In and around The Pink City

Trip Start Jul 10, 2010
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Trip End Jul 03, 2012


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Where I stayed
Vinayak Guesthouse Jaipur
Read my review - 5/5 stars

Flag of India  , Rajasthan,
Sunday, January 1, 2012

(English below)

Wir reisen weiter in eine Region Rajasthans namens Shekawati. Die Gegend ist berühmt für die üppige Bemalung der Residenzen reicher Geschäftsleute (Havelis genannt). Auf dem Weg nach Shekawati haben wir eine Begegnung der außergewöhnlichen Art. Am Busbahnhof tritt eine Gruppe Männer an den Ticketschalter. Ein Mann in Zivil ist mit Handschellen an einen Mann mit Uniform gekettet. Die Begleiter dieses Paares sind zwei weitere, bewaffnete Beamte. Sie buchen keine Bustickets, sondern geben nur bescheid, dass sie in einen bestimmten Bus einsteigen werden. So, so… Gefangenentransport mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Indien ist immer eine Überraschung wert!

Eine ähnliche Szene beobachten wir später auch noch einmal in Jaipur. Es scheint ganz normal zu sein. Na ja…so spart der indische Staat wohl die Ausgabe von Steuergeldern? Interessant ist auch die Bewaffnung der Beamten. Es sind alte, lange, klobige Gewehre, bei denen man jeden einzelnen Schuss von Hand laden muss. Eigentlich gehören sie eher ins Museum. Wir müssen grinsen, als wir uns vorstellen, wie es sein mag, wenn diese Waffen einmal tatsächlich zum Einsatz kommen müssten. Vielleicht muss der Beamte gar um etwas Geduld bitten, weil er erst das Schwarzpulver und die Kugel den Lauf hinunterstopfen muss? Da wäre ein großer Dolch vielleicht sogar praktischer…

In Shekawati angekommen spazieren wir durch die Stadt Nawalgarh und staunen über die Farbenpracht an den Wänden. In einigen wenigen Havelis sind die Gemälde restauriert und erstrahlen erneut im ursprünglichen Glanz. Die meisten Wandmalereien jedoch verfallen immer mehr. Manche wurden einfach mit einem weißen Farbanstrich übermalt. An anderen Wänden wurden Werbeposter und Wahlplakate über die filigranen, historischen Malereien geklebt. Ich muss an einige Ecken im Palast von Udaipur denken. Selbst dort wurden bei einem neuen Farbanstrich der Wände die handgemalten Bordüren an den Türrahmen achtlos halb übergepinselt. Diese Achtlosigkeit schockt mich doch immer wieder aus Neue…

Abgesehen von der Kunst an en Wänden nehmen wir Nawalgarh als eine weitere indische Kleinstadt mit all ihren Problemen von Übervölkerung und Smog bis Müll, Gestank und Lärm wahr. Inzwischen haben wir all das ziemlich satt. Wir werden zunehmend reisemüde. Es fällt uns immer schwerer, mit frischer Offenheit auf die ewig gleichen Fragen zu antworten: Wie heißt Du? Wie geht es Dir heute? Woher kommst Du? Wie lange bist Du in Indien? Wie gefällt Dir Indien? Auf letztere Frage antworten wir immer öfter: „Reisen in Indien kann ganz schön anstrengend sein. Es ist überall so schrecklich laut."

Ein Inder schaute uns auf solch eine Antwort einmal ganz verständnislos an und sagte: „Wenn es nicht laut wäre, dann wäre es doch nicht mehr Indien?“ Vielleicht ist das so, aber wie geht man damit am besten um? Wenn wir in laute, enge Innenstadtpassagen hineingehen, dann tun wir das dieser Tage nur noch mit Stöpseln in den Ohren. Wir halten das andauernde Gehupe einfach nicht mehr aus. Die konstante Überbeanspruchung aller Sinne in Indien führt inzwischen bei uns dazu, dass wir das nur noch in kleinen Dosen ertragen.  

