Hiking in Tibet

Trip Start Jul 10, 2010
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106
Trip End Jul 03, 2012


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Where I stayed
xiu feng Guesthouse, Langmusi, China

Flag of China  , Gansu,
Sunday, October 3, 2010

(English below)

Langmusi 2010-10-03

Langmusi ist ein tibetisches Dorf mit ca. 3000 Einwohnern (plus 2 enorme Klöster mit insgesamt über 800 Mönchen). Langmusi liegt auf 3300 Metern Höhe in der tibetischen Provinz Amdo. Inzwischen haben wir uns an die Höhenmeter gewöhnt und haben auch keine Schwierigkeiten damit, auf unseren Tagestouren auf knapp 4000 Meter hochzuwandern. Das Wetter ist sehr wechselhaft. Schauer und dichte Wolken wechseln sich fortlaufend mit Sonnenstrahlen ab. Man muss immer beides im Gepäck haben: dicke Wintermütze gegen die Kälte und Schirmmütze gegen die Sonne.

Bevor wir uns in Richtung Tibet aufmachten, haben wir uns nach den Details dazu erkundigt. Die Lage sieht seit geraumer Zeit so aus: Einreiseerlaubnis für die „Autonome Region Tibet" erhält man nur, wenn man eine Gruppenreise bucht. Damit ist man kontrollierbar für die Behörden und gleichzeitig begrenzt im eigenen Abenteuergeist auf das gebuchte Tourprogramm. Obendrein kosten diese Touren allesamt 100 US Dollar aufwärts pro Person und Tag. Wir hatten weder Lust, uns wie an Nasenring und Leine durchs Land geführt zu fühlen, noch wollten wir die horrenden Preise für diese außergewöhnliche Erfahrung bezahlen.

Ein Glück hat die chinesische Regierung nicht das gesamte Gebiet des alten Tibets zur „Autonomen Region Tibet“ deklariert. Teile der östlich gelegenen tibetischen Provinzen Amdo und Kham liegen außerhalb dieser politischen Hochsicherheitszone und sind damit für uns ohne Auflagen zugänglich. Tibetische Kultur gibt es hier genauso, vielleicht sogar ursprünglicher und unverfälschter als in der überregulierten „Autonomen Region Tibet“. Unsere Entscheidung war damit gefällt. Wir machten uns auf in Richtung Amdo und können hier unbeschwert und selbst bestimmt für nur 20 € pro Tag und Person reisen.

Die tibetische Provinz Amdo ist bekannt für ihre endlosen grünen Hügel und Weideflächen. Selbst jetzt im Herbst und bei grauem Himmel wirkt diese ungewöhnliche Kombination aus Üppigkeit und Kargheit noch beeindruckend auf uns. All das hügelige Grün ist eingerahmt von majestätisch thronenden Felsmassiven und Schneegipfeln. Eine Landschaft, die ganz natürlich Demut in uns weckt. Und da wir in der Nachsaison unterwegs sind, haben wir diese Traumlandschaft auch noch ganz für uns alleine. In der Einsamkeit und Stille wirkt diese Landschaft noch einmal ganz besonders intensiv.

Unser Hotelzimmer ist wieder einmal ungeheizt. Das Hotel ist so brandneu, dass der Fernseher an der Wand noch eingeschweißt ist und die Matratzen , auf denen wir schlafen, noch die Transportschutzecken aus Pappe tragen. Eine Heizung ist zwar installiert, aber noch nicht angeschlossen. Auf den Bergen um Langmusi herum fiel gestern der erste Schnee dieses Winters. Immerhin können wir in diesem Hotel hier warm duschen. Und es gibt einige gemütliche Cafes und Restaurants im Ort, in denen wir uns zwischendurch aufwärmen können und uns verwöhnen lassen mit frisch gemahlenem Bohnencafe, echter Pizza und leckerem Möhrenkuchen nach amerikanischem Rezept.

Beim Spazieren durch den Ort erkennen wir, das die tibetischen Pilger, die wir in Labrang als so farbenprächtig und reich geschmückt bewundert haben, nicht ihre Sonntagsgarderobe ausführten. Nein, die Tibeter tragen auch bei der Arbeit im Alltag und am eigenen Wohnort dieselbe schmuckreiche Kleidung. Im Vergleich dazu, sind wir Westler nicht nur als Backpacker sondern auch zuhause in unserem eigenen Alltag einfach lausig angezogen. Und das obwohl wir unsere Kleidung nicht im eiskalten Gebirgsbach von Hand waschen müssen, sondern dafür ganz bequem Waschmaschinen haben.                                

