Cienfuegos

Trip Start Apr 27, 2009
1
4
25
Trip End Jul 28, 2009


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

Flag of Cuba  ,
Thursday, May 7, 2009

Schon die Fahrt hierher wird zu einem Erlebnis. Von dem riesigen Auto hatten wir ja schon berichtet. Nach einiger Zeit in den kurvigen Bergen fahren wir auf eine Art Autobahn auf, die sich von Westen bis nach Havanna und von dort wieder weiter in Richtung Osten erstreckt. Urspruenglich sollte sie durch das ganze Land bis nach Santiago reichen, doch mit dem Ende der Sowjetunion war es auch mit dem Bau der Strasse vorbei, und so ist sie nach wie vor in einem eher halbfertigen Zustand. Beschilderungen gibt es fast gar nicht, aber unser Fahrer kennt sich zum Glueck aus, Abfahrten enden irgendwo im Zuckerrohrfeld und viele Bruecken sind nur ansatzweise vorhanden. Die Strasse wird ganz entspannt von allen benutzt. Neben Autos sehen wir Fussgaenger, Radfahrer und Pferdekutschen. Am Rand verkaufen Leute Zwiebeln und Erdbeeren. Besonders faszinierend aber finden wir die Hundertschaften an Anhaltern, die auf Transport warten. Viele von ihnen winken uns schon mit Geldscheinen entgegen, um die Fahrer zum Anhalten zu bewegen. Sie stehen nicht nur in Havanna auf der Abfahrt zur Autobahn, sondern auch noch viele Kilometer die Autobahn hinauf. Wie die letzten von ihnen noch auf Mitnahme hoffen koennen, wenn man vorher schon an ein paar hundert anderen Geldscheinen vorbeigefahren ist, koennen wir uns nur mit Verzweiflung erklaeren, denn eine Alternative (sprich Bus) scheint es nicht zu geben.

Cienfuegos liegt an der Suedkueste Kubas an einer riesigen Naturbucht. Wir kommen schliesslich an der aeussersten Landzunge, Punta Gorda, wieder in einem Privathaus bei Cosita unter. Am naechsten Morgen erkunden wir erst einmal die Spitze dieser Landzunge und suchen in der Hitze nach einem schattigen Platz an einem winzigen Strand. Cienfuegos ist nicht so klein und ruhig wie Viņales aber hat doch seinen eigenen Charme. Pferdetaxis werden hier von Einheimischen und Touristen gleichermassen (in jeweils anderer Waehrung bezahlt) benutzt. Wir fahren entlang der Malecon, einer Strasse direkt am Meer, schlendern ueber den zentralen Platz und suchen nach der Faehre, die demnaechst zum Fort 'Castillo del Jagua' abfahren soll. Ein paar rennenden Kubanern gefolgt finden wir sie schliesslich auch. Der Eingang der Faehre ist schon ueberfuellt, aber von der Seite draufgekletternd bekommen wir gerade noch zwei letzte Stehplaetze und es geht auch schon los. Wir sind fast die einzigen Touristen, ansonsten platzt das Boot fast aus den Naehten voller kubanischer Schulkinder, Doktoren in Kitteln, Familien samt Vogelkaefig und anderen, die die Faehre zur Ueberfahrt in ihre Wohnviertel nahe dem Fort nutzen.

Das im 18. Jahrhundert zur Piratenabwehr gebaute Fort wird uns genaustens erklaert und wir treffen auf 2 deutsche Geschichtsstudentinnen, mit denen wir noch ein paar Kubaerfahrungen austauschen koennen. Interessanterweise hat kein einziger Pirat es je gewagt, die Schlagkraft des Forts zu testen, so dass es nie zum Einsatz kam. Zurueck in Cienfuegos bestaunen wir noch etwas das Zentrum. In eines der Haeuser koennen wir hineingehen und von oben den Ausblick ueber die Stadt geniessen. Man sieht eindrucksvoll den Prunk der Bauwerke aus Zeiten des Zuckerrohrbooms (hier kann man sich durch die verzierten Saeulen und detaillierten Fliesen leicht in diese Zeit zurueckdenken), der nun seit der Revolution 1959, stetig verfaellt. Heute ist die Fassade des Hauses schick renoviert, aber fuer die Arbeiten innen scheint noch das Geld zu fehlen. Die Zuckerbarone von Cienfuegos waren vor allem Franzosen, die nach einer Revolte ihrer Sklaven aus Haiti geflohen waren und sich hier niedergelassen haben. So ist das Stadtbild auch ein wenig franzoesisch gepraegt - sogar einen eigenen kleinen Triumpfbogen gibt es hier.

Ueber einen Amigo von Cosita fahren wir am naechsten Tag nach Obourke und zur Zementfabrik - auf den Spuren von Saschas Babytagen denn seine Eltern hatten hier als Uebersetzer fuer den Bau der Fabrik einige Zeit gewohnt. Dann geht es weiter. Wir wollen mit einem Boot zum Wasserfall El Nicho. Unser Fahrer organisiert uns ein kleines Boot vor Ort, in dem wir zu viert einige Zeit unterwegs sind, bis wir schliesslich zu zweit das letzte Stueck zu Fuss laufen. Der Weg zu El Nicho ist weit aber lohnenswert. Mehrere terassenfoermige Wasserfaelle sind weitlaeufig mitten in der Natur gelegen und laden mit ihren huebschen natuerlichen Pools zum Baden ein, was wir nach einem langen Fussmarsch in der Sonne dankend annehmen. Es ist so schoen hier, dass wir viele Stunden an den Wasserfaellen verbringen und eigentlich gar nicht so recht wieder gehen wollen.

Die Rueckfahrt entpuppt sich bald als eigenes Abenteuer, denn inmitten des Sees werden wir von einem extrem heftigen Regen ueberrascht, haben aber keinerlei Regenklamotten dabei. Als es blitzt, fahren wir schnell ans Ufer und warten, dass das Gewitter vorbeizieht. Wir sind bis auf die Haut durchnaesst und frieren. Als wir wieder weiterfahren wollen, will der Motor erst nicht mehr anspringen. Nach einigem Schrauben und Benzinumfuellen laesst er sich dann aber doch ueberreden und wir machen uns auf den langen Restweg ans andere Ufer. Als wir dort schliesslich ziemlich durchgefroren ankommen, werden wir von einem Freund des Bootsfahrers abgefangen. Die Polizei soll gerade Lizenzen der Bootsbetreiber ueberpruefen und es wird klar, unser Bootsmeister hat keine. Auch unser Autofahrer nicht. Wir steigen also an anderer Stelle aus und treffen unseren Fahrer spaeter wieder, bevor wir uns im Auto etwas trocknen koennen und gemeinsam zurueck nach Cienfuegos duesen.

Beim Warten koennen wir einen Schweinekauf beobachten: Eine ganze Familie faehrt beim Bauern mit dem Auto vor, Sack auf, laut quietschendes Schwein an Schwanz und Ohren herbeigetragen, in den Sack, zugebunden, und ab in den Kofferraum. Kinder, Oma, Frau und Mann (etwa 7 Personen!) wieder ins Auto, ein ganzer Ast mit Palmeneicheln passt auch noch rein und ab geht's zurueck nun mit lauten aus dem Auto schallenden Quietschlauten...
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: