City Life

Trip Start Jul 10, 2010
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Trip End Jul 03, 2012


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Where I stayed
Budget Studios, Prague, Czech Republic

Flag of Czech Republic  , Bohemia,
Monday, June 4, 2012

(English below)

Manchmal muss ich schon schmunzelnd den Kopf schütteln. Wir nehmen doch einige Unbequemlichkeiten und Anstrengungen auf uns, damit wir mit unseren restlichen Ersparnissen noch bis in den Juli über die Runden kommen. Zwei Jahre Auszeit klingt zuerst vielleicht wie Geld im Überfluss. Aber wenn ich mir angucke, wie wir reisen, dann sieht das nicht nach luxuriösem Lebensstil aus. Wir landen fast immer im allerbilligsten Hotel der Stadt. Inzwischen verpflegen wir uns vorwiegend mit Snacks von der Straßenecke. Restaurants sind für die anderen da. Aber das macht nichts. Wir brauchen keinen Luxus zum Glücklichsein.

Oft entscheiden wir uns ganz bewusst für eine Nachtbus/Nachtzugfahrt zum nächsten Reiseziel. Wir kommen dann zwar übermüdet und etwas erschöpft am Zielort an, aber wir haben in jener Nacht die Kosten für eine Unterkunft gespart. Eine Reservierung im Liegewagen ist im Budget nicht mehr drin. Wir verbringen die Nacht im normalen 6er Abteil sitzend. Wenn wir Glück haben, ist das Abteil nicht ausgebucht und wir können die Beine zwischendurch hochlegen. Unsere letzte Nachtzugfahrt auf dieser Reise brachte uns von Budapest nach Prag. Die Ankunft haben wir bejubelt. Ab jetzt werden die Nächte wieder – Gott sei Dank – nur noch liegend verbracht!

Es war interessant, im Monat Mai von der Türkei aus Stück für Stück nördlich Richtung Deutschland zu reisen. Es fühlte sich an als begleiteten wir den Frühling auf seiner Reise durch Europa. Überall, wo wir ankamen, blühten gerade die Kastanien und an den Bäumen spriesste gerade zartes, frisches Lindgrün. In Budapest und Prag haben wir jeweils 3 Tage verbracht. Architektonisch ist man in diesen Städten natürlich lustwandelnd unterwegs. Ansonsten waren unsere Citystopps eher ernüchternd. Aber das war ja vielleicht gar gewollt. Die Überlandreise von der Südtürkei bis zurück nach Berlin hatten wir ja ganz bewusst gewählt. Die Idee dabei war, den Rückkehr-Kulturschock etwas abzufedern, indem wir uns langsam, Schritt für Schritt, wieder heimatlichen Gefilden nähern.

Nach dem Besuchen von so unzähligen Orten auf dem Globus fragen uns die Menschen dieser Tage manchmal: "Und? Habt ihr ein ganz besonderes Plätzchen gefunden, an dem ihr euch nach eurer Reise niederlassen wollt?“. Wir beantworten das mit Nein. Sicher gab es viele Orte, die so schön sind, dass man sich leicht in ein paradiesisches Leben dort hineinträumen könnte. Aber zum dauerhaften Glücklichsein reichen Ozeanwellen oder Bergwelten alleine für uns nicht. Das Eingebundensein in einen Kontext von Familie, Freunden und Sinn stiftenden Aufgaben ist uns wichtiger. Und doch denken wir manchmal: Vielleicht wäre es keine so schlechte Idee, für den eigenen Lebensort eine Region auszuwählen, die aufgrund ihrer natürlichen Schönheit bekannt und beliebt geworden ist...

Es macht einen großen Unterschied, ob man den ganzen Tag lang durch die grüne Natur wandert oder ob man sich im Beton-Dschungel auf Asphalt die Beine müde läuft. Nach längeren Aufenthalten in ländlichen Gegenden, war die Rückkehr in Großstädte ein kleiner Schock für die Sinne. In Budapest lag unser Hostel an einer viel befahrenen, 6-spurigen Ringstraße. Der Lärm war schon heftig. Am Abend tankten wir bei einer phantastischen Ballettaufführung im prunkreichen Opernhaus wieder auf. In Budapest kann man noch für unter 5€ in die Oper gehen …und dabei sogar gute Plätze bekommen. In Prag sieht das anders aus. Selbst ein Orgelkonzert in der Kirche hätte in Prag mit mindestens 20 € zu Buche geschlagen… 

In Budapest treffen wir einen 83 Jahre alten Herrn, der gut Deutsch spricht und uns bei unserer ersten Orientierung in der Stadt hilft. Er genießt den Kontakt sichtlich und erzählt uns dies und das aus seinem Leben und von der Geschichte der Stadt. Dann sprach er von seinen vier Kindern und einem Mehrfachen an Enkelkindern. Keiner habe Zeit für ihn. Alle sind zu beschäftigt. Das hat uns doch zu denken gegeben. Es stimmte mich traurig. Ich erinnere mich an Indien, wo es die unangefochtene Ehre und Pflicht des Erstgeborenen ist, bis zum Lebensende bei den Eltern zu verbleiben und sich um sie zu kümmern. Diese Werte sind uns leider im Westen weitläufig abhanden gekommen.

Diese Begegnung war die einzige Begegnung mit einem Einheimischen in Budapest und wir haben das bedauert. Vielleicht sind wir am Ende unserer Reise nicht mehr ganz so neugierig und offen. Wir sind inzwischen so gesättigt mit Erlebnissen und Erfahrungen. Da lässt das bevorstehende Ende dieser langen Reise keine Tränen bei uns kullern. Wir haben zwar nie so etwas wie Heimweh verspürt. Wenn wir irgendwo auf der Welt unterwegs waren und im Laufe des Tages müde wurden, habe ich zu Angela gesagt: „Lass uns nach Hause gehen.“ Und „nach Hause“ meinte immer zurück zum Hotelzimmer dieser Nacht. Wir fühlten uns überall auf dem Globus zuhause. Aber jetzt können wir auch ganz gut in das bevorstehende Ende dieser Reise einwilligen.  

Prag empfängt jährlich 6 Millionen Besucher. Viele von ihnen sind inzwischen „ferngesteuert“. So nennen wir ein neues Phänomen, dem wir in Prag und Budapest begegnet sind. Heutzutage müssen sich die Reiseführer vor ihren Gruppen nicht mehr die Kehle aus dem Hals schreien. Sie sind ganz bequem drahtlos mit jedem Reisegruppenmitglied per Knopf im Ohr verbunden. Das ist sicher eine große Erleichterung für alle Beteiligten. Aber es sieht komisch aus, wenn Menschengruppen durch die Straßen laufen, die einer unhörbaren Stimme im Innern lauschen und ihr linksrum, rechtsrum folgen, ohne je Blickkontakt mit dem Reiseführer aufzunehmen…


English

Sometimes I am amused and have to shake my head at the length to which we will go to make our savings last us to the end of the trip. Two years off work would make some people think that you have an endless source of money. However if I look at how we have travelled then you can see we are not living a life of luxury. Almost always we end up at one of the cheapest hostels/hotels in town. By now we spend most of our days living off of street food. But all of that does not matter because we do not need any kind of luxury to be happy.

Often we decide on a night bus or night train to our next destination. We arrive very tired or down right finished but we have saved the cost of one night's accommodation. Booking a sleeper berth is no longer in our budget. We spend the night sitting up in a normal train seat. If we are lucky the seats are not sold out and we can raise our legs up from time to time. Our last night train ride on this epic journey brought us from Budapest to Prague. We celebrated our arrival because we never have to take another night train or bus again. Thank goodness, from now on we will sleep only lying down.

It was interesting to travel from southern Turkey up north through Eastern Europe during the month of May. It felt like we were accompanying the spring on its journey north. Wherever we arrived Chestnut trees were in blossom and the most tender spring green leaves were appearing. We spent three days each in Budapest and Prague. Architecturally those cities are spectacular. Otherwise it was difficult for us to again be surrounded by the city life. However we chose to travel over land through Eastern Europe and its incredible cities in order to slowly become used to the European way of life again. The idea was to reduce the amount of culture shock by approaching Germany step by step.

After visiting countless places across the globe many people ask us: „and…? Did you find a new place to settle down when your travels are over?" Our answer is no. Of course there were many places of spectacular beauty. It would be easy to imagine ourselves there in some kind of paradise lifestyle. But ocean waves and beautiful mountains alone are not enough for lasting happiness. What is for us most important is to have a meaningful life with family and friends and to be doing something meaningful with our energy…whatever that may look like. And yet sometimes we think: Maybe it would not be such a bad idea to choose, as your living place, an area that is known and loved for its natural beauty…

It makes a big difference whether you hike all day through the woods or whether you walk all day on asphalt through the concrete jungle. After longer stays on the countryside our return to the city was a shock for the senses. In Budapest our hostel was located on a very busy six lane main road. The noise pollution was intense. In the evening we refilled our souls with an amazing ballet performance in the incredibly ornate Opera House. In Budapest you can still go to the opera for about $7 and even get good seats. The situation was very different in Prague where even an organ concert in a church cost at least $25…

In Budapest we met an 83 year old gentleman who spoke good German and helped us find our way. He visibly enjoyed the interaction and told us things about his life and some history of this town. Then he talked about his four children and multiple grandchildren of which none had any time to spend with him. Everyone is too busy. It really made us think and also made us very sad. I was reminded of India where it is still a widespread honor and duty of the first born male to stay with the parents and take care of them and also those many countries where three generations would live together in one home. We have unfortunately largely lost these values in the West.

This encounter was our only meeting with a local in Budapest and we regretted that. Maybe at the end of our travels we are not so curious and open as before. We are so saturated by impressions and experiences by now. And because of this we are not really sad about the end of our travels happening somewhat soon. In all of that time of travelling we never once felt homesick. Wherever we happened to be on the globe if we got tired of walking around and seeing things I would always turn to Angela and say, “let`s go home now.” And that just meant it was time to go back to our hotel room. Wherever we were on this planet we felt at home. And now it also feels right that this is coming to an end.

Prague receives about 6 million visitors every year. Many of them are nowadays what we have termed “remote controlled”. It is a new phenomenon. The tour guides no longer need to lose their voice or use a loud speaker. They are now connected with each member of their tour group through wireless headphones. This must be a great relief for the tour guide as well as for the tourists. But is just looks weird if you see groups of people walking down the street, turning left and turning right, and following an invisible voice in their head without looking at the tour guide. It just looks like a group of zombies…
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