Opal rush and insect frenzy

Trip Start Jul 10, 2010
1
47
106
Trip End Jul 03, 2012


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

Flag of Australia  , South Australia,
Monday, March 14, 2011

(English below)

Wenn es im australischen Radio an die Berichterstattung zu den tragischen Ereignissen in Japan geht, bin ich oft verstört. Berichte zur Lage vor Ort sind meist recht knapp gehalten, längere Beiträge kommen häufig aus einem einseitigen, ökonomischen Blickwinkel heraus und beleuchten Fragen wie diese: Wird eine neue weltweite Zurückhaltung bei der Kernenergie einen finanziellen Einbruch für unsere australischen Uranminen zur Folge haben? Wird unsere Fischerei im Export einen Aufschwung erleben können, da Japans Fischindustrie nun starken Schaden genommen hat? Welche Auswirkungen hat Japans Nuklear-Desaster auf den australischen Aktienmarkt?

Amerikanische Medien sind ja dafür berüchtigt, erfolgreich ein Klima der Angst in der Bevölkerung zu kultivieren. Die australischen Medien scheinen eher die Gier zu schüren. Wenn wir im Angesicht einer großen menschlichen Katastrophe nur den Blick auf den eigenen Geldbeutel beibehalten und uns sogar in aller Öffentlichkeit fragen, wie wir aus dem Leid der Anderen einen persönlichen Vorteil ziehen können, dann ist die Menschheit wohl nicht mehr zu retten…

Als wir aufs australische Festland übersetzten, fragte ich Gaby, ob wir denn etwas von all den Minen und dem Graben nach Bodenschätzen sehen würden, für das Australien bekannt und berüchtigt ist. Oder liegen die Minen alle fernab von den Reiserouten durchs Land? Wenige Tage später machten wir auf unserer Reise bereits Station in einer Minenstadt namens Coober Pedy.

In Coober Pedy wird nach Opalen gegraben und dass sehr erfolgreich: Über 90% aller Opale weltweit kommen aus Coober Pedy. Es herrscht Goldgräberstimmung hier und riecht nach „Wildem Westen". Die Edelsteinfunde locken alle möglichen Leute an, die hoffen, beim Graben im heißen Wüstensand zu schnellem Reichtum zu kommen. Inzwischen hat sich dadurch die Gegend um Coober Pedy zu einer surrealen Mondlandschaft verwandelt (siehe Video).

Bei einer Übernachtung auf einer Autobahn-Raststätte 150km vor Coober Pedy begegnen wir bereits einem ersten Minenarbeiter, der hungrig und durstig Kontakt zu uns sucht. Er sieht übermüdet und vorgealtert aus, rote Augenränder lassen eventuell auch auf Drogen schließen. Das Arbeiten in den Minen ist auch mit moderner Technik nur etwas für die ganz harten Kerle. Gaby kocht ihm einen starken Kaffee und bietet ihm ein paar Snacks an, die er gerne annimmt. Wir sind mit ihm mutterseelenallein auf dieser Raststätte im abendlichen Dunkel irgendwo im Niemandsland. Es ist uns doch etwas unheimlich.

Er erzählt uns in schwer verständlichem australischen Slang aus seinem Leben: Von den Streitigkeiten mit anderen Arbeitern, von der Abzocke durch die großen Spieler im Poker um die Steine, von Skorpionen (die wir auch bald direkt an unserem Zelt zu sehen bekommen) und von der Hoffnung, doch den großen Wurf zu machen. Er erzählt, das jedermann sich für nur 25 $ ein kleines Stück Land bei der Regierung reservieren lassen kann, auf dem er dann ganz nach Herzenslust nach den kostbaren Opalen graben darf. Wir verstehen nur die Hälfte von dem, was er erzählt und sind erleichtert, als er sich gestärkt wieder auf den Weg macht, ohne uns ausgeraubt zu haben. Ein mulmiges Gefühl bleibt…

Coober Pedy ist eine Wüstenstadt in der es oft so heiß ist, dass die Mehrheit der Bewohner in unterirdischen Behausungen wohnt (in so genannten „Dug-outs“). Wer sich am Tage sowieso durch unterirdische Gänge gräbt, der mag sich auch gleich sein Zuhause unter der Erde einrichten – da gibt es dann keinen weiten Weg zur Arbeit mehr… In Coober Pedy gibt es sogar unterirdische Hotels, Geschäfte und Kirchen. Sie alle haben miteinander gemein, dass sich die Raumtemperatur rundum das Jahr kaum schwankend bei angenehmen 21-26°C bewegt, während es vor der Tür zwischen 0-50°C im Schatten hin- und herpendelt. Weder Heizung noch Klimaanlage sind für diese konstanten Innentemperaturen notwendig. Die schützende Erde als Zimmerdecke und ein paar Entlüftungsrohre genügen vollkommen.

