突然,我会写&#

Trip Start Dec 11, 2009
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Trip End Jun 19, 2010


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Where I stayed
International House

Flag of China  , Shandong,
Saturday, March 13, 2010

Der Titel soll heißen: "Plötzlich kann ich sehr gut Chinesisch schreiben..."
Und im Prinzip sollte dort stehen:
突然,我会写很好汉语...
(Aber wie man am Titel sieht, ist die uneingeschränkte Unterstützung von Sonderzeichensprachen in der Technik immer noch graue Theorie und die letzten Symbole verwandeln sich in ein Comicgerechtes Grummeln. Ist ja auch nicht ganz so einfach.)

Wenigstens die Eingabe ist kein Problem - Spracheeingabeschema Chinesisch auswählen, z.B. MS Pinyin als Tastaturlayout und schon muss man nur noch die Pinyinschreibweise von Begriffen eintippen, um das gewünschte zugehörige Zeichen auszuwählen.

Nur noch - Ha!
Es gibt leider etliche, bei der Aussprache gleichklingende Symbole. Bei einer Auswahl legt man sich jedoch fest und worauf, sollte man schon wissen.
Nach drei Wochen intensiven Lernens beginne ich immerhin mir einige Zeichen einzuprägen, denn ohne geht es auf Dauer nicht, denn es ist besser selbst lesen zu können.
Denn verstanden wird man ohnehin nicht, und selbst wenn, sind die Aussagen so belastbar, wie eine gut gezapfte Pilsschaumkrone.
Ein Beispiel:
Schokolade kaufen im Supermarkt - eines der wenigen Nahrungsmittel, dass hierzulande teurer ist als daheim. Und zumeist gibt es nur sehr überteuerte Cadbury oder Hershey Schokolade für den Geschmacksinerten Gaumen.
Halbwegs preisgünstig ist nur die chinesische "Lose Ware", die man sich im Beutel mit einem Schüppchen selbst aus verschiedenen Sortimentskästen zusammenbaggert. Natürlich haben die Kästchen je nach Qualität unterschiedliche Preise und man darf längst nicht alles einfach zusammenwerfen. So gibt es auch Fächer mit Mikromars für den dreifachen Preis der Standardchinaware und dazwischen Knisperschokoladentäfelchen, die es mir besonders angetan haben. Problem: kein Preis am Kasten. In China keinen Preis für eine Ware vor dem Kauf zu haben: Gar nicht gut, böse Überraschung!
Also jemanden fragen. Wie wäre es denn mit dem heraneilenden Mister Wichtig, mit Walkietalkie?
Prima, er fühlt sich berufen. Entscheidungsfreudig antwortet er auf meine Frage "duoshao qian" mit Achtzehn, dem gleichen Preis, der auf einem Nachbarkasten angegeben ist. Ich bin skeptisch, denn das linke Nachbarfach kostet 120, aber da der Mensch nun an der Waage zur Auszeichnung steht, packe ich ein paar Täfelchen ein und lasse die Schokolade auswiegen. Das Etikett, das er ausdruckt, weist einen Preis von 99 aus, mehr als das Fünffache des Gesagten.
Also kommt wichtiger Antwortsatz Nummer Eins zum Einsatz: Bu yao - Nicht wollen!
Konsternierte Gesichter. Wie mache ich es den - schlagartig - fünf Personen klar, dass der Preis zwar sicher korrekt, und auch auch fürs Kilo und nicht fürs Pfund ist, aber nicht den mir auf Nachfrage genannte Preis darstellt? Mr. Wichtig jedenfalls fühlt sich ebenso schlagartig zu Wichtigerem berufen und entschwindet. Erfolgreiches Projektmanagment: Aufkehren müssen Andere ;-)

Wahrscheinlich hätte ich einfach Drei, Vier Täfelchen auspacken und als "Kostprobe" aufessen sollen, aber stattdessen zieht die Problembeseitigung weitere Mitarbeiter an, darunter auch eine des Englischen mächtige Dame, die mir nochmals die Preiszusammensetzung erklärt, aber dann immerhin auch versteht, dass das Problem nur darin besteht, dass der Preis der Ware nicht mir als Käufer passt und einer ihrer Kollegen die Verwirrung gestiftet hat. So ist es halt auch in China, wenn die mehr Halb- als Wissenden sich durch ihr übergroßes Ego berufen fühlen, Entscheidungen zu treffen, von einer Verantwortung dafür jedoch nichts wissen wollen...