Da kam es uns ganz recht, dass wir für den Jahreswechsel eine kleine Lehmhütte mit Strohdach am Stadtrand gemietet hatten. Umgeben von Feldern mit frischem Grün, hörten wir hier all den Lärm nur gedämpft aus der Ferne. Als wir dort eintreffen, wartete eine Überraschung auf uns. Vor über einem Monat hatten wir in Bikaner eine Camel Safari gemacht und der dortige Gasthausbetreiber Jitu wurde uns zum Freund. Jitu wusste, dass wir hier in Shekawati das Neujahrsfest verbringen würden…und dass wir Feuerwerk mögen. Zu unserer großen Freude hat er uns ein Päckchen mit Raketen und anderem Feuerwerk nach Shekawati bringen lassen. Happy New Year! In seinem Gasthaus hatte ich auch ein Hemd liegen lassen. Dieses Hemd schickte er frisch gewaschen auch gleich mit. Jitu, ganz herzlichen Dank für alles!

Den Silvesterabend verbringen wir mit einem Paar aus Stuttgart, einem Paar aus Holland und einem Paar aus den USA. Wir entfachen ein kleines Lagerfeuer, das uns bis Mitternacht warm hält. Es wird viel gelacht und geplaudert und dann brennen wir das geschenkte und das mitgebrachte, hausgemachte Feuerwerk ab (siehe Videos). Unsere Gasthausbetreiberin hat am letzten Tag des Jahres Geburtstag und wir singen ihr ein Ständchen. Happy New Year! Happy Birthday!

Ganz zum Abschluss unseres Rajasthan Aufenthalts landen wir für ein paar Tage in der Hauptstadt Jaipur. Das Thema Lärm und Schmutz setzt sich hier leider verstärkt fort, aber es gibt auch schöne Seiten. Wir besuchen eines der zauberhaftesten Gebäude, die wir je in unserem Leben gesehen haben: den Windpalast. Der Windpalast ist aus winddurchlässigen Wabenstruktur zusammengesetzt und obendrein gibt es überall winzige Fensterchen. Wenn in der Sommerhitze Rajasthans ein Lüftchen weht, dann weht es auch hinein in diese schattige Oase. Es ist ein Gebäude von unwirklicher Schönheit… wie aus 1001 Nacht (siehe Fotos).

Aber auch sonst ist die Altstadt ein echter Hingucker. Jaipur nennt sich „The Pink City“. Im Jahre 1876 ließ der damalige Maharadscha alle Straßenzüge pink anstreichen. Der Anlass war ein Besuch des Prinzen von Wales. Eigentlich ist der Farbton eher Ocker als Rosa. Dieser Farbanstrich wurde zum Markenzeichen der Stadt. Noch heutzutage sind alle Hausbesitzer gesetzlich verpflichtet, den einheitlichen Farbton beizubehalten. Die Stadttore sind monumentale Eingangsportale in einer pompösen Stadtmauer. Und natürlich fehlen weder Tempel noch Paläste.

Die Märkte haben die feinsten Waren. Der Schmuck und die Kleidung der Frauen sind atemberaubend. Seidenstoffe sind so dicht mit Schmucksteinen und Glitzersachen bestickt, dass man den eigentlichen Stoff nur noch im Hintergrund wahrnimmt. Einmal fiel mir eine Gruppe Straßenfeger an einer Hauptverkehrsstraße auf. Die Frauen trugen ihre knallbunten Saris und oben drüber diese Verkehrs-Warnwesten in Neongelb oder Leuchtorange. Die Westen hätten sie sich auch sparen können. Sie fielen überhaupt nicht auf. Die leuchtenden Saris alleine waren schon nicht zu übersehen…

Die Halsketten und Ohrringe der Juweliere sind aus dickem Gold und mit so vielen Steinen belegt, dass man kaum glauben mag, dass so etwas wirklich getragen wird. Doch wir werden eines besseren belehrt. Auf einer Zugfahrt lernten wir Sunil kennen. Er hatte vor kurzem geheiratet und zeigte uns stolz ein Hochzeitsfoto auf seinem Handy. Tatsächlich! Seine Braut trägt wirklich diesen üppigen Schmuck und sie sieht damit nicht überladen aus.

