Jungle experience

Trip Start Sep 14, 2005
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Trip End Nov 09, 2005


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Flag of Brazil  ,
Monday, September 26, 2005

Ich lande in Manaus und steh erstmal voll im Saft. Hier klebt alles und es
ist heftigst schwuel. Schnell eine 4 Tages Tour im
Dschungel klar gemacht und noch einen Flug wieder raus aus Manaus nach
Tabatinga reserviert- fuer 360 Reails ganz ok- ca 100 Euro. Was echt spass
macht ist das Reisen als solche. Dh. die Planerei, wo fahre ich morgen und
uebermorgen hin, Suche von dem besten Fortbewegungsmittel und Unterkunft.
Reservierung Tag vorher per Mail oder auf gut Glueck einfach dort mit Sack
und Pack aufschlagen. Die Route und die Fortbewegungsmittel aendern sich
stuendlich und das macht die Sache super spannend. Urspruenglich wollte ich
alles mit dem Boot machen, da der Amazonas aber extrem wenig Wasser hat zur
Zeit, wuerde der Trip allein an die Peruanische Grenze zur Zeit 9 Tage
dauern und dann sicher nochmal 6 bis nach Iquitos. Also nix mit langer Tour-
hier wird fuer das gleiche Geld geflogen, Zeit besser genutzt und bessere
Aussicht von oben genossen. Dazu spaeter.

Am Morgen geht´s in den Dschungel. Nach Uberquerung des Amazonas- der
einfach nur gigantisch ist in seiner Groesse wechseln wir noch paarmal
zwischen meinem Lieblings Bus (alter VW mit vielen Fenstern- der Hit!!) und
schwimmenden Nussschalen und sind an der Lodge mitten im Wald. Das erste was
wir zu sehen bekommen sind Kaimane in allen Groessen, die die Ufer saeumen.
Die Huette ist mit Dusche (Wasser aus dem Fluss) und Toilette ausgestattet
und verdient in meinen Augen die Bezeichnung deluxe. Hab noch nie in etwas
im Dschungel gewohnt was sanitaere Einrichtungen hat. Unten haengen
Haengematten, oben gibt`s paar Betten mit Moskitonetzen.

Unsere Guides sind ein Local und ein totaler Freak auch aus Brasilien. 2
Maedels aus Lausanne, ein Australier und ich- das ist die Gruppe. Die
Schweizerinnen sind der pure Knaller - 4 Tage Spass garantiert!
Haette mich ja jemand mal vorwarnen koennen, dass ich im brasilianischen
Dschungel mein Franzoesisch wieder rauskramen muss- aber nach den 4 Tagen
ist es wieder in alter Form da- sehr hilfreich, wie sich rausstellt..
Schon gesagt dass es hier noch eine Nuance heftiger schwuel ist?- das heisst
40 Grad und mindestens 500 % Luftfeuchtigkeit. Das Wasser laeuft in Stroemen
an einem runter und man kommt mit dem Nachfuellen nicht mehr nach. Sunblocker 50 ist die einzige Schmiere die auf der Haut haelt bei den
Fluten.
Noch besser sind aber ROLLKOFFER und SCHMINKKOFFER hinter sich herziehende Franzosen touris in weißen Hosen-einen Lonely Planet haben die sicher noch nie in Händen gehabt...
Am Nachmittag heisst es ueber die Wasserfluten LANGE Hosen und LANGE Shirts
anziehen- das Ganze mit Insect Repallant traenken und los geht´s. ich weiss
nicht was schlimmer ist: die ewig klebenden Klamotten oder die Moskitos...
Ab in die Nussschale und Delphine beobachten. Die sind hier ROSA!! Haben
eine lange Schnauze und schmalen Koerper, die Finne ist dafuer ganz mini.
Irgendiwe sehen sie aus wie aus einer anderen Welt- sind aber unglaublich
schoen. Besonders im schimmernden roten Sommeruntergangslicht.

Wir gehen noch bischen was zum essen fangen: Piranias!! Die kleinen
Scheisser holst Du hier in grossen Mengen aus dem Wasser. Mit ihnen gehen wir dann noch kurz vor dem lecker Abendessen schwimmen.
Bei Sonnenuntergang geht´s dann richtig los. Jetzt werden Kaimane ins Boot geholt und sie durch Bauchkraulen in Rückenlage in den Schlaf gestreichelt. Fehlt nur noch dass die anfangen zu schnarchen...Wenn sowas doch auch bei Männern funktionieren würde...

Gigantischer Abend!
In der Lodge zurueck wird dann lecker der Fang gegessen und in den
Haengematten gepennt- natuerlich auch mit Moskitonetz. Glaube tausche mein
Bett zuhause aus- super gemuetliches Schlafen in der Matte.
Wir entdecken die naechsten Tage noch viele Geheimnisse des Dschungels.
Eine Quelle unendlicher medizinischer Mittel. Halten uberall unsere Beine Haende rein- jeder 2 Baum ist ein Anti- Moskito
Ich bin von der
Vielseitigkeit hier einfach fasziniert- verrueckt, wenn man sich vorstellt,
dass nur ein mini Teil des Dschungels und seiner Pflanzen und dessen
medizinischen Verwendung bekannt sind. Um so schockierender, dass an anderer
Stelle diese Lebewesen alle platt gemacht werden, um wenigen in der
Holzindustrie die Geldbeutel ordentlich zu fuellen...

Wir treffen
auf viele Einheimische, die alle eine offene Tuer fuer Gaeste haben. Alle ungefaehr in meiner Groesse, glatte gebraeunte
Haut und durchtrainierte, muskuloese Koerper. Die Frauen haben sehr junge,
duenne Figuren auf denen meist ein kleiner, alter verschrumpelter
Kopf sitzt. Im Gesicht sehen sie aus wie 80. der Koerper gehoert aber zu
einer jungen Frau. Sind dann meistens um die
40 und haben 12 Kinder im Durchschnitt- Respekt. Da sollte man langsam mal
selbst anfangen ;-) Leider die meisten Zahnlos. Auch schon die Kleinen
haben extremen Mangel in der Kauleiste. Eigentlich traurig, Du siehts
hier sehr suesse Gesichter mit grossen glaenzenden braunen Murmel-Augen die
dich anstrahlen. Und blickst dann in riesen Zahnluecken.

Da wir 3 Maedels an dem Abend alleine in der Lodge sind, laedt uns der Guide
Marcelo auf eine Party ein zu der alle Leute vom Fluss kommen. Klar sind wir
dabei! Decken uns noch im Dschungelsupermarkt (eine schwimmende Holzhütte 1x1 qm groß..) um die Ecke mit Cachaca
ein-und durch die schwarze Nacht geht´s unter einem gigantischen
Sternenhimmel 30 min an hunderten Kaimanen vorbei zur Party.

Dort ist die Hoelle los- alles im Umkreis von 2 Stunden Bootsfahrt ist
gekommen. Von 2 bis 80 ist alles vertreten und feiert mit. Viele kleine Kinder- die alle ganz
grosse Augen bekommen, als wir eintreffen. Sind natuerlich erstmal die
Hauptattraktion. Touris sehen manche von Weitem, viele arbeiten mit ihnen,
aber auf ihrer Party ist noch keiner gewesen. Nach dem ersten
Taenzchen mit den Locals normalisiert sich alles blitzartig und wir haben
einen gigantischen Abend mit spitzen Musik, lustigen Leuten und viele
Verstaendigungsversuche..die Maedels sind hier echt suess und tanzen schon
wie die Grossen.
Wollten gegen 1 zurueck- leider war ein Blatt am Boot zerstoert, so dass wir
nur in slow motion vorwaerts kamen- bis der Motor dann komplett den Geist
aufgegeben hat. Und wir mit unserer Nussschale inmitten von dem Kaimanen in
schwarzer Nacht!!!
Schon erwaehnt, dass der Boardrand des Bootes max. eine Handbreite uber der
Wasseroberflaeche lag?!!? Junge Junge hatten wir die Hosen voll, mussten ein
gutes Stueck paddeln und haben nur noch gebetet, dass die leuchtenden Augen
schoen am Ufer bleiben. Sind dann doch noch angekommen- Hauptsache wieder
jeden Scheiss mitgemacht...!