Coober Pedy glänzt unter anderem auch mit dem weltweit einzigen grasfreien Golfplatz. Das ist dann wahrscheinlich wie Golfspielen auf dem Mond. Und es ist sehr ökologisch, da auf die Bewässerung verzichtet werden kann. Aber dieser Wüstengolf hat sicher allein aufgrund der unbarmherzigen Hitze hier nicht viele Anhänger.

Wir besuchen ein Opal- und Kunsthändlerpaar, das gleichzeitig ein Känguru-Waisenhaus betreibt („Josephine´s Gallery and Kangaroo Orphanage“). Nachdem wir die glitzernden Edelsteine und ihre heftigen Preise bestaunt haben, nehmen wir noch an einer Baby-Känguru-Fütterung teil, bei der die Kängurus laktosefreie Milch aus Nuckelflaschen erhalten. 80% der durch Jagd oder Verkehrsunfälle verwaisten Kängurus, die in diesem Waisenhaus aufgezogen werden, können eines Tages wieder in die Wildnis entlassen werden. Am Ende der Fütterung werden die Kängurubabys zum im Arm Halten herumgereicht. Wir lernen, dass es hier nicht primär um unser Kuschelbedürfnis geht, sondern darum, dass die Kängurus auf diese Weise mehr Zeit mit Körperkontakt haben, denn das kommt ihrem naturgemäßen am Körper der Mutter durch die Gegend hopsen am nächsten.

In Coober Pedy, wie in an den meisten Orten im australischen Outback, gibt es eine Vielzahl von Insekten. Nach den Regengüssen gibt es an manchen Orten erstmalig auch Heuschreckenplagen. Nach einer weiteren Tagesetappe von einigen hundert Kilometern kleben sie zuhauf am Kühlergrill. Um die Reinigung kümmern sich dann die Krähen, die wir dabei beobachten, wie sie die toten Heuschrecken mit Leidenschaft vom Kühlergrill zupfen.

Am Tage sind die Fliegen hier so zahlreich, dass man sich oft ein Fliegennetz über den Kopf ziehen muss. Wenn man das nicht tut, dann bekommt man einen Geschmack davon, wie es für Pferde und Kühe sein mag, deren Augen dauerhaft von Fliegen belagert sind. Wir lernen, dass es vor der Einwanderung der Europäer kein Fliegenproblem in Australien gab. Erst die massenhafte Haltung von Rindern und Schafen brachte die Fliegeninvasion mit sich.

Am Abend rücken dann Heuschrecken, Käfer, Mücken und andere Insekten auf den Plan. Die beleuchteten Waschräume auf den Zeltplätzen sind ein wahres Insekten-Magnet. Die Mischung aus Licht und Feuchte üben in der dunklen Wüstennacht auf sie eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Ob im Waschbecken, in der Dusche oder im WC, überall springt, surrt, krabbelt und fliegt es um einen herum. Manche Orte haben gelbe Neonröhren installiert, die anscheinend weniger Insekten anlocken als reguläre Leuchten.

Ein Großteil der Insekten überlebt den abendlichen Besuch im Waschraum nicht. An manchen Stellen wirkt es eher wie ein Massensuizid. Es ist schon unangenehm. Wir retten jeden Abend einzelne Krabbler aus dem Waschbecken oder gar aus dem Klo, aber es ist meist ein sinnloses Unterfangen. Wo man einen rettet, da stehen todesmutig zehn weitere sprungbereit am Rand.


ENGLISH


I often get disturbed when I hear the reports on the tragic events in Japan on the radio in Australia. The actual events happening in Japan receive a very short coverage and then the longer pieces are all reports about how this effects or will affect Australia economically. The reports touch on these topics: will the world retreat from using nuclear power and what does that mean for our Uranium mining? Will our fishing industry grow in exports because Japan`s fishing industry has been so severely damaged? What impact will the disaster in Japan have on the Australian stock market?