Ich habe dann einen Beutel Knabberkram gekauft, somit zurück zu der Symbolik. So habe ich mir zum Beispiel ganz gut das Zeichen für Fleisch eingeprägt, damit ich es in Zukunft auf einer Speisekarte erkennen kann. Das Problem ist nur, dass es soo einfach dann auch wieder nicht ist, denn auch einem Jägerschnitzel sieht man es Namenstechnisch nicht an, dass ein richtiges Schwein und kein Schwein von Jäger drinsteckt. Aber so einiges sollte in Verbindung mit der Zubereitungsart (Scheibe, zerstückelt, gebraten, gekocht, gedünstet...) zuzuordnen sein. Hoffe ich. Ansonsten heisst es, sich überraschen lassen - was immerhin auch die Kantine dieser Schule geschafft hat, als ich das erste Gericht von der Tageskarte auswählte. Wenn ich die Lehrerin vorher richtet verstanden habe, sollten es gebratene Knoblauchschößlinge mit Schwein sein. Es war grün,stengelig und mit dünnen Schweinestreifen und sehr wohlschmeckend, unter anderem auch, weil ausreichend gewürzt!

Oder ich brauchte die Symbole für Qingdao, um aus einer Liste von Kinocentern die richtigen herauszusuchen. Nur so funktionierte die Auswahl der Website und ich bekam die Chance die Seite von translate.google übersetzen zu lassen und zu sehen, welche Filme in welcher Sprache laufen. Natürlich ist die automatische Übersetzung ziemlich banana - so wird aus dem Versuch gut schreiben zu können bei der Übersetzung das genaue Gegenteil draus...
Und längst nicht alle Webseiten sind durch den Googleübersetzer zugreifbar, wie auch von hier so Etliches nicht im Netz erreichbar ist. Ein flickeriges Portal ohne Bilder ist ziemlich sinnfrei und große Blogdomänen sowie die große Videoschleuder sind komplett "unerreichbar". Auch die meisten Bilder in der Wikipedia fehlen. Es erscheint dann kein Hinweis ala "for business purposes only" sondern der Zugriff dauert ewig, um dann lapidar in einer leeren Seite, oder einem Netzproblem zu enden.
Gerne hätte ich das Reiseblog von einem kanadischen Paar weiter verfolgt, aber...

Es geht nun in die vorerst letzte Woche des schulischen Lernens und dann erfolgt der zweiwöchige Praxistest, ob mich vielleicht doch jemand versteht!?
Heute (2010年 3月 20号) war das Wetter sehr trüb, um nicht zu sagen die Luft war gelbrot und voller Staub - es scheint die halbe Wüste Gobi herangeweht worden zu sein und es ist vorbei mit der zwar kalten, aber immerhin recht sauberen Luft. Das Kratzen in den Bronchien kommt mir wie eine Warnung vor, mit welcher Luftqualität ich in Shanghai oder Beijing zu rechnen habe..

Dagegen war der Ausflug in die Laoshanberge im Norden letztes Wochenende sehr gelungen, auch Wettertechnisch. Mit der Buslinie 304 für 1,5RMB bis zum Ticketschalter und Sightseeingbusstop, dort die 80 RMB Nebensaisoneintritt (davon 30 für den Shuttlebus) bezahlt und schon ging es weiter in den Naturpark. Regelrecht befestigt, das Ganze, inklusive Elektrozaun und Fingerabdruckscannern. Immerhin gehören die Laoshanberge mit alten Taoistischen Tempeln zu den Wichtigsten Chinas. Der Tempelbesuch dort kostete natürlich nochmals extra, die 20RMB lohnten sich immerhin - dagegen kann man sich die 50RMB für den gammeligen Fernsehturm in Qingdao sparen. Naja, man nimmt halt mit, was sich hier an "Attraktion" anbietet und hinterher weiß man immer mehr.

