Tequilafabrik in Atotonilco El Alto

Trip Start Jan 12, 2009
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Trip End Mar 31, 2009


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Flag of Mexico  , Central Mexico and Gulf Coast,
Wednesday, March 25, 2009

Der gute Tropfen wird in den Bergen nahe Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos, angebaut. Am bekanntesten ist der Ort namens, nun, Tequila. Wir fahren aber erstmal nach Atotonilco El Alto, wo auch viele berühmte Tequilasorten herstammen, allen voran "Don Julio" und "Siete Leguas". Wir kommen am Abend an und schlendern gleich mal in eine Bar, um einige der lokalen Besonderheiten zu probieren. Wir bestellen extra halbe Tequilas, um ein paar probieren zu können, es wird aber trotzdem sehr großzügig eingeschenkt. Fast jede Tequilafabrik produziert inzwischen verschiedene Altersstufen, was uns bisher gar nicht bekannt war und eine noch recht neue Erfindung ist. Neben dem weißen oder silbernen Tequila wie man ihn kennt gibt es ja bekanntlich den "goldenen", aber der ist gemixt mit anderen Zuckern und Farb- und Geschmacksstoffen und wird deshalb meist verschmäht von den Mexikanern. Vor einigen Jahren ist einem Tequila-Produzenten dann zufällig aufgefallen, dass der weiße Tequila unheimlich an Charakter gewinnt, wenn man ihn erstmal eine Weile in Holzfässern lagert. Je nach Länge der Lagerung gibt es nun verschiedene Varianten: "Reposado" lagert zwischen 2 Monaten und 1 Jahr, "Anejo" bis zu 2 Jahre und, ganz selten, "Extra Anejo" der mindestens 3 Jahre lagert.

Dementsprechend ist die Liste der Bar sehr lang, obwohl man ausschliesslich die lokalen Sorten findet. Wir lassen uns ein paar Sorten empfehlen, aber schon nach 3 halben Gläsern (zusammen) haben wir genug für den Abend. Verdammt stark dieser Tropfen, aber auch verdammt lecker!

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu der offensichtlich beliebtesten Tequilafabrik der Stadt, denn jeder scheint sie hier zu empfehlen. Sie heißen "Siete Leguas", benannt nach dem Pferd von Revolutionsführer Pancho Villa. Laut Reiseführer sind Touren leider nicht möglich, aber man kann es ja mal probieren. Wir klingeln und sagen wir wären aus Deutschland gekommen, um uns die Fabrik anzuschauen, und siehe da, die Tür öffnet sich und kurze Zeit später bekommen wir eine ausführliche, stundenlange Tour durch beide Produktionsanlagen dieser kleinen Familienfirma. Ganz stolz wird uns von den strikten Kontrollen, von der noch sehr traditionellen Destillierweise und von der guten Qualität der Tequilas berichtet. Wir hatten zwei ihrer Sorten am Vorabend probiert, aber es fehlte der "Extra-Anejo", der natürlich am teuersten ist und selbst in der Bar nicht vorrätig war (kostet etwa 8 Euro pro Glas!). Am Ende der Tour können wir alle 4 Sorten probieren, inklusive des edelsten Tropfens, der uns witzigerweise aus einem Meßyzlinder (eine Art riesiges Reagenzglas) serviert wird. Wir kosten jeweils nur ein paar Tropfen, was zum Probieren voellig ausreicht, denn wir wollen später ja noch mit dem Auto weiterfahren. Am Ende bekommen wir noch ein paar kleine Proben mit auf den Weg und man weigert sich hartnäckig, irgendwelches Geld von uns anzunehmen. Im Gegenteil, im Shop der Fabrik bekommen wir sogar noch erheblich Rabatt auf ein paar Fläschchen, die wir uns mitnehmen. Das war mal ein echter Glücksfall!

Durch die lange Tour ist es schon recht spät, aber wir schaffen es noch zu unserem letzten Ziel unserer Mietwagenreise: Tequila. Wir irren etwas durch die Stadt, bis wir durch Zufall auf ein richtig schönes Hotel stoßen. Der Ort ist bei Besuchern viel bekannter und dementsprechend auch viel stärker auf Tourismus ausgerichtet. Viele Fabriken bieten Touren an, allerdings zu stolzen Preisen. Wir schauen statt dessen lieber mal im recht interessanten Nationalmuseum von Tequila vorbei, und probieren an der Bar des größten Herstellers des Ortes, Jose Cuervo, einen kleinen Schluck der Spitzenvariante des Hauses: "Reserva de la Familia". Er wird für uns direkt aus dem Holzfass gefischt und schmeckt sehr gut. Siete Leguas ist aber nicht zu schlagen!

Es wird Zeit, uns auf den Rückweg nach Mexiko Stadt zu machen. Wir wollen auf dem Weg noch kurz im Stadtzentrum von Guadalajara vorbeischauen, was sich als nicht so gute Idee herausstellt, denn wir hängen insgesamt einige Stunden im Stau und die Stadt beeindruckt uns nicht besonders. Sie scheint viel stressiger und schmutziger zu sein als Mexiko Stadt. Sobald wir den Klauen des Stadtverkehrs entkommen sind, geht es nun auf direktem Weg zurück in die Hauptstadt. Letztere hat am Freitagabend aber auch richtig dichten Verkehr zu bieten, und so kommen wir erst spät in der Nacht in unserem Hotel an.

Zum Abschluss noch ein paar Dinge, die uns auf unserer Rundfahrt besonders aufgefallen sind:

Während unserer Fahrten sehen wir schockierend viele tote Hunde an der Strasse. Es scheint mehr streunende als Haushunde zu geben und da viele von ihnen gern bellend an Autos hoch springen sollten wir uns vielleicht nicht wundern. Trotzdem ist es ein für uns ungewöhnliches Bild und es bleibt uns immer noch vor Augen wie wir im Kupfercanyon einen hundfressenden Geier gesehen haben. Hier finden wir traurigerweise Strassenabschnitte, an denen alle Meter weit tote Hunde liegen. Die Tiere müssen sich hier allein zurechtfinden und so sehen wir sogar einen Hund an einem toten Rind im Graben fressen...

Die Fahrt im Mietwagen gibt uns auch ein ganz anderes Gefühl für die lokale Fahrweise. Wir sehen einige Unfälle. Kratzer werden dabei nur abgewunken während wir bei größerem Schaden auch mal einen heftigen Streit miterleben. Der Platz des Autos wird von manch einem mehr als voll genutzt. Einmal sehen wir ein Privatauto mit offenem Kofferraum passieren - denn darin sitzen die Kinder, die im Innenraum keinen Platz mehr gefunden haben. Dabei scheinen die Regeln eher entspannt zu sein. Der Autovermieter erzählt, das die Fahrerlaubnis hier regelmäßig neu ausgestellt werden muss, einen Fahrtest gibt es jedoch nicht sondern man muss lediglich eine Gebühr bezahlen. Auch sehen wir einige Autos ohne Nummernschilder, was von der Polizei offensichtlich hingenommen wird. Im Gegensatz dazu sehen wir auch mal Polizisten, die dann doch eher nicht so gelassen an der Kreuzung dem ihnen anscheinend die Vorfahrt nehmendem Fahrer den dicken Finger zeigen.
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