American media is well known for creating an atmosphere of fear in its population. The Australian media seems to focus rather on feeding greed in the people. If even in the face of a human catastrophe we are only focused on our own finances and go as far as asking ourselves how we can benefit from someone else's suffering then it does not look like humanity has a chance of being rescued…

When we arrived on the Australian mainland I asked Gaby if we would get to see any of the mining activities that are prevalent in Australia or are all of the mines far away from the travel routes. A few days later we stop in our first mining town called Coober Pedy.

In Coober Pedy people mine for Opals and are very successful at it. More than 90% of all opals worldwide come from Coober Pedy. It has a gold rush fever feeling and smells like the Wild West. The finding of those precious stones draws in all kinds of characters that dream of finding the mother lode while digging in the hot desert sand. After many decades of mining the surroundings of Coober Pedy have turned into a surreal moon landscape (see video).

150km before Coober Pedy we stop for the night at a rest stop. A man stops to rest and comes over to us making conversation. He mentions that he is a miner and you can see that he is hungry and thirsty. He looks over tired, worn out and prematurely old. His red rimmed eyes show that he most likely uses drugs. The work in the mines is, even with all of the modern technology, only really for the tough skinned. Gaby offers him a strong coffee and some snacks which he gladly accepts. We are completely alone with him at this rest stop in the dark of night in the middle of nowhere. It makes us feel a little bit uncomfortable. 

He speaks, in very thick Australian slang, about his life: from arguments with other miners, of the rip-offs by the big players in the game of precious stones, of scorpions (which we soon experience for ourselves at our tent site), and of the hope to find the mother lode. He tells us than anyone can “peg" a certain amount of land for only $25 in the area and can then dig for opals all on his own. We understand only about half of the things that he shares and are relieved when he decides to continue on his way without having robbed us. A funky feeling remains…

Coober Pedy is a desert town that is so hot that the majority of the inhabitants choose to live underground in so called „dugouts“. If you spend your days digging through tunnels then you might as well make it your home. It cuts down on the daily commute to work. In Coober Pedy you will even find underground hotels, stores and churches. These dugouts all stay at an almost constant temperature of 21°-26°C all year round. The temperatures outside may swing between 0°-50° C in the shade. For this constant comfortable room temperature you neither need heating or air conditioning. All that is needed is the protective layer of earth as your ceiling and a few ventilation pipes.

Coober Pedy is famous for, among other things, the world’s only grass-free golf course. This is probably what it feels like to play golf on the moon. And it is a very ecological way since you never have to water the lawn. Although this desert golf probably does not have too many fans just because of the merciless heat. 

We visit „Josephine`s Gallery and Kangaroo Orphanage“ which is owned by a couple that have been mining opal for years. After being dazzled by the beauty of the stones and their hefty prices Josephine gave us a short lesson on the mining and preparing of opals along with the types and categories. Angela found it very interesting. Afterwards we partake in a baby Kangaroo feeding. They are fed lactose-free milk through baby bottles. They receive the babies either from hunters or traffic accidents. About 80% of these babies are able to be released back into the wild. At the end of the feedings you have the opportunity to hold a baby kangaroo in your arms. We find out that this part is not just a tourist attraction to satisfy our personal cuddling need but rather provides the babies with more contact time which is most natural for them day and night in the mothers pouch.

In Coober Pedy, as in many places in the Australian Outback, you encounter countless insects. After the recent downpours in some areas they have cricket plagues as never before. At the end of another long day of driving dozens of these huge crickets are stuck on our radiator grill. The cleaning is taken care of by the birds (crows being the best at it). We watch them picking the crickets with passion off of the grill.

During the daytime the flies are so numberless that your have to pull a fly net over your head. If you do not wear one you get a taste of what is might be to be a cow or horse whose eyes are constantly infested with flies. We are told that Australia did not have a fly problem before the arrival of the Europeans Squatters (settlers). Only with the introduction of numberless cattle and sheep did the invasion of the flies begin.

In the evening beetles, crickets, mosquitoes and other insects take their turn. The lit bathrooms at the campgrounds turn into a true insect magnet. The mix of light and moisture in the dark desert night is irresistible to them. Whether in the sink, the shower or the toilet everywhere it jumps, crawls, flies and buzzes around you. Some places have installed yellow colored lights that seem to attract much less insects than the white lights.

A large part of the insects do not survive the evening visit to the bathroom. At some places it looks a little like a massacre. It is quite unpleasant. Every evening we rescue a few of these crawlers out of the sink or even out of the toilet but it seems to be a meaningless undertaking. Where you rescue one there seems to be ten others that are ready to jump into their death.

                                                                                                                                8382
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: