Cape Breton Island, 13.-16.08.

Trip Start Mar 19, 2010
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Trip End Mar 19, 2011


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Flag of Canada  , Nova Scotia,
Friday, August 13, 2010

Am Freitag morgen geht es wieder los, dieses Mal werd ich knapp 24 Stunden unterwegs sein, bis ich an meinem nächsten Ziel ankomme. Zuerst werde ich vom Shuttle in Norris Point abgeholt und nach Corner Brook gefahren. Dort habe ich ein paar Stunden Aufenthalt, bis das nächste Shuttle losfährt. Das ist eben der Nachteil hier in Neufundland ohne Auto unterwegs zu sein: man ist immer auf die Busse und Shuttles angewiesen und die Fahrzeiten sind nicht gerade das, was man synchronisiert nennen könnte. In Corner Brook werde ich an der „Shopping Mall" abgesetzt. Errrr…. Shopping mall ist echt etwas übertrieben für das, was es hier gibt. Aber gut, ich will nicht weiter klagen, setze mich eine Stunde in den gegenüberliegenden Tim Hortons (Canada's Antwort auf Starbucks)bis die Batterie von meinem Laptop leer ist, danach ziehe ich in einen Pizzaladen weiter, wo ich eine Steckdose am Tisch hab und munter weiterschreiben kann.

Das nächste Shuttle bringt mich dann von Corner Brook aus nach Por-aux-Basques, das ist der Fährhafen am südwestlichen Ende von Neufundland, von wo aus die Fähren nach Nova Scotia abfahren. Die Überfahrt dauert ca. 7 Stunden. Ich wäre eigentlich rechtzeitig am Hafen, um die Fähre um 20 Uhr zu nehmen, nur hätte ich dann das Problem, dass ich mitten in der Nacht in North Sydney sitzen würde, und keine Möglichkeit hätte, ins nächste Hostel zu kommen. Und selbst WENN, dann wäre um 4 Uhr morgens niemand da, um mir die Tür aufzumachen! J

Also beschließe ich, die Fähre um Mitternacht zu nehmen, dann bin ich kurz nach 7 Uhr in Nova Scotia und das Shuttle fährt direkt nach Fährankunft Richtung Süden und ich komme rechtzeitig zu den Öffnungszeiten im Hostel an. Der Plan ist, dass ich um Mitternacht sicher auch müde genug bin, um während der Überfahrt schlafen zu können, auch wenn ich nur einen normalen Sitz haben werde, da die „Sleepers“ alle schon ausgebucht sind.

Die Zeit bis zur Abfahrt vertreibe ich mir mit ein paar Gesprächen mit allen möglichen Newfies, denn sobald sie einen großen Rucksack sehen, fangen sie natürlich alle an zu fragen, wo man denn her ist und was man hier macht, wo man hinfährt, wo man in Neufundland war und ob man wiederkommt. Die Newfies sind sich da sehr viel sicherer als ich: ich finde bestimmt den Mann fürs Leben und der wird aus Neufundland sein und dann ziehe ich hierher und bleibe für den Rest meines Lebens! J Wirklich, den Satz hab ich mehr als einmal gehört! Die Leute lieben ihr Land eben ganz besonders innig!

Als es dann endlich nach langer Wartezeit auf die Fähre geht (übrigens das Kreuzfahrtschiff unter den Fähren, wie mir (korrekt!!) erzählt wurde), geht es ans Sitze suchen. Und das ist gar nicht mal so einfach. Im gesamten Restaurant/Bar-Bereich sind nämlich freundliche Schilder aufgestellt, in denen man gebeten wird, sich nicht hinzulegen und nicht zu schlafen. Urgh. Prima. Es gibt allerdings ein Deck weiter unten einen Kinosaal, in dem nachts keine Filme gezeigt werden und dort kann man sich ein wenig breiter machen und darf auch die Äuglein schließen.

Ich suche mir einen Platz weit hinten, hab eine komplette Kinositzreihe für mich alleine und versuche dann zu schlafen. Was sich sehr bald als recht schwierig herausstellt. Ich hab zwar eine ganze Reihe für mich, aber die Armlehnen lassen sich nicht hoch- und die Rückenlehnen nicht zurückklappen. Hmpf. Und: es ist kalt. Es ist richtig kalt. Klimaanlagen in allen Ehren und sie machen bei einem so großen Saal sicher Sinn, um noch einigermaßen Luft zu bekommen – aber ich erstinke lieber anstatt zu erfrieren!!

Hätte ich das geahnt, hätte ich mir einfach meinen Schlafsack mit an Bord genommen, aber der ist natürlich zusammen mit meinem Rucksack eingecheckt. Genauso wie meine Winterjacke. Hm. Es gibt eine Steckdose direkt neben mir. Und somit wird mein Laptop zum Retter in der Not. Eingestöpselt, angeschaltet, der Akku wird in minutenschnelle warm und ich kann mich mit meinem Laptop „zudecken“. J Zumindest macht es warm genug, um mich nicht mehr bibbern zu lassen und ich kann tatsächlich ein bisschen einnicken. Immerhin so lange, bis das Laptop sich selbst auf Standby schaltet. Und wieder kalt wird…

OK, Schlaf soll einfach nicht sein. Ich gebe gegen 5 Uhr auf und gehe nach oben, um dann wenigstens den Sonnenuntergang sehen zu können. Der lässt zwar auch noch eine Weile auf sich warten, ist dann aber sehr sehenswert. Ich meine, wann ist man schon mal früh genug wach, um einen Sonnenaufgang zu sehen (ich spreche vom Sommer, und Urlaub, nicht Winter, auf dem Weg zu Arbeit J ).

Recht pünktlich gegen 7 Uhr kommen wir dann auch in North Sydney (immer noch Canada) an und das Gepäck wird auch flott angeliefert. Das Shuttle wartet beim Taxi-Stand und wir sind ungefähr eine Stunde unterwegs bis wir im „Bear on the Lake“ ankommen. Und…. was soll ich sagen… das ist ungefähr das tollste Hostel, in dem ich bisher untergekommen bin. Der helle Wahnsinn. Zum einen die Lage: völlig abgelegen, auf einem Hügel, und von der Terrasse ein herzerfrischender Blick auf den Bras D’Or Lake. Das Haus ist riesig, ist hochwertig ausgestattet und eingerichtet, überall sind kleine liebevolle Deko-Gegenstände, es gibt ausreichend gemütliche Couchen, einen riesigen Esstisch, zwei Hängematten und gemütliche Zimmer mit seeeeeehr gemütlichen Betten. Und meins nutze ich dann auch sofort aus. Ich bin immer noch durchgefroren, vermutlich weil übermüdet und döse ein paar Stunden vor mich hin, bevor ich dann aufstehe und diesen Platz richtig erkunde!

Sehr bald wird klar, warum das Hostel hier einen so besonderen Charakter hat: es ist alles wegen Kat! Kat managt das Hostel seit der Eröffnung vor drei Jahren und man merkt, dass sie wirklich mit Herz und Seele dabei ist. Das hier ist ihr zuhause, es ist ihr Baby, die Gäste ihre Familie, ihre Freunde und neben viel Zeit steckt sie auch noch viel Geld rein. Alles was hier an Deko zu sehen ist, hat sie nicht aus einem Budget heraus gekauft, sondern von ihrem eigenen Gehalt. Sie schmeißt den ganzen Laden hier alleine. Von Mai bis Oktober, Montag bis Sonntag, Minimum 10 Stunden am Tag. Jeden Tag. Und sie hat immer immer immer immer ein großes Lächeln im Gesicht und begrüßt jeden mit dem gleichen Enthusiasmus, als wäre es ihr allererster Gast. Man spürt wie viel Freude ihr dieser Job bereitet, wie gerne sie für die Gäste da ist, wie stolz sie auf das Haus ist, dessen Atmosphäre hauptsächlich SIE geschaffen hat. Ohne ihre unermüdlichen Einsatz wäre das Hostel trotz aller äußerlichen Vorzüge nicht das, was es heute ist. Schon in Moncton hab ich viele Gäste getroffen, die vorher im Bear on the Lake waren und jeder einzelne hat davon geschwärmt. Und nun verstehe ich wieso. J

Zwischen Kat und mir hat es sofort geklickt und spätestens als sie hört, dass ich im C’Mon Inn gearbeitet hab, sind wir für die nächsten Tage so gut wie unzertrennlich. Am ersten Tag (nachdem ich ausgeschlafen hab) fragt sie, ob ich Lust habe mit an den Strand zu kommen während ihrer Mittagspause. Was für eine Frage! Strand? Natürlich jederzeit!!!

Sie braucht heute etwas länger für ihre Schicht, ich geh ihr dafür hier und da zur Hand (ich weiß ja was zu tun ist), und etwas verspätet gegen 14 Uhr fahren wir los zum Strand. Es ist der Mabu Beach (fehlt nur das „li“, um es richtig interessant zu machen!) und einer der beliebtesten Strände bei den Locals hier. Und Kat hat es in den letzten drei Jahren noch nicht ein einziges Mal geschafft hinzufahren. Wie gut, dass ich endlich da bin! J Hach. Das Meer. Einfach immer wieder schön! Egal wo, egal bei welchem Wetter. Der erste Blick aufs Wasser, wenn man über die Dünen schaut – unbezahlbar! Wir legen uns erstmal eine Weile in die Sonne und genießen den wunderschönen Tag, aber es hält uns nicht lange am Platz und wir stürzen uns ins Wasser! Einfach genial! Und für canadische Verhältnisse sogar einigermaßen warm! Und: es gibt hier keine Quallen – das macht das ganze gleich zu einem viel entspannteren Vergnügen!

Nach unserem Plansch begeben wir uns wieder an den Platz an der Sonne und genießen und genießen und genießen… schlafen eine Weile ein, werden vom Geschrei vom Beachvolleyballnetz wieder aufgeweckt und machen uns dann kurz nach vier verdöst wieder auf den Rückweg. Unterwegs halten wir noch im Supermarkt an, weil Kat für heute Abend ein Barbecue-Potluck angesetzt hat. Ein Potluck ist eine Party, zu der jeder irgendwas mitbringt und das dann von allen gemeinschaftlich verspeist wird. Mit ein bisschen Glück gibt’s ein abwechslungsreiches Buffet, ich hab aber auch schon von Potlucks gehört, wo es nur Nudelsalat gab. J

Heute Abend haben wir aber Glück und es gibt Steak und Würstchen und Hamburger, Salat, Knobi-Brot, Chips mit Spinat-Dip, Maiskolben, Avocados…. Einfach allerhand leckere Sachen. Wir bereiten alles gemeinsam zu, die Küche gleicht einem Bienenstock, jeder ist irgendwo irgendwas am Schnibbeln und der Berg an Salat wächst unermüdlich, genauso wie der Berg mit Fleisch, der zum Grillen vorbereitet wird. Es wird ein Grillmeister auserkoren, der mit den Maiskolben zur Vorspeise anfängt und dann futtern wir uns durch alles, was der Grill so hergibt. Es ist ein toller Abend mit tollen Menschen in einem tollen Haus – unvergesslich. Und nicht zu verachten ist auch Kat’s Caesar. Der Caesar ist wohl der beliebteste Cocktail in Canada – und keiner weiß wieso. Prinzipiell ist es eine Bloody Mary (also Tomatensaft mit Wodka, Salz, Pfeffer, Tabasco), allerdings wird für den Caeasar kein Tomatensaft sondern Clamatojuice benutzt. Clamato ist eine Mischung aus Clam und Tomato. Und Clams sind nunmal Muscheln. Ja, Clamatojuice ist aus Tomatensaft und Muschelbrühe gemacht. Und daraus wiederum macht man in Canada den Caesar. Klingt irgendwie komisch, ist aber so. Und es ist tatsächlich lecker, wenn man sich mal drauf einlässt. J

Nach dem Essen machen wir alle zusammen das Geschirr und danach gibt es noch ein Lagerfeuer – ein Abend, der einfach alles hat! Kat bringt dann auch noch die zum Lagerfeuer dazugehörigen Marshmallows und wir alle sind – nach wie vor – satt und glücklich! J

Am nächsten Morgen ist erst mal ausschlafen für mich angesagt. Nach der schlaflosen Nacht auf der Fähre und dem langen Tag, der erst nach 1 Uhr am Lagerfeuer geendet hat, brauch ich das jetzt wirklich. Leider muss ich mich noch vor dem Frühstück in aller Eile von Jana verabschieden. Jana ist aus Bad Kreuznach (!!!) und arbeitet zur Zeit als Praktikantin im HI Hostel in Halifax. Auch wenn sie erst süße 18 Jahre alt ist, haben wir uns prima verstanden und es ist wirklich schade, dass ihr Shuttle ungefähr 2 Stunden zu früh da ist und sie nun in Hektik aufbrechen muss.

Dafür kommen nach dem Frühstück schon gleich die guten Neuigkeiten: Kat plant für heute einen kleinen Roadtrip zum Cabot Trail. Da stimme ich gleich begeistert zu, denn ich hab keine Ahnung, ob ich sonst nochmal eine Gelegenheit finden werde, den Cabot Trail zu sichten. Denn: als Trail verstehe ich eigentlich einen Wanderweg. Und als mir Jenai im C’Mon Inn gesagt hatte, dass sie vom Bear on the Lake einen Tagesausflug von ca. 6 Stunden auf den Cabot Trail gemacht hat und auf der Website stand, dass das Hostel nur 10min vom Beginn des Cabot Trails entfernt liegt… ja, da hab ich gefolgert, dass ich nur ungefähr 10min Anhalter fahren muss, bevor ich dann 6 Stunden wandern kann. Haha! Willkommen in Canada! Hier heißt Trail nämlich nicht nur Wanderweg, sondern auch… hm… Panoramastrecke??? So oder so ähnlich, denn man braucht für den Cabot Trail ungefähr 4-7 Autostunden!! Upsi. Das war dann wohl eine kleine Fehlinterpretation. Aber wie gut, dass es Kat gibt! Und wie gut für Kat, dass es mich gibt! Wir fahren nämlich (wiederum nachmittags nach ihrer Schicht) zum Skyline-Trail. Hier bedeutet Trail dann wiederum Wanderweg. Und der Skyline Trail ist einer der Top-Trails am Cabot-Trail. Wir fahren aber erstmal gut 1,5 Stunden bis wir dort sind, und der Weg dahin ist schon sehr, sehr schön. Durch Wälder, Felder, kleine Dörfchen, Berge, Seen, und wieder Wälder, Felder…. Sehr idyllisch und man versteht auf Anhieb, weshalb der Cabot Trail so beliebt ist. An der Einfahrt zum Nationalpark muss ich Kat regelrecht das Eintrittsgeld in die Hand zwingen. Wenn sie mich hier schon tagelang rumfährt, möchte ich mich wenigstens mit den Kosten für den Eintritt revanchieren, denn Kostenteilung fürs Benzin schlägt sie aus.

Der Skyline-Trail hält dann auch wirklich das, was er verspricht: er heißt Skyline, weil er ganz oben auf einem Bergrücken angesiedelt ist und man läuft durch Wald und Busch-Gestrüpp und –Dickicht hindurch, bis man von ganz oben aufs Meer schauen kann. Einfach wunderbar! Es ist – mal wieder, wie sollte es anders sein – ein wunderbar sonniger, heißer Tag und wir atmen die frische Luft aus dem Wald und den Gräserduft um uns herum ein. Der Weg ist toll angelegt, ähnlich wie im Gros Mornes Nationalpark sind auch hier weite Teile mit Holzstegen versehen, so dass man nicht über Stock und Stein stolpert. Der Skyline Trail wird auch der „Hollywood Boulevard“ des Cabot Trails genannt, da er wegen seiner Beliebtheit eben eine ziemlich große Zahl von Besuchern anlockt. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn so kann uns eine der Besucherinnen, die uns entgegenkommt, mitteilen, dass sie gerade einen Baby-Elch gesehen hat! Ein Stückchen weiter vorne links, wir sollen uns vorsichtig annähern und die Augen offenhalten. Wow! Sollte das tatsächlich klappen? Wo wir in Bonavista stundenlang in der Abenddämmerung herumgefahren sind und nicht ein einziger Elch sich uns zeigen wollte, sollte ich tatsächlich heute in hellstem Tageslicht endlich meinen ersten kanadischen Moose sehen?!?!? Wir laufen aufgeregt weiter und konzentrieren uns voll und ganz auf die linke Seite des Weges, um vielleicht wirklich den kleinen (wie groß ist eigentlich klein??) Baby-Elch zu sehen. Allerdings… will sich da nichts tun. Wir fangen also bald wieder an munter zu erzählen und denken, dass wir an der benannten Stelle schon vorbei sind. Das sind wir vermutlich auch, denn der Baby-Elch taucht nicht mehr auf. Dafür schaue ich irgendwann nach rechts und - verstumme mitten im Satz, packe Kat am Arm und zeige nur stumm auf einen Platz im Gestrüpp. Dort steht nämlich der ungefähr größte Elch, den ich mir vorstellen kann. Wenn der überhaupt irgendwas mit dem Baby-Elch zu tun hat, dann ist es wohl der Papa oder Opa, auf jeden Fall ist er riesig!! Riesig!! Wirklich RIESIG!!! Und er steht vielleicht gerade mal 20m von uns entfernt und kaut gemütlich an einem kleinen Bäumchen herum. Wir stehen nur ehrfürchtig und ungläubig da, kommen aus dem Staunen und Fotografieren nicht mehr heraus und freuen uns über unser Glück und hoffen gleichzeitig, dass der Elch mindestens genauso begeistert davon ist uns zu sehen wie anders herum. Was man sich nämlich nicht wünscht ist, dass man sich den Ärger dieses riesigen Tieres zuzieht. Ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, WIE groß so ein Vieh tatsächlich ist. Das hat mit einem europäischen Hirsch ungefähr soviel gemeinsam wie ein Yorkshire Terrier mit einer Deutschen Dogge! Der Moose ist schätzungsweise so groß wie ein großes Pferd, aber deutlich massiger gebaut, mit riesiger, kräftiger, muskulöser Brust… und ja, genau… da war doch auch noch dieses riesige Geweih. Oh Mann!! Im Bear on the Lake hängt ein Geweih an der Wand und das sieht ziemlich groß aus. Aber verglichen mit dem hier erscheint es uns geradezu lächerlich. Ja. Wir sind beeindruckt. Sehr. Und staunen weiterhin dieses faszinierende Tier an, bis der Gute sich schließlich an uns satt gesehen und am Bäumchen satt gegessen hat und er weiter seines Weges zieht. Wir sind vor lauter Überraschung und Unfassbarkeit eine ganze Weile sprachlos (und das passiert selten, wenn Kat und ich zusammen sind).

Wir finden unsere Sprache wieder, als wir aus dem Wald herauskommen und das Meer von ganz oben sichten können. Blauer Himmel, grüne Berge, dunkelblaues Wasser – die Farbkombination ist immer wieder hinreißend! Wir freuen uns über den wunderschönen Tag, machen ein paar Fotos, genießen den An- und Ausblick und die Sonne – und laufen dann den gleichen Weg wieder zurück zum Auto, dieses Mal jedoch ohne Elch, weder Baby noch Papa.

Auf der Fahrt zurück ins Hostel geben wir ein bisschen Gas, da Kat sich sorgt, weil sie nun zum zweiten Mal hintereinander zu spät ihre Schicht anfangen wird und sie befürchtet, dass die Gäste denken könnten, dass sie das immer so macht. Ich vermute mal, dass es jedem klar ist, dass das Haus nicht so aussehen würde und nicht diesen Vibe hätte, wenn sie tatsächlich jeden Tag mehr Zeit am Strand als im Hostel verbringen würde. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sie nur selten wirklich zu den angegebenen Zeiten arbeitet, sondern auch in ihrer Freizeit noch immer ein Strahlen für die Gäste hat und wirklich jederzeit behilflich ist, hat sie sich eine etwas verlängerte Mittagspause verdient. Und ihr Chef (der gerade in Europa Urlaub macht) sagt ihr später am Telefon genau das und freut sich, dass sie mal ein bisschen Quality Time außerhalb des Hostels hatte!

Am Abend hat sie dann noch gute Neuigkeiten für mich: ich kann die darauffolgende Nacht auch noch bleiben. Ich hatte ursprünglich nur 2 Nächte gebucht – nicht wissend, was für ein tolles Hostel mich hier erwarten würde. Ich wird zwar vermutlich nicht in einer der Dorms untergebracht sein, aber das Futon-Bett, das Kat mir stattdessen anbietet, schaut verdammt gemütlich und vor allem groß aus! Ein ziemlich guter Deal! J

Nach dem Abendessen gibt es wieder ein Lagerfeuer und Julia aus Österreich und ich schaffen es, einen Rideshare für den nächsten Tag zu finden: Chris aus Toronto wird uns mit zum Cabot-Trail nehmen und die komplette Runde mit uns drehen. Er ist mit seinem Sohn unterwegs, und die beiden haben allerhand an Camping-Utensilien dabei. Er wird das ganze Auto für uns ausräumen, damit wir diese für uns einmalige Mitfahrgelegenheit nutzen können. Wir feiern diese Aktion am Lagerfeuer mit Marshmallows, Smores und Stockbrot und gehen wieder eingeräuchert, satt und glücklich schlafen.

