Arequipa

Trip Start Aug 19, 2008
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Trip End Dec 21, 2008


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Flag of Peru  ,
Friday, October 3, 2008

Arequipa liegt auf 2.300 Metern ueber dem Meeresspiegel und ist dadurch eine beliebte erste Station fuer Reisende in den Sueden Perus, bevor sie sich auf hoehere Lagen vorwagen. Die Stadt ist vor allem durch viele gut erhaltene Kolonialbauten sehr schoen anzusehen und bietet durch ihre Lage ein sehr angenehmes Klima. In der unmittelbaren Naehe sieht man von ueberall in der Stadt 2 grosse Vulkane, die nicht mehr sehr aktiv sind, aber trotzdem regelmaessig fuer Erdbeben in der Stadt sorgen. Schwere Erdbeben sind allerdings zum Glueck auch hier selten, denn meist handelt es sich eher um kaum spuerbaren Vibrationen.

Wir nisten uns in einem kleinen Hotel im Zentrum ein und geniessen nach unserer naechtlichen Busfahrt erstmal ein Fruehstueck oben auf der Sonnenterasse, inklusive Ausblick ueber die Stadt.

Dann geht es los zu den Reiseagenturen, denn wir sind wie die meisten anderen Reisenden vor allem wegen einer Attraktion ausserhalb der Stadt hier, dem Colca Canyon. Dieser Graben ist mehr als doppelt so tief wie der Grand Canyon in den USA und war bis vor kurzem als der tiefste Canyon der Welt bekannt, bis in der Naehe ein kleinerer, aber noch etwas tieferer Graben gefunden wurde. Naja, Statistik.

Der Canyon ist vor allem ein beliebtes Ziel fuer Trekkingtouren, die hier aber besonders anstrengend sind. Aufgrund von Sascha's Knieproblemen entscheiden wir uns deshalb fuer eine etwas andere, aber ganz besondere Tour: eine kombinierte Mountainbiking- und Wandertour. Wir finden eine Agentur, die diese Tour exklusiv fuer uns beide anbietet und besonders gute Fahrraeder hat. Wir bekommen sogar ein voll gefedertes Fahrrad fuer Sandra, was sich bei den vor uns liegenden Strecken als sehr nuetzlich herausstellen wird.

Am naechsten Morgen geht es auch schon los. Um 7 Uhr steht ein grosser Jeep mit Fahrer Walter und Guide Carlos vor unserem Hotel und wir fahren dem Canyon entgegen. Es ist schon ein etwas seltsames Gefuehl, dass sich 2 Leute fuer die naechsten 3 Tage exklusiv um uns beide kuemmern werden, aber wir geniessen diesen Luxus. Zuerst geht es aber mal wieder auf grosse Hoehen, denn der Pass liegt auf etwa 4.800 Metern ueber dem Meeresspiegel. Kurz vor dem Pass koennen wir zum ersten Mal Vikuñas, Lamas und Alpakas sehen. Auf den Fotos koennt ihr selbst die Unterschiede dieser artverwandten Tiere sehen. Alpakas und Lamas sind Haustiere, aber Vikuñas haben sich trotz vieler Anstrengungen nicht zaehmen lassen, was ihnen auf Dauer die Freiheit gesichert hat. Um trotzdem von ihrer besonders feinen Wolle zu profitieren, werden sie von den Bewohnern der umliegenden Doerfer ein- bis zweimal im Jahr zusammengetrieben und geschoren. Durch ihre Seltenheit ist Vikuñawolle natuerlich nahezu unbezahlbar und wird hier vor Ort gar nicht angeboten, sondern geht komplett in den Export.

Oben am Pass angekommen ruesten wir um auf unsere Mountainbikes. Wir fahren auf gut geteerter Strasse 1.200 Hoehenmeter hinunter bis nach Chivay, einem der wichtigsten Orte im Canyon. Die Aussicht ist umwerfend und wir halten immer mal wieder an, um Fotos zu schiessen. Je weiter wir hinunter kommen, um so waermer wird es. Die Seiten des Canyon werden, wie schon zu Inkazeiten, mit Hilfe von Terassen kultiviert, was auf Grund der extemen Groesse des Canyons einen besonderes beeindruckenden Anblick bietet. Carlos ist mit uns per Fahrrad unterwegs, waehrend Walter die ganze Zeit wie bei einem Radrennen mit dem Jeep hinter uns her faehrt.

Zum Mittagessen in Chivay koennen wir am Buffet die verschiedenen Spezialitaeten der Region ausprobieren, und es schmeckt wie ueberall in Peru mal wieder richtig gut. Wir probieren auch mal Alpakafleisch, was gar nicht schlecht schmeckt, aber um das Meerschweingulasch machen wir dann doch einen Bogen.

Wir fahren weiter in den naechsten Ort bis zu unserer Unterkunft fuer die erste Nacht, einem richtig guten Hotel. Fuer ein paar Minuten haben wir den Eindruck, dass wir mal wieder die einzigen sind, aber dann rollen zwei Reisebusse voller Franzosen an. Ob sie keine andere Sprache sprechen koennen oder wollen wissen wir nicht, auf jeden Fall schauen die Koffertraeger sehr verdutzt, als unsere Mitbewohner ihnen etwas genervt, laut und langsam auf franzoesisch wiederholen, wieviele Koffer wohin sollen. Wir koennen uns ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen.

Wir verbringen den restlichen Nachmittag in einem tollen Thermalbad ganz in der Naehe. Eine natuerliche heisse Quelle speist dort ein Schwimmbecken direkt neben dem rauschenden Fluss, und wir wollen am liebsten gar nicht wieder aus dem Becken steigen. Ausser uns sind noch einige Peruaner aus der Umgebung da, und wir sehen, wie erwachsene Leute mit Hilfe der Verwandten ihre ersten Schwimmuebungen machen. Aber wer hier im Canyon wohnt, hat sonst natuerlich auch nicht die Gelegenheit oder Notwendigkeit zum Schwimmen, und eine Reise an die Kueste waere ein Luxus, den sich hier wohl nur wenige leisten koennen.

Mit Einbruch der Dunkelheit kommt auch die Kaelte, denn wir sind nach wie vor auf etwa 3.500 Metern. Beim Abendessen sitzen wir deshalb mit so ziemlich aller Kleidung, die wir dabei haben, und waermen uns an Tee und Suppe. Die Betten des Hotels sind aber auf die Temperaturen eingerichtet und so schlafen wir trotz Kaelte sehr gut.

Um 5 Uhr ist die Nachtruhe aber auch schon wieder zu Ende, denn wir haben ein wichtiges Ziel vor Augen - "Cruz del Condor", das Kreuz des Condors. Bevor wir dort hinfahren, halten wir kurz im Nachbarort, wo Schulkinder jeden Morgen eine Tanzvorfuehrung fuer die Touristen geben und wir uns gegen ein kleines Entgelt mit den verschiedensten Tieren fotografieren koennen. Der Rest des Marktplatzes ist voller Souvenirstaende. Manch einer findet das sicher zu touristisch und albern, aber wir haben durchaus Verstaendnis dafuer, denn die Doerfer im Canyon wuerden sonst kaum etwas von den vielen Touristen haben, die taeglich in Bussen vorbeigekarrt werden.

Kurz vor 8 Uhr sind wir dann am Cruz del Condor. Egal ob man eine Tour durch den restlichen Canyon in irgendeiner Form macht, hier fahren eigentlich alle Besucher hin. Und das aus gutem Grund. Tief im Canyon wohnen Condorfamilien, die jeden Morgen zwischen 8 und 10 Uhr den Auftrieb nutzen, der durch die ersten Sonnenstrahlen erzeugt wird. Die Sonne erhitzt den Boden und die Luft darueber, und bald beginnt diese waermere Luft durch die sonst noch kalte Bergluft nach oben zu steigen. Die Condore brauchen dann nur noch ihre riesigen Fluegel auszubreiten und sich mit kreisenden Bewegungen langsam nach oben aus dem Canyon transportieren lassen. Sozusagen eine Art natuerlicher Vogelfahrstuhl. Ganz oben am Canyon befindet sich die Aussichtsplatform fuer die zahlreichen Schaulustigen, und zahlreich waren wir gekommen! Tatsaechlich kommen die Condore ganz dicht an uns vorbei - seht selbst auf den Fotos. Kurz danach fliegen sie weiter und der Spuk ist vorbei, bis zum naechsten Morgen.

Wir fahren noch etwas per Auto weiter und steigen dann wieder auf die Fahrraeder um. Erst geht es etwas auf und ab am Rande des Canyons entlang, bevor wir 1.200 Meter in die Schlucht hinunterfahren. Der Weg ist zum Teil ganz schoen schwierig, zumindest fuer ungeuebte Fahrer wie uns, aber es macht viel Spass und die Aussicht in den Canyon wird an jeder Ecke besser. Unten angekommen verabschieden wir uns von Walter fuer die Nacht, da er im Auto uebernachten wird, und laufen mit Carlos am Bergrand entlang zu unserer Unterkunft. Die Temperaturen sind hier unten deutlich angenehmer, so dass wir uns schon auf eine waermere Nacht freuen. Wir laufen vorbei an einem Bauernhof und durch viele Kaktusfelder.

Wir hatten Euch ja noch versprochen, die Herkunft der roten Farbe zu erklaeren. Wie schon einige andere Leute vorher laesst sich auch Carlos die Gelegenheit nicht nehmen, uns das zu erlaeutern. Die Kaktusfelder existieren naemlich nicht zur Kaktusproduktion, sondern bilden das bevorzugte Heim fuer kleine weisse Laeuse. Carlos nimmt eine Laus und zerdrueckt sie auf seiner Hand, die sich sofort komplett rot faerbt. Lange Zeit waren diese "Farblaeuse" ein wichtiges Exportprodukt fuer die Region, und viele grosse Kosmetikfirmen haben dieses etwas seltsame Faerbemittel fuer ihre Produkte (Textilien, Lippenstift etc.) verwendet. Inzwischen gibt es aber auch preiswertere synthetische Alternativen und die Zucht der Laeuse lohnt sich kaum noch. Viele Leute hier in den Anden benutzen aber die Laeuse auch direkt als Lippenstift, ein doch eher etwas ekliger Gedanke, wie wir finden...

Die Unterkunft besteht heute aus ganz einfachen Bambushuetten mit einem Steinbett und Matraze in der Mitte. Die Muecken haben uns schon erwartet und wir bauen lieber schnell unser Moskitonetz an. Es gibt keinen Strom, was den Ort aber noch viel romantischer macht. Es sind keine weiteren Gaeste ausser uns da. Carlos ueberrascht uns, als zum Abendessen 1 Stunde nach unserer Ankunft gebratene Forelle auf unserem Teller liegt, die er mal so eben schnell unten im Fluss gefangen hat. Wir essen mit Stirnlampe und Kerze und bestaunen den klaren Sternenhimmel, bevor wir erschoepft ins Bett fallen.

Am dritten und letzten Tag laufen wir den gleichen steinigen, steilen Weg wieder zurueck bis zum Auto, fahren aus dem Canyon hinaus, fahren noch etwas mit dem Fahrraedern und sind ganz froh, als wir sie zum Mittagessen abgeben koennen und wieder auf das Auto umsteigen. Ohne jede Voruebung schmerzt dann doch schon einiges an uns. Trotzdem wird es ein toller Tag. Der Ort in dem wir essen ist klein und nahezu unberuehrt vom Tourismus. In unserem Restaurant laufen sogar die Enten und Huehner durch die Kueche. Wenn die wuessten.

Am naechsten Morgen in Arequipa klingelt ploetzlich unser Handy - es ist unsere Gastfamilie aus Chiclayo. Hallo, wo seid ihr gerade, in Arequipa? Wir auch! Und schon sitzen wir ganz ueberrascht alle zusammen und freuen uns ueber diesen Zufall. William und Melvy haben selbst ein paar Tage Urlaub genommen und reisen durch den Sueden ihres Landes. Draussen vor dem Hotel ist es laut, denn heute ist wieder einmal Protest- und Streiktag. Die protestierende Menge will gar kein Ende nehmen. Es geht um mehr Gehalt fuer die Mitarbeiter der oeffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Behoerden und Krankenhaeuser.

Am Abend heisst es dann wieder aufsatteln auf den naechsten Bus, es geht weiter nach Cusco. Diesmal fahren wir mit einer anderen Buslinie, die billiger ist als unsere Stammfirma Cruz del Sur, aber genauso gut sein soll. Ist auch gar nicht so schlecht, aber der Horrorfilm mitten in der Nacht setzt uns doch etwas zu, zumal es in den Bussen keine Kopfhoerer gibt, sondern der ganze Bus gleichmaessig beschallt wird. Die Hauptsache aber ist wir kommen wieder mal gut am naechsten Ziel an.
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