Aber indische Frauen tragen auch im Alltag reichlich Schmuck. Immer wieder einmal sehen wir Nasenringe, die so groß sind, dass sie bis über die Oberlippe hängen und wahrscheinlich die Mahlzeitenaufnahme erschweren. Oft sind diese Nasenringe dann auch noch an einer Kette über die Wange mit schwer hängenden Ohrringen verbunden. Breite Armreifen werden zu dutzenden über die Arme gestreift und fungieren wahrscheinlich nebenher auch gleich als Sonnenschutz. Indische Frauen tragen auch Fußkettchen und Zehenringe und, und, und.

In einigen Straßenzügen werden große Tempelstatuen aus Marmor geschliffen. Die ersten groben Arbeitsschritte leisten Winkelschleifer und Kreissägen mit ohrenbetäubendem Lärm. Steinstaub liegt überall schwer in der Luft. Es tut mir in der Seele weh, die Steinmetze bei ihrer kunstvollen Arbeit zu beobachten. Keine Ohrenstöpsel, keine Schutzbrille, keine Staubmaske. Das kann nicht lange gut gehen…

Unsere Zeit in Rajasthan ist jetzt abgelaufen und wir sind auch reif für einen Szenewechsel. Aber bevor wir im tropisch warmen Südindien landen, stehen uns einmal mehr 3 Tage Zugreise. Sind wir noch zu retten? Vielleicht nicht!...


English

We continue our travels into a region of Rajastan called Shekawati. This area is famous for the opulent wall paintings on its havelis. On the way to Shekawati we had a “twilight zone" encounter. At the bus station a group of men approach our ticket counter. One man in civilians clothing is handcuffed to a man in a uniform. They are followed by two men with rifles. They do not actually buy tickets but tell the ticket seller which bus they need to take…prisoner transport happening on a regular bus? India is always good at surprising you!

We observe a similar situation again later in Jaipur. It seems to be a common occurrence. Well…maybe this is a way to save the Indian`s tax money? It is also interesting to see the weapons that the police carry. They carry very old fashioned rifles which need to be manually loaded. They look more like they should be in a museum. We smile to ourselves when we imagine what happens when they actually need to use those guns. Maybe they ask for a break when they have to reload…first the powder, then the ball, then stuff everything the barrel…ok, I am ready now. Maybe a big dagger might be more practical than those rifles…

After arriving in Shekawati we take a walk through the town of Nawalgarh. We marvel at the colourful splendour of wall paintings. In a handful of Havelis the wall paintings have actually been restored and they once again radiate their original beauty. Most of the wall paintings are more worn down and faded. Some of them were even covered up with plain white paint. Others were covered up with advertisement and political posters. This makes me think back on our visit to the palace in Udaipur where they would put a new coat of paint on the wall without caring if they half covered the amazing handpainted borders around a door or window. This kind of carelessness shocks me each time anew…

Aside from the art on the walls we find Nawalgarh to be just the same as any small town in India with all of the same problems from over population and smog to garbage, stench and noise pollution. By now we are pretty tired of this. We become increasingly weary of travelling. It becomes more difficult for us to answer the same questions with the same openness: “what is your name?”, “how are you?”, “where are you from?”, “how long have you been in India?” and “how do you like India?”. Our answer to the last question has become more often “travelling in India can be very exhausting. It is terribly noisy, everywhere!”.

When we shared this reflection with one man he looked at us in disbelief and said, „well, if was not noisy, it would not be India“…maybe that is the case but how do you best deal with that? Nowadays when we are walking around the noisy inner city streets we are often wearing ear plugs. We just cannot handle the ceaseless honking anymore. The constant overloading of all of your senses has made it so we can only take it in small doses from now on.

Therefore it was perfect timing that we spent New Years in a traditional mud hut on the outskirts of town. Surrounded by fields with newly sprouting leaves we heard only a hum of the noise from a distance. When we arrived at our guest house we had a surprise waiting for us. More than a month ago we did a camel safari in Bikaner and befriended the owner of the Vinayak guest house, Jitu. Jitu knew that we were going to spend New Year`s Eve in Nawalgarh and at which guest house (which happened to be a friend of his)…and he knew that we liked fireworks. To our great joy he sent a couple of packages of fireworks with another guest of his from Bikaner to Nawalgarh. Happy New Year! I had also forgotten a shirt when we were in Bikaner, he sent this shirt along with the fireworks, freshly cleaned. Thank you for everything Jitu!

We spent New Year`s Eve with a couple from Stuttgart, Germany, a couple from Holland and a couple from the States. A little campfire is lit by the staff to help keep us warm until midnight. We laugh and chat a lot and then burned up all of our fireworks (see video). The owner of our guest house has her birthday on the 31st of December so we sing her a birthday song. Happy New Year! Happy Birthday! 

We finish our long stay in Rajastan with a few days in the capital, Jaipur. The theme of dirt and noise unfortunately continue here as well but there are also beautiful sights in Jaipur. We visit one of the most marvellous buildings that I have ever seen, the Wind Palace. The Wind Palace is made up of a multitude of hive looking structures that allow the winds to blow through from everywhere and all angles. If there is a breath of wind anywhere in this hot and dry city to be found you will feel it here in this shady oasis. It is a building of unreal magnificence…like out of 1001 Arabian Nights (see pics).

This city has many other things to offer as well as the Wind Palace. Jaipur is called the “Pink City”. In the year 1876 the Maharaja had the entire city painted pink. The occasion was a visit from the Prince of Wales. The color is actually more ochre than pink. The painting of this city has become its trademark. Even nowadays all house owners are legally bound to maintain this unified color code in the old city. The entrance gates to the old city are monumental portals within the massive city wall. And of course there are no shortage of temples or palaces.

The markets here offer the finest goods. Jewelry and clothing for the ladies are breathtaking. The silk is sometimes covered with so much embroidery and bling bling that you have a hard time distinguishing the material underneath. One day I noticed a group of street cleaners. The women were adorned in their beautiful saris and over these they wore bright neon colored construction vests. The vests were so barely noticeable over their brightly colored saris that they were probably not even necessary. There was no chance of overlooking them…  

The necklaces and earrings at the Jewelers are crafted from solid and covered with so many precious stones that it is hard to believe that someone would wear something such as this. But in India they actually do. On a train ride we meet Sunil. He was married last year and showed us a wedding picture on his phone. His wife was wearing exactly this type of jewelry and it really suited her and the occasion.

But Indian women wear plenty of jewelry in daily life as well. From time to time we will see a nose ring that is so large that is covers half of the upper lip and probably causes many problems at meal time. Often those nose rings are attached with a chain to heavy earrings as well. Women wear dozens of wide bracelets that sometimes cover from shoulder to wrist and is probably also used as sun protection. Anklets and toe rings are also very popular with the women.

There are some streets where you will find people carving large Temple statues out of marble. The first steps are done with electrical grinders and circular saws. Deafening sounds come out of every nook and cranny. Stone dust lays heavy in the air. It is painful to observe the work conditions of these craftsmen. No earplugs, no protective goggles, no dust masks. This does not bode well for a long life…

Our time in Rajastan has come to an end and we are ready for a change of scenery. But before we arrive in the tropical paradise of southern India we are facing once again three days in trains. Are we completely nuts?? Maybe we are…

                                                                                                              28.01. -   15734                                          

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