Mountainbiken zur Bahía de Concha

Trip Start Nov 26, 2011
1
24
42
Trip End Jan 06, 2012


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow
Where I stayed
La Casa De Felipe Taganga
Read my review - 4/5 stars

Flag of Colombia  ,
Monday, December 19, 2011

Bei 'Elemento', dem Laden bei dem ich die Mountainbike-Tour gebucht habe, wurden gerade die Räder fertig gemacht und nochmal überprüft als ich dort eintrudelte. Anschließend wurden ein Holländer namens Sven, der außer mir auch mit auf die Tour gehen würde, und ich mit Helm und Handschuhen ausgestattet. Nina, eine Deutsche, die in Taganga 'hängen geblieben' ist, war für heute unsere Führerin, außerdem kam noch Julio mit, der neu als Guía bei 'Elemento' arbeitet und heute zum ersten Mal die Strecke dieser Tour kennen lernen sollte.
 
Die Bikes wurden auf einen Pickup geladen und der Fahrer brachte uns alle zum Ausgangspunkt am Rand von Santa Marta.
Da sich hierher nie Touristen verirren, außer die Biketouristen - und das erst seit Oktober, solange gibt es 'Elemanto' nämlich erst - gibt es hier noch den weit und breit günstigsten Lulo-Saft. Lulo ist eine Frucht (in Ecuador heißt sie Naranjilla) die sich nur für die Saftproduktion eignet, mit Eis und entsprechend viel Zucker vermischt - um sie frisch zu essen ist sie zu sauer. Lulo-Saft ist der absolut beste frische Saft, der mir jemals untergekommen ist! Und hier in diesem Viertel war er nur halb so teuer wie in Taganga. Nina meinte, dass das wie mit dem Koks sei: hier im Viertel bekäme man ein Gramm (relativ ungestreckt) für ca. drei Euro, in Taganga kostet das Gramm (schon leicht gestreckt) bereits dreißig Euro und in Europa zahlt man für total gestrecktes Zeug dann hundert Euro pro Gramm - aha.

Die ersten paar hundert Meter fuhren wir auf einer Straße, die direkt an einer Barackensiedlung vorbei führte. Dort leben wohl v.a. Menschen, die von ihrem Grund vertrieben wurden, weil z.B. die Regierung das Land auf dem sie bisher wohnten, einfach an irgendwelche Investoren verkauft hat. Sie werden einfach ausquartiert und lassen sich dann - wie hier - einfach am Stadtrand auf Niemandsland nieder. Gleich daneben, und früher ursprünglich weit außerhalb der Stadt, liegt heute eine Lehmziegelfabrik. Die Arbeiter stechen noch Lehmziegel aus der Erde und brennen sie anschließend drei Tage in Öfen gleich daneben - wie bei uns vor hundert Jahren!

Nach diesem kurzen Stop haben wir endlich mal Gas gegeben, auf holpriger, aber öffentlicher Straße haben wir uns zwischzeitlich mal ein Rennen mit einem Chiva-Bus geliefert, wobei sich herausgestellt hat, dass bei meinem Rad was mit der Schaltung nicht stimmte. Der linke Schalthebel ging so schwer, dass ich ihn mit nur einem Daumen nicht drücken konnte, nicht mit aller Gewalt, es ging nur mit beiden Händen, was aber unter dem Fahren auf der buckligen Piste nicht wirklich praktikabel war!

Julio hat dann mit mir getauscht, was echt ein Segen war, denn der Sattel des ersten Rads war obendrein unbequem wie sonst was. Ich dachte schon, ich sei zu blöd oder zu schwach für die Gangschaltung gewesen, aber Julio hatte die gleichen Probleme...
Nach ein paar ordentlichen Steigungen und Abfahrten sind wir dann an der Nationlparksgrenze auf einen schmalen Waldweg abgebogen. Hier ging es vorbei an stachligen Bäumen (oft Stellen für zahlreiche Platte Reifen), Mangrovensümpfen, durch Schlammlöcher, Pfützen und über Stock und Stein. Im Grunde war die Strecke aber recht einfach, was sich allerdings bei Regen schnell hätte ändern können...

Nach etwa einer Stunde sind wir am Strand der Bahía de Concha, der Muschelbucht, angekommen, wo wir die Bikes noch durch einen Fluss der hier ins Meer mündet, tragen mussten. Normalerweise ist der Strand total einsam und ausländische Toristen kommen eigentlich erst hierher, seitdem es die angebotenen Biketouren gibt. Heute war er aber relativ voll von einheimischen Touristen, da der ganze Dezember Fiesta in Kolumbien ist, und viele Santa Martaner dies für Tagesausflüge in die Gegend nutzen.

Am Strand hatten gerade Fischer ein Netz mit vielen Aalen an Land gezogen und alle Leute haben direkt drumrum gestanden und zugeschaut. Die Pelikane natürlich auch, in der Hoffnung dass sie den ein oder anderen Fisch räubern können! Die im Wasser spielenden Kinder haben das aber zu verhindern gewusst!
Zunächst haben wir die Räder ganz ans hinterste Ende der Bucht geschoben, wo sich ein relativ schöner Campingplatz direkt am Strand befindet und der mit den Bike-Leuten zusammenarbeitet, da sie auch Bike- und Wandertouren mit Übernachtung hier auf dem Zeltplatz anbieten. Dort haben wir die Räder sicher abstellen können und haben es uns jetzt für die nächsten dreieinhalb Stunden am Strand bequem gemacht.

In der Sonne habe ich es allerdings nicht lange ausgehalten, zumal ich ja erst gestern noch einen Beinahe-Sonnenbrand hatte. Also habe ich es mir unter einem Akazienbaum bequem gemacht und habe der Salsamusik aus dem Radio der Fischer gelauscht, die hier gerade rumgewerkelt und sich mit den Leuten vom Campingplatz unterhalten haben. So kann man einen 19. Dezember aushalten! Mit dem Wetter hatten wir unglaubliches Glück: noch gestern hat es hier wohl den ganzen Tag öfter geregnet und es war stürmisch (was ich ja beim Tauchen bemerkt hatte!) und heute - bestes Karibikwetter mit einer leichten Brise, sehr angenehm!

Zum Mittagessen gab es das in der Tour inbegriffene, sehr leckere Sandwich und als Nachtische eine Banane. Eigentlich wollten wir ja pünktlich um viertel vor drei wieder aufbrechen, aber Nina war nicht da. Sie hatte sich zum Schnorcheln per Fischerboot an den Rand der Bucht rausfahren lassen und kam gleich mal eine halbe Stunde zu spät zurück. Da aber der Fahrer, der uns an der Straße nach Santa Marta wieder aufsammeln sollte, auf vier Uhr bestellt war, hat sie uns jetzt Dampf gemacht.

Leider konnten wir nur nicht ganz so fahren wie ich mir das vorgestellt hatte, denn der Rückweg führte - zwar landschaftlich schön gelegen - über das Land diverser Bauernhöfe, was hieß, dass wir etwa alle 600 bis 800 Meter ein Gatter oder ein Tor auf und wieder hinter uns zu machen mussten. Schade, immer wenn man gerade wieder ordentlich Fahrt aufgenommen hatte, hieß es wieder anhalten. Jedoch war der Ausblick berauschend, wir hatten klare Sicht auf die Sierra Nevada de Santa Marta wie man sie selten hat und man konnte sogar erahnen, wo der Trek zur Ciudad Perdida sich durch die Berge schlängelt.

Nach einer guten Stunde waren wir schließlich an der Straße nach Santa Marta angekommen, wo der Fahrer zeitungslesend hinten auf seinem Pickup wartete. Direkt hier am Straßenrand war eine Ansammung von Kindern, die vor einer Weihnachtskrippe etwas vorgelesen bekamen und immer wieder etwas gebetet oder gesungen haben. Julio hat uns aufgeklärt: das ist der 'Las Novenas de Navidad'-Brauch.
Die letzten neun Tage vor Weihnachten wird jeden Tag von den Kindern eines jeden Dorfes für jendmand anderen gebetet, gesungen oder etwas aufgeführt. Anschließend wird mit der Familie gefeiert und gut gegessen - also wieder neun weitere Anlässe für eine gute Party im Dezember...

Zurück in Taganga habe ich noch einige Früchte und eine Flasche Rum und Cola gekauft, ein gepflegter Kuba-Libre am Abend kommt hier günstiger als Wein und passt obendrein viel besser zum Wetter, nur die Limetten hab ich vergessen - Mist!
Aber zum Rest der Spaghetti ging es auch ohne.... Salut!
Slideshow

Use this image in your site

Copy and paste this html: