Baja California
Trip Start
Jan 12, 2009
1
9
17
Trip End
Mar 31, 2009
Am Dienstag Abend, den 3. Maerz, kommen wir per direktem Flug aus Mexiko Stadt bequem in San Jose del Cabo an. Der Ort liegt ganz im Sueden dieser riesigen Halbinsel, und um unser Hauptziel hier zu erreichen, naemlich die Walbuchten, muessen wir noch ein ganzes Stueck weiter nach Norden fahren.
San Jose del Cabo ist ein reiner Stranderholungsort und sehr beliebt bei den Amerikanern. Wir merken schon an den Kosten fuer den Taxitransport vom Flughafen, dass hier alles einige Preisklassen weiter hoeher angesiedelt ist als in anderen Teilen Mexikos. Wir bleiben eine Nacht, da wir lieber tagsueber mit dem Bus fahren wollen. Unsere Unterkunft ist am unteren Ende der Preisskala angesiedelt und war im Reisefuehrer als ganz ok beschrieben. Wir wollen sie mal lieber nicht genauer beschreiben. "Ganz ok" war jedenfalls eine recht optimistische Aussage... ;-)
Am naechsten Morgen entschaedigen wir uns mit einem richtig leckeren Fruehstueck auf dem Markt, bevor wir per Bus etwa 4 Stunden lang nach La Paz fahren, unserer ersten Anlaufstation. Hier buchen wir uns fuer den naechsten Tag eine kombinierte Schnorchel- und Kajaktour zur Insel "Espiritu Santo" direkt vor der Kueste. Wir checken in unser Hotel ein, was diesmal richtig schoen ist. Im benachbarten Restaurant kann man so guenstig richtig gutes Fischfilet essen (2 Euro mit Getraenk, Vorsuppe und Tacos!), dass es sich fast wie Diebstahl anfuehlt. Da kommen wir gern wieder. Der Ort selbst bietet nicht viel Interessantes und ist eher eine Basis fuer Touren in die Umgebung. An der Strandpromenade kann man aber schoen die Seele baumeln lassen und den Sonnenuntergang geniessen.
Am naechsten Morgen geht es schon kurz nach 7 Uhr los mit einer kurzen Fahrt zum etwas ausserhalb gelegenen Hafen von La Paz. Dort angekommen, passiert erstmal - gar nichts. Wir sitzen an der Rezeption eines kleinen Hotels direkt an der Bootsanlegestelle und warten. Einige Leute kommen und gehen, aber wer jetzt zu unserer Tour gehoert, ist nicht klar. Erst nach ueber einer Stunde koennen wir den Zustaendigen identifizieren, der enttarnt nun voll in Schwung kommt und die Gaesteschar erstmal mit Schnorchelausruestung und Kajaks ausstattet. Ein echtes mexikanisches Chaos halt, aber er wie auch seine Kollegen sind alle super nett und bald kann es losgehen. Waehrend der etwa 2-stuendigen Bootsfahrt sehen wir viele Seevoegel und koennen sogar in der Entfernung ein paar Rochen beim Springen beobachten. Auch die Kuestenlandschaft von Espiritu Santo ist sehr beeindruckend. Die Insel ist als Naturpark komplett fuer Touristenzutritt gesperrt, wodurch ihre Kueste vom Bauboom Baja's verschont geblieben ist. Unser Ziel ist aber nicht Espiritu Santo selbst, sondern ein kleines Insel"chen" weiter im Norden, wo uns bei unserer Ankunft schon die Robben entgegenrufen in freudiger Erwartung der Schnorchler, die gleich zu ihnen ins Wasser kommen werden. Wir fahren aber erstmal zu viert mit Kajaks an der Kueste auf und ab, waehrend die anderen Leute schnorcheln gehen. Wir koennen ganz dicht an die Robbenkolonien heranpaddeln und sie ausgiebig beobachten. Einige Robben begleiten uns ganz neugierig und beeindrucken uns mit ihren Kunststuecken. Besonders gern ueberraschen sie uns mit einem ploetzlichen Spritzwasserangriff. Sie sind spielenden Hunden extrem aehnlich. Ausserdem sehen wir an den Kuestenfelsen jede Menge Toelpel (im englischen als "Boobies" bekannt) , deren Gluecksbomben uns diesmal knapp verfehlen, und rot glaenzende Krabben.