Dann gab`s da noch die Nacht im Dschungel.. Haengematten zwischen die Baeume
gehaengt, ein Huhn ausgenommen und uebers Feuer gehaengt. Frischen Caipi
(Ananas flavor-  mein Favorit)und das leckerste Huehnchen in meinem Leben
gegessen. Der Wald macht einen solchen Laerm- Froesche machen Gerausche wie
Voegel- Voegel wie Affen, Affen wir Waldrodungsmaschinen- oder lag´s nur am
Caipi??? Auf jeden Fall war es spitze. Wir hatten wieder mal die Hosen
voll-wahrend die anderen Schiss vor Jaguars hatten, war ich eher mit meiner
Spinnenphobie beschaeftigt.
Ganz vergessen zu erwaehnen, dass wir hier richtige fette Dinger aus den
Lochern geholt haben. Am ersten Loch dachte ich mir noch- your ocean, my ocean- den Scheiß macht ihr mal schön alleine. OHNE MICH!! Paar Spinnen spaeter war meine Phobie fast geheilt. Was so´n normales Lebensumfeld so alles schafft.
Mittendrin in der Haengematte liegend hatte dann aber doch einen etwas
anderen Geschmack...besonders, wenn man drumherum paar richtige Dicke Nester
(Loecher) entdeckt hat.. aber zum Glueck hatte ich nur Pflaumengroße Cucaratchias in meiner
Matte am Morgen rausgeräumt- keine Spinne weit und breit.

Die Farmer hier haben viele Hunde- aber nicht gleichzeitig, sondern
nacheinander- hohen Verschleiß - werden alle leider von Kaimanen gefuttert, wenn sie ein Schwimmchen wagen...

Sonst gibt´s noch zu berichten, dass irgendso´ne schwachsinns Dschungelshow
hier auch statt gefunden hat- nur mit dem Unterschied, dass 3 mit Malaria
rausgeholt wurden und 2 von Phsychiatern lange betreut werden mussten.

Auf dem Weg zurück zum Camp darf ich Zeuge eines besonders seltenen Anblicks werden:
Etwas voellig verschlammtes schleppt sich durch den Matsch das Ufer hoch.
Claude schreit laut und schiesst mit dem Boot drauf los. Ich todesmutig in den
Schlamm gesprungen und eingesunken bis fast zum Knie und rueber zum Tier gewatet.
Er hebt es hoch und ich kann nicht glauben, was ich da sehe: Ein Faultier!! Ich habe den Eindruck, dass es Dich angrinst
Bin geplaettet. Das bekommt kaum jemand zu sehen
hier und mich lacht so´n kleines Kerlchen mit verdrehtem Kopf an.
Unglaublich.
Der schoenste Abschluss im Dschungel, den man sich vorstellen kann.

Ich erwische mich dabei zu ueberlegen, wieviel unglaubliche Dinge ich jetzt
alleine in den 2 Wochen erleben durfte. Und wie sich die Tage und Wochen
langweilig und frustrierend zuhause an einem vorbeischieben. Ich weiss
nicht, wie das 9 Monate gehen soll, um ehrlich zu sein.

Manaus lerne ich noch als witzige Stadt mit noch mehr morbiden charm kennen.
Hat aus dem Jahrtausenwechsel soch einiges an alten Gebaeuden stehen, vieles
noch mit original Jugendstil- leider das Meiste voellig verfallen. Das
Schoenste sind les Halles. Eine kleine Copie der Hallen aus Paris. Am
nettesten ist es diese dann zu besuchen, wenn die Stadt aus ihrem tiefen Schlaf erwacht. Die
Stadt wird dominiert von einem gigantischer Hafen- das Drehkreuz des Handels
am Amazonas und viele kleine Staende auf der Strasse mit allerlei Zeug was
keiner braucht. Manaus ist Zollfreie Zone, so gibt es viele Elektrolaeden
und Schnickschnack zu kaufen. 1 Tag Manaus ist aber dicke ausreichend. Mache
mich nun auf mit dem Flieger nach Tabatinga, die Grenze zu Peru auch mitten
im Dschungel.
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