Highlight mit brennenden Fußsohlen

Trip Start Jan 12, 2011
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Trip End Feb 06, 2011


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Flag of Lao Peoples Dem Rep  , Louangphabang,
Friday, January 28, 2011

Etwas über eine Stunde nördlich von Nong Khiaw liegt die ehemalige Provinzhaupstadt Muang Ngoy am Nam Ou. Sie wurde im Indochinakrieg dem Erdboden platt gemacht. Deutsche räumen noch heute in der Gegend Bombenreste weg und man sieht die Bombenreste auch immer wieder, weil sie als Baumaterial verwendet werden. Vor gar nicht so langer Zeit wurde das verschlafene Dorf von Touristen entdeckt und die knapp 900 Einwohner leben inzwischen gut von ihnen.

Die Mischung zwischen Dorfleben und Tourismus ist selten gut gelungen. Eine extrem entspannte Athmosphäre umhüllt einen sofort und praktisch alle bleiben länger als geplant.

Zum Fluss hin steht eine Reihe von ordentlichen Guesthouses auf Stelzen. Von einigen kann man in der Hängematte auf der Terasse liegend auf den Fluss schauen und den Sonnenuntergang geniesen. Dahinter, parallel zum Fluss, liegt die 500 Meter lange Hauptstraße mit Häusern, Restaurants, Garküchen und links und rechts davon riesigen Rinnsaalen.
 
Auf der Hauptstraße spielt sich alles ab. Morgens der Bettelgang der Mönche, Frühstück, Mittag- und Abendessen, zwischendurch der Einkauf und natürlich spielen auch die Kinder da. Es gibt einige "Restaurants" und gute, aber einfache Lokale zwischen Imbisständen, die Nudelsuppen, Pancakes, Omelettes, fried whatsoever, und "all you can eat for 15.000 Kip (1,5 €) anbieten. Es wird an Bootsschrauben gefeilt, Lao Lao gebrannt, das mühsam geerntete Fluss-Seegras geklopft, getrocknet und gegrillt ... und die Kinder gehen in die Dorfschule. Die Menschen sind hübscher als in Luang Namtha. Nein, sie lächeln durchaus nicht immer, aber sie haben eine sanfte Art, sind immer wieder wieder überraschend freundlich und hauen einem nicht über Ohr. 

  Morgens und abends wird gewaschen. Wäsche und Körper. Und zwar im Fluss. Da putzt sich ein Mann die Zähne, während neben ihm eine Frau die Wäsche reibt. Männer haben's ein bissl leichter, die dürfen sich in Slips waschen, während Frauen sich umständlich unter ihrem Sarong, der von Busen bis Knie alles bedeckt, waschen müssen. Trotz der nicht so hohen Temperaturen tauchen alle komplett im Fluss unter. Untertags, wenn die Sonne scheint, könnt ich mir das schon vorstellen, aber morgens ist das derzeit eine frische Angelegenheit ...

Das Schönste an Muang Ngoy aber find ich, ist das Hinterland. Reisfelder, von dramatischen Karstkegeln umrandet, auf denen auf den steilen Hängen sogar noch ein wenig richtig alter Regenwald zu sehen ist. Die Reisterassen liegen zwar großteils noch brach (so eine Enttäuschung!) ABER die Menschen beginnen gerade damit, die ersten Felder zu fluten und die Sprösslinge auszusetzen. Jipiiii, genau das wollte ich ja sehen. Die Szenerie ist wie aus dem Bilderbuch: Spitze schwarze Kegel, leuchtend grüne Pflanzen, Menschen mit diesen speziellen Bambushüten am Kopf ... Reisfelder haben auf mich eine eigentümlich beruhigende Wirkung und die verblasst auch nicht, wenn man den Laoten beim arbeiten zusieht, denn sie gehen das recht gemütlich an.