Danach machen auch wir uns bereit zum Schnorcheln, wobei bei diesen Wassertemperaturen hier ein Neoprenanzug nicht fehlen darf. Selbst damit wird uns ganz schoen kalt im Wasser, aber wir wollen eigentlich trotzdem nicht so schnell wieder raus, denn die Robben haben natuerlich sofort ihre Spielgefaehrten entdeckt. So ungelenkig sie an Land aussehen, so schnell und flink sind sie im Wasser. Eine nicht ganz unwichtige Eigenschaft natuerlich, wenn man Fische jagen will. Eine Robbe kommt immer wieder ganz dicht an uns heran und tut so, als ob sie uns beissen will, bevor sie in letzter Sekunde abdreht. Unser Guide, der auf fuer uns unerklaerliche Weise auch ohne Neoprenanzug die Wassertemperaturen ueberlebt, vollzieht einige Kunststuecke im Wasser, die von den Robben sofort genau nachgemacht werden, was wie ein Tanz unter Wasser aussieht.
Zurueck an Board gibt es erstmal etwas deftiges zu essen (mit Tacos natuerlich), bevor wir die Fahrt zurueck antreten. In der Sonne des Vorderdecks koennen wir uns wieder ordentlich aufheizen und entspannt mit einigen Mexikanern ueber ihr Land plauschen. Wir bekommen noch einige super Tipps fuer unsere weitere Reise gesagt, was besser ist als jeder Reisefuehrer. Zurueck an Land kehren wir noch einmal bei unserem Lieblingsfischrestaurant ein, bevor wir muede ins Bett fallen.
Am naechsten Morgen faehrt unser Bus schon um 8 Uhr los, um uns zum Ort der Grauwale nach Puerto San Carlos in der Magdalena-Bucht zu bringen. Die Wale kommen jedes Jahr in einer riesigen Migration von Alaska aus bis hier her nach Baja California, wo sie sich zwischen Januar und Maerz in flachen Buchten treffen, um "neue Wale zu machen", und um ein Jahr spaeter (Tragezeit ca. 13 Monate) ihre Jungen zur Welt zu bringen. Erst wenn die Jungtiere kraeftig genug sind, verlassen sie die warmen Gewaesser, um nach Alaska zurueckzukehren.
Im Bus sprechen uns vier franzoesische Studentinnen an, ob wir Lust haetten, an ihrer Wal-Bootstour teilzunehmen. Bezahlt wird hier generell immer das ganze Boot, das maximal 6 Personen in die Bucht zu den Walen fahren kann, und so wird es natuerlich umso guenstiger, je mehr Leute mitfahren. Wir sind sofort dabei, und kaum haben wir unsere Sachen in unserem Hotelzimmer abgelegt geht es auch schon los. Das Boot wird per Anhaenger vom Auto gezogen, und wir steigen schon mal ins Boot fuer eine recht skurile Runde durch den Ort, bevor wir an der Bootslandestelle ankommen und sofort in See stechen koennen. Mit einem 75PS-Motor ausgestattet hebt das kleine Boot fast ab, waehrend wir ueber die Bucht jagen. Wir erkennen in allem, was sich von der Wasseroberflaeche unterscheidet, einen Wal, aber unser Kapitaen winkt ab. Die Wale seien viel weiter draussen. Erst als wir an der Muendung zum offenen Meer ankommen, sehen wir die ersten Fontaenen der Wale. Da sie regelmaessig zum Atmen auftauchen muessen, lassen sie sich recht einfach finden, wenn man erstmal in der Naehe ist. Ueberall um uns herum koennen wir die Fontaenen sehen, oft paarweise von Mutter und Baby, und unser Bootsfahrer bringt uns immer wieder dicht an die Wale heran. Sie tauchen aber meist ab, wenn wir dichter kommen, was natuerlich daran liegen koennte, dass El Capitan in leichtem, sicher gut gemeinten Uebereifer fast ueber die Wale drueber faehrt, um uns so dicht wie moeglich heran zu bringen. In der Ferne sehen wir sogar einen Wal "springen" (breaching), wobei er mit ordentlich Schwung etwa 2/3 seines riesigen Koerpers aus dem Wasser hebt, bevor er sich krachend zur Seite zurueck ins Wasser fallen laesst. Da in der Bucht das Wasser fast wellenfrei ist, koennen wir alles um uns herum ganz entspannt beobachten. Auf dem Rueckweg kommen wir vorbei an vielen Seevogelkolonien und halten an zwei einsamen Straenden, die durch ihre riesigen Duenen fast wie die Sahara aussehen. Dann geht es mit ebenso hoher Geschwindigkeit wie auf der Hinfahrt wieder zurueck nach Puerto San Carlos. Die Sonne hat sich inzwischen hinter den Wolken versteckt, und so wird es im Fahrtwind richtig kalt. Zurueck im Ort faellt uns ein extrem intensiver Fischgeruch auf. Der Ort lebt neben den Waltouren vor allem vom Fischfang und von der Fischmehlfabrik direkt nebenan, und je nach Windrichtung wird gleich der ganze Ort im Duft der Fabrik mit eingenebelt.
