Von verpassten Zügen und rakischweren Pokanächten

Trip Start Aug 31, 2005
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Trip End Dec 19, 2005


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Flag of United States  , Illinois
Saturday, October 15, 2005

Von verpassten Zügen und rakischweren Pokanächten

So, nu habt ihr mal länger nichts von mir gehört und vermutlich war auch für euch die Atempause mal ganz nett. Nu gehts weiter und ich versuch es möglichst knapp zu machen, denn soviel ist in den letzten Tagen passiert - die wirklich schön waren.

Dienstag hatten wir ein richtig gutes NEURUS-Seminar, in dem wir uns u.a. mehr Druck von unserem Dozenten eingefordert haben, da nach den Präsentationen die Moral doch etwas gesunken war. Den haben wir dann auch glatt bekommen, so dass ich nun mit Druck und wieder größerem Interesse an meiner Arbeit bin.

Mittwoch bin ich, relativ spontan, nach Chicago gefahren. Eigentlich war es ja schon länger geplant, doch hatte ich etwas Probleme eine Unterkunft zu finden und so war es bis Dienstag Abend nicht wirklich klar. Dann kam die finale email von Ben und ich konnte mir mein Hin- und Rückfahrtticket bei Amtrack im Internet kaufen. So war dann die Nacht auch recht kurz, als ich gegen 6.20 Uhr morgens am Bahnhof stand und erwartungsvoll, mein online-Ticket in ein Hardware-Ticket tauschen wollte. Dumm nur: der Zug fuhr schon um 6.10 Uhr. Wie konnte dass passieren? Etwas aufgelöst habe ich meine Reservierung rausgeholt und durfte zur Freude aller anwesenden Amerikaner feststellen, dass mein Ticket für 6.40 Uhr PM und nicht AM ausgestellt war. Heisst also: Nachdem ich nach meinem ersten Misserfolg mit den Online-Tickets dachte, alle Feinheiten des amerikanischen Reservierungssystems durchgemacht zu haben, bin ich über den absoluten Amerika-Anfängerfehler gestolpert. Was nun? kurzerhand habe ich mein Ticket umgetauscht und mir ein Busticket gekauft. So kam ich dann auch in den Genuss meiner ersten Greyhound-Fahrt nach Chicago. 20 min Verspätung, knüppelvoll und eine Luft wie im Pumakäftig - was weiss ich, wo der Bus herkam. Aber das Wichtigste: er fuhr, so dass ich gegen 10.30 Uhr in Chicago aufschlagen konnte. Ab zum Bahnhof, Rucksack einschliessen (tolles System, weil ohne Schlüssel, sondern mit Fingerabdruck. Einen Finger verliert man ja erfahrungsgemäss seltener als einen Schlüssel) und ab in die Grossstadt.

Hab drei Sachen in Chicago vorgehabt:
- den Nordarm des Chicago Rivers ein Stück ablaufen,
- den Südarm des Chicago Rivers ein Stück ablaufen und
- zwei Interviews führen.

Mittwoch bin ich also den Nordarm abgelaufen und habe mich in diversen Ecken herumgetrieben - nicht wirklich interessant für Touristen, dafür aber für mich um so spannender. Natürlich alles streng wissenschaftlich.
Nachmittags habe ich mich dann am Bahnhof mit meinem offiziellen Begrüssungskomitte getroffen. Ben musste bis 7 Uhr arbeiten und so hat mich Chris aufgegabelt. Wir sind dann in seine Wohnung gefahren und ich haben seine Eltern plus Bruder kennen gelernt, mit welchem wir gleich die echte Chicagoer Pizza in einem nahen Restaurant ausprobiert haben. Sie ist wirklich nicht zu vergleichen mit dem Fras, den ich mir in UC täglich einschiebe und echt lecker. Nachher gings auf einen kleinen Verdauungsspaziergang durch das Viertel nahe der University of Chicago. Nicht zu verwechseln mit der University of Illinois at Chicago. Die ist nämlich staatlich und die andere privat. Wir sind u.a. an dem Ort vorbei gekommen, an dem die erste selbst laufende atomare Kettenreaktion abgelaufen ist. Die Anlage gibt es nicht mehr, dafür ein Denkmal, dass irgendwie an einen Atompilz erinnert - war also ein schönes Highlight für mich :-) . Abends ging es in eine Bar, in de ich dann endlich mal Ben kennen lernte, zum Baseball gucken. Echt rührend: drei Leute haben mir versucht, die Regeln zu erklären, aber es hat einfach nicht funktioniert. Nur soviel: Es gibt wahnsinnig viele und wenn man sie alle drauf hat, ist das Spiel auch spannend. Ich hatte sie nicht drauf und so war die Kneipe und die Leute super, aber das Spiel für mich nur mäßig interessant. Immerhin haben die White Sox gewonnen. Tja, die Freude war groß - wenn auch nicht ungeteilt (meiner Seits), denn ich habe eh keine Unterschiede gesehen. Danach gings in Bens Wohnung und relativ bald ins Bett - was ich ganz angenehm fand, denn ich war total im Eimer.