Gesang und Tanz im Einhorn zum Abschluß

Nun ist sie vorüber, die letzte Woche in der Sprachschule in Qingdao. Von den 19 Kapiteln des Express-Lernbuches haben wir 18 abgearbeitet, gestern habe ich mein Zertifikat des Erreichens eines Elementary Levels of Mandarin Chinese und ein Zeugnis bekommen. Das Zeugnis enthält jede Menge Anmerkungen zum Lernverhalten und Betragen, so wie es sich anhörte, als es mir die nette Bürodame vorlas.
Das Problem ist nur, dass die Bemerkungen in chinesischen Schriftzeichen verfasst sind und ich davon nichts ohne weiteres lesen kann... ich werde einfach mal glauben, dass lauter positive Dinge aufgeführt wurden, denn ich war ein strebsamer Schüler!
Auch drei Bücher zur chinesischen Geschichte, Geographie und Kultur wurden mir überreicht, was mir Reisegepäcktechnisch Sorgen bereitete,
aber ich konnte eine deutsche Komolitonin dazu bewegen, meine Bücher nächste Woche mit nac Deutschland zu nehmen und dort in die Post zu stecken. Das verschaffte mir etwas Luft, denn dank meiner Kleidungszukäufe wäre meine Reisetasche ansonsten viel zu schwer geworden.

Die Woche begann ich mit der umfangreichen Lektüre des neuen Romanes von Frank Schätzing-Limit. Dank einer im Großen und Ganzen flüssig zu lesenden Geschichte und eines sonnigen Sonntages, den ich komplett mit Lesen verbrachte, war es mir möglich am Dienstag die 1300te Seite zu lesen und das Buch vor Weiterreise zurückzugeben. Dann noch ein Besuch im Qingdao-Biermuseum und anschließend ins Kino und den letzten Freitagabend hatte die Sprachschule einen Besuch im Kylin-Hotspring-Resort organisiert. Dort galt es in verschieden aromatisierten Warmwasserbecken einzuweichen und sich ab und an von Putzerfischen anknabbern zu lassen. Hinterher gab es einen offiziellen Teil, eine Art Abteilungsversammlung und dann wurde Essen aufgetischt. Vorher wurde noch mit "Ganbai" Begleitung das möglichst schnelle Herunterkippen von Tsingtaobier mit Raumtemperatur exerziert.
Mein Magen war von einer vielleicht etwas unglücklichen Essenszusammenstellung am Vorabend noch recht lädiert, so dass ich mich dem dritten Durchgang etwas ungastlich verweigerte. Auf den Tisch zu speien wäre immerhin mit größerem Gesichtsverlust verbunden gewesen. Es gab diverse Speisen, mit einer Vielzahl von Dumplings, Gemüsesorten, Meeresfrüchten und Fisch - wie es sich hierzulande gehört, auf einem übervollen Drehtellertisch und insgesamt sehr gutschmeckend.
Dann kam der geselligere Teil: Karaoke, Gesang und Tanz und eine Tombola. Als kulturellen Freestylebeitrag sang ich gemeinsam mit meiner germanischen Mitschülerin im Duett: Wir trugen "Ich geh mit meiner Laterne" und "Bruder Jakob" vor - vielleicht nicht gerade DAS kulturelle deutsche Spitzenerzeugnis, aber ausreichend zur Belustigung einer amüsierwilligen chniesischen Schulbelegschaft in Ermangelung von Liedertexten und Sangeskünsten. Ich weiß nicht, wo die "schicke" rote Handtasche, die ich in der Tombola gewann abgeblieben ist und will es auch nicht wissen. Ein lustiger Abend.
Dem Einhornresort vermachte ich übrigens meine Bata-Fliflops, die ich vor zwanzig Jahren in Mombasa kaufte, und ließ sie im Spind im Umkleideraum. Ich habe mir hier neue Chinesische PU-Schaum Schlappen gekauft, die mich fortan Fungusfrei über widrige Bodenverhältnisse tragen werden.


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Comments

Andree on

Hallo Rolf,
wirklich interessant mit welchen Kleinigkeiten man sich so rumschlagen muss, wenn man in einem anderen Kulturkreis ist und vor allem wenn man die Sprache und die Schriftzeichen noch nicht so gut beherrscht. Es sind Dinge, die für einen richtig selbstverständlich sind.
Wünsche Dir weiterhin viel Spass und auch Durchhaltevermögen (woran ich nicht zweifel bei Dir). ;-)

Schönen Gruß aus dem Dorf an der Düssel
Andree

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