Am Abend steigt am zentralen Platz des Ortes das jaehrliche Festival zu Ehren des Grauwales, wobei wir allerdings keinerlei Referenz zu den Walen entdecken koennen. Ist eben eher eine prima Ausrede, mal eine Party steigen zu lassen. Auf der Buehne entdecken wir unseren Kapitaen wieder, der hier in seiner zweiten Rolle als Saenger der Ortsband fuer Stimmung sorgt.
Nun fragt sich, wie wir weitermachen mit unserer Tour. Die Waltour am heutigen Freitag war sehr schoen, aber es gibt 3 Walbuchten in Baja und unter den Walen soll es immer wieder ein paar sogenannte "freundliche" Exemplare geben, die neugierig bis an die Boote herankommen und mit viel Glueck sich sogar von den Menschen im Boot streicheln lassen. Es soll sogar vorkommen, dass sie sich vorsichtig an den kleinen Booten schubbeln, um die Muscheln abzukratzen, die sich mit der Zeit an ihrer Haut festsetzen und anfangen zu jucken. Wir wuerden uns gern noch eine Chance geben, aber fuer die naechste Nacht (Samstag zu Sonntag) ist der gesamte Ort komplett ausgebucht und so muessen wir weiterziehen. Wir haben auch gehoert, dass viele Wale von hier aus schon auf dem Rueckweg nach Alaska sind, und so haben wir vielleicht weiter im Norden mehr Glueck.
Wir brechen am fruehen Morgen auf und verbringen den gesamten Samstag im Bus, um bis nach Guerrero Negro in der Mitte von Baja California zu gelangen. Dort befindet sich die beruehmteste Walbucht Baja's, und da wir inzwischen wissen, dass es auch weiter noerdlich Fluege zurueck auf das mexikanische Festland gibt, nehmen wir den langen Weg auf uns. Wir kommen erst am Abend an, laden unser Gepaeck im Hotel ab und koennen im Restaurant eines anderen Hotels tatsaechlich gleich eine Waltour fuer den naechsten Morgen organisieren.
Die Tour geht frueh los. Morgens soll die Walbeobachtung besonders guenstig sein, weil die Tiere aktiver sind. Auch Guerrero Negro lebt nicht allein von den Waltouren, sondern ist auch das zu Hause fuer eine riesige Salzfabrik, die das Salz aus dem Meer gewinnt, reinigt und dann zum groessten Teil nach Japan verschifft. Unser Tourguide erklaert uns die Fabrik im Detail und vor allem all die Vorteile, die die Mitarbeiter der Salzfabrik gegenueber Normalsterblichen im Ort haben. Die heissbegehrten Arbeitsplaetze in der Fabrik koennen interessanterweise nur vererbt werden. Ueberall sehen wir Fischadler nisten und es wird offensichtlich viel dafuer getan, dass sie sich hier wohlfuehlen. Vor allem wurden jede Menge Nistplattformen gebaut, von denen auch die meisten gerade belegt sind. Ein Adlerpaerchen hat sich aber lieber einen der Salzfrachter als Nistplatz ausgesucht, weshalb die Salzfabrik diesen Frachter erst wieder nutzen wird, wenn die Voegel mit dem Nisten fertig sind. Wir sind beeindruckt.