Am Montag Morgen stehen wir dann recht früh wieder auf, da wir spätestens gegen 9 Uhr losfahren wollen. Chris ist für den Abend in Prince Edward Island fürs Hostel gebucht und muss daher am Nachmittag noch irgendwann die Fähre dorthin erwischen. Nach dem Frühstück laden wir also gemeinschaftlich sein Auto aus und lagern alles für den Tag bei Kat im Büro ein und dann – dann geht’s los zum Roadtrip auf den Cabot Trail. Wir haben von einer australischen Reisegruppe noch die Eintrittskarten vom Vortag bekommen (die bis 16 Uhr des Folgetags gültig sind) und können somit sogar kostenlos in den Nationalpark reinfahren. Und wir müssen gar nicht weit in den Park hineinfahren, bis wir die ersten Stellen finden, die uns staunen lassen und wir halten für diverse Fotostopps an. Der erste Halt ist an einem kleinen Rastplatz, von dem aus man mit Blick nach vorn das Meer sieht, rechts von uns ist ein riesiger roter Sandsteinfelsen und hinter uns liegen waldbewachsene grüne Berge. Danach halten wir an verschiedenen Stellen, von denen man einen atemberaubenden Blick aufs Meer hat. Auch heute spielt das Wetter wieder mit: strahlend blauer Himmel, nicht ein Wölkchen ist zu sehen, und die Natur präsentiert sich uns in allerbestem Licht. Wir könnten es uns nicht besser wünschen! Das Meer schmiegt sich in tiefem Dunkelblau an die dunkelgrün bewachsenen Berge, hier und da ist ein kurzer Abschnitt Strand zu sehen, ein paar kleine Dörfchen hier und da, wir halten in einem winzigen Fischerörtchen (wo wir leider nichts zu essen finden), treffen an unseren Stopps auf die immer wieder gleichen Leute (eine asiatische Familie, ein Pärchen aus Québec mit einem putzigen Golden Retriever, und ein Biker-Pärchen) und fahren so den ganzen Cabot-Trail ab, der mehrere hundert Kilometer lang ist. Bevor wir endlich etwas zu essen finden (Tipp: wer sich mit dem Gedanken trägt, ein kleines Café oder Restaurant zu eröffnen: der Cabot-Trail eignet sich hierfür wunderbar! OK, nur für etwa 4 Monate im Jahr – aber es ist echt malerisch hier und es wäre mehr oder weniger ein Monopol!), „müssen“ wir erst noch einen Zwischenstopp am Green Cove einlegen. Das ist meiner Meinung nach der spektakulärste Halt auf unserer ganzen Tagestour. Wir befinden uns hier zwischenzeitlich auf der Ostseite von Cape Breton Island, die zum Atlantik hin mehr oder weniger offen ist und somit plätschert das Meer hier nicht vor sich hin wie auf der Westseite, sondern donnert mit Wucht gegen die Felsen! Der Küstenabschnitt hier ist übersät von großen Felsbrocken und man kann etwa zweihundert Meter auf den Brocken entlangbalancieren, bis man ganz vorne ist, sozusagen in der ersten Reihe, wo einem die aufspritzende Gischt erfrischend kühl ins Gesicht weht. Wir stehen lange Momente nur glücklich und aufs Meer staunend da und freuen uns, dass wir diese Stelle hier gefunden haben. Für mich ist das hier das absolute Highlight und die ganzen Stunden Fahrt haben sich alleine für diesen Anblick hier schon gelohnt. Und somit der Rest des Ausflugs mehr oder weniger nur noch „nach hause fahren“. Wir halten unterwegs noch an einem kleinen Café (endlich!!) an, wo ich mir nicht verkneifen kann, an Eis UND ein Sandwich zu essen, dann setzen wir noch mit einer Mini-Fähre über einen Meeresausläufer über (es passen ungefähr 20 Fahrzeuge drauf und die Überfahrt dauert keine 2 Minuten), und dann sind wir auch schon bald wieder zurück im Bären, helfen Chris und seinem Sohn beim Wiederbeladen des Autos und verabschieden uns mit  großem Dank von den beiden. Ohne sie hätte unser Aufenthalt im Bear on the Lake jede Menge Fotos weniger eingebracht. Der Cabot Trail ist wirklich eine Reise wert und man könnte gut 1-2 Wochen hier verbringen, wenn man viele der Wanderungen, die im Park angeboten werden, machen wollte.

Kat hat zwischenzeitlich meine Sachen in mein neues „Notzimmer“ gebracht. Notzimmer deshalb in Anführungszeichen, weil es ungefähr das genialste Einzelzimmer ist, das ich mir für ein Hostel vorstellen kann!! Es ist zwar eigentlich nur der Durchgang von den Privatzimmern in das semi-private Bad, aber: es ist ein Einzelzimmer. Mit einem Bett – einem großen Bett! Und ich hab nen Balkon direkt neben meinem Bett. Mit Blick auf den See! Insgesamt also eine deutliche Verbesserung zur Dorm die letzten beiden Nächte und ich zahle den gleichen Preis. Hach, ich könnte Kat direkt umarmen. Und das mache ich dann auch! Ich gehe nach unten, finde sie im Büro und drücke sie ganz fest und danke ihr für das tolle Zimmer heute, die wunderbaren letzten Tage hier, für deren Glückseligkeit hauptsächlich sie zuständig war und generell für diesen unglaublichen Ort der Erholung, den sie hier geschaffen hat. Wir stehen uns ziemlich gerührt gegenüber und so wie ich gerne noch länger bleiben würde, so gerne würde sie mich für den Rest der Saison hierbehalten. Sie ist auf jeden Fall eine der Personen, von denen ich mir sicher bin, dass wir uns irgendwann irgendwo wiedersehen werden. Sie wird nach der Saison im Bären eine Weile bei ihren Eltern wohnen, lädt mich schon mal vorsorglich für Weihnachten ein, und für die Zeit nach den Feiertagen wird sie neue Reisepläne schmieden. Möglicherweise steht für sie Australien auf dem Ticket. Aber es könnte auch „nur“ Florida werden. Sie wird das richtige Ziel schon zum richtigen Zeitpunkt für sich entdecken. Genau so wie ich auch. Während meiner Zeit in Cape Breton Island habe ich meinen weiteren Weg beschlossen. Anstatt über Moncton nach Bangor (Maine), Boston und New York zu fahren, stoppe ich nach wie vor geplant in Moncton, fahre dann aber nach Quebec City, weil ich das dummerweise verpasst und danach sehr bereut habe. Wie es der Zufall will, wird Sara zeitgleich mit mir in Moncton sein. Wir hatten die letzten drei Wochen im C’Mon Inn zusammengearbeitet und sie ist gerade dabei, von Halifax nach Montreal umzuziehen. Wir treffen beide am Dienstag in Moncton ein, gehen dann am Mittwoch zusammen mit Monique und ihrem Bruder zum Hummerfischen auf See, und sie wird mich am Donnerstag mit auf die weitere Reise nehmen und in Quebec City absetzen, bevor sie nach Montreal weiterfährt. Nach Quebec City werde ich sie noch zwei Tage in Montreal besuchen, von dort aus mit dem Bus nach New York City, Washington DC, Pittsburgh, Detroit und Chicago weiterfahren, nach Kansas City fliegen und im Anschluss einen weiteren Flug nach Saskatoon nehmen. Saskatoon ist dann wieder in Canada, in der Prärieprovinz Saskatchewan und ich werde 3-4 Wochen auf einer Pferdefarm in Humboldt arbeiten, einem kleinen Städtchen ca. 100km außerhalb von Saskatoon. Meinen Aufenthalt in Humboldt vereinbare ich heute abend fest am Telefon mit der Besitzerin Carol, die eine Seele von Mensch sein muss. Ihren Fragen nach zu urteilen, hat sie wohl schon allerhand an Wwoofern erlebt und fragt mich u.a. ob es für mich ok ist mit Tieren zu arbeiten (auf einer Pferdefarm? Klar!), ob ich mit vegetarischem Essen zurechtkomme (nach dem ganzen Fast Food der noch vor mir stehenden Reisezeit? Gerne!) und ob ich in einer abgelegenen Gegend was mit mir anzufangen weiß (lesen, schreiben, mit den Pferden Zeit verbringen, mit den Hunden spazieren gehen… Eindeutig ja!). Ich bin überglücklich über die Zusage, und wir feiern die neuen guten Aussichten mit einem tollen Dinner – und vielen, vielen Gedanken und Ideen über vergangene und zukünftige Reisen.
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