Manu National Park - Traumwoche im Regenwald

Trip Start Aug 19, 2008
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Trip End Dec 21, 2008


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Friday, October 17, 2008

Travelblog Manu 17.10., 5 Uhr

Nach unserer Rueckkehr aus Machu Picchu machen wir 2 Tage Pause in Cusco und nutzen die Zeit, um auch mal etwas von der Stadt selbst zu sehen, unsere weitere Reise durch Bolivien, Chile und Argentinien etwas zu planen und die letzten Sachen fuer den Regenwald zu kaufen oder zu mieten (z.B. Fernglaeser). Es gibt in Suedamerika einen Club extra fuer Reisende, die South American Explorers. In Cusco steht eines ihrer Clubhaeuser, wo man gemuetlich im Internet surfen und Reiseberichte von anderen Mitgliedern lesen kann. Fuer Clubmitglieder gibt es ausserdem ueberall in Suedamerika Rabatt bei Touren und Hotels, und so haben wir unseren Mitgliedsbeitrag sofort am gleichen Tag bei der Buchung fuer Manu wieder mehr als eingespart. Ausserdem freuen wir uns schon darauf, im Clubhaus von Buenos Aires einen Teil unseres Gepaecks abstellen zu koennen und es Ende Dezember vor dem Abflug nach Deutschland wieder abholen zu koennen, denn das eine oder auch das andere Souvenir hat dann doch schon den Weg in unser Reisegepaeck gefunden :-)

Am Freitag, den 17.10. geht es los. Um 5 Uhr morgens werden wir bei unserer Gastfamilie abgeholt und zusammen mit 4 anderen Leuten zum Buero unseres Veranstalters Pantiacolla Tours gebracht. Wir treffen dort unseren Tourguide mit dem passenden Namen Darwin und unseren Koch Orlando. In einem Bus fuer mindestens 20 Personen fahren wir mit gerade einmal 8 Personen in Richtung Berge. Soviel Platz ist vor allem bei den unebenen Strassen toll, denn so koennen wir es uns alle richtig bequem machen. Wir sind noch nicht einmal aus Cusco raus, da hoeren wir ein lautes "Pssssssssssst" unter dem Bus und denken, das war dann schon mal der erste Reifen, aber besser hier in Cusco als spaeter auf einsamer Strasse. Der Busfahrer bleibt aber erstaunlich entspannt und macht keine Anstalten, anzuhalten. Wir erfahren erst spaeter, dass es ein noch viel schlimmeres Problem war: der Druckschlauch zur Hupe war kaputt, ein Desaster fuer jeden peruanischen Autofahrer. Selbstverstaendlich war die Hupe sofort am naechsten Morgen wieder repariert, was nicht zu ueberhoeren war.

Auf dem Weg in den Regenwald muessen wir erst einmal hoch hinauf in die Berge auf ueber 4.000 Meter, um dann kontinuierlich in das Amazonasbecken hinabzutauchen. Am ersten Tag fahren wir hinunter bis auf etwas unter 2.000 Meter, in den sogenannten "Cloud Forest", den Regenwald zwischen 1.500 und 2.000 Metern. Hier gibt es neben verschiedenen Affenarten und vielen Voegeln und Schmetterlingen vor allem einen besonderen Vogel zu sehen, den skurrilen "Cock of the Rock". Der Name fuehrt beim englisch-sprachigen Volk meist zu viel Gelaechter und etwas sparsamen Witzen, denn Cock heisst in der Umgangssprache eben nicht nur Hahn. Wir haben Glueck, diese faszinierenden Voegel (sie sehen nicht nur seltsam aus, sondern machen auch sehr seltsame Geraeusche!) auch zu sehen, und zwar gleich in grosser Zahl.

Wir uebernachten im Cloud Forest und zum letzten Mal fuer diese Reise wird es abends etwas kuehl, was uns aber nicht von unserer ersten Nachtwanderung abhaelt. Wir suchen das Gebuesch links und rechts der Strasse ab und finden vor allem verschiedenste (teilweise knallbunte) Grasshuepfer und andere Insekten und sogar einen kleinen Frosch (wir sind grosse Fans von kleinen bunten Froeschen!).

Am naechsten Tag geht es nochmal per Bus fuer einige Stunden weiter hinab ins Tal, bis wir am wichtigsten Fluss von Manu ankommen, dem Madre de Dios ("Mutter Gottes"). Hier steigen wir um in unser Motorkanu, wobei Kanu eigentlich eine Untertreibung ist, aber seht selbst auf den Fotos. Wir fahren etwa 6 Stunden den Fluss hinab und sehen bereits die ersten Tiere des Regenwaldes vom Boot aus. Heute sehen wir vor allem Wasservoegel. Gegen Abend kommen wir in unserer neuen Unterkunft an, essen mal wieder sehr gut (Dank der besonderen Kochkuenste von Orlando) und machen uns auf zur naechsten Nachtwanderung. Darwin hat heute eine ganz besondere Attraktion fuer uns, eine im Camp wohnhafte Tarantelfamilie. Er lockt mit einem Stock eine grosse Tarantel aus dem Unterschlupf, und als wir den ersten Schreck verdaut hatten, meinte er, das waere eins der Jungen gewesen. Nach etwas mehr Ueberzeugung kommt auch Mama Tarantula aus dem Bau, und jetzt sehen auch wir, wie klein die erste Spinne gewesen war. (wir kennen jemanden, der jetzt beim Lesen wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen ist :-)) Der Rest der Wanderung glaenzt vor allem durch die vielen verschiedenen Froesche, die im Licht unserer Taschenlampen auftauchen.

