Von verspäteten Zügen, lauten Paraden und ner ...

Trip Start Aug 31, 2005
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Trip End Dec 19, 2005


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Flag of United States  , Illinois
Sunday, October 30, 2005

Von verspäteten Zügen, lauten Paraden und ner unsicheren Fragestellung

Hey,

Diesmal war nicht ich zu spät, sondern mein Zug. Er hate eine Stunde Verspätung. Da es nur einen Zug (oder waren es zwei) pro Tag nach Chicago gibt, ist man eigentlich nicht sauer, sondern nur unendlich dankbar, wenn die beiden Scheinwerfer aus der Dunkelheit auftauchen und man es sich im "Kühlschrank" bequem machen kann. Da ich dass ja nun schon wusste, war ich dementsprechend angezogen, obwohl ich durch die Müdigkeit von Innen gefroren habe, bis ich mich endlich des Todes Bruder (für alle musikalisch Gebildeten) hingeben konnte. Vorher bin ich noch in den Genuss des Sonnenaufgangs gekommen. Tolles Licht, wenn die rote Sonne auf die rotverfärbten Blätter der Ahornbäume scheint. Dann war ich irgendwann weg und bin erst wieder kurz vor Chicago aufgewacht.

Bin dann etwas verschlafen aus dem Bahnhof gestolpert und hab mir erst mal nen Kaffee organisiert. Dachte, wenn ich beim DPD nach dem Hinsetzen im Sessel einschlafe, könnte dass ein schlechter Start sein. Nach einem Spaziergang zum Navy Pier im Nieselregen, habe ich gegen 1pm die City Hall angesteuert um mich mit Nelson zu treffen. Es war ein super Interview. Er hat sich 90min fuer mich Zeit genommen, mich mit Dokumenten eingedeckt und mir viele Fragen beantwortet. U.a. die, welche Amerikanische Stadt denn demnächst vorhat, ihre Riverfront zu entwickeln (ich such ja eine, damit ich dann sagen kann: "Leute, guckt nach Chivago, da hat es so und so geklappt"). Leider sind seiner Meinung schon alle dabei und eigentlich, ist das auch der normale Planungsvorgang in den USA. Shit, was mach ich nu? Ich dachte, dass wär was besonderes, dass es so gut funktioniert. Wem kann ich dass denn nun empfehlen? Die Amerikaner machen es offensichtlich alle so (ob alle, muss ich noch checken) und wenn ich es den Deutschen empfehlen will, muss ich noch das deutsche Planungssystem darstellen (um die Unterschiede aufzuzeigen), von dem ich doch auch keine Ahnung habe. Super. Werd mal meinen Prof fragen.

Dann habe ich den restlichen Tag bei Starbucks verbracht, weil ich eigentlich derein WLAN nutzen wollte. War aber leider nicht kostenlos, so dass ich dann gezwungen war, meine Notizen in den Rechner zu tippen. Nu sitz ich bei der Freundin von Ben, hab Blasen an den stinkenden Füssen und trinke gefiltertes Wasseer ohne Chlor - was für eine schöne Erfahrung. Morgen is wohl ne grosse Parade in Downtown, weil die White Sox (eines der beiden Chicagoer Baseball-Teams) die World Series (die es aber nur in den USA gibt) gewonnen haben. Hoffe, dass ich davon noch was mitbekomme, da ich eigentlich am Vormittag bei openlands bin und am Nachmittag bei SOM. Mal sehen - zu überhören wird es wohl nicht sein.

So, 29/10
Nu zurück in UC, pünktlich zum nicht stattfindenden Hockeyspiel :-( - hab ich wohl verwechselt.

