrund Borjas Rat wegen des möglichen Ausverkaufs der Bustickets, habe ich mich nach meinem üblichen Obst- und Joghurtfrühstück um neun Uhr auf den Weg zum Busbahnhof gemacht. Die Straßen waren wie ausgestorben und kein einziger Laden hatte offen, so dass das Fax, das ich schon für die Bank vorbereitet hatte, wohl bis zu meiner Rückkehr würde warten müssen.
Am Busbahnhof war auch recht wenig los, die meisten Typen, die dort rumlungerten waren die Schlepper vor den Schaltern der einzelnen Busgesellchaften. Im Schalter der Busgesellschaft 'Sotracauca' brannte zwar Licht, es war aber niemand da.
 
Der schmierige Typ, dessen Schlepper-Revier das offensichtlich war, erklärte mir erstmal, dass heute wegen des Feiertags kein Bus fahren würde und versuchte mir ein Überlandtaxi bzw. einen Minibus (natürlich für den dreifachen Fahrpreis) aufzuschwatzen - klar! Nachdem ich aber meinte, ich würde erstmal warten, ist er abgezischt. Bei der Gesellschaft nebenan war sogar jemand am Arbeiten und ich habe gefragt, wann denn jemand von 'Sotracauca' auftauchen würde - um zehn meinte er... Der Schlepper hatte mich natürlich mit Argusaugen beobachtet und nachdem ich mich zum Warten in der Halle niedergelassen hatte, haben er und seine Kollegen mich wenigstens in Ruhe gelassen.
Immer noch nicht ganz klar war mir, ob die ganzen Typen zu den einzelnen Busgesellschaften gehören oder nicht. Der Typ hat zumindest immer durch den Sprechschlitz in den Schalter reingefummelt und sich dabei argwöhnisch umgeschaut - sehr verdächtig!
Um kurz vor halb elf habe ich dann mal zum Fahrsteig raus geschaut und siehe da, dort stand ein Bus nch La Plata - genau der, der sogar direkt San Andrés de Pisimbala anfahren würde und nicht nur an der Kreuzung dorthin hält. Und er war nicht mal voll!

Beim Einsteigen habe ich gleich drei andere Rucksack-Touris kennen gelernt: Tobi aus Garmisch sowie Joy und Myra aus Kanada.
Die Straße war so die erste Stunde ganz o.k., da noch asphaltiert, dann verwandelte sie sich aber in eine Piste die es in sich hatte. So eine 'Straße' bin ich mit einem Bus glaub' noch nie gefahren! Und der Busfahrer war trotz der Straßenverhältnisse echt flott unterwegs, wahrscheinlich kannte er jedes Schlagloch mit Vornamen... Manchmal war es so heftig, dass man etwa 20 cm hoch aus seinem Sitz gehüpft ist - Wahnsinn!
Trotz allem, waren wir nach nur gut vier Stunden in San Andrés, obwohl die Angaben in allen Reiseführern sowie im Hostal eher fünf bis sechs Stunden sagten! Beim Aussteigen habe ich doch tatsächlich meine Flipflops im Bus verloren, habe es aber gleich gemerkt, allerdings ist der Bus schon weiter gebraust. Da ich aber wusste, dass San Andrés eine Sackgasse ist, musste er ja zwangsläufig nochmal vorbeikommen... und tatsächlich gute fünf Minuten später kam er die Straße langgerast und ich habe mich halb davor geworfen. Der Adlatus hat gleich gewusst was Sache ist - wahrscheinlich hatte er sich schon über ein paar neue, echt gute Flipflops gefreut. Zu früh gefreut!

Ich hatte mir bereits ein Hostal rausgesucht, die anderen drei hatten echt keine Ahnung wohin sie sollten, nicht mal, dass das eigentliche Dorf noch zwei Kilometer weiter war, man aber am besten hier bei den Museen aussteigt, wo sich auch die meisten Hostales befinden - nämlich ganze drei.
Also sind sie meinem Rat gefolgt und wir sind alle drei im 'Hospedaje Lucerno' abgestiegen, das von einem alten Ehepaar geführt wird. Diese Info hatte ich schon aus meinem Reiseführer und fand das irgendwie nett. Seit der Erstellung des Führers sind aber anscheinend noch einige Jahre mehr vergangen, das Ehepaar ist mittlerweile echt ein bisschen schrullig, aber irgendwie liebenswert. Die Matratzen hingen ordentlch durch, aber für eine Nacht und umgerechnet vier Euro kann man sich nicht beschweren. Im Haus gegenüber haben wir uns erstmal einen leckeren Jugo (frisch gepresster Saft) gegönnt um uns für die holprige Busfahrt zu entschädigen - Maracuja, sooo gut!

Gleich nach dem Auspacken haben wir uns die Museen eine Haustür weiter angesehen und unseren Eintritt für den 'Parque arqueológico' entrichtet. Dort konnte man sich einen ersten Eindruck über die Dinge verschaffen, die es morgen auf dem Rundweg durchs Tierradentro zu sehen geben würde. Tierradentro - eine der wichtigsten archäologischen Fundstätten Kolumbiens. Seit 1995 steht der Park auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes und ist in seiner Art einzigartig in ganz Amerika: nicht nur die Anzahl und Häufung der Schachtgräber ist einzigartig sondern auch ein außergewöhnliches Zeugnis einer untergegangenen, prähispanischen Kultur.


Nach den Museen haben wir noch einen kleinen Rundgang durchs Dorf gemacht - nach zehn Minuten waren wir durch, und wieder zurück! Immerhin haben wir noch einen Laden aufgetan, der Brötchen und Früchte verkauft hat, so dass wir uns fürs Frühstück eindecken konnten.
Unser Wirt hat uns noch geraten, doch schon das Abendessen vorzubestellen, damit sie auch alles parat haben, also sind wir nochmal 20 m die Straße rauf gedackelt und haben die Auswahl gehabt zwischen Comida típica mit oder ohne Fleisch, dafür Rührei... Da ist eine Vorbestellung wirklich nötig! Gegessen hätten wir gerne um halb sieben, die Wirtin meinte aber dass ihr sieben lieber sei - auch gut!

Danach ein bisschen Lesen im Garten des Hostals (für eine Seite Gabriel García Marquéz brauchte ich mit Lexikon bewaffnet ca. eine Stunde!) und die Zeit bis zum Essen totschlagen.
Dann war es endlich soweit: pünktlich um sieben standen hungrig wir auf der Matte. Das Restaurant mutete eher wie das Wohnzimmer der Familie an (was es wahrscheinlich außerhalb der Saison auch ist) und überall blinkte noch die Weihnachtsdeko dass man fast blind wurde!

Das Essen selbst war o.k., nur das Fleisch war mal wieder zäh wie eine Schuhsohle, aber das bekommen sie in ganz Kolumbien nicht hin...

Das Geblinke hörte ert auf, als es einen Kurzen im Sicherungskasten gab - ich hatte die Vermutung das die Beleuchtung sogar die Ursache war... Gott sei Dank waren wir schon fertig mit Essen, denn der Gestank nach verschmortem Plastik war so heftig, dass einem das Essen im Hals stecken geblieben wäre! So konnten wir schnell bei Kerzenschein bezahlen und fluchtartig das 'Lokal' verlassen...
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