Die tibetischen Klöster sind beeindruckend (das sind sie alle). Ich wundere mich nicht mehr, dass das ganze Abendland so fasziniert von der tibetischen Kultur ist. Nicht nur ist die Farbenprächtigkeit und Intensität der Tempel wohl kaum zu übertreffen, aber auch die religiöse Praxis der Tibeter ist einfach einmalig! Die Tibeter sitzen eben nicht nur zum Gebet oder zur Meditation still in sich gekehrt hinter verschlossener Tür, sondern sie halten ihre Gebetsmühlen in Schwung, sie umrunden ununterbrochen ihre heiligen Orte und sie rezitieren und musizieren in ihren Zeremonien so lautstark und eindringlich, dass es einem in die Knochen fährt…

…. aber vielleicht am bemerkenswertesten ist die Praxis der Niederwerfungen. Nicht nur sieht man diese gelebte Praxis in allen Klöstern, sondern sie ist auch Bestandteil von Pilgerreisen. Die Tibeter unternehmen ihre Pilgerreisen nämlich nicht nur zu Fuß, sondern manche Tibeter messen die Länge ihrer Pilgerreise mit ihrer Körperlänge am Boden liegend. Mir fährt jedes Mal ein Schauer über den Rücken, wenn ich Tibeter und Tibeterinnen aus dem vorbeifahrenden Bus heraus sehe, die hunderte Kilometer zu ihrem Pilgerort per Niederwerfungen auf Asphaltstraßen zurücklegen. Faktisch legen sie die Strecke sogar 3x zurück: Zuerst wird das Gepäck einige hundert Meter nach vorne transportiert, dann die Strecke zurückgegangen, um sie dann noch einmal per Niederwerfungen mit der ganzen Körperlänge am Boden liegend zu vermessen. Wir haben selbst junge tibetische Teenager gesehen, die am Ende jeder Niederwerfung einen Strich dort am Boden markieren, wo ihre Fingerspitzen den Boden berühren. Das ist dann die Ausgangslinie für die folgende Niederwerfung. Geschummelt wird hier nicht… Soviel Hingabe, Ernsthaftigkeit und körperliche Verausgabung in der religiösen Praxis sind einfach unbeschreiblich…


ENGLISH


Langmusi is a tibetan village with 3000 inhabitants (plus 2 large monasteries with a total of more than 800 monks). Langmusi is located at an altitude of 3300 meter in the Tibetan province Amdo. By now we had climatized to the altitude and did not even have a problem on our dayhikes which could be up to an altitude of 4800m. The weather is changing frequently: showers and thick clouds quickly turn into warming sun rays. So you always have to bring along both, a warm winter hat and a sun cap.

Before we were heading towards Tibet we enquired about our options. The situation looks like this: an entry permit for the “Autonomous Region of Tibet" is only issued if you book a group tour. This way you are traceable for the authorities and at the same time your adventurous spirit is reduced to the booked tour program. On top of that all of these tours start at a cost of $100 US per person per day. We were neither willing to be led around like cattle nor to pay these outrageous prices for this “special experience”.

Thank goodness the Chinese government did not designate all areas of ancient Tibet as the “Autonomous Region of Tibet”. Parts of the eastern Tibetan provinces Amdo and Kham are located outside of this political high security zone and are thereby accessible without restrictions. Tibetan culture is here as present as elsewhere, maybe even more so than in the overly regulated “Autonomous Region of Tibet”. Our decision was made: We are heading for Amdo, where we can roam about freely and independently and for a budget of only $25 US per day and person.

The tibetan province Amdo is renown for its vast green hills and meadows which are the grazing grounds for the nomads. Even now in autumn and with grey skies we found the unique combinations of lushness and barrenness in this landscape very impressive: all this hilly greenery framed by majestic mountain ranges, rocky cliffs and snowy peaks – a scenery that naturally awakens humility in us. Since we travel in the off-season, we even have this dreamlike landscape all to ourselves. In deep silence and loneliness it all gets still more magnified.

Our hotel room is once again not heated. Our hotel is actually so brand new that the TV hanging from the wall is still wrapped in plastic and our mattresses still have their card board protection corners on them. A heater was actually installed in our room but was not yet hooked up…much to our disappointment. The mountains around the village received, yesterday, the first snow of this winter. And there were a couple of cafes and restaurants in town to warm up in and to get spoiled with freshly ground and brewed coffee, real pizza and banana bread which is made according to original American recipe.

While strolling through the village we come to notice that the Tibetan pilgrims we had seen in Labrang were not particularly dressed up. No, the Tibetans look just as well dressed during their daily work life at home which can be street sweeping, pulling garbage hand carts or waitressing in the local cafe. In comparison to the Tibetans we westerners are dressing very shabby not only while backpacking but also while going about daily life at home. Although we do not have to wash our clothing by hand in icy mountain streams but have convenient washing machines.

The Tibetan monasteries are impressive (they all seem to be). I am no longer surprised, that the western world is so infatuated with the Tibetan culture. Not only are their temples over the top, but also the religious practice of the Tibetans is totally unique. The Tibetans don't just lock themselves up into quiet corners for contemplation or prayer, but are much more outgoing: They keep their prayer wheels spinning, they circumambulate their holy places and chant and make music in their ceremonies so loudly it penetrates to the bone…

… but maybe most noticeable is the practice of prostrations. Not only do you see people prostrating in the monasteries, but this practice is also part of the pilgrimage. The Tibetans undertake their pilgrimages not only by foot, but some of them actually measure the distance they bridge by laying with their bodies flat on the ground. I get chills again each time I see a Tibetan out of the bypassing bus, prostrating themselves hundreds of miles on asphalt roads, towards the pilgrimage site. In fact, they even make the distance three times: At first they bring their pack a few hundred meters ahead, then they walk back, just in order to measure the distance one more by prostrating themselves along the same way. We even saw Tibetan teenage girls that marked a line on the ground where their finger tips touched the ground. This line would be the starting line for the following prostration. Cheating is not allowed here… This extraordinary dedication, sincerity and bodily exhaustion in religious practice is simply inconceivable to our minds…  
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