Donnerstag bin ich dann recht früh aufgestanden und habe mich, nach einem leckeren Frühstück in einer nahen Bäckerei (war wirklich gut) auf den Weg zum Südarm gemacht. Den kann man nicht ganz so gut ablaufen, so dass ich mich wenig später auf dem Amtrack-Gelände zwischen hunderten von Gleisen wiederfand - was aber keinen der Arbeiter zu stören schien. Über Chinatown bin ich dann nach Downtown zu meinem Interview bei Friends of the Chicago River gefahren. Leider war das Ganze eher von bescheidenem Erfolg gekrönt. Marta hatte 30 min Zeit und offensichtlich habe ich es nicht geschafft, meine Forschungsprobleme zu ihren Problemen zu machen. So war nach Punkt 30 min Schluss und ich war nicht wirklich schlauer als zu vor. Eigentlich wollte ich noch ein Interview mit dem DPD-Menschen führen, doch leider habe ich ihn telefonisch nicht erreicht. So bin ich dann spontan zur City Hall gefahren und stand wenig später in seinem Vorzimmer, um mir sagen zu lassen, dass er gerade im Urlaub ist und erst nächste Woche wieder kommt. Super. Etwas demotiviert habe ich mich dann auf den Weg Richtung See gemacht, um mich noch 2 h zu erholen und mir zu überlegen, wie es Interview-technisch weiter gehen soll. Gegen 5 Uhr habe ich mich dann mit Ben in einem mexikanischen Restaurant getroffen, in dem er zuvor eine Arbeitsbesprechung hatte (es plant beim Umbau des Restaurant die Inneneinrichtung), die dann auch bald vorbei war, so dass wir uns auf die Leckereien stürzten konnten, die wir (Gott sei Dank) nicht bezahlen mussten. Nebenbei konnte ich mich noch mit dem Bauingeneur für das Umbauprojekt über mein Forschungsthema austauschen und viele gute Ideen einsammeln. So konnte ich dann mit etwas mehr Mut und Zuversicht in den restlichen Abend starten, den wir mit Freunden Poka spielend (jaja - ich hab sogar mal gewonnen) und Raki trinkend bei Ben verbracht haben. Sehr nett.

Irgendwann gings ins Bett und heute morgen musste Ben wieder gegen 5.30 Uhr aufstehen. Leider hat er seinen Wecker nicht gehört - ich aber umso besser (auch wenn es einige Zeit gedauert hat, da ich den Lärm in meinen Alptraum eingearbeitet habe und erst den Traum von der Realität trennen musste), so dass ich dass Vergnügen hatte, zu nachtschlafender Zeit an seinem Bett zu stehen und ihn, am Fuss ziehend, zu wecken. Konnte ja nicht ahnen, dass er gleich darauf wieder einschläft, so dass sich das ganze Spiel noch mal wiederholte. Dann habe ich nur noch die Badtür gehört und mich wieder meinem Albtraum gewidmet. Bin dann wenig später doch aufgestanden. Hatte ja nu kein Interview, dafür aber einen freien Tag in Chicago. So bin ich dann zum Bahnhof, Sachen einschliessen und dann zum Museum of Contemporary Photography gelaufen in der gerade eine freie Ausstellung über Vietnamveteranen läuft. Nachdenklich und recht dankbar für die geistige Abwechslung, habe ich mich noch in ein paar Parks rumgedrückt (war super Wetter), bis gegen 4 Uhr mein Zug ins Nirgendwo fuhr - die Zeiten habe ich diesmal NICHT verwechselt.

So war ich dann pünktlich zum Hockyspiel zurück, was die Illini auch bravorös mit 8 zu 0 (in Worten: acht zu null) gewonnen haben. Später waren wir noch in unserer Stammkneipe und nun sitz ich hier seit ner dreiviertel Stunde und schreibe euch. Besser heute noch, denn morgen fahre ich nach Michigan zu den Warren Dunes und da gibts später bestimmt auch einiges zu erzählen. Da habe ich den größten Brocken doch lieber schon mal hinter mir (man, wenn ich mal bei meiner Arbeit auch so strebsam wäre ...).

So Kinder. Nu pack ich euch noch ein paar Bilder ins Netz und dann gehts ins Bett. Muss morgen gegen 8 Uhr aus dem Haus und dass nach den letzten kurzen Nächten ...

Felixx
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