Von moldawischen Verhältnissen und netten Partys

Trip Start Aug 31, 2005
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Trip End Dec 19, 2005


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Flag of United States  , Illinois
Monday, November 14, 2005

Von moldawischen Verhältnissen und netten Partys

Tach,

Sa, 12/11
So, nun bin ich doch schon etwas früher aus East St. Louis (ESL) zurück als gedacht. Es waren richtig schöne Tage, auch wenn ich am Anfang von meinen rund 15 Mitfahrer, alle so Anfang 20, nicht so begeistert war. Erstmal muss ich klar stellen, dass ESL kein Teil von St. Louis ist, sondern eine eigenständige Stadt. Getrennt werden die beiden durch den Mississippi und durch die Tatsache, dass ESL in Illinois und St. Louis in Missouri liegt.

ESL ist so ein bischen der Hinterhof von St. Louis - stimmt zwar nicht ganz, aber dann kann man sich die Situation dort besser vorstellen. Bis Mitte der 1970er Jahre lebten da rund 80.000 Menschen - heute sind es 30.000. Waren es vorher rund 60% Weisse und 40% Schwarze, liegt das Verhältnis mittlerweile bei 80% Schwarz und 20% Weiss. Das Problem ist u.a. ein ähnliches wie in Ostdeutschland: eine riesige Infrastrucktur, die gar nicht gebraucht wird. Die Folge ist u.a. die höchste Eigentumssteuer in IL. Der Fluss ist eine große Barierre, so dass teilweise die Menschen seit 10 Jahren und mehr nicht in St. Louis waren - gerade die ohne Auto. Und davon scheint es einige zu geben - und wer sich in den USA nicht mal ein Auto leisten kann muss schon ziemlich arm sein. Die Riverfront wäre auch mal ein interessantes Forschungsobjekt - allerdings ist sie zum größten Teil Eigentum der Bahn, was eine Entwicklung fast unmöglich macht. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 25%, seit Mitte der 70er die meisten Fabriken dichtgemacht haben oder verlagert wurden. Hinterlassen haben sie verseuchten Boden und Wasser, eine ziemlich ratlose Stadtverwaltung und eine Handvoll Menschen, die ihr Schicksal selber in die Hand nehmen - und die haben wir getroffen.

Seit 15 Jahren ist die U of I in ESL mit Projektarbeit vor Ort - als soziales Aushängeschild, aber auch, um den Studenten eine andere Realität zu zeigen. So haben wir zuerst das U of I Langzeitprojekt "The Village Theatre" besucht und uns zeigen lassen. Hier haben Jugendliche die Möglichkeit, eine "Ausbildung" zum Tonmeister, Videokram, Drehbuchschreiben, Tanzen, Singen etc. zu bekommen. Natürlich ist es keine Ausbildung die anerkannt wird, beschäftigt aber die Jugendlichen, gibt ihnen Halt und erweitert ihre Fähigkeiten. Die Früchte dieser Arbeit kann man alle zwei Wochen bei Free Star Showcase bewundern. Da zeigen sie dann vor Publikum was sie können - und wir hatten das Glück, so eine Show zu besuchen. Gerade nach der Rundfahrt durch die Stadt habe ich schon gedacht, wie man hier in diesen moldawischen Verhältnissen auf amerikanischen Niveau wohl leben kann. Tja, und dass das geht, hat man ziemlich eindrucksvoll bei der Show gesehen. Das Publikum waren ca. 80 Leute, die aber eine Stimmung für 800 gemacht haben - siehe Videos.

Freitag haben wir im Jons Park Parkbänke ausgebessert. Samstag haben wir im Eagel's Nest, einem ehemaligen Gelände der National Guard, Innenausbau- und Gartenarbeiten gemacht. Das Gebäude wird als Auffangstation für obdachlose ehemalige Army-Angehörige ausgebaut. Hier sollen sie einen ruhigen Platz zur Widereingliederung bekommen. By the way, geleitet wird dieser Ausbau von einem ehemaligen Panzerfahrer, der 1 Jahr in Frankfurt und Wiesbaden war :-) . Ich habe den ganzen Tag Rasen gemäht - soviel wie noch nie zuvor. Gute Übung für Bernöwe :-) .

Tja, und dann ging's schon wieder zurück.

p.s.: Ach ja, und ich bin zum ersten Mal Auto gefahren in Amerika :-)) . Allerdings nur 500m.

So, 13/11
Gestern habe ich es noch pünktlich zur Hockeyspiel geschafft (natürlich haben wir gewonnen) und bin jetzt stolzer Besitzer eines orangen Hockeyteam-Shirts.Danach bin ich zu ner OAC-Party (Outdoor Adventure Club). Ein paar Bilder gibt's auf travelpod.com.

alles Gute
Felixx
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