Heute sind wir 5 Gaeste im Walboot, und fahren mit gewohnter hoher Geschwindigkeit hinaus in die Bucht. Es dauert nicht lange, da sieht unser Kapitaen die erste Walmutter mit ihrem Baby. Er scheint ein wesentlich routinierterer Walbeobachter zu sein, denn er haelt das Boot in einiger Entfernung zu den Walen an und laesst sie entscheiden, ob sie zu uns kommen wollen. UND SIE WOLLEN! Sie naehern sich langsam dem hinteren Ende unseres Bootes. Mama taucht direkt vor uns auf und pustet uns ihre Atemfontaene ein paar mal direkt ins Gesicht. Wenn sie so dicht vor einem auftauchen, sieht man erstmal richtig, wie irre gross sie sind. Zwischen Mama und dem Boot taucht das Baby auf und kommt so dicht, dass wir es fuer einen kurzen Augenblick streicheln koennen. Es ist ein unglaubliches Gefuehl, dass man gar nicht in Worte fassen kann. Seine Haut ist ganz weich und geschmeidig. Man kann sich nur wundern, wie solche Kolosse doch so sanft sind und in nur ein paar Zentimeter Entfernung vom Boot langsam an uns vorbeiziehen denn sie koennten uns ja mit Leichtigkeit kentern. Die Beiden bleiben noch eine ganze Weile bei uns, beobachten uns so sehr wie wir sie, tauchen unter unserem Boot hinweg, kommen dann wieder mit dem Kopf aus dem Wasser und spritzen uns immer wieder nass. Dann machen sie sich aus dem Staub, und wir fahren weiter durch die Bucht auf der Suche nach anderen Walen. Lange brauchen wir nicht zu suchen, denn sie sind ueberall um uns herum. Wir sehen wieder einige Male einen Wal springen, was durch seine Groesse ein besonders unwirkliches Schauspiel ist. Warum sind die Wale nochmal hier? Ach ja, um neue Wale zu machen. Und selbst das koennen wir aus sicherer Entfernung beobachten. Genauer gesagt beobachten wir 2 Maennchen, wie sie ihre Rollen auskaempfen. Sie drehen sich so lange umeinander und um sich selbst, bis einer von Beiden nicht mehr kann und aufgibt. So steht der Staerkere fest und darf das Weibchen begatten, das derweilen vom unterlegenen Maennchen an die Wasseroberflaeche gehoben wird, um die Begattung zu vereinfachen. Walsandwich, sozusagen.
Neben den Walen sehen wir in der Bucht auch einen Delfin, der kurze Zeit unser Boot begleitet, und eine Robbenkolonie auf einer riesigen Boje, die so hoch ist, dass uns nicht ganz klar ist, wie die Robben dort oben hinaufgelangt sind. Muessen gute Springer sein, was wir allerdings nicht beobachten koennen. Zurueck im Ort stellen wir fest, dass es gerade kurz vor 12 Uhr ist, und genau um 12 der Bus in Richtung Sueden fahren soll. Da er hier nicht losfaehrt, sondern nur vorbeikommt, ist die Chance gross, dass er sich etwas verspaetet und wir ihn vielleicht noch erwischen (denn sonst waeren ueber 4 Stunden Warten auf den Naechsten angesagt). Wir greifen in Hast unser Gepaeck aus dem Hotel und rennen zur Bushaltestelle, wo wir voellig ausser Atem ankommen und noch eine halbe Stunde auf den Bus warten. Nachdem wir im Bus sitzen koennen wir uns sicher sein, dass wir am naechsten Morgen den Flug auf das Festland nehmen koennen. Doch nach einem kurzen Anruf bei der Fluggesellschaft stellt sich heraus, dass die vorher noch so reichlich vorhandenen Plaetze im Flieger nun komplett ausgebucht sind und wir nur noch einen Flug von, aehm, La Paz bekommen koennen. Na was soll's, sind ja nur 12 Stunden bis dorthin...
Aber fuer diese grandiose Waltour nehmen wir gerne etwas Weg in Kauf.
San Jose del Cabo ist ein reiner Stranderholungsort und sehr beliebt bei den Amerikanern. Wir merken schon an den Kosten fuer den Taxitransport vom Flughafen, dass hier alles einige Preisklassen weiter hoeher angesiedelt ist als in anderen Teilen Mexikos. Wir bleiben eine Nacht, da wir lieber tagsueber mit dem Bus fahren wollen. Unsere Unterkunft ist am unteren Ende der Preisskala angesiedelt und war im Reisefuehrer als ganz ok beschrieben. Wir wollen sie mal lieber nicht genauer beschreiben. "Ganz ok" war jedenfalls eine recht optimistische Aussage... ;-)
Am naechsten Morgen entschaedigen wir uns mit einem richtig leckeren Fruehstueck auf dem Markt, bevor wir per Bus etwa 4 Stunden lang nach La Paz fahren, unserer ersten Anlaufstation. Hier buchen wir uns fuer den naechsten Tag eine kombinierte Schnorchel- und Kajaktour zur Insel "Espiritu Santo" direkt vor der Kueste. Wir checken in unser Hotel ein, was diesmal richtig schoen ist. Im benachbarten Restaurant kann man so guenstig richtig gutes Fischfilet essen (2 Euro mit Getraenk, Vorsuppe und Tacos!), dass es sich fast wie Diebstahl anfuehlt. Da kommen wir gern wieder. Der Ort selbst bietet nicht viel Interessantes und ist eher eine Basis fuer Touren in die Umgebung. An der Strandpromenade kann man aber schoen die Seele baumeln lassen und den Sonnenuntergang geniessen.
Am naechsten Morgen geht es schon kurz nach 7 Uhr los mit einer kurzen Fahrt zum etwas ausserhalb gelegenen Hafen von La Paz. Dort angekommen, passiert erstmal - gar nichts. Wir sitzen an der Rezeption eines kleinen Hotels direkt an der Bootsanlegestelle und warten. Einige Leute kommen und gehen, aber wer jetzt zu unserer Tour gehoert, ist nicht klar. Erst nach ueber einer Stunde koennen wir den Zustaendigen identifizieren, der enttarnt nun voll in Schwung kommt und die Gaesteschar erstmal mit Schnorchelausruestung und Kajaks ausstattet. Ein echtes mexikanisches Chaos halt, aber er wie auch seine Kollegen sind alle super nett und bald kann es losgehen. Waehrend der etwa 2-stuendigen Bootsfahrt sehen wir viele Seevoegel und koennen sogar in der Entfernung ein paar Rochen beim Springen beobachten. Auch die Kuestenlandschaft von Espiritu Santo ist sehr beeindruckend. Die Insel ist als Naturpark komplett fuer Touristenzutritt gesperrt, wodurch ihre Kueste vom Bauboom Baja's verschont geblieben ist. Unser Ziel ist aber nicht Espiritu Santo selbst, sondern ein kleines Insel"chen" weiter im Norden, wo uns bei unserer Ankunft schon die Robben entgegenrufen in freudiger Erwartung der Schnorchler, die gleich zu ihnen ins Wasser kommen werden. Wir fahren aber erstmal zu viert mit Kajaks an der Kueste auf und ab, waehrend die anderen Leute schnorcheln gehen. Wir koennen ganz dicht an die Robbenkolonien heranpaddeln und sie ausgiebig beobachten. Einige Robben begleiten uns ganz neugierig und beeindrucken uns mit ihren Kunststuecken. Besonders gern ueberraschen sie uns mit einem ploetzlichen Spritzwasserangriff. Sie sind spielenden Hunden extrem aehnlich. Ausserdem sehen wir an den Kuestenfelsen jede Menge Toelpel (im englischen als "Boobies" bekannt) , deren Gluecksbomben uns diesmal knapp verfehlen, und rot glaenzende Krabben.
Danach machen auch wir uns bereit zum Schnorcheln, wobei bei diesen Wassertemperaturen hier ein Neoprenanzug nicht fehlen darf. Selbst damit wird uns ganz schoen kalt im Wasser, aber wir wollen eigentlich trotzdem nicht so schnell wieder raus, denn die Robben haben natuerlich sofort ihre Spielgefaehrten entdeckt. So ungelenkig sie an Land aussehen, so schnell und flink sind sie im Wasser. Eine nicht ganz unwichtige Eigenschaft natuerlich, wenn man Fische jagen will. Eine Robbe kommt immer wieder ganz dicht an uns heran und tut so, als ob sie uns beissen will, bevor sie in letzter Sekunde abdreht. Unser Guide, der auf fuer uns unerklaerliche Weise auch ohne Neoprenanzug die Wassertemperaturen ueberlebt, vollzieht einige Kunststuecke im Wasser, die von den Robben sofort genau nachgemacht werden, was wie ein Tanz unter Wasser aussieht.
Zurueck an Board gibt es erstmal etwas deftiges zu essen (mit Tacos natuerlich), bevor wir die Fahrt zurueck antreten. In der Sonne des Vorderdecks koennen wir uns wieder ordentlich aufheizen und entspannt mit einigen Mexikanern ueber ihr Land plauschen. Wir bekommen noch einige super Tipps fuer unsere weitere Reise gesagt, was besser ist als jeder Reisefuehrer. Zurueck an Land kehren wir noch einmal bei unserem Lieblingsfischrestaurant ein, bevor wir muede ins Bett fallen.
Am naechsten Morgen faehrt unser Bus schon um 8 Uhr los, um uns zum Ort der Grauwale nach Puerto San Carlos in der Magdalena-Bucht zu bringen. Die Wale kommen jedes Jahr in einer riesigen Migration von Alaska aus bis hier her nach Baja California, wo sie sich zwischen Januar und Maerz in flachen Buchten treffen, um "neue Wale zu machen", und um ein Jahr spaeter (Tragezeit ca. 13 Monate) ihre Jungen zur Welt zu bringen. Erst wenn die Jungtiere kraeftig genug sind, verlassen sie die warmen Gewaesser, um nach Alaska zurueckzukehren.
Im Bus sprechen uns vier franzoesische Studentinnen an, ob wir Lust haetten, an ihrer Wal-Bootstour teilzunehmen. Bezahlt wird hier generell immer das ganze Boot, das maximal 6 Personen in die Bucht zu den Walen fahren kann, und so wird es natuerlich umso guenstiger, je mehr Leute mitfahren. Wir sind sofort dabei, und kaum haben wir unsere Sachen in unserem Hotelzimmer abgelegt geht es auch schon los. Das Boot wird per Anhaenger vom Auto gezogen, und wir steigen schon mal ins Boot fuer eine recht skurile Runde durch den Ort, bevor wir an der Bootslandestelle ankommen und sofort in See stechen koennen. Mit einem 75PS-Motor ausgestattet hebt das kleine Boot fast ab, waehrend wir ueber die Bucht jagen. Wir erkennen in allem, was sich von der Wasseroberflaeche unterscheidet, einen Wal, aber unser Kapitaen winkt ab. Die Wale seien viel weiter draussen. Erst als wir an der Muendung zum offenen Meer ankommen, sehen wir die ersten Fontaenen der Wale. Da sie regelmaessig zum Atmen auftauchen muessen, lassen sie sich recht einfach finden, wenn man erstmal in der Naehe ist. Ueberall um uns herum koennen wir die Fontaenen sehen, oft paarweise von Mutter und Baby, und unser Bootsfahrer bringt uns immer wieder dicht an die Wale heran. Sie tauchen aber meist ab, wenn wir dichter kommen, was natuerlich daran liegen koennte, dass El Capitan in leichtem, sicher gut gemeinten Uebereifer fast ueber die Wale drueber faehrt, um uns so dicht wie moeglich heran zu bringen. In der Ferne sehen wir sogar einen Wal "springen" (breaching), wobei er mit ordentlich Schwung etwa 2/3 seines riesigen Koerpers aus dem Wasser hebt, bevor er sich krachend zur Seite zurueck ins Wasser fallen laesst. Da in der Bucht das Wasser fast wellenfrei ist, koennen wir alles um uns herum ganz entspannt beobachten. Auf dem Rueckweg kommen wir vorbei an vielen Seevogelkolonien und halten an zwei einsamen Straenden, die durch ihre riesigen Duenen fast wie die Sahara aussehen. Dann geht es mit ebenso hoher Geschwindigkeit wie auf der Hinfahrt wieder zurueck nach Puerto San Carlos. Die Sonne hat sich inzwischen hinter den Wolken versteckt, und so wird es im Fahrtwind richtig kalt. Zurueck im Ort faellt uns ein extrem intensiver Fischgeruch auf. Der Ort lebt neben den Waltouren vor allem vom Fischfang und von der Fischmehlfabrik direkt nebenan, und je nach Windrichtung wird gleich der ganze Ort im Duft der Fabrik mit eingenebelt.
Am Abend steigt am zentralen Platz des Ortes das jaehrliche Festival zu Ehren des Grauwales, wobei wir allerdings keinerlei Referenz zu den Walen entdecken koennen. Ist eben eher eine prima Ausrede, mal eine Party steigen zu lassen. Auf der Buehne entdecken wir unseren Kapitaen wieder, der hier in seiner zweiten Rolle als Saenger der Ortsband fuer Stimmung sorgt.
Nun fragt sich, wie wir weitermachen mit unserer Tour. Die Waltour am heutigen Freitag war sehr schoen, aber es gibt 3 Walbuchten in Baja und unter den Walen soll es immer wieder ein paar sogenannte "freundliche" Exemplare geben, die neugierig bis an die Boote herankommen und mit viel Glueck sich sogar von den Menschen im Boot streicheln lassen. Es soll sogar vorkommen, dass sie sich vorsichtig an den kleinen Booten schubbeln, um die Muscheln abzukratzen, die sich mit der Zeit an ihrer Haut festsetzen und anfangen zu jucken. Wir wuerden uns gern noch eine Chance geben, aber fuer die naechste Nacht (Samstag zu Sonntag) ist der gesamte Ort komplett ausgebucht und so muessen wir weiterziehen. Wir haben auch gehoert, dass viele Wale von hier aus schon auf dem Rueckweg nach Alaska sind, und so haben wir vielleicht weiter im Norden mehr Glueck.
Wir brechen am fruehen Morgen auf und verbringen den gesamten Samstag im Bus, um bis nach Guerrero Negro in der Mitte von Baja California zu gelangen. Dort befindet sich die beruehmteste Walbucht Baja's, und da wir inzwischen wissen, dass es auch weiter noerdlich Fluege zurueck auf das mexikanische Festland gibt, nehmen wir den langen Weg auf uns. Wir kommen erst am Abend an, laden unser Gepaeck im Hotel ab und koennen im Restaurant eines anderen Hotels tatsaechlich gleich eine Waltour fuer den naechsten Morgen organisieren.
Die Tour geht frueh los. Morgens soll die Walbeobachtung besonders guenstig sein, weil die Tiere aktiver sind. Auch Guerrero Negro lebt nicht allein von den Waltouren, sondern ist auch das zu Hause fuer eine riesige Salzfabrik, die das Salz aus dem Meer gewinnt, reinigt und dann zum groessten Teil nach Japan verschifft. Unser Tourguide erklaert uns die Fabrik im Detail und vor allem all die Vorteile, die die Mitarbeiter der Salzfabrik gegenueber Normalsterblichen im Ort haben. Die heissbegehrten Arbeitsplaetze in der Fabrik koennen interessanterweise nur vererbt werden. Ueberall sehen wir Fischadler nisten und es wird offensichtlich viel dafuer getan, dass sie sich hier wohlfuehlen. Vor allem wurden jede Menge Nistplattformen gebaut, von denen auch die meisten gerade belegt sind. Ein Adlerpaerchen hat sich aber lieber einen der Salzfrachter als Nistplatz ausgesucht, weshalb die Salzfabrik diesen Frachter erst wieder nutzen wird, wenn die Voegel mit dem Nisten fertig sind. Wir sind beeindruckt.
Heute sind wir 5 Gaeste im Walboot, und fahren mit gewohnter hoher Geschwindigkeit hinaus in die Bucht. Es dauert nicht lange, da sieht unser Kapitaen die erste Walmutter mit ihrem Baby. Er scheint ein wesentlich routinierterer Walbeobachter zu sein, denn er haelt das Boot in einiger Entfernung zu den Walen an und laesst sie entscheiden, ob sie zu uns kommen wollen. UND SIE WOLLEN! Sie naehern sich langsam dem hinteren Ende unseres Bootes. Mama taucht direkt vor uns auf und pustet uns ihre Atemfontaene ein paar mal direkt ins Gesicht. Wenn sie so dicht vor einem auftauchen, sieht man erstmal richtig, wie irre gross sie sind. Zwischen Mama und dem Boot taucht das Baby auf und kommt so dicht, dass wir es fuer einen kurzen Augenblick streicheln koennen. Es ist ein unglaubliches Gefuehl, dass man gar nicht in Worte fassen kann. Seine Haut ist ganz weich und geschmeidig. Man kann sich nur wundern, wie solche Kolosse doch so sanft sind und in nur ein paar Zentimeter Entfernung vom Boot langsam an uns vorbeiziehen denn sie koennten uns ja mit Leichtigkeit kentern. Die Beiden bleiben noch eine ganze Weile bei uns, beobachten uns so sehr wie wir sie, tauchen unter unserem Boot hinweg, kommen dann wieder mit dem Kopf aus dem Wasser und spritzen uns immer wieder nass. Dann machen sie sich aus dem Staub, und wir fahren weiter durch die Bucht auf der Suche nach anderen Walen. Lange brauchen wir nicht zu suchen, denn sie sind ueberall um uns herum. Wir sehen wieder einige Male einen Wal springen, was durch seine Groesse ein besonders unwirkliches Schauspiel ist. Warum sind die Wale nochmal hier? Ach ja, um neue Wale zu machen. Und selbst das koennen wir aus sicherer Entfernung beobachten. Genauer gesagt beobachten wir 2 Maennchen, wie sie ihre Rollen auskaempfen. Sie drehen sich so lange umeinander und um sich selbst, bis einer von Beiden nicht mehr kann und aufgibt. So steht der Staerkere fest und darf das Weibchen begatten, das derweilen vom unterlegenen Maennchen an die Wasseroberflaeche gehoben wird, um die Begattung zu vereinfachen. Walsandwich, sozusagen.
Neben den Walen sehen wir in der Bucht auch einen Delfin, der kurze Zeit unser Boot begleitet, und eine Robbenkolonie auf einer riesigen Boje, die so hoch ist, dass uns nicht ganz klar ist, wie die Robben dort oben hinaufgelangt sind. Muessen gute Springer sein, was wir allerdings nicht beobachten koennen. Zurueck im Ort stellen wir fest, dass es gerade kurz vor 12 Uhr ist, und genau um 12 der Bus in Richtung Sueden fahren soll. Da er hier nicht losfaehrt, sondern nur vorbeikommt, ist die Chance gross, dass er sich etwas verspaetet und wir ihn vielleicht noch erwischen (denn sonst waeren ueber 4 Stunden Warten auf den Naechsten angesagt). Wir greifen in Hast unser Gepaeck aus dem Hotel und rennen zur Bushaltestelle, wo wir voellig ausser Atem ankommen und noch eine halbe Stunde auf den Bus warten. Nachdem wir im Bus sitzen koennen wir uns sicher sein, dass wir am naechsten Morgen den Flug auf das Festland nehmen koennen. Doch nach einem kurzen Anruf bei der Fluggesellschaft stellt sich heraus, dass die vorher noch so reichlich vorhandenen Plaetze im Flieger nun komplett ausgebucht sind und wir nur noch einen Flug von, aehm, La Paz bekommen koennen. Na was soll's, sind ja nur 12 Stunden bis dorthin...
Aber fuer diese grandiose Waltour nehmen wir gerne etwas Weg in Kauf.


