Vaterländer

Trip Start Sep 09, 2012
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Trip End Apr 10, 2013


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Flag of United States  , Illinois
Saturday, September 22, 2012

Gestern war ich im Millenniumpark auf einem Open Air Konzert des Chicago Symphony Orchestra - unter Riccardo Muti. Der ist toll, hat man mir gesagt, und das Konzert gestern hätte wohl auch keinen anderen Schluss zugelassen. Was wohl auch dem sehr beeindruckenden Soundsystem zuzuschreiben ist, das es ermöglicht, über ein Feld von der Größe mehrerer Fußballfelder einen doch recht konstant guten Klang zu erzeugen. Was vor allem deshalb lustig ist, weil man manchmal doch noch die Verzögerung zwischen Einsatz den Dirigenten und Ton am eigenen Ohr bemerkt. Aber nun gut.
Jetzt wundert sich der eine oder andere vielleicht, warum ich den Eintrag mit "Vaterländer" überschrieben haben - naja, das hat folgende Gründe.
Zum einen: Der Ursprung der Entstehungsgeschichte - und das wusste ich gar nicht! - liegt in Würzburg! Genau, weil der olle Orff da nämlich über diese mittelalterlichen Gesänge/Gedichte aus Bayern (nicht Franken) gestolpert ist und sie so super toll fand, dass er sie nochmal vertonen wollte. Deshalb auch Carmina Burana - Bayerische Gesänge.
Und zum Zweiten: Ich bin endlich einmal mit dem sagenumwobenen Patriotismus der Amerikaner in Kontakt gekommen: Erst einmal durch den Sponsor, der Bank of America, die überall präsent auch durch eine herrlich ironisch anmutende, aber ich vermute mal sehr ernst gemeinte, Rede strahlte. Darin sprach irgendein Vertreter dieser nationalen Institution von der großen Ehre, als Bank of AMERICA doch dieses Event von nationaler Bedeutung (?!) sponsorn zu dürfen... bla... War lustig. Und dann - haha :) - dann kamen Trommelwirbel. Aha, ich dachte, ich kenne das Stück und da sind keine Trommelwirbel am Anfang? Und dann erhoben sie sich alle, wie von einer pflichtbewussten Marionettenspielerin hochgezogen, die Regenschirme (es regnete in Strömen!) verdeckten jegliche Sicht auf das doch recht interessante Orchester und man schmetterte God Save The Queen - nein, Moment, die andere. Habe mich tatsächlich köstlich amüsiert und ganz weit hinten klingelte ein kritisches "Aha, warum findest das denn eigentlich so lustig?".

Einige Tage später: Inzwischen habe ich die obligatorische Diskussion über den deutschen vs. den amerikanischen Nationalstolz hinter mich gebracht. Wenn man mit halbwegs reflektierten Menschen spricht, kommt man über diplomatische Floskeln nicht hinaus. Mit anderen hingegen ergeben sich "interessante" Situationen, die manchmal hart an der Grenze des Erträglichen gelegen waren. Und selbst wenn sie es überspitzen und gar nichts ernst meinen, uns Deutsche nur ein wenig necken wollen - ... Nun gut. Glücklicherweise sind die sehr kosmopolitischen und wahnsinnig gebildeten hier in der Überzahl!
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