Auf den Bergen, die ja endlos weit sind, ringsum leider praktisch ausschließlich junge Wälder. Laos ist auf der Leiter der wohlhabenden Länder ungefähr genau auf der anderen Seite von Österreich zu finden. Mit 100 $ gehört man zum Mittelstand, der Analphabetismus bei Erwachsenenen liegt glaub ich bei 30%. Es gibt keine soziale Absicherung und demzufolge viele Kinder. Durchschnittlich drei sind es in Muang Ngoy, am Land aber auch acht. Laos hat nicht viele Bodenschätze bzw. kann es die nicht selbst abbauen. Holz, Bekleidung, Elektrizität und Kaffee sind die wichtigsten Exportgüter. Die intellektuelle Elite und ethnische Minderheiten haben 1975 nach der Übernahme der Kommunisten das Land verlassen. Diverse Länder pumpen einiges Geld nach Laos. Zwar regiert nach wie vor ein Einparteiensystem nach russischem Vorbild, aber die Enteignung von Privatem konnte nicht so stringent umgesetzt werden wie beim großen Bruder - und ähnlich wie die Sowjetunion und China öffnete auch Laos sich in den letzten Jahren.
  
 
In Muang Ngoy trägt diese Entwicklung Früchte. Den Leuten hier geht es offensichtlich besser als in vielen Dörfern am Land. Und dabei ist dieser Ort nur per Boot erreichbar!
Natürlich gibt es nach wie vor viele Bambus- und Holzhäuser, aber daneben stehen betonierte Wohnhäuser mit Fließenboden und (eigentlich abscheulichen) Kredenzen. Die thailändischen soap operas kommen in jedes Haus, denn ein erfindungsreiches System von selbstgebastelter Stromversorgung über den Fluss bzw. die vielen Wasserläufe (s. Fotos), Solar Paneele und Generatoren bringt Strom in jeden Haushalt. Jedenfalls mal abends, nach 21:00 ist eh alles ruhig.

Gut, das macht ja noch keinen Reiz aus. Stimmt. Der liegt erstens irgendwie in der Luft und zweitens vor Muang Ngoy. Oder dahinter. Ich hab mehrere Tage damit verbracht, die Gegend zu erkunden. Man wandert stundenlang zwischen Reisfeldern und über Hügel, rauf und runter. Der Boden hat nicht das tiefe umbra mit oft violettem Stich wie weiter westlich, sondern ist mehr ockerfarben. Jeden Abend brennen die Fußsohlen ganz ungewohnt, weil ich viel barfuß laufe oder in meinen five-finger-Schuhen, es gilt ja immer wieder Bachläufe zu durchqueren. Leider konnte ich die Stimmung nicht wirklich einfangen, weil es meist bis 1 nachmittags bewölkt war ... und ich weder Morgen- noch Abendlicht ausnutzen konnte ... und mittags ist es einfach zu diesig.

Das kleine zweite Dorf rechts hinten hats mir wirklich angetan. Kein Plastikmüll rund ums Dorf, dafür eine einfach traumhaft schöne Landschaft. Ein kleiner Garten Eden. Reisfelder, Palmen, Gemüsegärten, Grillen, Vögel, vielleicht Frösche, das Murmeln des nahen Baches, kleine Wasserfälle, dramatische Klippen, die Schatten einiger Urwaldriesen, wärmende Sonne, ...



... da saß ich also am Ufer des Nam Ou und dachte nur: wie schön! 

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Comments

Ingeborg on

Hallo Gabi,
deine Beschreibung dieser kleinen schoenen Doerfer hat mich so beeindruckt dass ich am liebsten sofort aufbrechen und hinfahren moechte. Leider im Moment nicht moeglich, aber in naher Zukunft hoffentlich doch.
Viel Spass noch
Ingeborg

Heinz Janecska on

Wann wird das Buch über diese Reise erhältlich sein?

Katharina Linhart on

Liebe Gabi,
Es ist wirklich faszinierend! Wenn man die Augen zumacht und Dein Geschriebenes wirken lässt, möge man glauben, man ist dort. Du hast eine wunderbare Erzählkunst und ich danke Dir für die Momente des Lesens/Staunens/Nachempfindens und Genießen.
Hab es noch fein, ich herze Dich und einen Kinderschmatz von Zoe, Deine Schwester Katharina

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