Am naechsten Morgen besteigen wir alle wieder das Boot und weiter geht es in die sogenannte reservierte Zone von Manu, wo nur bestimmte Veranstalter mit einer beschraenkten Anzahl an Touristen hinein duerfen. Dort wohnen keine Leute, Jagd und Waldrodung sind streng untersagt. Wieder sitzen wir 5-6 Stunden im Boot, aber es wird nicht langweilig. Es ist bedeckt, bestes Krokodilwetter laut Darwin. Und tatsaechlich, wir muessen nicht lange auf unseren ersten weissen Kaiman warten, der am Ufer gut getarnt die vorbeifahrenden leckeren Touristen beobachtet (sie sind aber mit ihren etwa 2 Metern Laenge verhaeltnismaessig klein). Wir sehen heute noch viele weitere dieser Artgenossen, wovon wir die meisten durch ihre extrem gute Tarnung nur mit Hilfe von Darwin entdecken. Ausserdem sehen wir, worauf sich vor allem Sandra sehr gefreut hat - ein Wasserschwein! Es sitzt fast regungslos am Ufer und laesst sich gerade von einem Vogel das Fell reinigen. Dann sehen wir noch einen schwarzen Kaiman im Wasser, und der ist mit bis zu 7 Metern schon um einiges groesser als seine weissen Kollegen. Wir verzichten auf eine Schwimmpause im Fluss. Es soll im Wasser ausser Krokodilen auch 4 verschiedene Arten von Piranhas geben, wovon 3 Arten aber Vegetarier sind und solange man keine Wunden hat, greifen sie einen wohl auch nicht an. Ist klar. Wir bleiben im Boot.

Wir beziehen unser neues Quartier, essen wie immer gut Mittag und machen uns zur Nachmittagswanderung auf. Wir sehen riesige Gruppen von winzigen Affen, die kein grosses Geheimnis aus ihrer Anwesenheit machen. Wir beobachten einen Affen, der dicht ueber uns alle moeglichen Faxen macht. Immer wenn wir wegschauen, faengt er an, besonderes Spektakel zu machen und an den Zweigen zu ruetteln, um unsere Aufmerksamkeit zurueckzugewinnen. Wir schauen uns also mal um und sehen, wie hinter uns heimlich und leise der Rest der Affentruppe vorbei schleicht, vor allem Muetter mit Babies auf dem Ruecken. Clever.

Als die Sonne untergeht, steigen wir auf einen kleinen Ruderkatamaran aus Holz, um auf einem See langsam und leise entlang zu rudern und nach Riesenottern und Kaimanen zu suchen. Nach Einbruch der Dunkelheit holt Darwin eine besonders starke Lampe hervor, mit der wir das Wasser ableuchten koennen. Hell reflektierende Augen verraten die Kaimane, die sich am Ufer unter ueberhaengenden Bueschen versteckt haben. Von den Ottern, die hier wohnen sollen, keine Spur, aber der See ist gross und wird immer nur von einer Otterfamilie bewohnt.

Am naechsten Morgen geht es deshalb noch mal frueh zurueck auf den Katamaran und dieses Mal brauchen wir nicht lange zu warten, da sehen wir den ersten Otter etwas versteckt am Ufer entlang schwimmen. Bald werden es mehr und mehr, machen einen riesigen Krach und sind nicht mehr zu uebersehen oder zu ueberhoeren. Sie scheinen kollektiv zu jagen, und zwar sehr erfolgreich, denn bald sehen wir sie am Ufer genuesslich Fische speisen. Die Kormorane jagen auch kollektiv, allerdings auf eine etwas andere Art und Weise. Einer faengt einen Fisch und wenn er den nicht sofort schlucken kann, jagen alle anderen Kormorane hinter ihm her: in der Luft, auf und unter Wasser wird um den Fang gekaempft. Dabei scheint so viel Energie verbraucht zu werden, dass es wahrscheinlich besser gewesen waeren, sie haetten lieber in Ruhe ihre eigenen Fische gefangen. Aber dann waere uns eine tolle Show entgangen.

Auch am Nachmittag sind wir noch mal auf Wanderung durch den Wald unterwegs. Wieder sehen wir viele Affen von Baum zu Baum springen. Von einer hohen Plattform auf Baumwipfelhoehe aus koennen wir sie noch besser bestaunen. Etwas anders wird uns ein wenig spaeter zu Mute als direkt vor uns eine Gruppe Wildschweine in grosser Hast unseren Weg kreuzen. Ein Eber starrt uns kurz an, macht eine Schritt vorwaerts und im Angesicht seiner riesigen Reisszaehne sind wir bereit, auf den naechsten Baum zu klettern. Dann aber schliesst er sich seiner Gruppe wieder an und verschwindet mit ihnen so schnell wie sie gekommen sind.

Der naechste Tag ist wieder gepraegt von einigen Stunden im Boot, aber heute ist es nicht bedeckt, sondern sonnig. Kein Wetter fuer Krokodile, sondern diesmal fuer Schildkroeten. Sie sitzen auf Baumstaemmen, die vom Fluss weggeschwemmt wurden, aber dann an anderer Stelle haengen geblieben sind und zum Teil aus dem Wasser ragen. Am Ufer huscht nochmal ein Wasserschwein durch das Gebuesch. Wir halten zum Tanken im einzigen Ort in Manu. Waehrend unser Bootskapitaen den Ort nach dem Tankstellenbesitzer durchsucht, geniessen wir es, mal kurz nicht zu sitzen. Die Atmosphaere im Ort laesst sich am besten mit totaler Entspannung umschreiben. Die Leute sitzen im Schatten, hoeren rauschendes Radio und tun im Allgemeinen, gar nichts. Es gibt auch nicht viel zu tun, denn sie warten auf neues Treibholz, was mit Beginn der Regenzeit den Fluss hinunterspuelen wird und aus dem sie neue Boote bauen, um sie dann zu verkaufen.

Nach weiteren 2 Stunden kommen wir am Ziel der Reise an, der Blancillo Lodge, benannt nach der beruehmten Lehmwand, an der sich fast jeden Morgen hunderte von Papageien versammeln. Aber erstmal haben wir noch den Nachmittag vor uns. Es ist sehr heiss und nahezu windstill, und wir wandern noch einmal zu einem See, auf dem wir wieder mit einem Holzkatamaran langsam ueber das Wasser gleiten und gemuetlich Affen und Voegel beobachten. Es ist schoen, dass die Sonne langsam untergeht und damit auch die Hitze auf dem See langsam nachlaesst. Wir gehen frueh schlafen, denn am naechsten Morgen warten die Papageien auf uns!

Es heisst mal wieder, frueh aufstehen, denn die Papageien warten nicht. Kurz vor 6 Uhr sind wir im Versteck gegenueber der Lehmwand und koennen die Voegel schon hoeren. Wie die Affen machen sie keinerlei Geheimnis aus ihrer Praesenz. Sie sammeln sich langsam in Scharen in den umliegenden Baeumen, scheinen sich aber nicht an die Wand zu trauen. Was wollen sie dort eigentlich? Nun, sie fressen viele Fruechte, die pur zu giftig fuer die Voegel waeren. Sie kommen also jeden Morgen hierher, um Lehm zu fressen, der die giftigen Fruechte neutralisiert. Und uns gibt es die Moeglichkeit, die Voegel aus naechster Naehe und in grosser Zahl zu sehen. Irgendwann fliegt der erste Papagei an die Lehmwand, und schon gesellen sich andere dazu, so dass innerhalb von Minuten die Lehmwand voller gruener Papageien haengt. Wahrscheinlich tun sie das, da sie sich in grosser Zahl sicherer fuehlen. Wir sehen 4 verschiedene Papageienarten gleichzeitig, eine Art lauter als die andere.

Darwin erklaert, das man normalerweise die gruenen Papageien zuerst und (eventuell einige Stunden) spaeter dann auch Macaws an der Lehmwand beobachten kann. Diese durch ihre schillernden Farben und Groesse maechtig beeindruckenden Voegel gesellen sich auch tatsaechlich bald dazu und wir bekommen das ungewoehnliche Zusammentreffen beider Vogelfamilien zu sehen.

Als waeren wir nicht schon von Glueck ueberhaeft entdeckt Sandra auch noch Affen in den Baeumen im Hintergrund - eine Art, die wir bis jetzt noch nicht gesehen hatten. Wir sehen einen Tucan und hoeren die Rufe von Howler Monkeys von weit her. Diese hoeren sich an wie immenser Wind und koennten einem Tornado-Angst machen wenn man nicht wuesste, woher sie stammen.

Nachdem wir hier im Versteck schnell ein paar Pfannkuchen als Fruehstueck verspeist haben wandern wir bei etwas Nieselregen, der gluecklicherweise erst jetzt die Macaws vertrieben hat, zu einem der groessten Baeume in diesem Regenwald.

Nachmittags geht es dann weiter im Boot und Sascha laesst sich heute etwas von Orlandos Kochkuensten in der Kueche beibringen waehrend wir anderen Karten spielen. Das Highlight der heutigen Nachtwanderung ist eine Gottesanbeterin und ein wandelndes Blatt. Wir uebernachten quasi um die Ecke des Flughafens - bestehend aus einer langen Rasenflaeche als Landebahn und einer Holzhuette mit Strohdach als Flughafengebaeude. Dort wird am naechsten Morgen unser Gepaeck und wir selbst gewogen.

Wir haben schoenes Flugwetter und eine gute Sicht und kommen wieder gut bei der Familie in Cusco an, wo wir gleich mit einem deftigen 2. Fruehstueck empfangen werden.
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