Sandras Geburtstag in der Faultier-Rettungsstation

Trip Start Apr 27, 2009
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Trip End Jul 28, 2009


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Flag of Costa Rica  , Limón,
Tuesday, June 9, 2009

Es ist der 9. Juni, ein Tag vor Sandra's Geburtstag, und wir haben fuer diesen Anlass etwas besonders Schoenes im Internet gefunden: www.slothrescue.org. Das ist eine Faultier-Rettungsstation an der Atlantikkueste von Costa Rica, also dort wo wir sowieso gerade hin wollten. Wir geben auf halbem Weg das Auto wieder beim Vermieter ab und fahren nach Puerto Limon, dem einzigen Hafen des Landes an der Ostkueste und damit dem Umschlagplatz vor allem fuer Bananen. Die letzten Kilometer vor der Stadt sind gesaeumt von Bergen an Kuehlcontainern, die auf die naechste Reise warten. Limon selbst ist als Hafenstadt etwas rau, so dass wir uns lieber sofort wieder verdruecken, sobald wir nach kurzem Fussmarsch die richtige Busstation gefunden haben. Bei Superhitze im Bus fahren wir die Kueste in Richtung Sueden und werden mitten auf der Strecke rausgelassen. Ein grosses gelbes Schild mit Faultierabbildung zeigt uns, wir sind richtig.

Die Station kuemmert sich seit 1991 um verletzte oder verwaiste Faultiere. Damals wurde das erste verlassene Baby-Faultier bei den Besitzern der Station abgegeben, die hier eigentlich gerade ein Vogelreservat einrichten wollten. Sie nannten das Tier Buttercup und zogen es gross. Bald wurde das naechste gebracht und das dritte und so langsam bekamen sie den Ruf, DIE Rettungsstation fuer Faultiere zu sein. Heute kommen jeden Monat viele neue Tiere dazu. Die Babies koennen leider nicht ausgewildert werden, weil niemand weiss, wie man ihnen die richtige Ernaehrung in der freien Natur beibringt. Aber von den verletzten erwachsenen Tieren koennen etwa 80% geheilt und wieder ausgewildert werden, und so leistet die Station einen sehr wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieser Art.

Finanziert wird das Ganze ueber Tourismus. Man kann hier eine Tour buchen, wo einem ein Einblick in das Leben der Tiere und in die Station vermittelt wird, sich per Kanu durch die Kanaele paddeln und Tiere zeigen lassen, und man kann hier sogar uebernachten. Wir machen davon alles. Nachdem wir angekommen sind, koennen wir gleich mal auf der Tour einige Faultiere aus naechster Naehe bestaunen. Es sind faszinierende Geschoepfe, die den wohl ungluecklichsten Namen ueberhaupt abbekommen haben. Ja, sie bewegen sich sehr langsam, aber das scheinen sie vor allem der Tarnung wegen zu machen, und darin sind sie grosse Meister! Um nicht entdeckt zu werden, klettern sie nur einmal die Woche vom Baum hinunter, um ihr Geschaeft zu verrichten. Ausserdem waechst in ihrem Fell eine Art Alge, durch die sie besonders gut getarnt sind. Und noch etwas ist sehr besonders an diesen Tieren. Die „Krallen", die ihr auf den Fotos sehen koennt, sind in Wirklichkeit Fingerknochen, umringt von Nagelknorpel. Diese brauchen sie zum Klettern und Festhalten, und erstaunlicherweise koennen sie diese sogar wieder nachwachsen lassen. Hoffentlich kommt da nicht mal jemand auf die falsche Forschungsidee...

Was die Faultiere auch besonders gut koennen, ist, uns das Herz zu erweichen. Wir koennen gar nicht genug in ihrer Naehe sein. Da wir ja ueber Nacht bleiben, haben wir jede Menge Zeit dazu. Selbst unser Abendessen verlegen wir in ihre Naehe. Buttercup ist inzwischen ein Star unter den Faultieren geworden und wohnt in ihrem eigenen Korb. Sie ist extrem neugierig und mag offensichtlich die Naehe zu Leuten. Wir wurden extra angewiesen, sie nicht auf den Arm zu nehmen, aber einen Finger reichen wir ihr dann doch, als sie so bittend die Hand nach uns ausstreckt. Wir sind erstaunt von der immensen Kraft in ihrer Hand, die sie wohl auch braucht, wenn sie gut klettern koennen will. Wir bekommen unsere Finger nur nach etwas Ueberredung wieder, was wir aber eigentlich auch gar nicht so dringend wollen. Ihre Hand zu halten ist ein umwerfendes Gefuehl. Faultiere sind uebrigens neben den Delfinen die einzigen Tiere, die immer laecheln! Schaut selbst auf den Fotos.

Am naechsten Morgen sind wir wieder frueh auf den Socken, und per Kanu fahren wir langsam durch die angrenzenden Kanaele. Wir sehen auch hier einige Faultiere, diesmal aber in freier Natur, und viele faszinierenden Voegel und Reptilien. Wir lernen auch am Geschmacksbeispiel den Unterschied zwischen wilden und gezuechteten Bananen kennen. Interessanterweise haben wilde Bananen erstaunlich grosse Kerne (etwa so gross wie beim Apfel), sind innen fast weiss und schmecken auch ganz anders als die uns bekannten Sorten aus dem Obstregal.

Als wir zurueck kommen, soll es eigentlich Fruehstueck geben, und es sieht auch wirklich lecker aus, aber direkt neben unserem Tisch werden gerade die Faultier-Babies gewogen und gefuettert. Da muss der Toast warten. Wir erfahren auch einiges ueber das Adoptionsprogramm der Station, bei dem man fuer einen einmaligen Betrag symbolisch eines der Faultiere adoptiert, was der gesamten Station dann zu Gute kommt. Na und es hat ja heute jemand Geburtstag! Und so haben wir jetzt ein neues Familienmitglied, naemlich Peeper. Er ist ein 6 Monate altes Dreifinger-Faultier und kann mit seinem Blick Steine erweichen. Er ist angeblich fuer sein Alter recht klein, aber wir hoffen, dass er Buttercup nacheiffern und sich gut entwickeln wird. Natuerlich lassen wir ihn hier in der Station (in guten Haenden) zurueck, haben ihn aber fest in unsere Herzen geschlossen.
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