Freitag bin ich zu openlands gefahren und habe mich durch ein paar Unterlagen gearbeitet, die aber nicht so wahnsinnig aufregend waren. Zwischendurch habe ich ne Stunde Pause gemacht und hab mir die Parade für die White Sox angesehen. Stellt euch einfach Berlin zur Weltweisterschaft vor. Ungefähr so eine Stimmung war da; man konnte kaum treten. Kann jetzt super: "Let's go White Sox, let's go!" gröhlen, wobei ich die vorbeifahrenden Spieler nur am lauter werdenden Geschrei der Fans erkannte habe. Ausserdem gab's Konfetti in rauhen Mengen (das die Büros aus ihren Dokumentenschreddern aus dem Bürofenster schmeissen) und viele Pressehubscchrauber. Leider ist auch mal die schönste Parade vorbei, so dass ich mich irgendwann wieder an den Schreibtisch bei openlands begeben habe. Danach gings zu SOM (Skidmore, Owings & Merrill LLP) (www.som.com) - und das war echt super. Die waren bei dem Development Plan u.a. als Berater engagiert. Mein SOM-Mensch hatte eigentlich gar keine Zeit und trotzdem hat er sich, mit Unterbrechungen, zwei Stunden mit mir beschäftigt. Zu Beginn hat er mich dem halben Büro (zwei riesige Etagen) vorgestellt und auf meine Antwort auf seine Frage, ob ich Voll- oder Teilzeitstudent bin, hat er nur den Kopf geschüttelt und gemeint, dass sie gerade Leute gebrauchen können. Jaja, war jetzt nicht so wahnsinnig ernst gemeint, war aber trotzdem nett zu hören. Dann haben wir zu Beginn eigentlich erstmal über Windenergieplannung in Deutschland und USA gesprochen und ich glaub, ich hab mich ganz gut dabei geschlagen :-) . Er hat mir tausend Sachen zum Nachdenken gegeben und mich noch mit weiteren Kontakten versorgt. Wenn man da erst mal drin ist, kann man sich ganz gut von einem Kontakt zu nächsten hangeln. In der Zeit, wo er ne Besprechung hatte, hat er dann nen anderen Planner heranzitiert, der sich dann mit mir beschäftigen musste, der Arme. Hab ihn dann nach ein paar Fragen aus seiner Zeitverschwendung entlassen, da er eigentlich was ganz anderes gerade machen wollte.

So, und weil ich eigentlich ja schon die ganze Zeit vorhatte, zu nem Konzert des Chicagoer Synphonie Orchesters zu gehen, hab ich dass am Abend dann gemacht. Für $10 hatte ich nen super Platz rechts vom Orchester und konnte wunderbar hören und das Konzert auch sehen - spezielle den Dirigenten, der mich an die Aktionen des Russischen im Schauspielhaus erinnert hat. Sehr unterhaltsam. Der Konzertraum ist der Hammer und gespielt haben sie Händel, Purcell, Hayden und Hummel (unter Nicolas McGegan, Marlene). Marlene: Ist es üblich, dass bei Barockmusik die Bässe links stehen? War also sehr gelungen und eigentlich konnte bei diesem gelungen Tag nichts Tolles mehr hinzukommen, aber ...

Nach dem Konzert habe ich Ben in der Red Lion Bar getroffen. Ein Freund hat da seinen Junggesellenabschied gefeiert, was Zigarren, Poka und Alkohol in rauhen Mengen zur Folge hatte. Ein kleiner Kontrast nach dem CSO, aber ebenfalls sehr nett. Die Situation kann man sich wie eine klassische Hinterzimmerpokarunde in nem Film vorstellen - dass war nämlich mein erster Eindruck, als ich in den Raum kam und den Zigarrenrauch zur Seite geschoben habe. Alles in allem wurde es dann feucht und fröhlich.

Heute habe ich dann aus Versehen bis Mittag geschlafen und bin danach zu ner Büroparty von Ben gefahren. Der arbeitet ja beim Fernsehen und macht u.a. die Studioeinrichtung für irgendwelche Kochsendungen. Habt ihr euch mal gefragt, was nach dem Fotographieren mit dem Essen passiert, dass auf den Fotos in Kochbüchern abgebildet ist? Ich weis es jetzt. In unserem Fall wurde es aufgegessen - bzw. versucht, da es ungeheure Mengen äußerst delikanten Essens waren (by the way: trotz Händewaschens riechen meine Hände immer noch nach dem leckeren Lachs). Der Fernskochmensch will also ein neues Kochbuch rausbringen und hat dafür heute die Bilder machen lassen, sprich: die Sachen gekocht, gebraten, gedünstet etc. Seine Küche ist so gross wie meine Wohnung und die Tischgespäche drehten sich u.a. um Schönheitsoperationen, 2.000 squarefeet Appartements in Manhatten und Sport - also eine völlig durchschnittliche Chicagoer Samstagsveranstaltung ;-) .

Nu, werd ich mich gleich mal auf die Socken machen, da heute noch Halloween-Partys anstehen und ich nach der Zugfahrt noch duschen will.

macht's gut
Felixx
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