Trainingstag im C'mon Inn Hostel

Trip Start Mar 19, 2010
1
12
17
Trip End Mar 19, 2011


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow
Where I stayed

Flag of Canada  , New Brunswick,
Wednesday, March 31, 2010

Heute ist Trainingstag für mich. OK, sagen wir Trainingsvormittag. Also, so 2 Stunden. Und zwar zusammen mit Morgan, dem potentiellen neuen Besitzer. Cindy hatte mir gestern abend noch gesagt, dass sie vorhat, das Hostel zu verkaufen. Das Pärchen, das sich jetzt ernsthaft dafür interessiert, will innerhalb des Aprils alles zum Abschluss bringen. Sie sind auch aus Moncton und wollen das Hostel so übernehmen wie es ist. Andere Interessenten wollten einfach zu viel verändern, weshalb Cindy dann bisher noch nicht verkauft hatte. Es soll nach Möglichkeit so gut es geht in ihrem Sinne weitergeführt werden.

Damit Cindy nicht alles doppelt und dreifach erklären muss, machen wir die Tour zusammen. Wir fangen ganz unten im Keller an, wo zweimal täglich der „Dehumidifier" entleert werden muss. Es ist eben ein relativ altes Gebäude und der Keller ist aus Sandstein und somit ziemlich feucht. Deswegen wurde ein Trockengerät aufgestellt (eine Nummer kleiner als das von meinem Küchenwasserschaden und dankbarerweise auch nicht ganz so laut), das täglich gut und gerne 10 Liter Wasser aus der Luft holt. In den Keller kommt man durch das Badezimmer des einzigen Private Rooms, der im Erdgeschoss vermietet wird. Ich bin ziemlich dankbar für den Hinweis, dass man beim Entleeren des Trockengeräts besser die Badezimmertür abschließt. So vermeidet man nämlich, dass jemand evtl. nicht mitbekommen hat, dass wer in den Keller gelaufen ist und man diesen jemand am Ende unter der Dusche oder aufm Klo erwischt…!!!

Wie gesagt, gibt es dann im Erdgeschoss noch das Bad, das zum Private Room dazugehört und noch eine einzelne Toilette. Der Private Room selbst ist sehr gemütlich eingerichtet, hat ein Queen Size Bed, einen schönen alten Holzschrank, ein großes Fenster mit Blick auf die Fleet Street und ist dunkelgrün gestrichen, während das Bett in Bordeaux gehalten und leicht orientalisch angehaucht ist. Im Erdgeschoss befindet sich auch der Big Room, der allerdings im Moment nur wenig genutzt wird, da so wenige Gäste da sind. Im Sommer halten sich aber viele oft und gerne hier auf. Hier gibt es auch ein riesiges Bücherregal, in dem Backpacker Bücher austauschen können – eins dalassen, eins mitnehmen. Im Flur vorm Big Room sind allerlei Broschüren über die Gegend rund um Moncton zu finden. Egal ob man nach Nova Scotia, Prince Edward Island (die kleinste Provinz in Canada) oder einfach nur nach St. John möchte – hier kann man sich über alle möglichen Touren informieren. Das will ich dann zu gegebener Zeit auch mal tun. Sobald ich mal einen Tag frei habe, will ich mir ein Auto mieten, und die Gegend ein wenig erkunden.

Im 1. OG befinden sich dann die „Haupträumlichkeiten“ des Hostels: die beiden Dorms, davon eine gemischte mit 5 Betten und ein Mädchenschlafsaal mit 3 Betten, die Küche, das Bad, der Orange Room und der Sun Room . Das 5-Bett-Zimmer ist ausreichend groß und hat für jeden Reisenden auch einen abschließbaren Schrank. Wobei das hier fast unnötig ist, da eh jeder jeden kennt. Aber manchmal gibt es dem ein oder anderen eben doch ein wenig mehr Sicherheit, wenn er/sie seine Wertsachen wegschließen kann.

Das Mädchenzimmer hat mehrere Einbauschränke, so dass diese keinen Platz wegnehmen, was ganz gut ist, weil das 3er-Zimmer insgesamt doch etwas kleiner ist. Aber wie lange hält man sich schon im eigentlichen Schlafzimmer auf? Vor allem, wenn man ein so schönes Wohnzimmer hat, wie hier den Orange Room. Wie der Name schon sagt, sind die Farben in warmem orange und gelb gehalten. Es gibt 2 Couchen, einen gemütlichen Rundsessel und ein Computerterminal, das von den Gästen genutzt werden kann. Zum Glück gibt es aber auch Wifi, so dass ich meinen Laptop fast überall im Haus nutzen kann.

Die Aufgaben, die für uns täglich anfallen, haben hauptsächlich dafür zu sorgen, es den Gästen so gemütlich wie möglich zu machen. D.h. wir stellen das Frühstück bereit, kochen Kaffee, räumen das Geschirr in der Küche weg, spülen das weg, was evtl. noch übrig geblieben ist, wir ziehen die Betten ab und machen sie neu, wir nehmen Reservierungen entgegen, wir checken Leute ein und aus, wir putzen die Bäder zwei mal täglich, wir waschen die Bettwäsche, die Handtücher und die Badematten, wir saugen das Haus von oben bis unten, leeren den Müll, räumen die Aufenthaltsräume auf, planen Touren mit den Gästen, machen Vorschläge, was sie in Moncton machen oder wo sie essen können, suchen Bus- oder Bahnfahrpläne heraus, helfen Hostels zu finden und zu buchen und und und… eben einfach alles, was im Hostelalltag so anfallen kann.

Cindy erklärt uns alles bis ins Detail, wie die Kaffeemaschine funktioniert, welches Putzmittel für welche Oberfläche verwendet wird, wo sich welche Sachen für die Betten befinden, welche Probleme die Waschmaschine ab und zu hat, wo man das Wasser abstellt, falls mal eine Lache irgendwo stehen sollte, wo der Staubsauger steht, wann der Müll abgeholt wird, was mit dem alten Leergut passiert, usw.

Das hört sich alles sehr unspektakulär und teilweise sicher auch ätzend an. Wer putzt schon gerne zwei mal am Tag zwei Bäder?! Und staubsaugen? Das große Haus! Und Betten machen… urgghh…! Ja, das ist alles richtig. Zuhause mache ich das wirklich auch nicht gerne. Aber hier seh ich das alles ein bißchen anders. Hier mache ich das hauptsächlich für die Gäste. Und von meiner letzten Reise weiß ich eben, wie schön das ist, wenn man nach einer ewig langen Fahrt oder einem langen Flug an einem Platz ankommt, an dem man ganz herzlich willkommen geheißen wird, und der sauber ist und man sich dort sofort auf Anhieb wohlfühlt. Man weiß, dass man nicht mit gerümpfter Nase in die Dusche steigen muss, man braucht sich keine Gedanken machen, welcher Dreck wohl zwischen den Zähnen der Gabel stecken, man hat keine Angst, den Kühlschrank anzufassen, man stellt gerne sein Essen ins dafür vorgesehene Regal – einfach weil alles sauber und ordentlich ist. Und dafür bin ich nun die nächsten Wochen mitverantwortlich: dass „unsere“ Gäste sich hier wohlfühlen und merken, dass sie hier für die Dauer ihres Aufenthalts ein echtes  Zuhause haben. Ein schönes Gefühl!

Später am Tag laufe ich mit Sergio zur Champlain Mall, eine der beiden großen Malls hier in Moncton. Hätte ich nicht für möglich gehalten, dass es in einem verhältnismäßig kleinen Stätdchen gleich zwei riesige Einkaufsmeilen gibt. Vielleicht hängt das aber auch einfach mit dem Wetter zusammen. Wenn ein großer Teil des Jahres einfach Winter und damit saukalt ist, hält man sich eben lieber irgendwo drinnen im warmen auf. Montreal und Toronto haben dafür eben ihre unterirdischen Städte, der Rest des Landes hat die Mall. Das Prinzip ist aber das gleiche. Sergio nennt die Mall „die Kathedrale“ der Kanadier – und ich vermute mal, dass es hier sonntags wohl auch tatsächlich voller ist als in allen Kirchen Moncton's zusammen.

Beim Abstecher in den benachbarten Liquor Store bin ich einigermaßen entsetzt, dass die Alkoholpreise hier anscheinend überall ziemlich hoch sind. Während man zuhause bei Aldi für 3-4€ schon einen sehr annehmbaren Wein finden kann, muss man hier für ein vergleichbares Produkt mindestens 12CAD hinblättern, was gleich mal 9€ sind. Wer sich also dazu berufen fühlt, ein kleines Care-Paket zu schicken, die Adresse findet ihr auf www.monctonhostel.ca! :-)

Am Abend geht’s dann auch gleich zum ersten gesellschaftlichen Ereignis in Moncton: wir gehen alle zusammen (Sergio, Liz, Cat, Nicolas, Candice, Jeremiah und ein französisches Pärchen, das mal eine Weile im Hostel gewohnt hat) ins Paramount, wo jeden Mittwoch abend Steve LeBlanc spielt. Er ist einer der vielen begabten Künstler hier in Moncton, steht alleine mit seiner Akustik-Gitarre auf der Bühne und wartet darauf, welche Musikwünsche ihm entgegengerufen werden. Und – kann davon restlos alles spielen! Der Typ ist einfach einmalig und wir haben einen riesen Spaß ihm zuzuhören. Einige Lieder sind mir allerdings völlig unbekannt, weil sie eben aus französisch-Kanada kommen, aber man sieht, wieviel Spaß er und wieviel Spaß sein Publikum dabei hat und freut sich einfach mit. Zu guter letzt machen wir noch eine Tour durch so ziemlich jede Kneipe in Moncton, bis wir im Irish Pub auf ein letztes Bier hängenbleiben und gegen 3 Uhr wieder im Hostel einkehren. D.h. es ist heute eine sehr kurze Nacht für mich, weil ich morgen früh die Schicht zusammen mit Candice machen will. Ich bin gespannt!!
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: