Höhlen im Dschungel

Trip Start Feb 13, 2012
1
35
46
Trip End Jul 26, 2012


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

Flag of Thailand  , Mae Hong Son,
Monday, May 21, 2012

Nach unserer Ankunft in Sappong freuten wir uns in erster Linie darüber, zum ersten Mal seit unserem Asienaufenthalt in einem kleinen, altertümlichen Dorf zu stehen, wo die Straße keinen Asphalt Belag hatte und das Leben noch simpel schien. Das und die malerische Berglandschaft die uns umgab ließen es uns so vorkommen als ob wir zum ersten Mal Fuß im „echten Thailand" gefasst hatten.

Unser eigentliches Ziel jedoch lag außerhalb des benachbarten Ortes Tam Lod. Hier versteckte sich im Wald die „Cave Lodge“, ein uriges Gästehaus am Ufer eines Flusses. Von hier aus planten wir die umliegenden Höhlen zu erkunden und eventuell auch Kajakfahrten zu unternehmen. Leider mussten wir feststellen dass dafür das Wasser zu seicht war. Trotz der relativ hohen Preise (wir lagen so isoliert dass wir im Hostel essen mussten) war der 3 tägige Aufenthalt absolut traumhaft. Wir schliefen in einer simplen Bambushütte, die traditionell auf Stelzen gebaut und mit Blätterdach ausgestattet war. Dem Boden, der nur aus geflochtenem Bambus bestand, trauten wir anfangs nicht so recht, jedoch lernten wir schnell die Vorzüge der luftigen Unterkunft zu schätzen. Tagsüber hielten wir uns im Haupthaus auf, welches liebevoll mit verschieden hohen Terrassen, einer Schaukel, einer Hängematte und einer Feuerstelle eingerichtet war. Nach asiatischer Bauart war das Haus offen und schenkte uns einen herrlichen Blick auf den umliegenden Wald. Die 3 Haushunde waren uns eine besondere Freude. Zwar glichen sie vom Aussehen und dem Sauberkeitsgrad her den gewöhnlichen Straßenkötern, aber im Gegensatz zu ihnen verhielten sie sich wie die verschmusten Haustiere die man von Daheim kennt. Unser Liebling war der Jüngste der drei Sammy, der uns auf kleineren Wanderungen stets begleitete.

Am Abend buchten wir zusammen mit einem Kanadier namens Kevin eine umfassende Höhlentour für den nächsten Tag.

Am besagten Morgen wurden wir abgeholt und mit einem Pickup Truck zum Startpunkt unserer Reise gefahren. Unser Guide war ein schweigsamer Thai, der uns aber im Laufe des Tages auf seine stille Art auf Kleinigkeiten aufmerksam machte, zum Beispiel wunderschön duftende einheimische Kräuter. Wir liefen durch Farmland (manchmal sogar bepflanzte Acker) an vereinzelten Bambushüttchen vorbei, grüßten die gelegentlichen Feldarbeiter und tauchten immer wieder in den Dschungel ein. Aus ihm ragten stellenweise steile Felswände aus dem Boden die einen Hinweis auf die darunter verborgenen Höhlen gaben.

Die erste der drei Höhlen die wir an dem Tag besuchten hieß Fossil cave und wies den längsten für uns begehbaren Gang auf. Innen hausten wie erwartet eine Horde Fledermäuse, dessen Erzeugnisse die Kletterei für uns erschwerte. Es machte unheimlich Spaß alles zu erkunden und den aufgeschreckt umherfliegenden Tieren auszuweichen. Unser Guide zeigte uns 2,5 Mio. Jahre alte Fossilien die bewiesen dass die Höhle einst am Meeresboden lag. Als wir so weit unter die Erde vorgedrungen waren, dass nicht einmal mehr die Fledermäuse an der Decke hingen, machte unser Guide seine Kopflampe aus. Als wir seinem Beispiel folgten standen wir in völliger Dunkelheit. Das einzig vernehmbare Geräusch war das aufgeregte Schnaufen von Kevin, der das erste Mal in einer Höhle stand und dem das plötzliche Schwarz nicht ganz geheuer war. Uns gefiel es zu erkunden was man ohne seine zwei selbstverständlichsten Sinne noch wahrnehmen konnte. Die Augen gaben trotz völliger Blindheit Formen wieder. Es wurde einem nochmals auf eine ganz andere Weise bewusst dass man tief unter der Erde in einem isolierten Raum stand, fernab der „normalen“ Welt.

Die 2. Höhle war für uns die größte Herausforderung soweit. Wir wurden schon gewarnt nur ungeliebte Klamotten anzuziehen. Nun hieß es aber auch die geliebten Wanderschuhe (wiedermal) einzusauen. Durch diese Höhle lief nämlich ein Fluss, durch den es nicht nur durchzuwaten galt. Der Höhlengang war zum größten Teil so niedrig dass wir uns durch das schlammige Wasser robben mussten. Stellenweise krochen wir im Armee Stiel dahin ohne dass wir uns auf die Knie oder Ellenbogen erheben konnten, da die Stallagtiten reiche Decke nur wenige Handbreite über die Wasseroberfläche ragte. Obwohl wir uns wiederholt Knie-und Ellenbogenschoner wünschten, genossen wir jede Sekunde des Abenteuers. Als die Kammern wieder groß genug wurden um aufrecht zu stehen stellten wir verblüfft fest dass unser Guide nicht einen Tropfen auf seine Kleidung abgekriegt hatte. Der kleine Mann war scheinbar ein menschlicher Weberknecht der genug Kraft in seinen drahtigen Gliedern besaß um die gesamte Strecke zurückzulegen ohne ein Mal seinem Körpergewicht nachzugeben. Nachdem er gewohnt zurückhaltend über unsere überraschten Kommentare geschmunzelt hatte führte er uns zu der Stelle in der Höhle, wo der kleine Fluss 30 Meter tief in eine Schlucht stürzte. Wir standen eine ganze Weile da und probierten die Größe der Höhle auszumachen. Nachdem unser Guide uns mit einem fröhlichen Grinsen erklärt hatte das „big fat guy fall and die!!“ wichen wir schnell vor der provisorisch wirkenden Absperrung zurück. Später erfuhren wir dass der Unfall vor ca. 10 Jahren passiert war, als die Gruppen noch über den Wasserfall hinweg in einen weiteren Gang klettern durften.

Nach dem mühevollen Rückweg machten wir uns zu einer geeigneten Picknickstelle auf, wo wir ein simples Mittagsessen zu uns nahmen. Unser Guide kam nach kurzer Abwesenheit überraschend mit einer frisch gepflückten Mango zurück, die er mit seiner Buschmachete fachmännisch aufschnitt und mit uns teilte. Wie schön die simplen Dinge im Leben doch sein können.

Nach einem längeren, anstrengenden Marsch erreichten wir die letzte Höhle der Tour. In diese trauten wir uns die Kamera mitzunehmen, da sie trocken und leicht begehbar war. Neben einer knapp 10 Meter Bambusleiter, die ganz sicher nicht vertrauenserweckend war, stellte diese Höhle keine Herausforderung dar. Trotzdem konnten wir kaum genug von ihrem Innenleben kriegen, welches uns wie die der anderen Höhlen regelrecht in ihren Bann zog.

Der Weg zurück zur Lodge war trotz seiner Länge einfach erfrischend. Sowieso kommen einem die Farben beim Verlassen der Höhlen besonders intensiv vor, aber auch der Charme einer Gruppe Schulkinder, die mit uns um die Wette rannten, oder eine alte Bauernfrau, der Kevin ihre Last abnahm und ein Stück für sie trug waren einfach schön.

Den gelungenen Tag rundeten wir ab  indem wir fast eine ganze Stunde im seichten Fluss saßen und das kühle Nass unsere müden Glieder umspülen ließen. Ganz süß fanden wir dabei Sammy, den jungen Hund. Obwohl er wasserscheu war probierte er die ganze Zeit zu uns zu gelangen. Unruhig lief er die Ufer auf und ab bis wir endlich unser Bad beendeten.

Den darauffolgenden Tag ließen wir ruhig angehen und genossen einfach das langsame Leben der Lodge. Am späten Nachmittag zogen wir mit ein paar Gästen los um eine nahegelegene Höhle zu besuchen, in die jeden Abend tausende von Schwalben zu ihren Nestern heimflogen. In diesem beeindruckenden Höhleneingang hätte eine Kathedrale Platz gefunden. Leider endschieden wir uns die Höhle weiter zu erkunden und mussten dabei feststellen dass hunderte von flugunfähigen Küken aus ihren Nestern gefallen waren und nun jämmerlich auf dem von Kot bedeckten Boden verrecken mussten. Wir fühlten uns so schlecht die noch lebendigen Küken leiden zu sehen dass wir einigen den Gnadenstoß verpassten. Leider waren es so unzählig viele dass wir lieber schnell wieder gingen als dem Lauf der Natur weiter so hilflos gegenüberzustehen.

So endete unser Aufenthalt mit einem Bittersüßen Geschmack, denn es ist manchmal schwierig die Natur zu akzeptieren.
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: