Salzsee-Tour durch Bolivien

Trip Start Aug 19, 2008
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Trip End Dec 21, 2008


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Flag of Bolivia  ,
Monday, November 3, 2008

Unsere 4-taegige Tour durch den Sueden Boliviens soll uns bis nach San Pedro de Atacama im Norden von Chile bringen, eine praktische und beliebte Verbindung in unser naechstes Reiseland. Da es direkt an der Grenze zu Chile nur eine kleine Huette geben soll, fahren wir zuerst in Uyuni zum Grenzamt und lassen uns schon mal einen Ausreisestempel fuer den 6. November (in 4 Tagen) geben. Dann kann es richtig losgehen.

Unser erster Halt liegt auch gleich ausserhalb von Uyuni etwas abseits der Gleise. Hier wurden mit der Zeit immer wieder alte ausrangierte Lokomotiven und Wagons abgestellt, und so hat sich ein richtiger "Eisenbahnfriedhof" entwickelt. Es sind noch ganz alte Dampflokomotiven samt Kohleofen dabei, und dank des trockenen Klimas verrottet hier so schnell nichts, auch wenn die Bahnen natuerlich schon etwas rostig sind.

Ein kurzes Wegstueck weiter kommen wir an einer Salzverladestation an, wo abgebautes Salz (was hier eigentlich verboten ist) auf LKWs verladen wird. Man kann Souvenire komplett aus Salz kaufen und ein kleines Salzmuseum besichtigen. Wiederum eine kurze Fahrt weiter halten wir an einem Salzhotel mitten auf dem Salzsee (Salzhotels auf dem Salar sind wegen Verschmutzungsproblemen uebrigens auch verboten). Wir stoppen nur fuer Fotos und fuer unser Mittagessen, aber das Hotel scheint auch Gaeste fuer die Nacht zu beherbergen. Dabei ist fast alles komplett aus Salz gebaut und sieht faszinierend aus. Nach kurzer Pause fahren wir weiter, und unser Fahrer Elias sucht eine schoene Stelle, wo wir Fotos auf der Salzebene machen koennen. Es gibt ein paar Fahrtwege ueber das Salz, die von den meisten Autos auch genutzt werden, aber eigentlich kann man ueberall fahren, das Salz ist hart und trocken. Elias faehrt viele Schlangenlinien und kommt immer wieder von dem Weg ab, an den er sich offensichtlich halten will. Wir merken erst spaeter, dass das daran liegt, dass er keine Sonnenbrille hat und auf dem puren weissen Salz in bester Mittagssonne gar nichts sieht. Allerdings ist die naechste Moeglichkeit irgendwo gegen zu fahren etliche Kilometer entfernt, und wir finden spaeter noch eine vergessene Sonnenbrille mitten auf dem Salzsee, womit sich dieses Problem auch erledigt hat. Wir halten fuer unsere Fotos, die sich durch die weisse Farbe des Salzes besonders kreativ gestalten lassen (seht selbst), und duesen dann weiter in Richtung Vulkan am Rande des Salzsees, zu dessen Fusse unsere Unterkunft gelegen sein soll. Wir bekommen das letzte freie Zimmer in der Unterkunft und glauben da eher an Glueck als an Planung, aber egal. Das Zimmer riecht nicht besonders toll und es passen genau unsere 4 Betten hinein, dann geht kaum noch die Tuer auf. Die Tuer laesst sich nicht abschliessen, aber das Problem hat Elias mit ein paar Handgriffen schnell behoben. Heisses Wasser gibt es trotz Versprechungen nicht und die Toiletten sind nichts selbst fuer weniger empfindliche Augen oder Nasen, aber das ist alles weniger wichtig, wenn man den Sonnenuntergang ueber dem Salzsee quasi direkt vor dem Hotel hat. Wir sehen Flamingos und Llamas am Rande des Salzsees und Elias faehrt uns extra nochmal ein Stueck auf den See hinaus, damit wir die untergehende Sonne richtig geniesssen koennen. Wieder einmal macht sich das Wuestenklima bemerkbar, denn kaum ist die Sonne weg wird es auch gleich richtig kalt.

Wir treffen viele andere Reisende aus Uyuni und merken schnell, dass wir offensichtlich die richtige Tour erwischt haben. 2 andere Deutsche wurden von ihrem Fahrer einfach abgesetzt mit dem Hinweis, es wird sie wahrscheinlich ein anderes Auto morgen mitnehmen, mehr weiss er auch nicht. Ein paar Franzosen sind in einer aehnlichen Situation, und keiner weiss so richtig, wo das Essen fuer den Abend herkommen soll. Letztlich funktioniert aber doch alles irgendwie und alle werden satt. Wir sind super zufrieden mit den Kochkuensten unserer Koechin, so dass wir nach einer kurzen Runde Yatzee schnell in den Kojen verschwinden, denn es verspricht ein frueher Morgen zu werden.

Am Morgen des zweiten Tages steht erstmal eine Wanderung auf den Vulkan an. Man kann zu bis zu 3 verschiedenen Aussichtspunkten laufen, was insgesamt gerade mal 3 Stunden dauern soll. Um 5 Uhr stehen wir auf und nach kurzem Fruehstueck fahren wir ein Stueck den Berg hinauf, bevor es nur noch zu Fuss weitergeht. 3 Stunden sind natuerlich mal wieder an der Geschwindigkeit unseres gut trainierten Fahrers und Fuehrers Elias gemessen, wohingegen wir auf dieser Hoehe (es geht von 3,700 auf bis ueber 5,000m!) da schon mal etwas laenger brauchen. Nach etwas ueber 6 Stunden kommen wir wieder voellig erledigt am Auto an, und dabei waren wir nicht einmal ganz oben, denn das letzte Stueck bis zum Krater (des INAKTIVEN Vulkans) besteht fast nur noch aus lockerem Geroell. Die Aussicht vom Berg ist trotzdem nicht zu uebertreffen und war auf jeden Fall diese Anstrengungen wert.

Elias faehrt uns noch zu einer etwas merkwuerdigen Hoehle voller Mumien, zu denen er leider auch keine besonders einleuchtende Erklaerung bereit hat. Die Leute sollen wohl im Dunkeln der Nacht gelebt haben und durch die Auswirkungen der Sonne hier gestorben sein - auf jeden Fall sind die Mumien schon sehr alt und der Ort bietet einen schauderlichen Anblick. Dann geht es weiter zur Fischinsel. Die hat natuerlich nichts mit Fisch zu tun und und ist eigentlich auch keine Insel, denn der Salzsee ist ja auch schon lange kein See mehr. Die Erhebung aus normaler Erde mitten im Salz sieht aber genau so aus und ist wunderschoen mit riesigen Kakteen bewachsen. Einige davon sind mehrere Meter hoch. Wir schleifen unsere durch die morgentliche Wanderung schon sehr mueden Beine ueber den Rundweg der Insel und werden mit tollen Ausblicken belohnt.

Am Abend kommen wir am anderen Rand des Salzsees an unserer zweiten Unterkunft an. Diesmal treffen wir niemanden, sondern sind die einzigen Gaeste. Wir nehmen uns 2 Zimmer mit jeweils 9 (!) Betten und freuen uns auf die versprochene heisse Dusche. Die Managerin unserer Herberge erklaert uns aber, dass Toņito leider nicht genug Gas gekauft hat, und wir somit kein warmes Wasser haetten. Sie haette allerdings privat noch etwas Gas, womit wir fuer 5 Bolivianos pro Person (etwa 50 cent) heiss duschen koennten. Ob das nun so stimmt oder sie einfach noch etwas Geld machen wollte werden wir nie herausfinden, ist aber auch ganz egal, denn wir wollen unsere heisse Dusche, keine Frage.

Unsere Koechin hatte sich in der letzten Nacht erkaeltet, was natuerlich nicht so gut in Sachen Ansteckung ist. Die kleine Tochter der Herbergsmanagerin ist leider auch stark erkaeltet, und moechte gern alle unsere Sachen anfassen, inklusive unser Essbesteck und Kopfkissen. Mama verbietet es ihr schliesslich und nimmt sie mit... in die Kueche. Na, wir sehen uns schon mit Grippe am Ende der Tour. Insgesamt ist alles etwas seltsam in dieser Unterkunft, und wir lassen etwas die Ohren haengen, denn eigentlich hatte man uns versprochen, dass wir die zweite Nacht in einem Hotel aus Salz verbringen werden, und zwar legal abseits des Salzsees. Unser Fahrer weiss nichts davon und ist ganz verunsichert, und so lassen wir das Thema schnell wieder.

Der dritte Tag besteht vor allem aus vielen Kilometern, die wir auf sehr schlechten Wegen (es gibt hier keine richtigen Strassen mehr) zuruecklegen. Es ist der 5. November und wir sind natuerlich neugierig, wie die Wahl in den USA ausgegangen ist. Ist ja nicht ganz unwichtig fuer den Rest der Welt. Allerdings gibt es hier im Suedwesten von Bolivien weder Radio- noch Handyempfang, von Internet ganz zu schweigen. Die Leute, die wir fragen wissen auch nichts, und es scheint sie auch nicht zu interessieren. Recht haben sie, in dieser schoenen Landschaft sollte man sich lieber auf das Geniessen konzentrieren, und ein Genuss ist sie! Wir kommen vorbei an verschiedenstfarbigen Bergen und Vulkanen und an vielen Lagunen, in denen wir Flamingos sehen koennen. Jede Lagune hat eine andere Farbe, von rot ueber blau, weiss bis gruen. Es weht ein heftiger Wind, so dass wir uns immer nur kurz aus dem Auto wagen, und beim Mittagessen an einer der Lagunen muessen wir aufpassen, dass es uns nicht das Essen vom Teller weht. Ab und zu sehen wir richtige kleine Tornados, die sich auf dem trockenen Altiplano formen und den Staub hochwirbeln. Sie sind aber zu klein, um gefaehrlich zu sein.

Am Abend treffen wir an der Laguna Colorada ein, ein besonders farbenfroher See mit jeder Menge Flamingos und friedlich grasenden Llamas am Seerand. Wir treffen wieder auf jede Menge andere Tourgruppen und wissen ploetzlich unsere Abgeschiedenheit der zweiten Nacht sehr zu schaetzen, als sich die Mehrzahl der anderen Leute schon vor dem Abendessen in Trinkspiele stuerzt. Wir bringen uns zu viert gegenseitig ein paar Kartenspiele (ohne Alkohol) bei, wobei wir merken, wie schwer sich Skat auf Englisch erklaeren laesst, aber Hamish und Norma haben viel Geduld und so sind wir letztlich erfolgreich dabei. Die Trinkspiele gehen in unverminderter Lautstaerke noch viele Stunden weiter, nachdem wir schon "schlafen" gegangen waren.

Wieder ist es sehr frueh (vor 5 Uhr) als wir am vierten Morgen aus den Federn muessen, denn wir sollen um 9 Uhr beim Bus an der Grenze sein, und vorher warten noch einige Highlights auf uns. Wir fahren zuerst zu den Geysieren auf angeblich ueber 5,000 Metern (kann aber nicht ganz stimmen, so hoch sind wir gar nicht gefahren). Es riecht stark nach faulen Eiern und blubbert ueberall. In der eisigen Kaelte des Morgenwinds sind wir nie ganz sicher, ob wir in der kalten Frischluft oder in der warmen Eierluft stehen wollen. Es steht auch nirgendwo dran, wo wir langgehen koennen und wo es evtl. zu gefaehrlich ist, denn hineinfallen will man schon nicht in den kochenden Schlamm (spaeter erfahren wir, das sich hier tatsaechlich schon mal jemand das Bein verbrannt hat). Trotzdem ist es unheimlich beeindruckend und sieht in den ersten Strahlen der aufgehenden Morgensonne besonders mystisch aus.

Unser naechster Stopp ist an den nahegelegenen Thermalquellen, wo man in heissem Wasser baden kann, allerdings muss man irgendwann wieder an die frische Luft kommen und die hat zu dieser Tageszeit noch Minustemperaturen. Leider haben wir nicht genug Zeit fuer dieses Vergnuegen, schade...

Kurz vor der Grenze machen wir einen Abstecher zur beruehmten Laguna Verde (der gruene See). Dieser See liegt am Fuss eines grossen Vulkans und sieht beeindruckend aus, allerdings ist der Wind inzwischen so stark, dass auf dem See keine Wellen, sondern nur noch lange Schaumstriche durch den Wind zu sehen sind. Wir beschliessen deshalb, im Auto zu fruehstuecken, von wo aus man das wilde Wetter draussen viel entspannter geniessen kann.

Der Grenzposten ist in der Tat nur eine kleine Huette, wo ein Beamter nochmal den Ausreisestempel kontrolliert. Wir verabschieden uns von unserer Crew und steigen in den Bus, der uns und viele andere von hier nach San Pedro de Atacama bringen soll. Waehrend wir im Bus warten, bricht hinter uns hysterisches Gekreische aus, als ob gerade Tokyo Hotel auf die Buehne getreten waere. Tatsaechlich waren es aber ein paar Amerikanerinnen, die gerade von Obama's Wahlsieg gehoert haben. Na gut, bei der guten Nachricht wollen wir mal nicht so sein. Wir hoeren ausserdem von einigen anderen Leuten im Bus, dass die Probleme in Peru samt Strassenblockaden nach wie vor bestehen und sogar schlimmer geworden sein sollen.

Direkt hinter der Grenze fahren wir auf geteerte Strasse auf, ein Hochgenuss nach 2 Tagen auf schlechten Sandwegen, und eine knappe Stunde spaeter sind wir schon in San Pedro. Hier ist der chilenische Grenzposten und die Einreise nach Chile dreht sich vor allem darum, dass man keinerlei Pflanzen- oder Tierprodukte einfuehren darf. Man muss eine lange Erklaerung ausfuellen und schwoeren, dass man solch furchtbare Sachen nicht in seinem Gepaeck mitfuehrt. Jede Tasche muss geoeffnet werden und wird per Hand durchsucht. Es ist natuerlich trotzdem nur eine Stichprobe, aber wir sehen, dass sie es ernst meinen. Erst danach duerfen wir nach San Pedro einreisen. Wir freuen uns, wieder eine richtige Dusche im Hotel geniessen zu koennen...
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Comments

nicoleandi
nicoleandi on

Einfach unglaublich!
Habe gerade Euren letzten Bericht 'Salzsee - Tour durch Bolivien' gelesen. Wirklich beeindruckend, was Ihr da erlebt, seht und Eindrücken mitnehmen könnt.
Der Bericht war vom 3.Nov., heute haben wir den 7.Dez. Wo seid Ihr und was habt Ihr in den letzten 4 Wochen erlebt? Gruß - Nicole & Andi P.S. Echt toll, wie Ihr Eure Berichte mit den Fotos lebendig gestaltet! Danke :-)

flitterjahr
flitterjahr on

Re: Einfach unglaublich!
Hallo Ihr Beiden,

Vielen Dank fuer Eure Nachricht. Gerade sind wieder einige Berichte fertig, diesmal aus dem Norden von Chile und Argentinien. Viel Spass beim Lesen und bis bald.

Sandra & Sascha

DerBolivianer on

Wirklich ein toller Bericht - man denkt beim Lesen, man sei direkt selbst mittendrin. Kriegt man direkt großes Fernweh.

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